1 ...8 9 10 12 13 14 ...21 „Du bist an deinem ersten Tag hier ja ganz schön schlecht gelaunt. Was ist los? Gibt es irgend ein Problem, dass…“
„…Halts Maul“, Unterbrach ihn Jan wieder wirsch, diesmal noch lauter, „Liegestütze machen!“ Alle waren Erschrocken.
„Was soll ich?“ Fragte Myers Verwirrt und ungläubig.
„In den Dreck mit dir und Liegestützen, oder weißt du nicht mehr wie das geht?“
Myers stand immer noch ungläubig vor Jan und traute seinen Ohren nicht. 25 Jahre war er bei den Truppen, hatte mit Jan Volz die Grundausbildung gemacht und später die schlimmsten Einsätze mit ihm überstanden. Jetzt, als Stabsoffizier, Regimentskommandeur und Sicherheitschef sollte er sich nun, vor ein paar Weibern, zu deren Belustigung, selbst zum Vollidioten machen. Die Damen waren mindestens genauso verwirrt. Was spielte sich da ab? Sie dachten, selbst der Captain der Ares könne dem da nichts Befehlen…. Und was ist mit Jan...?
Jan zählte laut, „einundzwanzig, zweiundzwanzig…“ Myers fiel auf die Hände und begann mit den Liegestützen. Jan richtete sich wieder Sophie zu.
„Sag mal, welche von euch kennt sich am besten mit dem Militär aus, außer dir?“ Sophie verstand.
„Tina“, sagte Sophie zu Tina.
„Ja.“
„du bist ja die Militärexpertin in unserer Gruppe. Wer an Bord kann dem Sicherheitschef Befehle geben?“
„Nun“, Tina überlegte, „der ist auch noch Regimentskommandeur, da gibt es noch einen, vom 2. Luftlanderegiment. Beide sind nicht dem Captain, sonder direkt dem Kommandeur der Ares unterstellt, Brigadegeneral Volz.“
„Genau“, sagte nun Sophie, „und derselbe ist nun einmal dieser Jan hier!“ Sie zeigte jetzt mit beiden Zeigefingern auf Jan, immer vor und zurück, zur besseren Einprägung.
„Du darfst jetzt deinen Truppenausweis vorzeigen!“ Sagte sie wieder an Jan gerichtet.
Jan kramte ihn wieder hervor und zeigte ihn stolz.
„Und du bist wirklich Chef von allem?“ Fragte Ivana skeptisch.
„Ja“, entgegnete Jan diesmal genervt, „oder soll der da“, Jan zeigte nach unten, auf Myers, der verbissen seine Liegestützen machte, „etwa noch Männchen machen und mit dem Schwanz wedeln?“
„Nein, nein!“ sagten die Mädels nun im Chor.
„Erinnert mich irgendwie an früher“, begann Jan an zu Philosophieren, „als ich gerade Leutnant wurde und mein erstes Kommando bekam. Da durfte ich zum ersten Mal Rekruten Schikanieren, war eine tolle Zeit. Später stellte ich fest, dass es noch mehr Spaß macht, Vorgesetzte in den Arsch zu treten. Das da“, er zeigte wieder nach unten, auf Myers, „ist nur Spielerei.“ Melanie meldete sich auch noch mal.
„Ist das nicht viel zu anstrengend?“
„Ach, geht schon“, entgegnete Jan, „Motivation ist alles! Am Anfang hat der sich vermutlich die schlimmsten Flüche und Verwünschungen gegen mich ausgedacht! Seht Ihr“, Jan zeigte wieder auf Myers, „die Liegestützen werden schneller. Er geht jetzt vermutlich dazu über, sich vorzustellen, wie er mich umbringen wird. Stimmt’s Roger, altes Haus?“
Myers nickte nur wild mit dem Kopf und knurrte etwas Unverständliches. Nun war Maria die Skeptikerin, die auch so etwas wie Mitleid mit dem gemeinen und Rücksichtslosen Oberst Myers hatte.
„Muss der so etwas überhaupt machen?“ Fragte sie Jan.
„Genau genommen nicht“, erläuterte Jan, „im weitesten Sinne verstößt so ein Befehl gegen die Menschenwürde. Er könnte den Befehl verweigern und eine Schriftliche Beschwerde gegen mich einreichen. Macht er aber nicht. Stimmt’s, Roger?“ Myers knurrte wieder etwas Unverständliches.
„Und warum macht der so etwas nicht?“ Bohrte Maria nach.
„Also“, fuhr Jan fort, „ weil der mich schon fünfundzwanzig Jahre kennt, weiß der natürlich, dass ich ihn dann jeden Tag, von morgens bis Abends, widerlich Schikanieren würde. Wäre ich ganz schlecht gelaunt, würde ich ihn auch auf den Strich schicken. Zum Anschaffen. Im Knast. Da hat der natürlich keine Lust zu, deshalb führt der jeden Schwachsinnigen Befehl von mir aus. Stimmt’s Roger?“ Derselbe knurrte wieder unverständliches.
