Der Bauer sann ein wenig nach und antwortete: »Natürlich. Vorerst müsst Ihr in Richtung Ebsmoor und von dort aus dem Lauf des Flusses folgen. Der kürzeste Weg führt durch das Teufelsmoor. Es ist der kürzeste, aber auch der gefährlichste. Solltet Ihr einen sichereren Weg bevorzugen, so wird Euch das mindestens sieben oder acht Tage kosten.«
»Das ist zu lang«, sagte Lilu entschlossen. »Beschreibt uns den kürzeren.«
»Ihr müsst im Moor nur dem Weg nach Norden folgen. Der ist gut ausgebaut und führt euch schnurstracks an Euer Ziel. Doch bleibt auf dem Weg. Ihr dürft ihn niemals und unter keinen Umständen verlassen. Wenn Ihr das beherzigt, wird Euch kein Unheil widerfahren.«
Und das sollte ja nicht so schwer sein. Doch ergänzte der Bauer: »Und geht niemals nach Einbruch der Dämmerung. Rastet, und setzt Eure Reise am nächsten Tage fort. Ich fahre oft ins Moor zum Torfstechen und denke mich dort gut auszukennen, aber selbst ich würde niemals des Nachts ins Moor gehen.«
»Erzähle ihnen von den Lichtern«, wandte seine Gattin ein. »Ewald, die Irrlichter.«
»Ach ja, das Moor hat Irrlichter. Wenn Ihr des Nachts glaubt, Stimmen zu hören oder die Lichter eines Dorfes zu erkennen, haltet Euch fern und verlasst auf keinen Fall den Weg. Das sind böse Irrlichter. Niemand weiß, woher sie kommen aber es gibt sie. Ich habe sie selbst gesehen und es sind schon verwegenere Leute ins Verderben gelaufen und niemals wiedergekehrt.« Diese Warnung war deutlich. Daraufhin sagte die Bäuerin: »Doch bevor Ihr geht, wollen wir Euch noch mit Proviant und warmen Kleidern versorgen.«
Vom Bauern bekam Alexander einen schweren grünen Kapuzenumhang, der bis zu seinen Knien reichte. An den Innenseiten befanden sich unzählige Taschen, die sich noch als praktisch erweisen sollten. »Hier habt Ihr meinen alten Chlamys 4«, sagte Bauer Ewald feierlich. »Er wird Euch warm halten. Ich trug ihn, als ich ein junger Bursche auf der Wanderschaft, und wie Ihr auf der Suche nach Abenteuern war.«
Den Reiseproviant verstaute die zuvorkommende Frau in einer Tasche, die Alexander an einem Riemen über seiner Schulter tragen sollte. Lilu blieb, wie sie gekommen war, denn die Kleidung der Bäuerin hätte ihr sowieso nicht gepasst.
Wenig später spannte Ewald ein altes, graues Pferd vor ein hölzernes Fuhrwerk und sagte: »Ich werde Euch bis zum Moor bringen. Von da an müsst Ihr alleine weiter. Ich kann Hof und Weib in diesen Zeiten nicht so lange ohne Schutz lassen.«
Zuerst war Alexander dankbar über das Angebot und gerade wollte er es sich auf der Ladefläche gemütlich machen, da sprang der riesige Hofhund mit einem Satz auf die Pritsche. »Das ist Bero. Ihr braucht keine Angst zu haben. Der tut Euch nichts«, versicherte Bauer Ewald. »Auf jeden Fall nicht, solange ich dabei bin.«
Das sagte er so leichtfertig aber Alexander hatte trotzdem eine gehörige Portion Respekt vor diesem Tier. Bero schien eine Mischung aus verschiedenen Hunderassen wie Rottweiler, Schäferhund, Bernhardiner zu sein und gewiss war auch ein Braunbär unter seinen Vorfahren. Auf jeden Fall war das der größte und kräftigste Hund, den Alexander jemals aus der Nähe gesehen hatte. Der Abschied von Anni fiel den beiden schwer, hatten sie doch in dieser kurzen Zeit das kleine Wesen in ihr Herz geschlossen. Und langsam begannen sie zu spüren, dass sie sich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ende eingelassen hatten.
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