Alle schüttelten den Kopf. Dirk wurde mittlerweile von dem Kindermädchen versorgt. Denn es wurde doch etwas zu viel für den Kleinen. Vielleicht kommt Jerome nicht, dachte Janine. Das wäre vielleicht besser. Sie wusste aber auch, dass Frank ihn eingeladen hatte und ihn dabei haben wollte. Janine wollte gerade mal nach Dirk sehen, da blieb sie wie erstarrt stehen. Jerome stand bei Dirk und dem Kindermädchen. Dirk quietschte vor Freude und auch das Kindermädchen musste lachen. Jerome erblickte Janine.
„Hallo, Janine“, ging er ihr entgegen.
„Hallo, Jerome. Frank hat dich schon vermisst“, wollte sie das Gespräch gleich beenden.
„Und du, Janine?“, hielt er sie sanft am Arm fest.
„Du wurdest eingeladen, Jerome. Natürlich haben wir dich vermisst.“
Es klang gleichgültig, doch sie war es nicht. Sie hatte sich nach ihm gesehnt und hatte auch Angst vor der Begegnung. Schnell löste sie sich und suchte Dirk auf, um ihn ins Bett zu bringen. Jerome wurde schon von den anderen bemerkt und herzlich begrüßt. Marina kam gleich auf ihn zu und freute sich, dass er endlich gekommen war. Sie verstanden sich sehr gut.
„Du siehst wundervoll aus, Marina. Die neue Frisur steht dir ausgezeichnet.“
„Danke, für das Kompliment, Jerome. Wie geht es dir?“
„Wie soll es mir gehen, sieht man es mir nicht an?“
„Nein“, entgegnete Marina lächelnd.
Beide unterhielten sie prächtig. Als Janine zurückkam, sah sie, wie gut die beiden sich verstanden. Auf keinen Fall durfte sie eifersüchtig sein, denn es ging sie ja nichts an. Sie hatte sich ja für Frank entschieden. Jerome ließ Janine nicht aus den Augen. Wie toll sie heute aussah. Wenn er doch nur an Franks Stelle wäre. Er musste der glücklichste Mensch der Welt sein. Marina war nicht entgangen, dass Jerome immer wieder seine Blicke auf Janine richtete. Wie soll das weitergehen. Sie ist vergeben. Trotzdem machte sie sich etwas Sorgen um die beiden. Es wurde Abend. Jerome trank sehr viel. Seine Versuche mit Janine zu tanzen missglückten immer wieder. Wie gern hätte er sie in seinen Armen gehalten. Aber er wollte auch seinen Freund nicht hintergehen. Er musste seine Liebe vergessen. Frank tanzte ausnahmsweise mal nicht mit Janine, sondern mit Marina. Janine holte sich einen Drink und ging zur Terrasse. Plötzlich hielt sie jemand sachte am Arm zurück. Ihr Herz pochte wie wild. Ohne sich umzudrehen wusste sie, dass es Jerome war.
„Janine, bitte tanze einmal mit mir, bevor ich verschwinde“, hauchte er in ihr Ohr.
„Das bringt doch nichts, bitte lass mich“, flüsterte sie.
„Bitte einen Tanz, dann wirst du für immer Ruhe vor mir haben“, flehte er.
Janine drehte sich um und sah ihn erstaunt an. Was soll das heißen? Will er wieder ins Ausland? Sie sahen sich tief in die Augen und Janine ließ sich von Jerome schweigend zur Tanzfläche führen. Jerome nahm sie zärtlich in die Arme und beide schwebten über die Tanzfläche. Sie vermieden es sich anzusehen. Keiner sollte bemerken, welche Gefühle sie füreinander hatten. Vor allem nicht Frank. Jerome lenkte ihre Schritte zurück zur Terrasse. Einige ihrer Freunde suchten dort auch etwas Abkühlung und schauten zu ihnen herüber.
„Hallo ihr beiden. Wollt ihr auch etwas Abkühlung“, rief Holger.
„Ja, hier ist es etwas angenehmer“, nickte Janine ihm zu.
Da erst wurden die beiden aus ihren Träumen gerissen.
„Ich muss wieder zu Frank zurück“, wandte sie sich schnell an Jerome.
„Warte noch. Ich muss dir etwas sagen“, hielt er sie zurück.
„Warum? Es gibt nichts zu sagen“, schüttelte Janine den Kopf.
„Janine, bitte sieh mich an. Ich weiß, du glaubst mir nicht, nach allem was du über mich gehört hast, aber dies ist kein Spiel für mich. Ich liebe dich. Das sollst du wissen.“
Dabei hob er ihren Kopf, damit sie ihn ansehen musste. Ihre Blicke trafen sich. Janine sah seine wunderschönen, dunklen Augen, sein gut geschnittenes Gesicht, die schwarzen Haare, die etwas in sein Gesicht hingen.
