1 Was war los mit Jerome?
„Janine, ich bin mal kurz außer Haus. Bitte nimm alle meine Anrufe entgegen, du weißt ja über unsere Mandanten Bescheid und kannst ihnen weiter helfen, wenn es notwendig ist. Ich muss mal kurz nach Jerome sehen, er hat sich seit Tagen nicht gemeldet.“
„Wenn du gerade von ihm sprichst. Wieso hast du mir nie von ihm erzählt? Oder habe ich da etwas nicht mitbekommen.“
„Kann sein, dass ich seinen Namen nicht erwähnt habe, aber ich habe dir doch von einem Freund erzählt, der in Amerika lebt. Oder?“
„Ja, stimmt. Es fällt mir wieder ein. Also, dass ist Jerome gewesen?“
„Ja. Er ist seit ein paar Tagen wieder zurück und ich selbst habe ihn auch erst wieder auf meiner Party gesehen. Er lebte 6 Jahre in den USA. Ich erzähl dir Näheres, wenn ich wieder zurück bin.“
Frank küsste Janine auf die Wange und verließ das Büro. Jetzt konnte sie sich an einige Erzählungen erinnern. Frank flog auch ein paar mal in die USA. Aber nur kurz und viel berichtet hat er dann auch nicht. Sie erinnerte sich nur an einmal, als Frank verärgert sagte „der ändert sich nie“.
An der Wohnung angelangt, läutete Frank. Er hatte zwar einen Schlüssel, da er auf die Wohnung während der Abwesenheit von Jerome aufpasste, aber er wollte nicht einfach hineingehen. Keiner öffnete. Er läutete wieder. Wieder nichts. Er schloss die Tür auf und betrat die Wohnung.
„Hallo, Herr Heller, wollen sie zu Herr Dauten? Hat er ihnen nicht geöffnet?“
„Hallo, Frau Brand. Nein, Jerome hat nicht geöffnet. Ist er nicht zu Hause? Hab mehrmals geläutet, aber keiner öffnet.“
„Doch ich glaube schon“, wunderte sich die ältere Dame, die gerade an der Wohnung vorbei kam.
„Er kommt jede Nacht sehr spät nach Hause, nicht immer ganz leise. Da ich schlecht schlafe, habe ich ihn schon mehrmals gehört. So kannte ich ihn gar nicht. Er tut mir wirklich etwas leid. Ansonsten ist er ja ein liebenswerter, charmanter Kerl.“
„Ich werde mich mal umschauen. Danke, Frau Brand. Entschuldigen sie bitte das Benehmen meines Freundes. Ich werde mich um ihn kümmern.“
Frau Brand ging weiter und Frank durchsuchte die Wohnung.
„Jerome, bist du zu Hause? Jerome?“
Die Wohnung war aufgeräumt wie immer. Plötzlich hörte er aus dem Schlafzimmer eine Stimme.
„Frank, bist du das?“
Frank betrat das Schlafzimmer.
„Wie siehst du denn aus. Wieso liegst du mit deinen Klamotten im Bett? Hier riecht es ja wie in einer Kneipe. Warst du betrunken?“
„Zu viele Fragen auf einmal. Mir brummt der Schädel.“
Jerome strich sich mit den Fingern durch seine Haare.
„Wieso bist du eigentlich hier? Ist was passiert?“
„Nein, aber anscheinend ist etwas mir dir nicht in Ordnung. Du hast dich nicht gemeldet. Da machte ich mir Sorgen. Am besten gehst du unter die Dusche. Ich mach dir einen starken Kaffee.“
„Jawohl Häuptling, wird gemacht. Ist ne gute Idee“, grinste Jerome.
Frank ging zur Küche und bereitete 2 doppelte Espresso zu.
„So, jetzt fühl ich mich besser“, kam Jerome nur mit einem Handtuch bekleidet in die Küche.
Seine nassen, schwarzen Haare hingen ihm ins Gesicht und seine dunklen Augen schauten wieder schelmisch Frank an. Kein Wunder, dass Frauen auf ihn fliegen, dachte Frank. Aber Janine wird er nicht bekommen.
„Tut gut, dein Kaffee. Aber warum machst du dir Sorgen. Mir geht es gut. Hab etwas lange gefeiert. Du kennst mich doch, die hübschen Mädels“, verdrehte Jerome die Augen.
