Ria Klug - Rotverschiebung

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Rotverschiebung: краткое содержание, описание и аннотация

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Der vier Bände umfassende Gesamtausgabe «Rotverschiebung» beginnt in Brasilien, wo die Transfrau Nel Arta auf kriminelle Machenschaften stößt, während sie sich in einer Anpassungs-OP unterziehen wollte. Ein deutscher Honorarkonsul ist darin verstrickt.
Mehr als einmal kann sie nur knapp ihrem Kopf aus der Schlinge ziehen.
Zurück in Deutschland kann sie ihre Verstrickungen nicht loswerden und gerät immer wieder in Konflikt mit der Polizei. Sie muss lernen ihren Jähzorn zu zügeln, Konflikte zu vermeiden und zu vertrauen, was ihr sehr schwer fällt.
Im vierten Band sorgt sie in ihrem Heimatort für erheblichen Aufruhr, findet aber auch eine lange vermisste Nähe zu ihrer Mutter wieder.
Im flammenden Finale geht es für sie ums Ganze.
Die Bände «Kleine Betriebsstörung», «Schnicksenpogo» und «Popelige Mauscheleien» sind vor Jahren schon im Print erschienen. In dieser Gesamtausgabe sind sie gründlich überarbeitet und um den vierten, bislang unveröffentlichten Band «Nachts Zündeln», ergänzt worden.

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Er prüfte die Sensibilität des Bereichs mit einem dosierten Schlag. Der Schmerz durchzuckte mich so heftig, dass mir die Luft wegblieb.

Mein Kopf sackte bis auf seine Bauchnabelhöhe. Er fasste mit der Linken meinen Hals direkt unterhalb des Kinns, hob mich so wieder hoch und drängte mich mit dem ganzen Körper gegen die Wand. Obendrein schob er seinen Schlagstock zwischen meine Beine und zog ihn kräftig nach oben. Sein Gesicht war meinem sehr nahe. Seine grobporige Nase hatte ich unmittelbar vor Augen. Sein Atem roch, als hätte er in Aftershave gesottenes Aas gefressen.

Ich wägte meine Chancen ab. Ganz kampflos wollte ich ihn nicht gewähren lassen. Vielleicht der berühmte Stirn–Nasenkick? Beide Scheißkerle schätzte ich so um die dreißig und jeder für sich schien schon kräftig genug, mich windelweich zu schlagen.

Jemand klopfte an die Tür. Der junge Kollege mit der Brille steckte kurz den Kopf rein und sagte irgenwas.

Mein Peiniger ließ unvermittelt von mir ab. Der Schnauzbart schob mir die Klamotten mit dem Fuß rüber.

Sie wollten also sehen, wie ich mich vor ihnen in den Staub schmiss. Mir war mittlerweile fast alles egal, ich bückte mich. Hauptsache ich war nicht mehr nackt. Mit zittrigen Händen zog ich mich unter den abschätzigen Blicken der Mistkerle an.

Als ich soweit war, wurde ich aus dem Zimmer eskortiert, durch den Gang in einen anderen Raum.

Es war ein fensterloses Büro mit Schreibtisch, ein paar Stühlen und zwei Aktenschränken. Hinter dem Schreibtisch thronte ein fetter Typ um die fünfzig mit kurzem grauem Haar. Er war mir spontan zuwider.

Mit einer Handbewegung wedelte er meine Bewacher hinaus. Als sie gegangen waren, griff er unter den Schreibtisch und legte meinen Rucksack auf die Platte. Aus der Tasche seines Jacketts nestelte er einen deutschen Reisepass. Er schlug ihn auf, sah aufreizend lange hinein, schließlich heftete er seine Augen zum ersten Mal auf mich. Er musterte mich seelenruhig, als wäre ich ein Brathähnchen, welches er zu kaufen in Erwägung zog.

Wenigstens da versuchte ich Stolz zu zeigen, schob das Kinn vor und starrte zurück. Nach ein paar Augenblicken glitt sein Blick abschätzig an mir und meiner Garderobe hoch und wieder herunter, dann holte er geräuschvoll Luft.

»Senhor … Artman«, hörte ich auf Englisch, »das scheint Ihr Pass zu sein, nicht wahr? Und dies demnach Ihre Tasche?«

»Ja. Her damit. Wissen Sie, was diese Scheißkerle gemacht haben?«

»Moment. Mein Name ist Rojas, ich leite die Haussicherheit. Meine Männer haben Sie für einen Ladendieb gehalten, das ist leider ein Missverständnis. Aufgrund Ihrer, hmhm, unvorteilhaften Erscheinung aber verständlich, da kann ich meinen Mitarbeitern keinen Vorwurf machen …«

Damit brachte er mich ruckzuck auf die Palme.

»Keinen Vorwurf? Sind Sie noch ganz sauber? Wer gibt Ihnen das Recht …«

Er unterbrach meine Tirade. »Ich möchte, dass wir eine kultivierte Unterhaltung führen. Wenn Sie dazu weder bereit noch in der Lage sind, werde ich meine Mitarbeiter bitten, dieses Gespräch mit Ihnen zu führen. Es sind ehemalige Polizisten, die sind in der Auswahl Ihrer Mittel nicht sehr wählerisch, aber höchst effizient. Wir sind bekannt dafür, deshalb sind Ladendiebe bei uns sehr selten. Sollten Sie erwägen, die Polizei einzuschalten, kann ich Ihnen davon nur abraten. Aus naheliegenden Gründen haben wir beste Kontakte zum hiesigen Revier. Es könnte sein, dass Ihre Klage nur zu neuem Grund zur Klage führt, ich vermute, dies ist nicht in Ihrem Sinne.«

Er legte eine wohldosierte Redepause ein. Dann ein Friedensangebot.

