Die enge Verflechtung zwischen beiden Ortschaften wird gut dokumentiert durch die Tatsache, dass seit 1911 die Stromversorgung von Öhningen durch das „Elektrizitätswerk des Kantons. Schaffhausen“ (EWS) erfolgt. Und sich Im “Abwasserverband Stein am Rhein und Umgebung” (2005) die CH-Gemeinden Stein am Rhein, Hemishofen, Eschenz, Mammern, Wagenhausen mit Öhningen auf unbestimmte Dauer zu einem Zweckverband mit gemeinsamer Abwasserreinigungsanlage ARA in Stein am Rhein zusammengeschlossen haben.
Anlegestelle Öhningen als Zoll-Landeplatz
CH-Fahrgastschiff MS Thurgau am Hochrhein
Aber auch dadurch, dass die „Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG“ (URh) mit Sitz in der Stadt Schaffhausen täglich von Mitte April bis Ende Oktober einen fahrplanmässigen Schiffsverkehr auf dem Hochrhein und dem Untersee zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen ( www.ur.ch ) betreibt, deren Schiffe u.a. auch in Öhningen und Wangen anlegen. Die Fahrkarten sind auf den Schiffen erhältlich. allerdings zu den wesentlich höheren Schweizer Preisen – für die es jedoch wiederum etliche Vergünstigungsmöglichkeiten gibt Seit die Schweiz am 12.12.2008 gleichfalls Mitglied des Schengenraums geworden ist, gibt es ähnlich wie bei den EU-Staaten keine Personenkontrollen mehr. Die Schweiz hat 2005 – mittels knappem Volksentscheid – die systematischen Personenkontrollen an den Grenzen zu ihren Nachbarländern eingestellt, wobei die Zollbestimmungen für u.a. Zigaretten oder Spirituosen jedoch unverändert blieben.
Wofür es allerdings auch wieder recht großzügige Ausnahmeregelungen in beide Richtungen gibt. Zudem bekommen die Schweizer nach Abstempelung ihrer Einkaufsquittungen vom deutschen Zollamt zudem die deutsche Mehrwertsteuer erstattet – ein zusätzliches gutes Geschäft angesichts des für Schweizer Verhältnisse doch recht niedrigen EU-Preisniveaus. Manche deutsche Supermärkte sind geradezu angewiesen auf ihre Schweizer Kundschaft.
Als Folge der Corona-Pandemie mussten Mitte März 2020 der Hauptgrenzübergang an der Oehningerstraße und der Nebengrenzübergang an der Pontonierstraße jedoch wieder mit Betonpollern blockiert werden – tant pis! Und dies natürlich nicht nur zum Leidwesen des Öhninger Lidl-Marktes an der Höristraße, wo normalerweise die Parkplätze vollgestellt sind mit Autos mit Schweizer Kennzeichen (wie SH/TU/ ZH).
Sondern auch zum Leidwesen vieler Einwohner Öhningens bzw. der Höri, die jetzt die kurze Durchfahrt über Schweizer Gebiet nach Rielasingen/Singen nicht mehr nutzen können und weite Umwege über den kurvigen Schienerberg bzw. die genauso kurvige Untersee-Strecke quer durch die Dörfer machen müssen. Ein erneuter Beweis dafür wie eng Öhningen mit Stein am Rhein verflochten ist.
Denn es darf hierbei nicht vergessen werden dass täglich bis zu 800 Grenzgänger diesen unauffälligen Grenzübergang zwischen Öhningen und Stein am Rhein passieren, sei es weil sie in der Schweiz arbeiten oder auch umgekehrt aber auch wenn sie Gebrauch machen wollen – wie der Autor – vom sehr gut ausgebauten schweizerischen SBB-Eisenbahnnetz (Bahnhof in“ Stein am Rhein vor der Brugg“) mit Verbindungen in alle Richtungen, u.a. auch zum Flughafen Kloten oder zu touristischen (Alpen-)Destinationen. Die nachfolgende Verkehrsverbund-Karte gibt ein wunderbares Bild der vielen gut ausgebauten und vor allem pünktlichen Bahnverbindungen in der Schweiz- und dies ab Stein Rhein in unmittelbarer Nähe.
