„Guten Morgen!“
„Morgen! Kaffee?“
„Ja bitte und vielleicht was für meinen Kopf … ich habe heute fürchterliche Kopfschmerzen!“
Alexis rechte ihm eine Tablette, trank ihren Kaffee aus und stellte die Tasse in die Spülmaschine.
„Ich muss los. Bis heute Abend!“
Flüchtig gab sie Finn einen Kuss und verließ das Haus. Alexis ging wie jeden Tag zur Arbeit. Eine Arbeit die sie nicht mehr hatte. Sie hatte es Finn noch nicht gesagt, aus Angst vor erneuten Schlägen. Sie lief in der Stadt umher und kam an die Brücke, über die die Eisenbahn fuhr. Sie hatte Bietigheim immer als schön empfunden, doch mittlerweile war alles nur noch grau und trist.
Zum ersten Mal in ihrem Leben schaute sie länger Zeit nach oben. Was wäre wenn? Just in diesem Moment wurde sie von Tabea überrascht. Schreiend brach sie zusammen als diese sie nur leicht berührte.
„Alexis, ich bin Tabea. Beruhige dich. Komm her … ich wusste doch das etwas nicht stimmt. Komm lass uns reden.“
„Es gibt nichts zu reden. Alles gut“.
„Du lügst und das weißt du. Also raus damit“.
Und dann erzählte Alexis, Tabea von ihrem Dilemma, doch sie konnte nicht zur Polizei. Nein! Alexis gab sich die Schuld dafür, dass Finn sie schlug. Sie durfte ihn nur nicht provozieren. Dann wäre alles gut. Das redete sie sich zumindest ein.
„Warum verlässt du ihn nicht?“
„Er würde mich tot schlagen. Das schlimmste kommt noch. Er will ein Baby von mir“.
„Ein Baby? Du wirst doch mit diesem Arsch keine Kinder in die Welt setzen?“
„Bist du verrückt? Der Kerl ist ein Monster. Nie im Leben würde ich eine Familie mit dem Gründen“.
„Dann verlass ihn. Lass nicht zu, dass er dich vielleicht sogar totschlägt“.
„Er liebt mich ja auch, aber wenn er einen schlechten Tag hat, dann rutscht ihm halt ab und zu die Hand aus.“
„Nur die Hand? Oder ist es auch ein Gürtel, ein Spanngurt oder die Zeitung?“ Alexis gab ihr keine Antwort. Wieso auch! Tabea hatte sie durchschaut. Sie wusste, dass es die Hölle war.
„Alexis er verprügelt dich. Das ist nicht mal aus Versehen. Ich kenne das. Meine Mutter hat jahrelang die Augen verschlossen, als mein Stiefvater sie verprügelt hat. Lass dir helfen.“ Doch sie ließ sich nicht helfen.
„Ich komme schon klar. Ich muss jetzt auch los.“
„Alexis warte …“, rief Tabea, doch Alexis wartete nicht. Stattdessen ging sie schnurstracks wieder nach Hause, wo auch schon ihr Mann mit einem wütenden Blick wartete.
Tabea sah ihr lange nach. Sie musste irgendwas tun. Jahrelang hatte sie zugesehen, wie ihre Mutter leiden musste, das sollte sich nicht bei Alexis wiederholen. Tabea ging zur Polizei und berichtete das ihre Freundin misshandelt wurde und sie Angst habe ihr Mann würde sie heute noch tot schlagen.
„Sie müssen ihr helfen“, bettelte Tabea
„Frau Cyanid hat keine Anzeige gegen ihren Mann erstattet. Ich weiß nicht was wir hier tun können. Wir können ja den Mann nicht einfach in Gewahrsam nehmen.“
„Entschuldigung, aber soll er sie vielleicht erst totschlagen? Möchten Sie wirklich morgen bereits eine Leiche finden und dann wissen, dass dies hätte verhindert werden können“.
„Vielleicht sollten wir ihn erst mal durchleuchten. Vielleicht gibt es ja etwas, das er angestellt hat und er hat eine Akte“.
„Dann tun Sie da bitte“, drängelte Tabea. Sie spürte, dass die Beamten nur widerwillig ihrer Bitte nachkamen. Doch sie hatten Erfolg. Es gab wirklich eine Akte über Finn. Die Beamten sahen sich Gegenseiten an und dann zu Tabea, ehe sie zu flüstern anfingen.
„Herr Cyanid hat mehrere Anzeigen unter anderem wegen Belästigung und Beleidigung“.
„Und es nichts gegen ihn unternommen worden? Hat er gesessen?“
„Nein!“
„Ok. Dann müssen wir schauen wie wir das nun halten“.
