Bei diesem Mädchen auf dem Fest war es wie immer gewesen. Er fand sie sehr hübsch und hatte sie immer wieder heimlich angesehen. Irgendwann hatten sich ihre Blicke gekreuzt und sie hatte ihn angelächelt. Anstatt aber zurück zulächeln, hatte er seinen Blick abgewandt. Als sie dann zu ihm herübergekommen war und sich mit ihm unterhalten wollte, war er rot geworden und hatte sie mit einer schroffen Bemerkung brüskiert. Er sah noch ihren erstaunten Blick und wie sie danach mit den Schultern gezuckt und sich von ihm abgewendet hatte.
Er nahm sich fest vor, bei dem nächsten Mädchen, das ihm gefiel, zu lächeln, egal wie rot er werden würde. Und wenn ihm wieder nichts Vernünftiges einfallen würde, was er ihr sagen könnte, einfach den Mund zu halten.
Sie marschierten am Ufer des großen Flusses entlang immer weiter nach Nordwesten. Der Weg war genauso, wie ihn der alte Mann beschrieben hatte. Sie überquerten ohne große Mühe den Ersten aus dem Norden kommenden kleinen Nebenfluss und wanderten weiter zum Zweiten, dessen Verlauf sie dann in die Berge hinein folgten.
Das Gelände war wieder sehr mühsam und sie kamen nur langsam voran. Das waren sie aber von ihrer bisherigen Wanderung schon gewohnt. Wie es ihnen der Alte beschrieben hatte, folgten sie dem Lauf des Flüsschens und bogen dann in das Tal eines aus Westen kommenden kleinen Nebenflusses ab.
Es war ein kühler, aber klarer früher Herbsttag, als sie hinter einer Biegung des Flüsschens unerwartet am Fuße eines steil aus dem Tal aufragenden Felsens auf eine Gruppe Frauen stießen. Die saßen auf einer Wiese vor dem Eingang einer Höhle und waren damit beschäftigt, Häute erlegter Tiere zu schaben.
Sie wurden bei ihrem Näherkommen von den Frauen misstrauisch beobachtet, und dann rief eine von ihnen etwas in den Höhleneingang.
Sofort traten drei Männer heraus.
Auch diese beobachteten die jungen Wanderer zunächst voller Argwohn. Erst als die Gruppe ganz nahe herangekommen war und die Männer erkannten, dass es Menschen ihrer eigenen Art waren, kamen sie freundlich näher, um sie zu begrüßen.
Ein großer, breitschultriger Mann mit den ersten grauen Strähnen im dunkelbraunen Haar trat ihnen lächelnd entgegen und streckte Kaar die rechte Hand hin. „Ich bin Ager, der Anführer dieser Gruppe. Seid uns willkommen.“
Auch Kaar reichte ihm die Hand und stellte dann sich und seine Gefährten vor.
„Entschuldigt unser anfängliches Misstrauen“, fuhr Ager fort.
„Wir hatten hier noch nie Besuch von Menschen unserer eigenen Art. Wir haben zunächst geglaubt, ihr seid eine Gruppe der Alten.“
Kaar war überrascht. „Gibt es denn hier in der Gegend viele von den Alten?“
„Nein, aber wir begegnen ihnen ab und zu auf unseren Jagdausflügen, wenn wir im Frühsommer den Tieren weiter nach Norden folgen.“
„Und wie kommt ihr mit ihnen aus?“
„Gar nicht; wir gehen ihnen aus dem Weg und sie uns auch. Als wir euch sahen, waren wir deshalb sehr verwundert, denn noch nie hat uns eine ihrer Gruppen besucht. Genauso wenig, wie wir sie und ihre Lager oder ihre Höhlen besuchen.“
„Warum eigentlich nicht?“
„Das kann ich dir nicht beantworten. Es ist nun einmal so, dass wir uns gegenseitig aus dem Weg gehen.“
Kaar vertiefte dieses Thema nicht weiter, sondern erzählte Ager von ihrem Anliegen.
„Da kann ich euch sicher helfen. Wir wandern im Sommer oft nach Norden. Dort gibt es eine große Ebene mit sehr viel Wild. Manchmal nehmen wir den Weg durch ein Tal, das nordöstlich von hier liegt und dort gibt es einige große Höhlen, in denen ihr im Winter gut leben könnt. Aber kommt erst einmal herein und seid unsere Gäste.“
Er drehte sich um und Kaar und seine Freunde folgten ihm in die Höhle. Nachdem sie einen kurzen Tunnel durchschritten hatten, erweiterte sich die Höhle zu einer riesigen Grotte und die Gruppe Wanderer kam aus dem Staunen nicht heraus.
Ager grinste zufrieden.
„Schön, nicht?“, fragte er stolz. Kaar nickte sprachlos. Eine so große Höhle hatte er noch nie gesehen.
„Hier ist es ideal für uns“, bemerkte Ager weiter.
„Im Winter verhängen wir den Eingang mit einem Mammutfell, dann kann uns auch der stärkste Sturm nichts mehr anhaben.“
Kaar war beeindruckt. „Gibt es in dem Tal, das du mir gerade beschrieben hast, auch solche Höhlen?“
„Nein, so große nicht, doch einige der Höhlen dort sind sehr schön. Wir haben sie uns immer nur kurz angesehen, wenn wir manchmal in einer übernachtet haben. Näher untersucht haben wir sie aber nie, weil wir ja eine ideale Höhle haben.“
Sie blieben drei Tage als Gäste bei den Menschen in dieser Höhle und Ager erläuterte Kaar ihre Lebensweise in dieser Gegend.
„Die Winter hier sind sehr hart und es herrschen oft starke und eisige Stürme, die eine Jagd unmöglich machen. Dann ist es in der Höhle warm und sicher. In den Sommermonaten, wenn wir im Norden jagen, legen wir deshalb große Vorräte an getrocknetem Fleisch an. Die Frauen sammeln darüber hinaus alles, was essbar ist und sich trocknen lässt. Diese Vorräte schaffen wir dann in diese Höhle und lagern sie ein. Nur dadurch ist es uns möglich, die Sturmphasen zu überstehen, ohne hungern zu müssen. Ihr solltet es genauso machen, wenn ihr eine für euch geeignete Unterkunft gefunden habt.“
Bevor sie aufbrachen, beschrieb Ager ihnen noch den Weg zu dem Tal, das er ihnen anfangs empfohlen hatte.
„Am besten ist es, wenn ihr quer über die Berge direkt nach Nordosten geht. In einigen Tagen müsstet ihr das Tal erreichen.“
Kaar bedankte sich bei Ager für die guten Ratschläge und sie verabredeten, dass sie sich gegenseitig besuchen und während der Sommermonate in der Ebene im Norden gemeinsam jagen würden. Dann drängte er zum Aufbruch.
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