»Bitte setzen Sie sich doch. Wir haben da das Problem mit der Kundin, die Sie verletzt und belästigt haben. Da es sich nicht um Schwerwiegendes handelt und wir ihr einen Einkaufsgutschein überreicht haben, können wir die Sache unter zwei Bedingungen vergessen. Hier ist eine Erklärung, mit der Sie bestätigen von uns wegen des kleinen Zwischenfalls korrekt behandelt worden zu sein. Darüber hinaus bestätigen Sie, Ihr Eigentum, soweit von uns sichergestellt, vollständig ausgehändigt bekommen zu haben. Die Marktleitung hat mich ermächtigt, Ihnen wegen der Unannehmlichkeiten einen Einkaufsgutschein in Höhe von einhundertfünfzig Reais zu überreichen. Ich schlage vor, Sie erhalten von mir einhundert Reais in bar, die übrigen fünfzig Reais legen wir in die Kaffeekasse der Belegschaft für deren Bemühungen. Sie unterschreiben diese Erklärung, in der Sie bestätigen, von uns ordnungsgemäß entschädigt worden zu sein. Danach steht es Ihnen frei zu gehen.«

Damit schob er mir den Rucksack und zwei Blatt Papier samt Kugelschreiber über den Tisch. Erst mal stellte ich den Rucksack auf den Kopf. Auf den ersten Blick fehlte nichts. Sogar mein Geldbeutel war da.

Ich schnappte mir den Kuli und kritzelte etwas Unleserliches unter die portugiesischen Texte.

Rojas erhob sich und öffnete die Tür. Dahinter wartete ein Uniformierter.

»Senhor Artman, mein Mitarbeiter wird Sie nach draußen begleiten. Bitte sorgen Sie dafür, dass sich ein ähnlicher Vorfall nicht wiederholt.«

Damit wurde ich entlassen. Mein rechter Oberschenkel schmerzte bei jedem Schritt. Ich fürchtete, das war ein Andenken, von dem ich noch lange was haben würde.

Obwohl ich gerne Scheiben einschlagen wollte, machte ich mich auf die Suche nach dem Internetcafé.

Dort traf sich alles, was unter zwanzig war, über Taschengeld verfügte, hier im Viertel wohnte und sich nie die Haare wusch. Einige der Burschen lümmelten vor Bildschirmen und spielten virtuellen Fußball. Die Mädchen schauten kaugummikauend zu und fummelten an ihren Frisuren herum.

Ich ließ mir vom Kassierer einen PC zuweisen und machte mich ans Werk.

@Jason

»Hallo jason du musst den konsulatsheinis feuer unterm arsch machen. die sagen alles ist normal, weils die klinik so sagt. aber mich haben welche verfolgt und ich bin denen abgehauen. Ich hab bruder und schwester von cris aufgetrieben. die wollen mit mir hingehen damit ich die kohle wiederkriege. Die sagen, polizei haette keinen sinn. aber irgendwas muss doch passieren. was sagt maurer?«

@Nel

»Das mit dem Konsulat ist natürlich blöd. Frank sagt, er muss sich erst mal einarbeiten. Er ist Papa geworden und gerade nicht so schnell damit. Aber das dauert sowieso alles ewig über die Dienstwege. Ich werde nochmal beim Konsulat nachhaken. Pass bloß auf mit dem Abholen der Knete. Geh besser zur Polizei. Das ist sicher nicht so gefährlich, wie das was du vorhast.«

@Jason

»von polizei habe ich die schnauze voll. Hab eben welche kennen gelernt, dreckspack. ich glaube die helfen mir so wenig wie die vom konsulat, eher schlimmer. ich wurde schon davor gewarnt. Das abholen muss klappen sonst bin ich naemlich pleite. Heute abend weiss ich mehr. Morgen melde ich mich wieder. bussi«

Später näherte ich mich der Kneipe von gestern. Alina und Nelson waren schon da. Ihre Augen blieben auf dem Top hängen, das unter meiner Jacke herausschaute.

»Bonito«, sagte Alina zur Begrüßung. Nelson sagte nichts, schielte aber auf meinen Busen, als wäre der gestern noch nicht da gewesen.

»Wie siehts aus mit dem Trip nach Sorocaba? Ich habe so was von die Schnauze voll. Jetzt kann ich gerade noch ein paar Busfahrkarten für uns kaufen. Aber dann bin ich pleite.«

Alina übersetzte und ich bestellte uns Bier.

»Wir fahren mit dem Motorrad«, sagte Alina, »das ist uns lieber. Und es ist billiger.«

»Und ich mit dem Bus? Meinetwegen.«

Alina kicherte. »Nein, du fährst mit uns. Das ist besser. Vielleicht müssen wir schnell abhauen.«

»Aber, … wir können doch nicht zu dritt auf dieser Klappermühle …«

Dass Alina da laut lachte, lag sicher an meinem dämlichen Gesichtsausdruck.

»Nein, Ricardo kommt mit, das ist unser Vetter«, sagte sie, als sie sich beruhigt hatte, »er hat auch ein Motorrad.«

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