„Frau Brand hat mir erzählt, dass dies nicht das erste mal war, sondern jeden Abend. Sie macht sich etwas Gedanken. Du weißt ja, dass du so etwas wie ein Sohn für sie bist. Also, was ist los?“
„Na, jetzt ist‘s genug. Du bist doch nicht nur deshalb gekommen. Hallo, ich bin schon erwachsen. Wie du weißt. So und jetzt raus mit der Sprache?“
„Bevor du es von unseren Freunden erfährst, möchte ich es dir selbst sagen.“
„Mach nicht so geheimnisvoll.“
„Janine und ich werden wahrscheinlich heiraten. Ich möchte dich bitten, da Janine noch nicht zugesagt hat, sie dir aus dem Kopf zu schlagen. Trotzdem möchte ich, wenn es soweit ist, dich bitten mein Trauzeuge zu werden.“
Frank betrachtete Jerome aufmerksam. Jerome war einen Moment wie erstarrt. Also doch. Anscheinend hat sie sich für Frank entschieden. Er musste sich zusammenreißen. Frank durfte nicht merken, dass er Janine liebte.
„Wenn es soweit ist, gerne. Nun, ich beneide dich nicht. Ich liebe meine Freiheit. Aber du hast es verdient, glücklich zu werden. Ich wünsche dir, dass sie dir bald das „Jawort“ gibt.“
„Danke, Jerome.“
Frank umarmte seinen Freund.
„Ich möchte, dass wir die Sache zwischen mir und Janine vergessen. Dass sie deine Freundin ist, konnte ich ja nicht wissen. Also, nochmal entschuldige bitte.“
„Schon vergessen.“
„Aber eins muss ich dir sagen, Frank. Sie ist eine tolle Frau. In dieser Hinsicht beneide ich dich doch.“
Jerome klopfte Frank auf die Schulter. Beide unterhielten sich noch eine Weile.
„Wie sieht es aus, Jerome, dein Projekt in den USA ist beendet. Du wirst wieder bei deinem Vater einsteigen? Oder sehe ich das falsch?“
„Nein, du siehst es richtig. Für ein paar Jahre werde ich das wohl tun. Dann sehe ich weiter.“
„Das freut mich, dann sehen wir uns jetzt wieder öfter. So, jetzt muss ich wieder zurück ins Büro. Melde dich. Tschüss.“
„Mach ich. Muss mich jetzt auch mal bei meinem Vater blicken lassen. Bis dann.“
Jerome und Frank trafen sich von nun an häufiger, auch mit den anderen Freunden. Janine aber wollte nicht dabei sein. Endlich hatte Janine sich entschieden. Sie wollte Frank‘s Frau werden. Frank war überglücklich und berichtete es bei einem ihrer nächsten Treffen seinen Freunden.
„Nach langem Flehen hat sie mich endlich erhört und „Ja“ gesagt.“
„Herzlichen Glückwunsch.“
Alle klatschten und prosteten ihnen zu.
„Na endlich. Du hast ja auch lange genug warten müssen“, klopfte ihm Christoph auf die Schulter.
„Wie hast du das geschafft? Meinst du, ich sollte Selina auch mal einen Heiratsantrag machen?“
„Tu das. Mein alter Freund. Bin gespannt, ob du sie rum‘ kriegst“, lachte Frank.
Auch Janine hatte diese freudige Nachricht ihren Freundinnen erzählt. Sie saß mit Marina zusammen, um über die Hochzeitsfeier zu reden. Auch Selina kam hinzu, sie wollte sich um das Hochzeitskleid von Janine kümmern. Auch der Termin stand mittlerweile fest. Es gab viel zu planen. Die Gästeliste wurde erstellt, das Menue ausgewählt und mit Jan und Moritz besprochen. Die Trauung sollte im Garten von Franks Haus stattfinden. Die Einladungen wurden verschickt. Frank bestand unbedingt noch auf eine Verlobungsfeier. Dazu musste man auch die Einladungen an die besten Freunde verschicken.
Die Tage vergingen. Janine und Jerome gingen sich aus dem Weg, so gut es ging. Endlich war der Tag der Verlobungsfeier gekommen. Frank war aufgeregt. Als Janine die Treppe mit Dirk herunter kam und die Freunde begrüßte, konnte Frank den Blick nicht von ihr lassen.
„Du siehst wundervoll aus.“
Frank nahm lächelnd Dirk auf den Arm. Janine trug ein leichtes kurzes lachsfarbenes Sommerkleid aus Tüll mit tiefem Rückenausschnitt und schmalen gerafften Trägern. Der Rock umspielte ihre Hüfte und Beine. Dazu trug sie silberfarbene Sandaletten mit hohen Absätzen. Sie sah bezaubernd aus. Viele Freunde waren schon gekommen. Selina und Christoph kamen gleichzeitig mit Marina und Gunther. Nach und nach waren alle da. Iris, Holger, Max, Kathrin, Jan, Christine, Moritz und Ina. Sie freuten sich, dass es endlich eine Hochzeit der beiden gab. Franks Eltern wollten den weiten Weg zur Feier nicht antreten. Sie freuten sich aber auf die Hochzeit der beiden. Dann wollten sie ein paar Tage länger bleiben. Einer fehlte noch unter den Freunden.„Wo bleibt Jerome? Hat ihn jemand von euch gesehen?“, fragte Frank in die Runde.
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