Marko lud ihn zu sich in die Wohnung ein. Olli packte nur ein paar Kleidungsstücke in eine Reisetasche. Sie lagen wie alles andere achtlos auf dem Boden. Andererseits sah es auch nicht so aus, als würde Olli seine Hemden, Hosen und T-Shirts bügeln. Die nächsten Tage würde er wohl tatsächlich bei Marko wohnen.
Marko empfand das schon als gewaltiges Entgegenkommen. Nachdem er aufgrund von Ollis ›Expertenmeinung‹ damals wie einen Volltrottel vor seiner gesamten Kollegenwelt dagestanden hatte, hatte er sich eigentlich vorgenommen, ihm nie wieder einen Gefallen zu tun. Andererseits tat er ihm in dieser Situation nicht nur leid, sondern er erinnerte sich auch an die alten Zeiten, die sie gemeinsam erlebt hatten. Bevor diese Sache damals passiert war, hatten sie schließlich ein freundschaftliches Verhältnis zueinander gepflegt. In seiner ganzen schusseligen, unzuverlässigen Art strahlte Olli einfach auch etwas Liebeswertes aus.
***
»Mein ganzes Leben war auf diesen Fotos. Es waren Tausende. Ich habe sie nie gezählt«, sagte Olli, als sie wieder in Markos Wohnung saßen. Seine Stimme klang nicht einmal mehr jämmerlich. Es hörte sich einfach nur noch hoffnungslos an. Er hatte mittlerweile sein drittes Bier geleert. Aus Mitleid mit ihm hatte Marko sogar einen Sechserpack gekauft.
»Und du bist sicher, dass der Einbrecher nichts hat mitgehen lassen, Geld oder so?«, fragte Marko noch einmal.
»Mensch, sehe ich so aus, als würde bei mir stapelweise Geld herumliegen?«, erwiderte Olli verzweifelt.
»Und andere Dinge?«
»Keine Ahnung, vielleicht hat er die beiden USB-Sticks mitgenommen, die auf dem Schreibtisch lagen. Vielleicht liegen die jetzt aber auch in dem Chaos auf dem Fußboden.«
»Diese Sticks sind doch nichts wert. Warum sollte jemand die klauen, wenn er den Laptop dalässt.«
»Ich weiß es doch auch nicht! Das war kein Junkie, das war ein Mörder!«, jammerte Olli und machte dabei schon die vierte Flasche Bier auf. Marko nuckelte noch lustlos an seiner ersten.
»Und außer deinen Fotos war sonst nichts auf deinem Rechner?«, fragte er nachdenklich. »Ich meine, es sieht doch so aus, als wollte ihn jemand zerstören. Warum zertrümmert man einen Rechner? Doch nur, weil sich auf ihm etwas befindet, das man endgültig und unwiederbringlich löschen möchte, oder?«
»Da war wirklich nichts Wichtiges drauf außer den Fotos. Vielleicht ein bisschen Musik und ein paar Filme. Ich habe in der letzten Zeit nichts Richtiges mehr gemacht. Irgendwie ist die Luft bei mir raus.« Olli wirkte hoffnungslos und müde.
Marko wusste, was er meinte. Olli galt einmal als begnadeter Hacker. Aber er gehörte nicht mehr zu dieser Szene und engagierte sich auch nicht mehr besonders in dieser Richtung. Dass er sich nicht gerade als große Koryphäe in seinem Beruf hervortat, hatte er Marko ja selbst erzählt. Er musste ihm in den letzten Jahren wirklich nicht sonderlich gut gegangen sein.
»Aber was können die dann gesucht haben?«, fragte Marko.
»Das habe ich dir doch schon gesagt. Es ist die einzige Erklärung, die mir einfällt. Die glauben, ich war mit Thomas und Frank an dieser Sache dran. Dann haben die bei mir Unterlagen gesucht und wollten die zerstören. Vielleicht waren die aber auch nur sauer, dass ich nicht da war, und haben, anstatt mich totzuschlagen, auf meinen Rechner eingeprügelt.«
»Wenn du recht hast und es geht wirklich um eine große Sache, eine Angelegenheit, die so gewaltig ist, dass dafür sogar gemordet wird, dann handelt es sich bei denen um Profis. Die schlagen nicht einfach aus Wut auf einen Rechner ein. Wenn du wirklich recht hast, dann haben die ganz bewusst deinen Rechner zerstört, weil sie glauben, dass sich darauf Informationen befanden, die ihnen gefährlich werden können. Dann sind die auch davon überzeugt, dass sich etwas in deinem Besitz befindet, dass du nicht haben solltest oder dass du etwas weißt, dass du nicht wissen solltest. Dann bist du wirklich in Gefahr, in Todesgefahr!«
Marko hob seine Flasche und prostete dem jetzt noch blasser aussehenden Olli zu. Mit einem Zug trank er sie leer.
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