„Bitte, Jerome, lass mich, ich muss zu Frank. Ich werde seine Frau. Das musst du akzeptieren.“
Beide waren etwas weiter in den angrenzenden Garten gegangen. Sie waren allein. Er konnte nicht widerstehen. Er nahm sie in seine Arme und küsste sie, voller Leidenschaft. Janine wollte nicht, aber sie konnte nicht anders. Die Sehnsucht nach ihm war zu groß. So ließ sie es geschehen.
„Ich möchte mit dir zusammen sein, dir zeigen, dass ich es ernst meine“, hauchte er ihr ins Ohr.
„Jerome, bitte. Das ganze hat doch keinen Sinn.“
„Bist du dir so sicher? Ich liebe dich, Janine. Schon als ich dich zum ersten mal gesehen habe.“
Er zog sie an sich. Sie bekam fast keine Luft mehr. Dann sagte sie etwas, was sie nie sagen wollte.
„Jerome, ich liebe dich.“
Sie vergaßen alles um sich herum und liebten sich leidenschaftlich.
„Jerome, bitte, was hab ich getan? Das kann ich Frank nicht antun. Er darf es nie erfahren.“
Sie sprang auf und floh, ohne ein weiteres Wort. Jerome wusste, dass er auch einen Fehler gemacht hatte. Nicht Janine gegenüber, aber Frank. Trotzdem wollte er Janine zeigen, wie sehr er sie liebte und nun wusste er, dass auch sie ihn liebte. Was sollte er jetzt tun. Langsam ging er zu den anderen zurück. Janine lief, unbemerkt von Frank, zu Dirk ins Kinderzimmer, setzte sich an sein Bettchen und weinte. Das Kindermädchen saß im angrenzenden Zimmer und wunderte sich. Frank sah sich suchend nach Janine um.
„Marina, hast du Janine gesehen?“
„Nein, sie wird bei Dirk sein“, entgegnete sie mit einem unguten Gefühl, weil sie auch Jerome vermisste.
„Ich werde sie suchen, Frank. Werde mal bei Dirk vorbeischauen.“
Marina ging nach oben.
„Ist Janine bei Dirk?“, wollte sie vom Kindermädchen wissen.
„Ja, sie kam eben.“
Leise öffnete Marina die Tür zum Kinderzimmer. Im Lichtschein sah sie weinend Janine.
„Was ist los, Janine? Was bedrückt dich? Heute solltest du glücklich sein.“
„Das bin ich ja, ich weine vor Glück“, log sie.
„Janine, ich bin deine Freundin. Mir kannst du nichts vormachen. So sieht das nicht aus. Rede mit mir, ich möchte dir gerne helfen.“
„Es ist alles in Ordnung, wirklich“ , genervt stand sie auf.
„Nix ist in Ordnung. Ich bin doch nicht blind. Es geht um Jerome. Die Blicke, die ihr euch zugeworfen habt, sprachen Bände. Ich hoffe, Frank und die anderen haben nichts bemerkt. Du hast dich in ihn verliebt? Stimmt das? Seit du ihn zum ersten mal gesehen hast.“
Janine sah Marina mit großen Augen an.
„Was sagst du da? Ich liebe Frank und werde ihn heiraten.“
„Du machst dir ja selber was vor. Du kannst mit mir offen reden, ich werde schweigen, dass weißt du doch.“
Janine sank in sich zusammen.
„Ich habe einen großen Fehler gemacht,“ fing sie an zu erzählen.
„Was für einen Fehler? Etwa, dass du Frank heiraten willst?“
„Nein, dass ist es nicht. Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen und mit dir über alles reden kann, aber das wirst auch du mir nicht verzeihen, schon wegen Frank. Ich verzeih mir selbst nicht.“
„Du hast mit Jerome geschlafen?“, schaute Marina ihre Freundin schockiert an.
„Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.“
„Ich mag Jerome, ich mag dich und mag Frank. Aber du weißt doch, wie Jerome ist. Es tut mir leid für Frank. Aber du und Frank, ihr gehört zusammen. Was willst du jetzt machen?“
„Heiraten, wie abgemacht. Ich habe Frank gern und werde ihn nicht enttäuschen. Jerome muss ich vergessen. Ja, ich liebe ihn. Aber das hat keine Bedeutung.“
„Janine, findest du nicht, dass das Unsinn ist. Du wirst nicht glücklich werden. Frank auch nicht. Ganz zu schweigen von eurem Sohn. Frank wird merken, dass was nicht stimmt. Willst du das wirklich?“
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