Der Aufruhr, die zerrissene Schnur, laut und heftig geht es zu mit dem Rühren und dem Führen, durcheinander geht's wie eh und je. Was, wenn die Bombe platzt und aus dem Neumond die zweite Bombe fällt?
Es geht die Straße auf und ab, Steine fliegen wie Schnuppen hin und her, zerschlagen Fensterscheiben bis hoch zum dritten Stock. Da steckt noch was anderes unterm weiten Rock als nur Schenkel mit den Hüftgelenken, wo sonst alles kurz ist für das Sehen mit dem Denken.
Autos rasen in die Menge, Schüsse fallen auch. An den Autos keifen die Sirenen, die andern heulen später lang genug. Was soll nur aus dem Menschen werden, wenn die dritte Bombe aus dem Neumond fällt?
Keiner kann es sagen, was passiert. Das Massaker macht die nächste Runde, Tote gibt's zu jeder Stunde. Auch wenn es keiner glauben will, am Ende ist es wieder still.
Im Aufschrei gibt es Menschen, die lehnen sich zurück, als wäre nichts gewesen. Gekrümmte Wirbelsäulen und das ständige Geheul, der Wind trägt beides fort.
Was zurückbleibt, ist der Sand vom Meer. Flutwellen schwemmen ihn an mit dem losgerissenen Tang. Der Eindruck des Fußes vom Morgen verschwimmt: Da lief doch ein Mensch, der noch was wollte.
Zehendrücke zeigen hin zum Wasser, wenn da nur kein Unglück war. Denn im Abdruck lügen Füße nicht, da kann man sich drehen und wenden, wie man will. Kurz nur blieb der Fersendruck, dann war nichts mehr zu sehen.
Alles hat seine Geschichte, die so klein nicht ist. Bis das Wasser kommt und die Geschichte wegspült.
Blutrot ziehen die letzten Strahlen hinterher
Da sinkt der Feuerball, versinkt hinter dem Horizont. Blutrot ziehen die.letzten Strahlen hinterher. Der Schmied holt das Eisen aus der Glut, traktiert es mit Hammerschlägen hart zwischen drei Leerschlägen auf dem Amboss.
Der Arzt reibt sich hinterm Tisch die Augen, er hat sich die Grippe eingefangen, doch der Patientenstrom reißt nicht ab. Der Studienrat, der Mathematik und Philosophie unterrichtet, schluckt seine Medizin und trinkt den Kamillentee zu Ende. Er will noch einige Arbeiten über das Differential korrigieren, obwohl er wegen Grippe krankgeschrieben ist und sich fürs Unterrichten vom Sportlehrer vertreten lässt.
Die Sonne ist versunken, in den Kneipen geht es los. Los geht auch die Nachtschicht in den Hospitälern. Anders gehen lange Beine kurzberockt zur anderen Arbeit, das ist seit Menschengedenken so. Brüste wiegen schwerer als die Hirne, von den Ärschen ganz zu schweigen.
Der Astronom hat ausgeschlafen, macht sich frisch und steigt in die Klamotten, trinkt den Kaffee, steht am Fenster, blickt in die Dämmerung und zieht den Reißverschluss der Hose hoch. Er steckt die Papiere mit den Zahlen und Zeiten in die Tasche, knipst das Licht aus und geht die Treppe herunter. Er steigt in den Käfer, der an den Kotflügeln Beulen hat. Der Motor startet beim vierten Versuch, der Tank ist fast trocken. Der Motor giemt und stottert, so fährt er die nächste Tankstelle an mit den Leuchtzeichen der BP und den grünen Streifen.
Er lässt den Tank halb füllen, bezahlt mit Kreditkarte und füllt Luft im rechten Hinterreifen nach. Er macht sich auf den Weg zur Sternwarte und beeilt sich mit der Begründung, dass auch Sterne nicht ewig warten.
Der Brief war überfällig, wenn er nur nicht so leer wäre. Als gäbe es im Leben nur das Wetter und im Beruf nur den Stress. Da fehlen der Mut zum offenen Wort und die Vorstellung für die Zukunft.
Die einen kommen aus dem Husten nicht heraus, halten sich das Taschentuch vors Gesicht, die andern kommen nicht zur Arbeit und die Kinder schwänzen die Schule. Den ganzen Tag sitzen sie vor der Glotze und essen sich dabei dumm und fett. Die Nasen tropfen, doch mit den Mäulern sind sie stumm.
Auch wenn es überfällig ist, das Schreiben ist umsonst, denn keiner weiß noch was zu sagen. Alle scheuen sich zu fragen, ob die Uhr noch richtig tickt und überhaupt das Ding noch richtig funktioniert. So bleibt das Angeschriebene liegen, Zeitstaub legt sich in Schichten darauf. Am Schalter stempeln sie die Briefe, wo der Umschlag teurer ist als das, was drinnen steckt.
