Der holländische Banker setzte eine randlose Halbbrille auf, studierte das Speisenangebot oder den Servieruntergrund eingehend und sonderte dann und wann einen Kommentar ab. Jack amüsierte sich über de Vries Aussprache. Dessen Englisch klang, als hätte er seine Zunge gegen einen Rollmops eingetauscht.
Pastrana fraß schon eins der Tabletts kahl. Er kaute langsam und bedächtig, aber unerbittlich.
Mich ekelte es schon wieder, also ging ich zur Theke und ließ mir noch einen Wein geben. Ich spürte, dass Remo nicht zufrieden mit meinem Benehmen war. Sein Blick unter den zusammengezogenen Brauen fixierte mich scharf.
»Los, rüber mit dir«, zischte er leise, zum Tisch deutend. Den Erfolg des Tages wollte ich nicht gefährden, also fügte ich mich. Ich postierte mich dort, wo ich am weitesten von Matthew entfernt war, landete aber neben Kellner, dem dritten Deutschen mit dem Schnauzbart.
Mit Riesenpupillen glotzte Kellner mich an.
»Hey, who is your name?«
Das musste ich mir zweimal durch den Kopf gehen lassen, bevor ich begriff was er sagen wollte.
»Hallo, ich bin Sabrina. Und Sie?«
»Ach, du kannsch Deutsch?« Er rückte sofort näher. »I bin Dr. Kellner. Du kannsch Bernd zu mer sage.«
Ein Schwabe. Oder irgendwas aus der Gegend. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte.
»Bernd, so ein schöner Name. Ich habe einen Onkel der so heißt.«
Einen Moment fürchtete ich, ich hätte zu dick aufgetragen. Aber es war nur eine Denkfalte auf seiner Stirn, kein Argwohn. Woher sollte er auch wissen, welch eine Arschgeige dieser Onkel Bernd war.
»Ach, bisch aus Deutschland? Won her?«
»Aus Hannover, und Sie?«
»I bin aus Pforzheim, i bin gelernte Maschinebauinschnör un schaff fürn VDI. Kennschte den? Die meischte Leut kenne den ned, isch abbern große Verband.«
Jaja, so einen Langen wie Kellner hatte ich nicht.
»Interessant. Und was machen Sie in Brasilien?«
Seine Mundwinkel sackten nach unten. »Bissle schaffe, aber am Mittwoch sollt i operiert wern. Des isch aber schief gegange un i muss warte obs no klappt.«
»Weshalb wollen Sie sich operieren lassen?«
Am liebsten hätte ich ihn geschüttelt, damit er nicht so behäbig antwortete.
»I krieg oine neue Niere, aber sagsch ned weider.«
»Wo denn?«
»Na hier.« Er fasste sich auf die Hüfte.
»In welchem Krankenhaus, meine ich.«
»Kahsada Belehsa heischt des. Warum willschte des wisse?«
Ich gab mir große Mühe, dass er meine Erregung nicht bemerkte.
»Haben Sie noch nie davon gehört, dass Menschen hier Organe geklaut werden, zur Transplantation?«
Kellner hob abwehrend die Hände.
»I klau nix. I zahl fünfzehntausend dafür. Kannsch den Klaus frage.«
Ich überlegte, ob ich ihn erschlagen könnte. Dieser Scheißkerl könnte auf eine meiner Nieren scharf gewesen sein. Wenn er wirklich meine Niere bekommen hätte, würde das bedeuten, es gäbe zwischen ihm und mir Gemeinsamkeiten, was mir so widerlich erschien, dass es ein Grund für Selbstmord oder Mord gewesen wäre. Aber auch wenn es nicht um meine Niere gegangen sein sollte, er hätte es verdient, dass ich ihm was antue.
Ich musste das Thema fallen lassen, bevor Klinkhammer darauf aufmerksam werden würde. Nach einer kleinen Pause fing Kellner wieder an.
»Sagemol, bischte a oina vun dene Mannweiber? Hoschte dei Ding no?«
Wie konnte es eigentlich sein, dass solche Blindgänger immer die besten Jobs bekamen und dann noch ins Ausland geschickt wurden? Kein Wunder, dass das deutsche Ansehen in der Welt nicht besser war.
»Mein Ding habe ich noch und es funktioniert auch. Hast du … haben Sie mich nicht gesehen, wir haben doch da was vorgeführt.«
Ich zeigte auf das Polster am Boden. Er patschte sich mit der flachen Hand an die Stirn.
