Der Brief Der Brief Der Brief war überfällig, wenn er nur nicht so leer wäre. Als gäbe es im Leben nur das Wetter und im Beruf nur den Stress. Da fehlen der Mut zum offenen Wort und die Vorstellung für die Zukunft. Die einen kommen aus dem Husten nicht heraus, halten sich das Taschentuch vors Gesicht, die andern kommen nicht zur Arbeit und die Kinder schwänzen die Schule. Den ganzen Tag sitzen sie vor der Glotze und essen sich dabei dumm und fett. Die Nasen tropfen, doch mit den Mäulern sind sie stumm. Auch wenn es überfällig ist, das Schreiben ist umsonst, denn keiner weiß noch was zu sagen. Alle scheuen sich zu fragen, ob die Uhr noch richtig tickt und überhaupt das Ding noch richtig funktioniert. So bleibt das Angeschriebene liegen, Zeitstaub legt sich in Schichten darauf. Am Schalter stempeln sie die Briefe, wo der Umschlag teurer ist als das, was drinnen steckt. Jedenfalls ging der Brief nicht los, stattdessen klingelte das Telefon, wo es auch nicht viel zu sagen gab.
Ein Bild
Nicht überspitzt
Heute
Schlafstörung
Räumungsbefehl
Vermutung
Tücke des Tages
Abschied
Am Tor der alten Heimat
Ein Felderlebnis
Hügel
Der Türmer
Es bleibt dabei
Stiefel gegen Schale
Versuch, es leichter zu machen
Es muss zu sehen sein
Schlaf!
Du
Anliegen
Worauf es keinen Anspruch gibt
Schneise
Später
Wie du's findest
Auch für dich
Ein letztes Mal
Die letzte Aufstellung
Letzte Vorbereitung
Damals
Herbst (I)
Nachruf (II)
Abrechnung
Stille Nacht
Sprache
Was kommen mag
Dank
Wie an jedem Tag
Rauch
Was fehlt
Nichts
Ach
Am Ende der Träne
Kelchgedanken
Guten Abend, gute Nacht
Im Schlag
Draußen
Lass
Nicht alles
Wohin
So und so
Unsterblich
Hand
Eine von vielen
Und vieles mehr
Richtungswechsel
Herbst (II)
Meißelgeschichte
Herbstblatt
Als der Sonntag kam
Gewagter Blick
Das Andere
Vorm Ausgang
Sturz und Steig
Schwingender Palmfächer
Ein Fall von vielen
Ins Dorf zurück
Morgengruß
Vorstellbar
Du, die schönste Rose
Ein letzter Ruf
Am Zaun, wo der Himmel beginnt
Einem Bilde nachgedacht
Dann
Durchbruch
Geträumt – gestürzt
Die Geheimnisse sind eingewebt
Das, was kommt
Göttlich
Der andere Ton
Bis bald
Es wird weiter gehängt
Zu triumphieren gibt es nichts
Lass die Schaufel stecken
Zwiesprächiger Ruf
Jedes Mal
Einbruch
Sichtwechsel
Im Schulterblick
Abgase
Zifferblatt
Schwellensprung
Ungleichen
Bretterbude
Lesetipp
Das Wort – ein Wagnis
Ein letztes Wort
Der Spruch
Es nimmt kein Ende
Auf fremdem Boden
Was war, was ist
Kernstrahlung
Im Nachhinein
Lähmen – schämen
Impressum neobooks
Gedanken - Reflexionen
Schütz dich vor der Sonne, der Mond tut dir nichts an, der lässt dich in Ruh. Den Tag sollst du vermeiden, in der Nacht die Dinge tun, die du zum Leben brauchst. Dann wird der Raum doch größer zum Atmen und zur Flucht.
Es wird so bleiben, wie es ist, ein Schlafen gibt es nicht. So irrt der Mensch bei Tage, in der Nacht verwirrt die Sicht.
Wenn du wieder auf den Beinen bist und wieder gehst, weil du wieder gehen willst, dann schau nicht nach den Seiten und schau auch nicht zurück, weil dich der Schwindel sonst befällt und du dir das Bein wieder brichst.
Wenn du wieder auf den Beinen bist, dich ans Fenster stellst, weil du sehen willst, was auf der Straße unten geht und fährt, dann blickst du in das Durcheinander und siehst Menschen, die vorübergehen, ohne sich anzusehen und ohne Gruß.