„Also Frau …“, begann der jüngere der beiden Polizisten. Er hatte nur einen Stern an seiner Uniform und es stand „Ritter“ auf seinem Namensschild.
„Nennen sie mich Tabea“.
„Ok. Also die Sache ist folgendermaßen. Es gab einige Anzeigen, die aber zurückgezogen wurden. Und es kam nie zu einer Anklage. Wenn, wir ihn dran kriegen sollen, dann muss das schon einen triftigen Grund haben“.
„Ok dann zeige ich ihn jetzt hier an. Wegen häuslicher Gewalt an meiner Freundin. Hören Sie, meine Freundin ist in großer Gefahr. Ich habe echt Angst das der Typ sie totschlägt“.
„Beruhigen Sie sich doch. Vielleicht sollten wir erst mal bei einem der Opfer anrufen. Was sich da abgespielt hat und dann sehen wir weiter“.
„Bitte beeilen Sie sich. Wenn, wir nichts tun, ist meine Freundin in wenigen Stunden tot“.
Nach ein paar Anrufen hatten die Polizeibeamten dann ein Resultat. Sie fuhren mit Tabea zum Haus von Alexis und Finn, in der Hoffnung das schlimmste doch noch abwehren zu können.
„Sie hatten recht. Herr Cyanid ist ein Schläger!“
„Sagte ich doch, aber mir glaubt ja keiner“.
„Wo zum Teufel kommst du her?“, wollte Finn von ihr wissen als Alexis zur Tür reinkam.
„Vom Restaurant. Ich war arbeiten, das weißt du doch!“
Doch kaum hatte sie ausgesprochen, bekam sie schon die erste Ohrfeige.
„Du Schlampe, lüge mich nicht an. Ich war im Restaurant, und man sagte mir, du arbeitest nicht mehr dort.“ Und wieder schlug Finn zu. Diesmal so stark das Alexis Lippe zu bluten begann.
„Du hast deinen Job verloren, und bist nicht zuhause! Also sag mir jetzt wie das Schwein heißt, mit dem du mich betrügst. Mal abgesehen davon … du nimmst die Pille?“
Oh verdammt, er wusste Bescheid!
„Finn es tut mir leid, das ich dir nicht gesagt habe, das ich meinen Job verloren habe und noch die Pille nehme, aber …“ – und wieder eine Ohrfeige.
„Du lügst mich an. Du provozierst mich. Du bist ein Stück Dreck“.
„Ich schwöre dir, dass ich keinen anderen Mann außer dir gibt. Bitte Finn …“, doch es interessierte ihn überhaupt nicht und wieder schallte eine Ohrfeige auf Alexis Wange.
„Du lügst. Du Schlampe. Hat er es dir wenigstens richtig besorgt? So richtig durch gefickt? Bei mir liegst du ja nur noch da wie ein Brett.“ Finn war wie im Rausch. Es störte ihn nicht, das seine Frau um Gnade bettelte.
„Es gibt keinen anderen. Finn bitte …“, doch er hörte nicht zu. Immer und immer wieder schlug er auf Alexis ein bis sie blutend bewusstlos zusammen brach.
„Steh auf du kleine miese Schlampe“, brüllte Finn. Doch Alexis stand nicht auf. Sie machte keinen Mucks mehr. Als Finn bemerkte, was er getan hatte, wurde ihm sofort klar, dass er handeln musste.
„Alexis? Scheiße“, rief er und raufte sich die Haare. Er kannte das Szenario bereits. Er stand schon des Öfteren über einer Frau mit langen braunen Haaren. Ein paar von ihnen hatten die Augen auch geschlossen, aber einige sahen ihn an. Mit großen Augen sahen sie ihn an, als er ihnen die Seele aus dem Leib geprügelt hatte.
Finn lief hin und her. Er musste Alexis loswerden. Sollte er warten, bis es dunkel war und sie dann in den Wald zu den anderen bringen oder sollte er sie anderweitig entsorgen? Jetzt war guter Rat teuer!
Die Polizei traf am Haus von Alexis und Finn ein, als dieser gerade die Einfahrt verlassen wollte. Rasch versperrten sie ihm den Weg und traten an sein Auto heran. Mit der Hand an der Waffe forderten sie ihn auf aus dem Wagen zu steigen und die Hände zu heben.
„Was wollen Sie denn von mir?“
„Uns wurde mitgeteilt, dass sich ihre Frau in Gefahr befindet. Wo ist ihre Frau?“
„Pff, keine Ahnung wo die Schlampe ist. Wahrscheinlich lässt sie sich von ihrem Liebhaber ficken!“
„Warum sind ihre Fingerknöchel blutig?“
„Ich renoviere und habe mir die Fingerknöchel beim verspachteln aufgeschlagen. Ich wollte gerade in den Baumarkt, um neues Material zu holen.“
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