»Prazer, ate mais tarde.« 3029
Damit stolzierte sie weiter, rief in eine offene Tür »Oi, todo bem?«, und verschwand in einer anderen.
Der Weg runter zur Bar war wieder so eine Hürde, die ich nehmen musste. Ich war zwar schon öfter nackt oder halbnackt in Leder in der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Quälgeist, aber dort unter Lesben und Trans und nicht als Pfingstkuh auf einem Treffen von Melkfetischisten.
An der Bar war es noch ruhig. Sonia polierte Gläser. Carmen erklärte mir, welche Dienstleistung was kostete. Obwohl es mich schüttelte, schrieb ich einen Spickzettel, weil ich mir nicht alles behalten konnte. Nach und nach fanden sich die Mädels ein. Ana-Jeisol, Alejandra, Yanet. Alle waren rausgeputzt, lachten und alberten herum. Ana-Jeisol und Yanet kippen sich Cuba Libre hinter die Binde.
Dann sabberten die ersten Gäste um uns herum.
Carmen eroberte ihren ersten Kunden, einen schwerfälligen Typen undefinierbaren Alters, der wie ein Bauer aussah. Große braune Hände wie Kartoffeln, wettergegerbte Haut, schlechte Zähne. Sie nannte ihn Sylvinho.
Während er ein Bier abpumpte fragte sie ihn, ob ich mit nach oben kommen durfte. Er willigte ein, gurgelte den Rest aus der Flasche und fragte »Pronto?« 3130
Carmen ging voraus, den Bauer nahmen wir in die Mitte.
Mit dem Usus kannte er sich aus, Hosen runter und Waschen machte er ohne Aufforderung. Carmen schälte sich aus ihrem Kleid, holte Gleitmittel, Kondome und Handschuhe, dann streifte sie sich einen Cockring über. Sylvinho kniete sich aufs Bett, Carmen hockte sich neben ihn und spielte mit seinem Schwanz und seinen Eiern. Sein unförmiger, behaarter Körper wirkte verletzlich und abstoßend zugleich.
Ich hätte ihn gerne geschlagen.
Carmen rollte ihm ein Kondom über, dann widmete sie sich seinem Hintern. Er grunzte, als sie einen behandschuhten Daumen in der Spalte versenkte. Mit der anderen Hand rieb sie ihren eigenen Schwanz auf ein beachtliches Format. Darüber rollte ein Gummi.
Schließlich baute sie sich hinter ihm auf, zog den Daumen heraus und platzierte dort ihren Schwanz. Mit langsamen Stößen versetzte sie sein Gewabbel in Bewegung. Ihre Hände spielten dabei weiter an ihm herum. Es dauerte höchstens zwei Minuten, bis er unter Röhren kam.
Zurück an der Bar war mir vor widerstreitenden Gefühlen schwummerig. Nur ein kleiner Teil des Menschen erledigte diese Arbeit. Diesen Teil stellte ich mir als Heizungskeller samt Brennstofflager vor. Dunkel und unheimlich, schlecht riechend, fiese Geräusche, unangehm heiß und man betritt ihn nicht gerne. Aber ohne muss man frieren. Wollte ich das?
Sylvinho spendierte Sekt. Er sah zufrieden aus.
»Wie machst du das mit dem Ständer?«, fragte ich Carmen. Ihr Slip war immer noch stark ausgebeult.
»Ich habe mir eine Viagra reingepfiffen. Das mache ich immer so, das hält ziemlich lange. Später, wenn die Wirkung nachlässt lasse ich mich auch mal ficken. Willst du auch eine? Die sind in der Kommode, die Dose mit den hellblauen Kapseln. Kannst dir eine nehmen, aber nur eine, ja? Mehr ist gefährlich.«
Ich ging das Mittel nehmen. Kleine kaugummiförmige Dinger, auf denen Hundert stand. Es fühlte sich an, als müsste ich mir wieder Männereigenschaften aneignen, damit ich eine Frauenarbeit tun konnte.
Ein Typ machte sich an mich heran.
»Probiers mal alleine«, flüsterte Carmen.
Mein fehlender Enthusiasmus stand mir offenbar ins Gesicht geschrieben.
»Ich passe auf und bleibe in der Nähe. Versuchs mal. Der kennt sich aus, er ist Stammkunde.«
Ich ging mit ihm nach oben. Cesar, so hatte er sich vorgestellt, wusch sich und schaute mich erwartungsvoll an. Auch ausgezogen sah er wie ein Versicherungsvertreter aus.
Er war schlaff und wabbelig. Nur an einer Stelle nicht. Ich schnappte danach und zog ihn zu mir. Er war überrascht, aber es funktionierte. Sein Schwanz schwoll auf Kampfstärke.
