Jetzt musste nur noch Alexis ihre Aussage machen!
Alexis verbrachte viele Wochen im Krankenhaus. Sie hatte diverse Knochenbrüche und zahlreiche Hämatome. Den seelischen Schmerz, der sie aber erlitten hatte, den konnte kein Arzt in wenigen Wochen behandeln. Das würde noch Jahre dauern. Seit sie aus dem Loch raus war, hatte sie keine Nacht mehr durch geschlafen. Alpträume verfolgten sie und sie hatte panische Angst, dass Finn sie finden und dann wirklich umbringen könnte.
Selbst ihre Psychologin Frau Dr. Schmidt hatte regelrecht alle Hände voll zu tun, um Alexis klarzumachen, dass ihr Mann sie nicht mehr belästigen wird.
„Frau Cyanid ich werde ihnen beistehen. Sie müssen sich mir anvertrauen. Reden Sie mit mir!“
Doch Alexis machte zu. Sie wollte mit keinem reden. Frau Dr. Schmidt hatte Verständnis und würde Alexis noch lange Zeit in Therapie behalten. Irgendwann würde sie sich öffnen.
Alexis kam direkt nach der Klinik in ein Frauenhaus indem sie, bis zum Prozess von Finn wohnen würde. Sie würde nie wieder einen Fuß in das Haus ihrer Qualen tun müssen.
Rasch freundete sie sich mit den andern „Opfern“ an und spürte, dass sie nicht mehr allein war. Warum hatte sie nur so lange gewartet? Langsam und Schritt für Schritt würde sie sich wieder ins Leben zurückkämpfen.
Jetzt musste sie nur noch diesen Prozess überstehen.
Gemeinsam mit Marcella und Tabea betrat Alexis den Gerichtssaal. Ängstlich nahm sie neben ihrem Anwalt Platz. In wenigen Minuten würde sie Finn wieder sehen. Ihre Augen hatte sie hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt. Finn saß seit mittlerweile sechs Monaten in Untersuchungshaft und heute würde sich wohl entscheiden, ob man ihn für immer wegsperren würde oder nicht. Alexis hoffte so sehr das der Richter keine Gnade haben wird.
Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Anwalt ging schließlich die Tür auf und Finn wurde in Fuß,- und Handschellen von zwei Beamten in den Gerichtssaal geführt.
Alexis verzog keine Miene als Finn sie anblickte.
„Püppchen? Hallo Süße … Schatz wie geht es dir? Es tut mir leid was ich dir angetan habe. Süße hörst du? Alexis? Du musst sagen das alles ein Missverständnis ist.“
„Ach halt einfach deine Fresse!“, grölte Marcella aus dem Zuschauerbereich
„Alexis? Liebling verzeih mir!“, rief Finn, doch Alexis blickte nur mit versteinerter Miene in seine Richtung. Sie würde es schaffen. Sie würde ihn hinter Gitter bringen. Koste es was es wolle.
„Bitte erheben Sie sich!“
Der Richter und seine Geschworenen betraten den Saal.
„Bitte setzen Sie sich! Richter Yden-Monike hat den Vorsitz. Es wird der Fall Finn Cyanid wegen sexuellen Missbrauchs, Körperverletzung, versuchtem und vollendetem Mord verhandelt. Dem Angeklagten drohen Fünfzehnjahre bis lebenslange Haft. Herr Rechtsanwalt Torüerackben, Sie haben das Wort“.
Hatte Alexis gerade richtig gehört? Vollendetem Mord? Finn hatte bereits jemanden umgebracht? Ihr wurde ganz übel. Wie konnte sie sich nur in diesem Mann so getäuscht haben! Er war doch früher immer so nett.
Alexis verfolgte jedes Wort von Finn´s Rechtsanwalt Herr Torüerackben, ihres Rechtsanwaltes Herr Moser und dem Richter Yden-Monike wie in Trance. Auch die Aussage von Finn hörte sie wie in einem Tunnel. Das einzige, was sie verspürte war abgrundtiefer und immer stärker werdender Hass, bei jedem seiner Worte. Und schließlich musste sie in den Zeugenstand.
„Frau Cyanid. Bitte schildern Sie uns was sich an dem besagten Tag zugetan hat?“ Alexis schluckte schwer und nahm ihre Sonnenbrille ab. Zum ersten Mal sah sie Finn in sein Gesicht. Und der Hass, den er in ihren Augen sah, erschrak ihn. Immerhin hatte er noch nie ein lebendes Objekt seiner Opfer vor sich gehabt. Wenn sie anschauten, war ihr Blick leer und kalt. Doch der Blick den Alexis für ihn hatte, waren wie Feuer und Blitze.
„Ich hatte meinen Job verloren, da mein Mann mich …“, Alexis Blick ging zu Tabea und Marcella. Beide nickten ihr zustimmend zu und sie erzählte weiter. „… Mein Mann schlug mich. Tagtäglich, wenn er schlechte Laune hatte oder ihm mein Essen nicht schmeckte. Zuerst waren es nur Ohrfeigen, doch dann kam der sexuelle Missbrauch hinzu. Er sperrte mich in den Keller und … schlug mich mit … mit einem Gürtel.“ Alexis erzählte sich ihre Qualen von der Seele. Auch ihre Psychologin Frau Schmidt war anwesend.