Ich werde ihn, überlegte Myers, an den Füßen aufhängen. Dann werde ich mein Lieblingsmesser stumpf schleifen und ihn damit ganz langsam, bei vollem Bewusstsein, Öffentlich ausweiden, danach…
Jan wandte sich nun wieder Sophie zu.
„Übrigens, ich soll dir von Frau Miller ausrichten, dass du den Job hast, sollst dich morgen, im laufe des Tages bei ihr melden!“ Sophie riss ihre kleinen China- Augen auf.
„Was, echt? Das…das ist ja Wahnsinn!“ Sie wusste gar nicht mehr wohin mit ihren Händen, wollte schon Jan um den Hals springen und ihn abknutschen. Ging aber wohl jetzt nicht, zu viele Leute. Sie nahm das Holzkreuz um ihren Hals und Küsste dies mehrmals innig.
„Holzkreuz müsste man sein!“ Meinte Jan mürrisch und steckte sich eine an.
Die Nonne ignorierte dies, denn sie wusste, dass sonst wieder ein sexistischer Kommentar kommen würde. Aber es fiel ihr noch etwas auf.
„Ist das dort hinten nicht General Henson?“ Jan Blickte in die Richtung.
„Da kommt der nächste!“ Meinte Jan, leicht genervt. Henson kam nun auch an den Tisch an.
„Hier bist du“, meinte dieser nun, ebenfalls genervt, „wie komme ich nur darauf dich im Gefechtsstand zu suchen, oder in deinem Quartier, oder, ganz außergewöhnlich, in deinem Büro, ich hätte nur sofort die nächste Kneipe ansteuern brauchen, da sitzt er auch schon!“
„Wo denn sonst? Willst du irgendwas oder hast du dich verlaufen? Den Arschtritt hatte ich nach der Beförderung noch Vergessen, vielleicht möchtest du den dir abholen, steht Dir ja zu…“
„…Halts Maul!“ Sagte Henson, doch schon relativ verärgert. Er zog sich ein Stuhl vom Nachbartisch herüber und quetschte sich dazwischen, aber genau gegenüber von Jan, zwischen Maria und Ivana, die eingeschüchtert Platz machten. Er holte sein HT hervor und schaute auf die Uhrzeit, 16:32 Uhr, gerade Feierabend. Er bestellte sich ebenfalls ein Bier.
„Das Kontrollgremium hatte, nach deiner Abreise, noch einmal deine Frage Diskutiert.“
„Welche Frage“, fragte Jan gelangweilt, „ob ich ein Bier bekommen könnte?“
„Nein, nicht diese unsinnige Frage. Die Frage, wie ihr verfahren sollt, wenn ihr nur einen Planeten findet, wo schon intelligentes Leben ist, oder sich entwickeln könnte.“
„Auf der Erde werden wir bestimmt keins finden! Und?“
Die Kellnerin brachte Henson sein großes Glas, der nahm sofort einen großen Schluck.
„Vorgehen nach eigenem Ermessen! Die Hundesöhne und Töchter wollen keinerlei Verantwortung übernehmen!“
„Vielleicht“, sinnierte Jan wieder, zu der Nonne gerichtet, „kann ich mir dann auch meinen eigenen Porno- Tempel bauen lassen, nach eigenem Ermessen, wäre eine tolle Sache!“
Henson sah nun den gemeinen und Rücksichtslosen Oberst Myers.
„Ist das nicht Oberst Myers dort?“ Er zeigte nach unten, wo dieser sich immer schwerer tat, mit den Liegestützen.
„Jou!“ Sagte Jan nur.
„Was macht er da? Will er den Damen imponieren?“
„Ja, so was ähnliches“, log Jan, „den habe ich fast vergessen!“
Der Rücksichtslose und gemeine Oberst Myers konnte den Gedanken, von Jans Öffentlicher Hinrichtung nicht mehr Fortführen. Myers war im Moment damit befasst, dass er vor Überanstrengung nicht mit den Kopf auf den Boden knallte.
„Merkwürdig.“ Sagte Henson nachdenklich.
„Stimmt“, meinte Jan heuchlerisch, „wird langsam langweilig“, dann wandte er sich nach unten, „Oberst Myers, wegtreten!“
Der rücksichtslose und gemeine Oberst Myers stand auf. Er zitterte am ganzen Körper, vor Anstrengung. Er knallte die Hacken zusammen, ging in Grundstellung, sagte zu Henson gerichtet, „Herr General.“ Dann machte er kehrt und ging, zittrig und klapprig, davon.
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