Der Grenzübergang in Öhningen ist für den LKW-Verkehr auch weiterhin geöffnet, anders als in Gottmadingen am Steiner Weg nach Buch bzw. nach Stein am Rhein, wo der Gottmadinger Grenzübergang für LKW gesperrt ist. Man kann die Grenze in Richtung Deutschland hier in Öhningen somit komplett ungehindert ohne jegliche Personen- oder Warenkontrolle passieren. Die (mobile) deutsche Grenzpolizei kontrolliert – soweit feststellbar – den Grenzübergang Öhningen überhaupt nicht, weder am D-Zollamt, noch auf der Steiner Straße dahinter. Von der (mobilen) Schweizer Grenzwacht wird allerdings gelegentlich am CH-Grenzübergang mobil kontrolliert, manchmal direkt am (geschlossenen) Schweizer Zollamt, manchmal auch auf der Oehningerstraße direkt hinter der nichteinsehbaren Rechtskurve.
Und natürlich gibt es noch immer – ähnlich wie in der Gottmadinger Gegend – vielerlei unkontrollierte „Schleichwege“ im Grenzbereich zwischen Öhningen und Stein am Rhein bzw. nach Hemishofen hoch auf dem Schienerberg, die eine unkontrollierte Einreise nach Deutschland sehr erleichtern. Nichtzuletzt auch, da das hügelige Gelände rund um Öhningen bzw. auf der Höri sich hier weniger gut für mobile Kontrollen eignet. Es bleibt somit festzustellen, dass es neben dem offiziellen Straßengrenzübergang Öhningen-Stein am Rhein im sonstigen Grenzbereich „rund herum“ eine leicht zu überschreitenden „Grüne Grenze“ in beiden Richtungen gibt. Zum „Oberen Müliweiher“ in der Schweiz in Richtung Vereinsheim steht im freien Gelände beispielsweise nur ein Grenzschild mit der lakonischen Mitteilung „Grenzübertritt verboten”. Und die Feldweg-Grenzübergänge beim Hof Bleiki und am Ölberg beim „Hofgut Stutenberg” sind nur auf den zweiten Blick als solche zu erkennen.
„Händ Sie öbbis chauft oder gschenkt übercho?“
Standardfrage der CH-Zöllner bei Kontrollen
CH-ZOLL Stein am Rhein-Grenze
Deutsches Zollamt mit überdachter Kontrollstelle und D-Hoheitsschild
D-Zollamt Öhningen mit Kontrollmöglichkeiten unter dem Dach aus Tuch in beiden Fahrtrichtungen. Im Hintergrund Zollamt Stein am Rhein in Fahrtrichtung Schweiz
Die Grenze schneidet die Steiner Straße in Öhningen übrigens nicht quer sondern schräg: Die ansonsten gerade verlaufende Grenze ab dem Untersee in Richtung Norden schlägt hier ab Grenzstein 425, nur wenige Meter nach der AVIA-Tankstelle, auf der Straße einen Haken von etwa 50 m in Richtung Öhningen. Und zwar bis Grenzstein 424 (direkt beim weissen Zollgebäude) und geht dann wieder in der gleichen nördlichen Längsrichtung weiter – wie vorhin auch. Auf der Schweizer Seite heisst die Straße nach der Grenzquerung Oehningerstraße (mit „Oe“) bzw. Alte Zollstraße und wie gesagt auf der deutschen Seite Steiner Straße (L192)
Das „Hotel Grenzstein“ auf Schweizer Gebiet samt großem Campingplatz steht zwar direkt an der Grenze aber inzwischen auch zum Verkauf, d. h. das Hotel ist geschlossen doch der Campingplatz mit vielen Dauercampern ist geöffnet. Ebenso natürlich die AVIA-Tankstelle gegenüber mit Benzinpreisen wie in der EU. Siehe auch die beiden untenstehenden Bilder, wo der (recht willkürliche) Grenzverlauf auf der Straße genau verzeichnet worden ist – und auch diese wahrlich einmalige Lage von Hotel und Camping direkt auf der Grenze überdeutlich wird. Bisher ist eine solche Grenzsituation bis auf wenige Ausnahmen nirgendwo anders bekannt – die Grenze geht offensichtlich quer durch das Camping- und Hotelgrundstück.
Camping-Anreiseplan mit vielen Infos
Camping-Grenzstein direkt auf der Grenze
Grenzstein 425 an der Steiner Straße
CH-Verkehrshinweisschild auf dem Parkplatz
Blockierter Grenzübertritt in die Schweiz wegen Corona-Pandemie
Grenzstein 424 Mitte rechts vorm CH-Zollamt
Die Corona-Grenzschließung macht es unmöglich die gewohnte Durchfahrt nach Rielasingen/Singen über Schweizer Gebiet zu nutzen und geht dies nur über den (haarnadelkurvigen) Schienerberg oder entlang dem Untersee via Gaienhofen/Moos – in beiden Fällen einen großen Umweg. Auch hier wird die enge (diesmal verkehrstechnische) Verflechtung von Öhningen und Stein am Rhein überdeutlich.
Das Städtchen Stein am Rhein gehört, übrigens zusammen mit den Gemeinden Hemishofen, Buch SH und Ramsen, zum dritten autonomen Teil des Kantons Schaffhausen („Ramsener Zipfel“), der größtenteils auf der rechten Seite des Hochrheins liegt. Der Ortsteil „Stein am Rhein vor der Brugg“ (mit dem Bahnhof) liegt als einzige Ausnahme auf der linken Hochrheinseite, mitten im Kanton Thurgau.
Zwischen dem Hegau und dem Kanton Schaffhausen sind die historischen Berührungspunkte wahrlich Legion, beispielsweise mittels ihrer „skurrilen Grenzübergänge“ allenthalben. Wie beispielsweise von Öhningen nach Rielasingen/Singen 2 Mal und von Öhningen in die Stadt Schaffhausen nicht weniger als 6 Mal.
SKURRILE GRENZGÄNGE aus www.hegau.de
Der historische Hegau umfasste früher auch einen Großteil des Schweizer Kantons Schaffhausen. Heute erstreckt sich die eigentümliche Landschaft vom westlichen Bodensee bis zur schwäbischen Alb, reicht im Süden an den Rhein und an die Schweiz und grenzt im Norden an die Donau. Die Grenze zu Schaffhausen, dem einzigen rechtsrheinischen Kanton der Schweiz, hat die Region nicht nur in ihrem schweizerdeutsch gefärbten alemannischen Dialekt geprägt. Wer sich hier aufhält, sollte immer einen Ausweis in der Tasche tragen: Ohne sich dessen gewahr zu sein, ist man plötzlich im helvetischen Nachbarland gelandet.
Auf dem Weg von Öhningen (D) bei Stein am Rhein (CH) nach Schaffhausen am Rheinfall (CH) beispielsweise überquert man auf der 22 Kilometer langen Strecke sechsmal die Landesgrenze, ohne einen einzigen Zöllner oder Schlagbaum zu sehen. Gänzlich „international“ wird es in der deutschen Exklave Büsingen, die am rechten Rheinufer zwischen Gailingen und Schaffhausen gelegen ist. Die Gemeinde mit etwa 1.500 Einwohnern verfügt über eine deutsche und eine Schweizer Postleitzahl. Hier gilt das deutsche Steuerrecht, ihre Einkäufe aber bekommen die Büsinger gegen Schweizer Franken.
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