Brigitte H. Becker - Rufe aus Morgania

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Eine Umweltgeschichte um eine junge Elfenkönigin und das Mädchen Lara, das Meridor nach langer vergeblicher Suche für die nach Hilfe rufende Erdmutter gewinnt. Liebesgeschichten werden einbezogen und verpönte aufgedeckt, die Mischwesen wie Kontrax hervorbringen, der für den Schattenmeister spioniert, der die Elfenprinzessin entführen lassen und Chaos im Elfenreich anrichten will, damit dessen Harmonie und Freude nicht mehr an Menschen weitervermittelt werden können, die von ihrer Seele und der Natur entfremdet werden sollen. Kontrax fühlt sich im Elfenschloss, wo die Seinen einziehen, viel wohler als auf der Schattenburg. Auch aus Sympathie für die Elfenprinzessin, mit der sein Sohn sich anfreundet, gerät er immer mehr zwischen die Fronten. Dann soll er im Wasserschloss, wo er die Alptraumfabrik des Wassermanns mit Material beliefert, nach den Kindern und anderen Vermissten suchen, und muss eine Entscheidung treffen.
Meridor zieht öfter die Kristallkugel der Wald-Fee zu Rate. Die kürzlich verstorbene alte Königin greift immer wieder überraschend ein und hilft der Tochter bei Lara weiter, deren Bruder zum Opfer von Schattenwesen wird.

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Nach allem, was man später hörte, hatte in Morgania noch nie eine Königin um Mithilfe gebeten.

Sprachlos wie sie waren ließen sich die Freundinnen von ihren Tischgenossinnen hochziehen, um mit ihnen ihre Einwilligung durch Aufstehen zu bekunden.

Nachdem Lyraya ihr Gedicht vorgetragen hatte und mit am Tisch auf dem Elfenhügel saß, war beim Klatschtrio alles wieder beim Alten.

„Welche Ehre!“, flötete Petunia. „Die hat sich ja selbst übertroffen, aber Pieps Stimme bleibt Pieps Stimme. Habt ihr sie verstehen können?“ Die beiden anderen schüttelten die Köpfe.

„Die sieht neben Meridor ja ganz verloren aus“, sagte Narcissa verächtlich, „aber da muss sie eben durch. Ihre Mentorin ignoriert ihre flehentlichen Blicke oder sieht nicht hin.“

Rosalie schenkte ihnen aus der Weinkaraffe nach. Endlich konnte sie ihren Trumpf ausspielen. „Haltet euch fest, Mädels! Meridor soll bei der Alten zu Besuch gewesen sein.“ Sie schaute prüfend von einer zur anderen. Petunias Katzenaugen blitzten auf.

„Was du nicht sagst! Deshalb dufte Lyraya heute vorlesen.“

Narcissas Stimme überschlug sich. „Vielleicht ist die Bitte von Meridor auch auf dem Mist der Alten gewachsen.“ Sie schauten sich fassungslos an.

Rosalie fand als erste die Sprache wieder. „Könnte hinkommen. Als alte Freundin ihrer Mutter wird ihre Kulanz ihr ein Dorn im Auge sein und dass sie sich damit Lieb Kind macht. Meridor führte vielleicht was ganz anderes im Schilde, und die Wald Hexe hat sie umgepolt, um ihr einen Denkzettel zu verpassen.“

Narcissa kam in Fahrt. „Degradiert sich zur Bittstellerin! Tiefer kann man gar nicht fallen. Ihre arme Mutter wird im Himmel ausflippen und ihr Blitze schicken.“

Petunia nickte, dass der Goldschopf wippte. „Die war die geborene Königin, und ihr Vater soll bei den Windgeistern eine Autorität sein, aber sie hat keine Würde.“

Narcissa stöhnte übertrieben. „Breitet ihr Desaster vor der ganzen Innung aus! Dabei hätte es ausgereicht, uns Blumenelfen anzusprechen. Wir hätten ihr ohne viel Aufheben aus der Patsche geholfen, und sie hätte sich eine öffentliche Blamage ersparen können.“

Manch andere am Tisch rückte so weit wie möglich von ihnen ab oder wechselte die Plätze.

Rosalie drohte den Freundinnen schelmisch mit dem Zeigefinger. „Respekt, Respekt, Mädels! Ihr sprecht von unsrer Königin!“ Sie nahm die beiden in den Arm. „Bitte etwas leiser!“

Narcissa raunte in verschwörerischem Ton „Aber die Alte scheint es sich überlegt zu haben. Wäre sie sonst als erste aufgestanden?“

Rosalie schüttelte entschieden den Kopf. „Da hatte sie sich ja schon blamiert, und sie konnte nicht zulassen, dass Meridor ihr Gesicht verliert.“

„Da hat sie sich verrechnet!“, zischte Petunia. „Scheint zu gefallen, wenn sie runtersteigt von ihrem hohen Ross. Dann können sie sich ihr näher fühlen und sie noch mehr lieben.“

Narcissa wurde nachdenklich. „Wie die alle aufgestanden sind, ohne jedes Wort. Sogar die Baumgeister haben mitgemacht. Die gehören doch gar nicht dazu, und die Zwerge sind wie auf Kommando aufgesprungen. Die Alte macht das ganz subtil.“

Heftig nickend ließ Rosalie die anderen los und schlug sich auf die Schenkel.