»Ouh, des hen i vgesse. Hat mer abber gfalle. Machschte sowas öffder?«
»Jeden Tag, wenn wir Zeit haben. Das ist gut zum Entspannen. Sollten Sie auch mal machen.«
Er riss die Augen auf, der Schnauzer zitterte. »I wellets gern mol probiera, i wois nur koi, diewos mit mir machet. Moinsch hier … Du un die Gloine … i täts scho gern mache.«
Meine Güte, das fehlte gerade noch. Ich stellte mir vor, wie er seine Hose vorm Weghängen akkurat zusammenfaltet, seine Schuhe parallel ausgerichtet unters Bett schiebt und musste einen Schreikrampf unterdrücken. In diesem Moment wurde das Buffet eröffnet.
»Kommen Sie, Bernd, dazu müssen wir erstmal das ganze Zeugs von Franca runter essen und sie sauber lecken.«
Ich hoffe, das würde ihn auf andere Gedanken bringen. Carmen hakte sich bei mir ein.
»Alles in Ordnung, Nel? Du siehst nicht fröhlich aus.«
Sie flüsterte ganz leise. Ich auch.
»Alles okay, aber ich habe keine Lust mehr, mein Kopf tut weh.«
»Ach, du Arme. Es dauert nur noch ein, zwei Stunden, dann haben die Männer genug. Schaffst du das noch so lange?«
»Es wird schon gehen, Süße, keine Sorge.«
Pinhão Coelho wartete, bis sich alle eingefunden hatten, blickte grinsend in die Runde und wünschte Guten Appetit. Die Mutigen stürzten sich sofort darauf.
Klinkhammer lutschte an Francas dickem Zeh. Er beobachtete dabei ihr Gesicht. Sie verzog keine Miene, lag ganz ruhig.
Jack begann gleich in der Körpermitte, fraß erst eine Hüfte frei und näherte sich so dem Ziel. In seinem Stoppelbart sammelte sich der Schmier, der es nicht zum Mund schaffte. Selbst von der Stirn schob sich Brei in den Haaransatz.
Schließlich zuckte Franca zusammen und kicherte. Oliven kullerten an ihr herunter. Pinhão Coelho fing mit den Lippen ein paar davon auf, die er in ihren Mund fallen ließ. Dann stellte er einen Stuhl an das Kopfende des Tischs, stieg darauf, öffnete seine Hose und holte seinen Schwanz heraus. Dabei trank er in großen Schlucken aus einer Wasserflasche. Er sah sich um und winkte Ana-Jeisol herbei. Die postierte sich hinter ihm, zog seine Hose weiter hinunter und versenkte eine Hand zwischen seinen Arschbacken. Die Hand bewegte sich in kleinen Kreisen, dann zuckte Pinhão Coelho zusammen. Gleichzeitig erhob sich sein Schwanz. Ana-Jeisol umfasste ihn und zog leicht daran. Es begann mit ein paar Tropfen, bevor ein ordentlicher Strahl entsprang. Ana-Jeisol lenkte ihn. Zuerst auf Francas Kopf und in ihren offenen Mund. Dann mit schnellen Bewegungen in die Runde. Trotz hastiger Flucht bekamen alle was ab. Der Bulle und Ana-Jeisol konnten sich kaum halten vor Lachen.
Nur Jack ließ sich nicht beirren. Er schlang einfach weiter, obwohl Ana-Jeisol ihn gezielt bespritzte.
Ich wäre lieber verhungert, als etwas von dem Zeugs zu fressen.
»Hasch koin Hunger?«, fragte Kellner.
Dieser Pornohippieschwabe hatte einen Vorrat an Proviant auf der Nasenspitze deponiert. Auf seinem Revers glänzten dunkle Flecken. Auch seine Haare schienen nass geworden zu sein.
»Nee danke, echt nicht …«, erwiderte ich.
Ich wendete mich schnell ab, ging zur Theke und ließ mir das Glas füllen.
»Was ist los mit dir?« Remo sah mich prüfend an.
»Mir ist übel. Aber ich gebe mir alle Mühe.«
Remo zog die Schultern hoch und ließ sie wortlos wieder fallen. Ich wollte meine Bezahlung nicht gefährden, daher gesellte ich mich wieder zum Tisch. Ich kam gerade recht.
Mit Ana-Jeisols tätiger Hilfe ejakulierte der Bulle in langen Fäden über den Tisch. Die Blase war wohl leer gewesen.
Die Kerle lungerten danach etwas unschlüssig herum. Außer Jack mochte niemand mehr essen. Unter dem Tisch bildeten sich Pfützen.
Es wird Zeit aktiv zu werden, damit ich den Rest der Veranstaltung überstehe, dachte ich. Und bevor sich noch jemand ausschleimen würde. Die Flucht vor Kellners Fickträumen war auch wichtig.
Also achtete ich darauf, dass sich Klinkhammer immer zwischen mir und Kellner befand. Klinkhammers rempelte mich an, weil er zufällig einen Schritt zurück trat. Wein schwappte über meine Hand und lief an meinen Beinen herunter.
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