Ria Klug - Rotverschiebung

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Der vier Bände umfassende Gesamtausgabe «Rotverschiebung» beginnt in Brasilien, wo die Transfrau Nel Arta auf kriminelle Machenschaften stößt, während sie sich in einer Anpassungs-OP unterziehen wollte. Ein deutscher Honorarkonsul ist darin verstrickt.
Mehr als einmal kann sie nur knapp ihrem Kopf aus der Schlinge ziehen.
Zurück in Deutschland kann sie ihre Verstrickungen nicht loswerden und gerät immer wieder in Konflikt mit der Polizei. Sie muss lernen ihren Jähzorn zu zügeln, Konflikte zu vermeiden und zu vertrauen, was ihr sehr schwer fällt.
Im vierten Band sorgt sie in ihrem Heimatort für erheblichen Aufruhr, findet aber auch eine lange vermisste Nähe zu ihrer Mutter wieder.
Im flammenden Finale geht es für sie ums Ganze.
Die Bände «Kleine Betriebsstörung», «Schnicksenpogo» und «Popelige Mauscheleien» sind vor Jahren schon im Print erschienen. In dieser Gesamtausgabe sind sie gründlich überarbeitet und um den vierten, bislang unveröffentlichten Band «Nachts Zündeln», ergänzt worden.

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»Insgesamt gibt es fünf davon«, sagte Schaffrath, dem nicht entgangen war, wie ich mich umgesehen hatte.

»Wie, fünf? Von was?«

»Fünf Schlafzimmer. Hinter der Glastür ist das größte, das benutzt aber nur der Hausherr selbst.«

»Wer ist das, der Hausherr?«

»Ruben Felipe Pinhão Coelho. Das ist der Schlanke mit den dunklen Haaren, der ohne Brille. Ein Polizeikommandant bei der Militärpolizei. Er hat uns heute die Wohnung gezeigt. Die kleinen Schlafzimmer können wir benutzen, wenn wir in Ruhe … äh, also Sex haben wollen.«

Ich trank einen Schluck Wein.

»Warum wollen Sie nicht mitmachen, obwohl Sie hier sind?«, fragte ich.

Schaffrath holte tief Luft und senkte die Stimme.

»Okay, Frau Arta, das war doch Ihr Name? Ich erkläre Ihnen jetzt mal ein bisschen was. Wir haben beim Deutschen Generalkonsulat ein Problem mit Dr. Klinkhammer. Es gibt Klagen über sein Verhalten. Angeblich kassiert er für bestimmte Leistungen Schmiergeld. Außerdem gibt es Gerüchte, dass er Kontakte überall hin hat, auch zu Leuten, die in illegale Geschäfte verwickelt sind. Das vergessen Sie bitte sofort wieder, das sage ich Ihnen nur, damit Ihnen klar wird, worum es geht. Sie sehen ja auch selbst, was er hier treibt. Wir können ihn nicht einfach rausschmeißen. Das gäbe einen Riesenskandal. Einflussreiche Brasilianer haben durch ihn gute Geschäfte gemacht und protegieren ihn. Der kleine Dicke zum Beispiel ist Luis Enrique Pastrana, er ist Ministerialbeamter im Wirtschaftsministerium der Provinzregierung. Der mit dem Sonnenbrand ist Tom de Vries von der Amrobank, die wollen hier ein paar neue Projekte finanzieren. Egal, unwichtig für Sie. Es ist überhaupt besser, wenn Sie nicht zu viel wissen, das kann für Sie gefährlich werden. Uns geht es darum, Dr. Klinkhammer dazu zu bewegen, seinen Posten freiwillig aufzugeben. Uns fehlen nur die richtigen Argumente. Da könnten Sie uns helfen.«

»Wie haben Sie sich das vorgestellt? Ich hab von nichts eine Ahnung und kennen tue ich auch keinen von den Typen. Warum hat dieser Kokainklausi Sie überhaupt eingeladen?«

Schaffrath hob beruhigend die Hand.

»Moment. Es soll nicht gefährlich für Sie sein. Wenn wir außer mir einen Zeugen hätten für diese Sause mit dem Stoff und dem ganzen Kram, wären wir schon einen Schritt weiter. Ich bräuchte eine schriftliche Aussage von Ihnen und die Zusage, dass Sie dies notfalls in Deutschland vor Gericht wiederholen, sonst nichts. Sie können auch noch zusätzlich die Ohren aufsperren, vielleicht schnappen Sie was auf, was wir gebrauchen können. Betrunkene sind manchmal ganz schön unvorsichtig. Klinkhammer hat mich eingeladen, weil ich seit ein paar Wochen viel mit ihm zu tun habe, wir bereiten die Deutsch–Brasilianischen Industrie- und Handelstage vor. Ich habe einfach versucht, einen engeren Kontakt zu bekommen. Also, wollen Sie das machen?«

»Von wollen kann keine Rede sein. Was ist mit der Sache in der Klinik? Hat Klinkhammer da auch seine Finger drin?«

Schaffrath zuckte mit den Schultern.

»Ich weiß es nicht, es kann aber sein. Ich werde mich darum kümmern. Versprochen. Also, helfen Sie mir? Ich könnte auch über einen kleinen Hilfsfond ein bisschen Geld lockermachen.«

Er blickte mich erwartungsvoll an. Die Geschichte hatte mir gerade noch gefehlt. Wenn er rauskriegen würde, was noch geschehen war, würde er garantiert einen Rückzieher machen.