„Mädel, du hast Recht! Die Alte hat gehext.“ Wie über sich selbst erschreckt legte sie den Finger an den Mund. „Kusch, das ist geheim!"

„Wie ging es euch dabei?“, fragte Petunia, „ich kam mir willenlos und ausgeliefert vor... “

Die Freundinnen starrten sich an. Im Zeitlupentempo hob Narcissa ihre Arme hoch.

„Ja, wie aufgezogen.“

„Du sagst es“, hauchte Rosalie. „Die hat große Zauberkräfte, gegen die keiner ankommt.“

Ihr lebhaft zunickend sagten Narcissa und Petunia wie aus einem Mund:

„Die konnten alle gar nicht anders.“

Dann ließen sich die Drei in normaler Lautstärke in abfälligem Ton über Ihresgleichen aus, ohne sich noch um die Reaktionen Anderer zu scheren.

Fast alle in der Tischrunde fanden ihr Verhalten einfach kindisch Man schaute sich befremdet an und schüttelte die Köpfe in der Meinung, dass ihnen der Wein zu Kopf gestiegen war.

Wie konnte man so jungen Dingern auch eine Weinkaraffe vor die Nase setzen?

Im Eifer des Gefechts dürften die kleinen Kellnerinnen sie mit Beerensaft verwechselt haben.

Die Lehrerinnen aus der Elfenschule waren sprachlos, als sie vom ungebührlichen Betragen ihrer Ehemaligen hörten, hielten es aber für zu spät, um einzugreifen und kamen darin überein, es in ihrer nächsten Konferenz zur Sprache zu bringen.

Klatsch und Tratsch in aller Öffentlichkeit verletzte nicht nur die Intimsphäre Anderer, sondern gefährdete auch den Frieden und die Harmonie des Elfenreichs.

Im allgemeinen Gelächter und Stimmengewirr wurde nicht beachtet, dass die Zwerge dem Wald zueilten, um entweder mit Hockern, Geigen, Violinen, Flöten, Oboen, Glockenspielen oder Xylophonen unterm Arm zurückzukehren oder in Cuts mit Schwalbenschwänzen. Nachfolgende schleppten sich mit schweren Instrumenten ab, wie Cellos, Harfen, Trompeten, Hörnern oder Trommeln.

Als die Hocker im Halbkreis auf drei dicht beieinander stehenden Baumstümpfen angeordnet waren, nahmen die Mitglieder des Zwergorchesters darauf Platz.

Ohrenbetäubend stimmen sie ihre Instrumente. Alle horchten auf.

Viele konnten es nicht aushalten und hielten sich die Ohren zu

Zur allgemeinen Erleichterung betrat der Dirigent im dunklen Frack alsbald den Mittelstamm, um den Probenden mit einer majestätischen Geste Einhalt zu gebieten.

Mit einer feierlichen Verbeugung erhob er den Taktstock zum Auftakt des Konzerts, das er mit fliegender Mähne und ebenso grauem wippendem Spitzbart mit ganzem Körpereinsatz schwungvoll dirigierte.

Es ertönte zart schwingender Sphärenmusik.

Immer mehr Elfen strömten, teils paarweise, auf die Tanzfläche, um sich dort im Walzertakt zu wiegen, während die Zwerge Hand in Hand steifbeinig Erdhügel und Farne umkreisten. Die Baumgeister schunkelten Arm in Arm dazu.

Unförmige Kobolde mit phantasievollen Kopfbedeckungen, die sich eingeschlichen hatten, schlugen ausgelassene Purzelbäume zur Musik, lüfteten Mützen und Hüte von den kahlen Köpfen, warfen sie hoch und sich gegenseitig zu, wenn sie nicht versuchten, den Tanzenden Beinchen zu stellen, was viele aufkreischen und nach ihnen treten ließ.

Schneller und schneller umkreisten Elfengruppen Hand in Hand die Birkenstämme oder im Flug die Wipfel.

Fast alle sangen mit:

Elfentanz, Elfentanz

durch die Birkenreihen

leicht beschwingt

wie der Wind

bilden wir den Reigen.

Hand in Hand, Hand in Hand

wohlbekannt, anverwandt

fließt Gewand in Gewand

tönt Gesang in Gesang

Einigkeit zu zeigen.

Elfentanz heut zum Dank

Sonne, Mond und Sternen

zur Sommer-Sonnwendstunde

und unsrer Elfenkönigin

für Musik, Speis und Trank

in gesellig froher Runde.

6. Geburtsereignisse

Neugeburt

Ein Kind

möchte aus mir

hinaus

in diese Welt

so zart

ohne Schutz

ohne Hüllen.

Wo ist der Ort

es zu stillen?

Nellyfer atmete auf, als ihr beim Überfliegen des Waldes der Elfenhügel entgegenstrahlte.

Etwas Undefinierbares hatte sie vom Weg abgebracht, so dass sie später als gedacht ankam, obwohl sie so schnell wie nie geflogen war.

Doch was nützte es, wenn man die Orientierung verlor?

Kreuz und quer hatte sie den Wald überquert, der in der Dunkelheit überall gleich aussah.

Hatten Irrlichter das Lichtbündel, das aus ihrem Zauberstab sprühte, umgelenkt?

Doch die müssten ihr aufgefallen sein. Vielleicht hatte die Eile ihren Blick getrübt.

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