Wenn du wieder auf den Beinen bist, doch die Treppe weder hoch noch runter gehen kannst, dann ist es besser, du schreibst dir einen Brief.
Du siehst mich an und fragst an wen? Schon lange hat dir keiner mehr geschrieben. Ich sage dir, schreib den Brief an dich, schreibe, wie du dein Leben lebst und auch, wie das Leben für dich auf den Beinen wäre, wenn du die Treppe wieder steigen könntest.
Was willst du noch, da ist das Kraterloch. Wenn du da nicht reingehst, steht die Welt auf dem Kopf. Ob der Kopf unten oder oben ist, wer kann schon was dafür, wenn der Stoß von hinten kommt. Stürzt du nach vorne, dann ist die Zeit nicht mehr, um darüber nachzudenken, ob du die Welt von unten oder von oben sehen wolltest.
Doch mach keinen Fehler, solange du denken kannst, denn noch kann etwas schieflaufen, was die Absicht nicht war.
Eben ist das Leben nicht, ahnen kann man’s. Wenn es so ist, kann man’s anders auch nicht machen. Sie können lachen, sie können weinen, dazwischen ist die Hölle los.
Einer stößt den Ellenbogen hart in die Flanke des andern. Der andere läuft mit dem Kopf nach unten und das oben die Decke entlang. Da lässt sich einer fallen, als wär er ein Kartoffelsack.
Es hilft alles nicht, man muss durchs Tal. Fürwahr, es ist die Höllenqual.
Noch ist der Streifen dünn, der den Horizont überzieht und streckt. Du kehrst mit dem Traum zurück, denn beim Auftauchen hast du gelacht. Der Streifen wird dicker, hebt sich höher über die Gerade hinaus. Du fragst, wie es weitergehen soll, wenn der Streifen kein Streifen mehr ist und der Feuerball hoch kommt und den letzten Zweifel verbrennt.
Dann hast du den Traum weggeräumt, bist aus ihm wie aus einer Schüssel gestiegen, dass es das Gestern mit dem Schmerz nicht mehr gab. Schon drückt und zieht es an den Ecken und Enden, es ist der Faden, der dem Gestern nachhängt. Dieser Faden klebt sich an den Tag, da hat die Spinne vorgesponnen, den Faden mit dem Speichel festgemacht am großen Stein der langen Nächte.
Der Morgen wird nichts Neues bringen außer dem Licht, das die Nacht nicht hält, die wegsinkt zur anderen Seite und dort eindunkelt bis in den Schlaf, was der Tag nicht brachte, nämlich den Frieden, die Mahlzeit und das sichere Haus.
So steigt der rote Ball nach oben, drückt die Welt nach unten weg. Es brennt das Feuer, das den Planeten im Erwachen überzieht in der Gewissheit, dass es dabei bleibt und der Traum ein anderer gewesen ist.
Was heute ist, kann auch morgen sein
Was willst du mehr, wenn es nichts zu haben gibt, was mehr, wenn das Wenige immer weniger wiegt?
Was du gestern noch sahst, ist weg, hat sich in Luft aufgelöst, die Säcke von Mais und Reis. Selbst die Mehlspur auf dem Boden hat sich verlaufen, ist verweht.
Was denkst du, wo du bist? Hier wird nicht geschlafen! Dass nicht gegessen wird, weil es nichts zu essen gibt, diese Sache ist bekannt, die der Mutter gehört, wenn sie sich hinlegt, um dich zur Welt zu bringen.
Wo die Mutter dir das Leben gibt, da kommst du so schnell nicht weg, es sei denn, Mutter und du werdet aus der Armseligkeit mit Gewalt vertrieben, was dann sehr schnell und mit Schlägen und mit Schüssen geht.
Es ist nicht so, dass es noch etwas gibt, was man sich vormachen kann, um dem Kind auf die Beine zu helfen, das mit anderen Kindern zwischen leeren Töpfen liegt.
So wird das Kind mit anderen Kindern liegenbleiben, Kinder haben es anderen Kinderaugen vorgemacht. Du wirst es sehen und an mich denken: Nach einer Woche kräht kein Hahn mehr darüber, dass es der Hunger und die leeren Mägen waren.
Die Wellen, die Kellen, sie schnellen nach oben und nach unten. Die Schnallen, die Quallen, sie kleben wie Pech. Was nur, wenn es anderes Wetter gibt und aus dem Neumond die Bombe fällt?
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