Jedenfalls ging der Brief nicht los, stattdessen klingelte das Telefon, wo es auch nicht viel zu sagen gab.
Er sitzt und schwitzt, macht Linien, viele Punkte. Was daraus werden soll, der Künstler weiß es nicht.
Er macht 'ne Pause, steckt sich die Zigarette an und schaut aus dem Fenster. Er sieht den alten Mann, der am Krückstock geht, vorüber hinkt, den Kopf nicht dreht.
Der Künstler schaut auf's Werk, das erst noch eines werden soll, und zieht mit dem Pinsel den nächsten Zug. Er sieht, schmunzelt, lacht, nimmt das Wort 'Scheiße' in den Mund und pinselt weiter.
Da kommt was raus, was überrascht, weil er's so nicht wollte: Zu lang ist die Nase im Gesicht, dazu auch noch verbogen, als hätte sie den Seitenschlag bezogen.
Mit den Augen wird's nicht besser, die stehen schief und schielen. Na, was das noch geben soll! Die rechte Hand hat nur vier Finger, der Arm dazu ist viel zu kurz. Nun fährt er mit dem Pinsel kreuz und quer, pinselt alles über einen Haufen.
Da wird Kunst nun recht abstrakt, was sie gar nicht werden sollte. Doch wenn es mit den Formen nicht mehr klappt, dann geht es mit dem Ungeformten weiter. So pinselt er sich einen ab, schwitzt und lacht und schimpft.
Es kommt was raus, was er nicht wusste und nicht wollte, und hält sich deshalb für genial. Der Betrachter, dem das Bild gehören sollte, sagt, das ist nicht wahr, so eine lange Nase hab ich nicht, und verbogen ist sie auch nicht.
Sieh doch richtig hin, dann kannst du's sehen oder nicht? Der Künstler wickelt sein Gesicht in Künstlerfalten, sieht aus dem Fenster. Auf der Straße geht der alte Mann, mit dem Krückstock kommt er zurück. Er hinkt nicht weniger als vorher, hält in der Hand die Plastiktüte, in der Zitronen und was anderes sind.
Nun wird ihm die Sache doch zu bunt, und er sagt es dem Anporträtierten, dass er ihn so sehe und nicht anders. Da rutscht dem Betrachter die Sprache weg und fährt sich mit dem Taschentuch über den Mund. Er hält die Lippen geschlossen und macht sich seine Gedanken über das Gesicht in der Kunst.
So waren dem einen die Linien verrutscht. Der andere konnte den Kunstfaden nicht fassen, wie's kommt, dass alles so verschroben ist, dass das, was ist, so anders ist, wenn das Gesicht die Nase der Banane hat, die der Betrachter nicht haben wollte, weil, wenn er sie hätte, nicht zum Maler sondern zum Chirurgen zwecks Korrektur gegangen wäre.
Im Raum der vielen Sachen mit der Kunst lag ein Schädel auf dem Boden, und die Skulptur daneben stand enthauptet. Der Betrachter, der nach dem Kunstfaden suchte, fragte den Künstler, ob das beabsichtigt sei, der das mit der Absicht verneinte und vom Materialfehler sprach, mit dem der Künstler rechnen muss.
Der Betrachter sah sich den Schädel genauer an, der auf der rechten Seite lag und auch die Bananennase hatte. Er fragte, ob die Banane was zu sagen habe in der Kunst dieser Zeit, oder ob das ein Trend sei, der vorübergeht.
Der Künstler wollte gar nichts dazu sagen, weil ihm mit den Nasen nicht zu spaßen war.
So rückte er mit der Geschichte heraus, dass es in seiner Kindheit keine Bananen gab, und als es sie gab, er sich geschworen hatte, den Menschen die Banane ins Gesicht zu setzen, was die Gesichter weicher, weniger ernst und weniger traurig macht.
Der Betrachter hörte sich das an und meinte, dass man die Bananen essen nicht aber ins Gesicht vernasen sollte, weil die Bananenkunst etwas anderes sei, die sich auf Dauer nicht halten werde.
Der Künstler rang um den Verstand, wollte es so nicht stehen lassen, zündete sich die Zigarette an und sah mit dem Betrachter auf sein Bild: Wenn sie es anders sehen, ich sehe sie so, die Banane steht ihrem Gesicht vorzüglich, sie zeichnet ihr Gesicht auf's Beste aus, gibt ihm die weiche Form. Die Banane macht ihr Gesicht sympathisch.
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