»Okay, ich versuchs. Hauptsächlich, weil mir diese Arbeit nicht gefällt. Ohne Papiere ist es auch.«

»Mir würde Ihre Arbeit auch nicht zusagen, und mit dem illegalen Job, nunja, ganz unberechtigt sind ihre Befürchtungen nicht. Hier kommt man schnell ins Gefängnis.«

Er beugte sich vor und redete sehr leise. »Möglicherweise zieht Dr. Klinkhammer schon den Schwanz ein, wenn wir präsentieren, was wir haben. Dann bleibt Ihre Anonymität gewahrt und Sie sind sicher. Also, Stillschweigen, ziehen Sie niemand ins Vertrauen. Äußerste Vorsicht. Hier ist meine Karte, rufen Sie mich morgen an. Wir machen einen Termin und Sie kommen zu mir aufs Konsulat. Okay? Nochmal, sehen Sie sich vor mit dem schnauzbärtigen Mann. Das ist Dr. Kellner vom VDI. Er ist anscheinend ein guter Bekannter von Dr. Klinkhammer. Und er versteht natürlich Deutsch.«

Er überreichte mir seine Karte. Aber ich hatte keine Tasche. Schließlich steckte ich sie in die geschlossene Spitze des Schuhs. Wir tranken schweigend aus.

»Wir sollten wieder rüber gehen, oder?«, fragte Schaffrath. »Mit … Sex könnten wir doch jetzt fertig sein, nicht wahr?«

Am liebsten hätte ich ein Triumphgeheul ausgestoßen. Dieser Knabe musste meine Rettung sein. Ich glaubte, er war ein netter, mitfühlender Kerl. Nur vielleicht ein bisschen dämlich. Aber so waren Männer nun mal, damit konnte ich umgehen.

»Moment, Frank, warten Sie.«

Ich verwuschelte seine Haare, so gut es bei diesen kurzen Haaren eben ging. Dann zog ich ihn heran und verschmierte meinen Lippenstift in seinem Gesicht. Er zuckte zwar zusammen, ließ es aber geschehen.

»Das Hemd. Knöpfen Sie es auf und falsch wieder zu. Ja, so, und einen Knopf offen lassen. Gut so, okay. Wenn Sie mein Mann wären und so nach Hause kämen, würde ich Ihnen eins mit dem Nudelholz über die Birne ziehen. Sind Sie verheiratet?«

»Ja« sagte er, »aber ich machs ab, bevor ich nach Hause komme. Gehen wir. Nachher werde ich nicht mehr mit Ihnen reden, nur noch so nebenbei. Bis Morgen.«

Schaffrath gab mir die Hand. Diesmal ergriff ich sie.

16

Im Salon war die Ordnung ein bisschen verloren gegangen. Pastrana, der Holländer und Jack waren verschwunden, Giovanna, Patty und Dayana ebenfalls.

Pinhão Coelho stand hinter Ana–Jeisol und schlug ihr mit der flachen Hand auf die nackten Arschbacken. Klinkhammer beobachtete und feuerte ihn an.

»Na Frank, auch auf den Geschmack gekommen?«, rief er Schaffrath entgegen.

Seine Zunge hatte erste Lähmungserscheinungen, der Lautstärke tat das aber keinen Abbruch.

Matthew lümmelte auf den Ledersitzen herum. Auch er beobachtete, was man mit einem Hintern alles anstellen konnte.

Dann nahm er mich ins Visier. Sofort zog ich mich an die Bar zurück. Es half nichts, er folgte mir und quatschte mich an. Ich sollte mit ihm einen Cocktail genießen, sagte er mit öligen Augen. Ich beschloss den gewollten Doppelsinn zu ignorieren und einen Caipirinha zu nehmen. Das sollte aber für den Abend der letzte sein, damit ich einen klaren Kopf behielt. Ein paar Minuten sabbelten wir Müll, aber er wollte unbedingt mit mir ins Separée.

Seufzend schnappte ich mir aus der Schachtel hinter der Theke ein paar Kondome und zog mit ihm ab. Nur noch den heutigen Abend überstehen und keinen Bockmist bauen, dann bin ich gerettet, so versuchte ich mich zu trösten. Wir landeten im selben Zimmer, in dem ich mit Schaffrath geredet hatte.

Matthew redete nicht lange herum, er wollte gefickt werden. Leider roch er ungewaschen und ich mochte weder seine Stimme noch sein schleimiges Geschwätz, aber ich gab mein Bestes.

Dank des Wundermittels war meine Erektion allen Anfechtungen gewachsen und nach fünf Minuten Schwerstarbeit spritzte er in das Gummi ab, das ich ihm vorsorglich übergestreift hatte. Das Gleitmittel rund um seine Rosette hatte sich in braunen Schmier verwandelt.

Matthew verriet mir, dass gegenüber ein Badezimmer zu finden war. Dorthin verschwand ich so schnell wie möglich, ohne ihn grob zu brüskieren. Ich schrubbte mich gründlich und wartete, bis das Kotzgefühl vorbei ging.

Das Bad war ein Traum mit mehreren Ebenen und dunklem Naturstein. Erhellt wurde es durch eine riesige Lichtkuppel. Ich setzte mich auf das Bidet und zählte eine ganze Weile die Wolken.

Im Salon wurde Dinner aufgetragen. Auf dem Esstisch gegenüber der Theke lag Franca. Giovanna schleppte mehrere große Tabletts mit Tapas aus der Küche herbei. Alles scharte sich um sie, während Patty und Giovanna Francas nackten Körper unter der Anleitung des Bullen mit Häppchen dekorierten. Körperstellen, auf denen nichts liegen blieb, wurden mit Guacomole und Tomatensoße bedeckt.

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