Bahnnetz Schweiz
Hier zur weiteren Ohningen-Information das Nachbarstädtchen Stein am Rhein mit seinen 3414 Einwohnern (Ende 2018) zu beschreiben, wäre allerdings wie Eulen nach Athen zu tragen: Es wimmelt nur so von solchen, wahrlich hochinteressanten Infoseiten wie tourismus.steinamrhein.ch , www.steinamrhein.ch , www.myswitzerland.com , die alle mit tollem Bildermaterial und Spezialinfos ausgestattet sind. Auch das „Tourismus Stein am Rhein“-Büro in wunderbaren, alten Räumlichkeiten kann sich sehen lassen.
Das mittelalterliche Stein am Rhein (im Ortsdialekt „Staa“) lebt nicht zuletzt vom vor allem im Sommer unermüdlichen Tagestourismus, die Touristen aus aller Welt werden in darauf spezialisierten Reisebussen herantransportiert und sind oft mit asiatischen Touristen in Gruppenstärke besetzt. Ebenso können der Weinanbau und das Angebot an hoch spezialisierten Kleinläden und Restaurants sich blicken lassen. Das Städtchen verfügt mit dem „Riipark Stein am Rhein“ (hier heisst der Rhein auf Schwizerdütsch somit Rii) auch über eine wunderbare Freizeitanlage am Wasser, wo man im Rhein bequem baden kann und es zudem einen Springturm gibt, recht weit weg vom Ufer.
Das älteste Stadtrecht Steins stammt aus dem Jahr 1385. Am 22. Januar 1457 gelang es den Stadtbehörden, die Vogteirechte von den Klingenberg zu erwerben und so den Status der Reichsfreiheit zu erlangen. 1459 verbündete sich Stein mit Zürich und Schaffhausen, um sich vor Übergriffen der Habsburger zu schützen. 1468 gab sich die Stadtgemeinde eine Verfassung mit Bürgermeister, Räten, Reichsvogt (Hohes Gericht) und Schultheissen (Niederes Gericht). Die Zünfte hatten keine direkte politische Mitsprache. Stein erwarb bis ins 16. Jahrhundert im Umland ein kleines Untertanengebiet; bestehend aus Hemishofen, Ramsen, Bibern und Wagenhausen.
Am 29. September 1484 begab sich Stein aus finanziellen und politischen Gründen unter die Schutzherrschaft Zürichs und kam so zur Eidgenossenschaft. Es gelang der Stadt infolgedessen nicht, die Schirmherrschaft über das Kloster St. Georgen zu erwerben, da Zürich ihr zuvorkam. Nach der Aufhebung des Stifts in der Reformation baute Zürich als Rechtsnachfolger des Klosters schrittweise seine Landesherrschaft über Stein auf. Die Zugehörigkeit zu Zürich endete in der Helvetik, als Stein im Mai 1798 an Schaffhausen angeschlossen wurde. Zwar versuchte Stein 1802 wieder zu Zürich zurückzukehren, musste aber schließlich mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung 1803 seine Zugehörigkeit zu Schaffhausen akzeptieren.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit kam Stein vor allem eine strategische Bedeutung zu, da es über eine der wenigen Brücken über den Rhein verfügte. Im Schwabenkrieg wurde Stein für die Eidgenossen zu einem Einfallstor in den Hegau. Im Dreißigjährigen Krieg erzwangen die Schweden den Rheinübergang bei Stein auf ihrem Weg nach Konstanz. Die spätmittelalterliche Rheinbrücke wurde bei Kämpfen zwischen Russen und Franzosen während der Franzosenzeit zerstört. Am 22. Februar 1945 wurden durch einen amerikanischen Bombenabwurf neun Menschen getötet und mehrere Gebäude schwer beschädigt. Die überlebenden Opfer wurden in den 1950er Jahren von der amerikanischen Regierung entschädigt.
Man liesst in diesem Geschichtsabriss ungläubig, dass es am 22. Januar 1457 den Steiner Stadtbehörden sogar gelungen ist den Status der Reichsfreiheit zu erlangen, das Städtchen somit nur noch dem deutschen Kaiser direkt unterstellt war. Als reichsunmittelbar, auch reichsfrei, wurden im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reich immer diejenigen Personen und Institutionen bezeichnet, die keiner anderen Herrschaft unterstanden, sondern direkt und unmittelbar nur noch dem deutschen Kaiser Rechenschaft ablegen mussten. Sie wurden als reichsunmittelbare Stände oder Immediatstände bezeichnet.
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