Sie saß bei Alexis und hörte jedes einzelne ihrer Worte, die sich tief in Alexis Seele gebrannt hatten.
Im Gerichtssaal ging nur ein Raunen durch, während Finn alles abstritt. Doch als dann der Polizist aussagte, der sie gefunden hatte, bröckelte Finn´s Fassade und er rastete aus. Ängstlich zuckte Alexis zusammen und setzte sich sofort wieder zu ihrem Anwalt, der ihr tröstend die Hand hielt, während er auf sie einredete.
„Nimm deine Hände von meiner Frau!“, brüllte Finn und sprang von seinem Stuhl. Doch er kam nicht weit, denn er war ja gefesselt.
„Beruhigen Sie sich Herr Cyanid oder sie kommen zurück in die Zelle“.
„Dann soll der Typ gefälligst meine Frau nicht anfassen. Sie gehört mir“.
„Ich gehöre niemandem. Weder dir noch zu einem anderen. Hast du mich verstanden. Ich habe keine Angst mehr von dir“.
„Bald bin ich wieder frei, und dann wirst du sehen was du davon hast. Ich hole dich zu mir zurück!“
„Das glaube ich nicht Herr Cyanid. Diese Verhandlung ist nur die Spitze des Eisberges. Immerhin sind sie wegen zweifachen Mordes dran. Und die dritte Leiche, von der sie gesprochen haben, die finden wir auch noch. Verlassen Sie sich darauf!“
Der Richter unterbrach die Gespräche und rief den nächsten Zeugen in den Saal. Diejenige die dann kam schockierte nicht nur Finn, sondern auch Alexis.
„Ich glaube nicht, das du je wieder frei kommen wirst Finn“, antwortete die Dame und nahm in der Mitte des Saales Platz.
„Dürften wir erfahren, wer Sie sind?“, fragte der Rechtsanwalt von Alexis.
„Natürlich. Mein Name ist Steffi. Ich war die erste Frau von Finn, bevor ich von ihm bewusstlos geschlagen und im Wald verscharrt wurde. Er dachte, ich sei tot als er mich in dieses Loch warf und mit Erde zugeschüttet hat. Für mich war es die Chance meines Lebens endlich raus aus dieser Hölle. Ich habe ihn nicht angezeigt, weil er ja dachte, ich sei tot. Aber jetzt wo ich erfahren habe, dass er einer weiteren Frau solche Qualen bereitet hat, … Ich konnte mich nicht mehr verstecken. Der Kerl muss für immer eingesperrt werden. Ich bin die dritte Leiche die Sie suchen“.
„Du warst schon mal verheiratet? Du Scheißkerl hast mich die ganze Zeit angelogen? Du wolltest mich umbringen? Warum Finn?“, rief Alexis völlig außer sich. Und dann erfuhr Alexis, genau wie alle anderen im Saal, wie grausam wirklich Finn Cyanid wirklich war. Das er die Morde, als Rache an seinem Vater im Blutrausch begangen hatte.
„Wenn man die Zeitspannen der Todesfälle genau nimmt, kommt man immer auf das Datum vom Todestag von Cyanid Senior“, erläuterte der Psychologe während der Verhandlung. Finn sah die Frau auf dem Stuhl reglos an. Er konnte nicht glauben, dass dies seine erste Frau sein soll. Sie war doch tot. Er wusste, dass sie tot war.
„Du brauchst nicht so zu glotzen. Ich bin es wirklich. Hat mich genug Geld gekostet mein komplettes Aussehen und den Namen zu ändern. Herr Richter Yden-Monike, Sie müssen wissen auch mich hat Finn verprügelt. Er mich mit Benzin übergossen und angezündet. Er brüllte immerzu „Hexe … Hexe … brenne. Ich hasse dich!“ Ja Finn – ich erinnere mich an jedes deiner Worte. Ich werde sie wohl nie vergessen, denn die Narben werden mich immerzu erinnern“. Steffi holte tief Luft und fuhr dann fort. „Irgendwann wurde ich ohnmächtig und bin dann in diesem Loch wieder zu mir gekommen. Überall war Erde. In der Abenddämmerung habe ich mich dann mit Schmerzen auf die Suche nach Hilfe gemacht. Ich hatte einen Schädelbasisbruch, meine Wirbelsäule war zweimal gebrochen. Meine Milz hatte einen Riss und meine Rippen waren unterhalb des Brustkorbs gebrochen. Ich kann von Glück sagen, dass ich es geschafft habe aus dem Loch zu kommen, sonst wäre ich heute tot. Meine Wunden im Gesicht waren so heftig, dass es nur eine Komplettveränderung hat richten können. Ich danke heute noch der Spaziergängerin, die mich entdeckt hat“.
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