Mich machte es überhaupt nicht an. Er beugte sich vor, zog meine Bluse auseinander und betatschte meinen Busen. Damit gab er sich nicht zufrieden, seine Hände wanderten nach unten. In dem Moment, wo er mich dort berührte erstarrte ich, gleichzeitig schoss Blut in meinen Schwellkörper.
Erschrocken ließ ich von ihm ab und wich zurück.
Er kam nach, wohl weil er glaubte, es gehörte zum Spiel. Ich krabbelte über das Bett auf der Flucht vor seiner Zudringlichkeit.
»Lass mich sofort in Ruhe. Ich kotz dich voll!«, schrie ich.
Völlig überraschte hörte er sofort auf.
»Que … what … «, stammelte er. Statt einer Antwort zog ich mich in die äußerste Ecke zurück.
»Raus, verpiss dich, such dir ne andere.«
Seine Überraschung verwandelte sich in Wut. Er brüllte nun ebenfalls. Ich wollte ihm einen Plüschhocker an die Birne knallen, aber da öffnete Carmen die Tür.
Sie machte sich an Cesar heran. Binnen weniger Augenblicke beruhigte sie ihn, dann winkte sie mich heran.
Ich ließ mich von ihr auf dem Bett drapieren, den Rücken auf ihren Oberschenkeln, den Kopf zwischen ihren Brüsten, meine Beine gespreizt. So präsentierte sie mich Cesar.
Er fasste wieder Mut, näherte und wurde handgreiflich.
Etwas später ging es richtig zur Sache. Ich achtete darauf, dass ich beim Sandwichfick ganz oben war.
Cesar pumpte schwitzend und ächzend zwischen mir und Carmen hin und her. In Windeseile war er komplett bedient und wir gingen wieder nach unten.
Klar habe ich früher Freundinnen gehabt, die den Mann in mir sahen und wollten und auch da hatte ich mein ungeliebtes Anhängsel manchmal reingesteckt. Ich dachte, das muss so sein. Danach fühlte ich immer Erleichterung und Abscheu, genau so wie diesem Moment auch.
Wenigstens Carmen und Cesar waren sichtlich zufrieden. Er schwebte auf Wolken und spendierte ebenfalls Schampus. Yanet warf uns wütende Blicke zu.
»Es ist eigentlich ihr Kunde«, flüsterte Carmen. Cesar winkte Yanet herbei. Die entzog sich der Einladung, indem sie sich an einen anderen Kerl in der inzwischen gut gefüllten Bar heranmachte.
Später begegnete ich Yanet im Flur vor den Zimmern. Sie fauchte mich wütend an, aber ich verstand sie natürlich nicht. Unfreundlich gemeint war es jedoch gewiss, denn ich hörte »burra gringa« und »veado maldito«. 3231
Ich beschimpfte sie auf Deutsch. Auch Yanet erfasste den Sinn und ging auf mich los. Vom Zickenkrieg hielt ich noch nie etwas, denn Kratzen und Beißen erforderte Nahdistanz. Zwei Schritte Annäherung von ihr genügten, dann konnte ich ihr eine scheuern. Die wuchtige Backpfeife pfefferte sie gegen die Wand. Das genügte ihr fürs Erste, keifend zog sie ab.
Es war nicht gerade schlau gewesen, mir Feinde zu machen. Aber vielleicht würde Remo die Sache ausbügeln können. Seine Bürotür neben dem Treppenaufgang stand einen Spalt offen, Licht fiel in den Gang.
»Remo? Hallo?« Ich linste vorsichtig um die Ecke. Er saß seitlich abgewandt zu mir an seinem Schreibtisch, die Nase über einem Streifen Koks.
»Komm rein«, forderte er mich nach einigem Schnuffeln und Hochziehen auf. »Wie siehts aus, kommst du zurecht?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Ich muss aber noch viel lernen. Morgen gehts bestimmt schon besser, dann habe ich den Schock hinter mir.«
Er lachte.
»Das ist auch besser so, ich will dich nämlich nicht wieder rausschmeißen müssen. Denk dran, ist ja nur für kurz.«
»Ja, du hast recht. Trotzdem nicht so einfach. Aber ich brauche das Geld dringend. Am Dienstag muss ich das Zimmer wieder bezahlen.«
Er wackelte mit dem Kopf.
»Ich rate dir ab Geschäfte nebenbei zu machen. Wenn ich so was spitz kriege, gehts dir schlecht. Das kann ich nicht dulden. Ihr zahlt faire Preise für die Infrastruktur, mehr könnt ihr nicht verlangen. Was wolltest du eigentlich von mir?«
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