„Nein“, gab Emma zu. „Er wollte ein Spiel daraus machen, damit wir uns kennenlernen ohne den Beruf des anderen zu kennen. Keine Frage durfte Hinweise auf den Beruf geben.“
„Das ist erstaunlich“, rief Elena.
„In der Tat“, gab Bachner zu. „Du scheinst eine Verbindung zu ihm zu haben, die er unbewusst haben will. Er wollte für dich gut da stehen. Louis ist sonst völlig egal, was andere, vor allem Frauen, über ihn denken.“
„Was macht er beruflich?“, fragte Emma.
„Er gehört zu einer kleinen Gruppe junger Chirurgen, die in der Welt bereits höchstes Ansehen genießen. Er hat in Boston Wunder vollbracht. Das macht ihn zu einem der arrogantesten Menschen der Welt.“
„Niemals!“, rief Emma empört.
„Du bist weggelaufen, wahrscheinlich, weil er dich in die Enge getrieben hat. Er geht nur vorwärts. Automatisch sind seine Gegenüber in der Defensive.“
„Aber man fühlt sich nicht unterlegen“, gab Emma zu. „Er ist offen und ehrlich. Arrogante Menschen, wie ich sie kenne, sind nicht ehrlich.“
„Er achtet nicht auf andere“, sagte Bachner hart. „Weil er nur die Verbesserung einer Technik sieht, den Kampf gegen den Tod. Ihm geht es nicht um die Patienten, nicht um Menschen, sondern mit jeder OP der Beste zu sein. Welche Klinik hat schon einen so jungen Stationsarzt? Ich hatte heute im Krankenhaus zu tun. Das Thema Nummer eins wollt Ihr bestimmt wissen. Ihm ist Urlaub befohlen worden, weil er in den letzten zwei Jahren nie Urlaub machte. Niemandem fiel es auf, weil er nie einen Fehler machte. Frag John, wie die Polizisten heute über das Fremantle Hospital reden. Bei Notfällen fragen die Rettungsdienste tatsächlich dort an, ob Louis Bereitschaft hat. Rettungsdienste aus dem Umland fahren das Krankenhaus an. Fremantle hat einen enormen Prestigeschub erfahren.“
Dr. Bachner legte den Block beiseite und setzte ihre Fingerkuppen aneinander.
„Wir wissen nicht, wer Louis vorher war, welchen Charakter er hatte. Ich vermute, dass er mit dem Unglück seine Mitte verlor.“ Sie blickte Emma fest an. „Du warst bereits als Mädchen bestimmt wunderschön mit langen Haaren. Alle Jungen sind dir gefolgt.“
Emma nickte leicht.
„Was hat er dem Jungen getan? Genau.“
„Nur geschubst.“ Emma sah zur Seite. Sie wollte Louis beschützen. Wie die Frau über Louis redete, gefiel ihr nicht. Das war nicht Louis. In seinen Augen lag keine Arroganz - aber auch kein Erkennen. Bachners Worte stachen tief.
Die Psychologin spürte Emmas Widerwillen.
„Schließe deine Augen, geh zu ihm zurück.“
Emma schloss die Augen. Sie sah den Strand und den dicken Jungen, der nach ihrer Brust grabschte. Louis trat ihn gegen das Schienbein und schubste ihn zu Boden. Der Dicke wedelte hilflos mit den Armen.
„Er war also viel größer als Louis“, stellte Bachner fest.
Emma nickte, sprachlos, dass sie sich so lebhaft erinnern konnte.
„Er hat dich beschützt, und das ist kein Charakterzug des neuen Louis.“
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