Ria Klug - Rotverschiebung

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Der vier Bände umfassende Gesamtausgabe «Rotverschiebung» beginnt in Brasilien, wo die Transfrau Nel Arta auf kriminelle Machenschaften stößt, während sie sich in einer Anpassungs-OP unterziehen wollte. Ein deutscher Honorarkonsul ist darin verstrickt.
Mehr als einmal kann sie nur knapp ihrem Kopf aus der Schlinge ziehen.
Zurück in Deutschland kann sie ihre Verstrickungen nicht loswerden und gerät immer wieder in Konflikt mit der Polizei. Sie muss lernen ihren Jähzorn zu zügeln, Konflikte zu vermeiden und zu vertrauen, was ihr sehr schwer fällt.
Im vierten Band sorgt sie in ihrem Heimatort für erheblichen Aufruhr, findet aber auch eine lange vermisste Nähe zu ihrer Mutter wieder.
Im flammenden Finale geht es für sie ums Ganze.
Die Bände «Kleine Betriebsstörung», «Schnicksenpogo» und «Popelige Mauscheleien» sind vor Jahren schon im Print erschienen. In dieser Gesamtausgabe sind sie gründlich überarbeitet und um den vierten, bislang unveröffentlichten Band «Nachts Zündeln», ergänzt worden.

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Himmel hilf, mir blieb wirklich nichts erspart. Eigentlich hätte ich Schaffrath zu ihm schicken sollen. Er hatte das verbockt.

Aus der Schachtel an der Theke nahm ich Gummis mit, aber egal wie viel Zeit ich mir ließ, zum Schluss landete ich doch wieder bei Klinkhammer.

Der hatte sich es auf dem Bett gemütlich gemacht. Ausgestreckt, mit Schuhen, Arme hinterm Kopf. Er setzte die Füße auf den Boden, gluckerte einen ordentlichen Schluck weg und machte die Beine breit.

»So, machma, zeigmalwassukanns.«

Randvoll, dieser Drecksack. Trotzdem musste ich vor ihm auf dem Boden knien. Schade, dass ich keine Nagelschere dabei hatte. Langsam knöpfte ich seine Anzughose auf. Sein Schwanz sprang mir, plötzlich befreit, entgegen. Er hatte eine veritable Erektion. Ich fasste einmal fest zu, Klinkhammer schnaufte laut und sank erwartungsvoll auf den Rücken. Ich öffnete eine Packung, fingerte das Gummi raus und pustete hinein.

»Wassmachsendanoch?«, blubberte er.

»Gleich, ich muss nur das Gummi drüber ziehen.«

»Nee, hörauf, brauchse nich, willichnich. Willdir ins Maul spritzen …«

»Besser nicht, ich bin nicht ganz gesund.«

Mit diesen Worten rollte ich das Gummi über seinen Schwanz. Fast schaffte ichs nicht, denn er schrumpelte in Windeseile.

»Wie, was …«

Mühsam stemmte er sich wieder hoch. Sein Mund öffnete und schloss sich. Endlich fand er seine Stimme wieder.

»Finger weg, machdichraus, dssiss doch die Höhe.«

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.

Ich hätte gejubelt, wenn die ganze Bande tot am Boden gelegen hätte, so sehr hasste ich diese Typen. Wenigstens konnte ich deutlich erkennen, dass die Sause dem Ende entgegen ging. Die meisten Männer mussten ihrem vorgerückten Alter Tribut zollen. Die jüngeren hatten ihren Fitnessvorsprung mit Drogen kompensiert. Jack und Matthew verabschiedeten sich schon, de Vries schlief quasi im Stehen. Nur der Schwabe hüpfte noch aufgeregt um Ana–Jeisol herum, die sich auf einem Lederpolster zusammengefaltet hatte. Als er mich erblickte, ließ er sofort von ihr ab und kam zu mir.

»I habs gmacht. Schad, dasd ned dabei wasch, abber der Klaus hat sich vorgdrengeld, der Seckl.«

»Tja Bernd, schade, Sie hatten mir schon den Mund ganz wässerig gemacht. Aber der Dr. Klinkhammer hat auch ganz schön was auf der Pfanne.«

Die Ironie nahm er nicht wahr. Ich hatte sowieso Zweifel an seiner geistigen Kapazität. Dafür hätte er mit seinem Mundgeruch Kammerjäger werden können.

Ich konnte ihn abschütteln. Allerdings landete ich dicht bei Pinhão Coelho. Der betrachtete mich, als würde er meine Anwesenheit erstmals richtig registrieren.

»Du heißt Nel Arta, nicht wahr?«, fragte er leise.

Ich schüttelte energisch den Kopf.

»Nein, ich heiße Sabrina.«

»Aber du bist du aus Deutschland?«

»Ja schon, aber …«

»Seit wann bist du in Brasilien?«

Ich geriet ins Stocken. »Seit zwei … Monaten …«

Er nickte versonnen, ein feines Lächeln spielte um seinen Mund. Damit war das Gespräch beendet.

Nacheinander fanden sich alle wieder im Salon ein. Klinkhammer sah verpennt und verwuschelt aus. Er würdigte mich keines Blicks, sondern blies sofort zum Aufbruch. Kurz danach verschwand er mit Kellner, Schaffrath und de Vries. Auf einen Wink von Pinhão Coelho sammelte Remo uns ein. Wir holten unsere Sachen und fuhren mit dem Aufzug nach unten. In der Tiefgarage wartete der Stiernacken mit dem Wagen auf uns. Fünf Minuten später rollten wir durch das nächtliche Verkehrsgewühl.

Ich ließ mich direkt an meiner Bushaltestelle an der Schnellstraße absetzen, winkte den Mädels zum Abschied hinterher und stiefelte los. Als beim Gehen die Anspannung nachließ merkte ich, wie fertig ich war. Ich hoffte, die ganze Anstrengung würde sich gelohnt haben, wenn ich mein Geld wie versprochen in Empfang nehmen konnte.

17

Ich schnaufte dreimal tief durch und hämmerte die Nummer von Schaffraths Karte in den speckigen Apparat. Es klingelte sechs-, siebenmal, bevor jemand abnahm.

»Schaffrath.«

»Hallo Frank, hier ist Nel. Ich möchte den Termin mit Ihnen machen. Ich kann jederzeit.«

Einen Moment herrschte Stille, dann räusperte sich Schaffrath vernehmlich.

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