»Entschuldige Vilca, das war ganz und gar nicht meine Absicht. Die transkraneale Stimulation war zu stark für dich. Das war nicht vorhersehbar. Bei Urs und Aya gab es keine Probleme mit dieser Einstellung.«
»Wer ist Aya?«
»Urs' Freundin. Geht’s wieder?«
Vilca greift sich an den Kopf. »Puh, lass mir noch etwas Zeit. Das war heftig. Ich glaube, ein Schluck Wasser würde mir jetzt guttun.«
»Kommt sofort.«
Erleichtert darüber, etwas tun zu können, springt Sam auf. Vilca sieht zu, wie er zu dem Brunnen eilt und ein Glas mit Wasser füllt. Immer noch aufgewühlt schließt sie die Augen. Sams Wohnlandschaft beruhigt sie. Das Plätschern des Baches, das Rascheln der Blätter in einer sanften Brise. Erst jetzt fällt ihr auf, wie würzig die Luft riecht. Es duftet nach Sommerwiese, Wald und ...
»Vilca?«
Eine Hand berührt sie an der Schulter. Sie zuckt zusammen. Die abrupte Berührung passt nicht in die Idylle ihrer Welt.
»Kannst du mich noch ein bisschen in Ruhe liegen lassen? Gerade fing ich an, mich von dem Schrecken zu erholen, den du mir eingejagt hast«, lamentiert die Biologiestudentin mit geschlossenen Augen.
»Dein Wasser.«
»Ach so.«
Die Sängerin bleibt liegen und öffnet den Mund. Der Kalifornier schaut sich verlegen um. Er weiß nicht, was er machen soll. Schließlich fährt er mit der Hand unter ihren Nacken und richtet ihren Oberkörper auf. Wie eine Schwerverletzte lässt sie sich das Glas an den Mund führen. Dann trinkt sie in einem Zug alles aus.
Vilca nutzt die Situation, schlingt die Arme um ihn und kuschelt ihren Kopf in seine Schulter. Noch immer hat sie die Augen geschlossen. Sam weiß nicht, wohin mit den Händen, traut sich nicht, die Umarmung zu erwidern.
»Vilca ...«
Sie bohrt einen Finger in seine Brust.
»Zier dich nicht so. Was ist schon dabei? Als deine Tanzpartnerin nimmst du mich jeden zweiten Tag in die Arme.«
»Ich weiß nicht ...«
»Entspann dich. Ich brauch' das jetzt. Außerdem schuldest du mir was. Eine ganze Menge sogar. Ich bin nicht sicher, ob du das jemals wieder gut machen kannst.«
Mit einem Seufzer ergibt er sich seinem Schicksal und legt die Arme um sie.
»Ich sagte doch, es ist ein Prototyp. Noch nicht serienreif«, plappert er los, weil er nicht weiß, was er sonst sagen soll.
»Das habe ich gemerkt. Schade, dass er nicht funktioniert. Aber du kriegst das bestimmt hin.«
Sam runzelt die Stirn.
»Wie meinst du das: Nicht funktioniert? Soll das heißen, du spürst nichts?«
Seine Stimme klingt enttäuscht. Vilca weiß, was er hören will, aber für das aufgezwungene Gefühlschaos lässt sie ihn zur Strafe zappeln.
»Nein«, antwortet sie gedehnt.
Sam aktiviert Enola und gibt ihr mit der Hand Zeichen. Kurz darauf tritt ein Einhorn aus dem Gebüsch. Es ist fast durchsichtig mit einem goldglitzernden Horn. Da Vilca immer noch mit geschlossenen Augen an seiner Schulter lehnt, sieht sie nicht, wie das Fabeltier heran trabt.
»Ich warte«, drängt die Biologiestudentin.
Das Einhorn stupst Vilca am Arm.
»Hey, was soll das«, fährt sie hoch. Vorwurfsvoll schaut sie Sam an. Dann erst bemerkt sie das Einhorn.
»Oooch, du bist aber süß. Wo kommst du denn her?«
Von einem Moment zum Nächsten ist Sam vergessen. Vilcas ganze Aufmerksamkeit gilt dem Fabeltier. Sie streichelt es am Kopf und das Einhorn leckt zum Dank an ihrer Hand.
»Hihi, das kitzelt.«
Plötzlich hält sie inne und wendet sich dem Kalifornier zu.
»Oh Mann, Sam! Das ist ja tatsächlich alles wie echt. Wie funktioniert das? Ich will alles wissen. Bis ins kleinste Detail. Auch über die Neuronenverbindung.«
Der Erfinder wundert sich über Vilcas Gesinnungswandel. Eben lag sie noch hilflos in seinen Armen und jetzt hängt sie wissbegierig an seinen Lippen. Der Zwischenfall scheint vergessen und vergeben. Froh über die Ablenkung gibt er Auskunft.
»Mein Interface liest und stimuliert das elektromagnetische Feld des Gehirns. Ich benutze supraleitende Spulen, um die notwendige Auflösung zu bekommen. Das Geheimnis liegt in den ausgetüftelten Algorithmen ...«
Ein Teil von Vilcas Gehirn folgt weiter Sams Ausführungen und saugt alles auf. Der andere schmiedet Pläne mit dem Brain-Field-Modulator. Allerdings muss Sam erst noch die Schwachpunkte des BFMs eliminieren. Noch einmal möchte sie nicht so durch die Cybermangel gedreht werden. Außerdem braucht sie einen zuverlässig funktionierenden BFM. Nur dann kann sie ihren Vater davon zu überzeugen, Sam finanziell zu unterstützen, damit er seine Neuro-Nanobots entwickeln kann.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.