Das blasse Gesicht und der kalte Angstschweiß auf seiner Stirn zeigten jetzt den seelischen Zustand, indem er sich befand.
Durch das mehrmalige kräftige Drücken der Wasserspülung wurde das menschliche Körperteil in wenigen Sekunden in den Abwasserkanal weggespült.
„1009". Wo hatte er diese Nummer schon einmal gehört? fragte er sich immer wieder, bis es ihm einfiel.
Ja, es war das Postfach von Ken!
Eilig holte er eine Wolldecke im Wohnschlafzimmer und legte sie über die Leiche in der Badewanne, die ihn mit seinen leblosen weit geöffneten Augen anstarrte.
Dann ging er in den Schlafraum zurück, um nach seinem Geheimfach zu sehen. Jetzt bemerkte er, dass alle Türen seines Schlafzimmerschrankes offenstanden. Alle Kleidungsstücke waren ausgeräumt. Zerstreut lagen sie auf dem Boden verteilt im Zimmer umher. In Eile von der panischen Angst vorangetrieben, zog er die Sockelleiste seines Kleiderschrankes nach vorne weg. Ja, sie war noch, da seine kleine Kassenbox! die er sicher an einem geheimen Platz versteckt hatte, den man nicht so schnell ausfindig machen konnte.
Kontoauszüge, Personalausweis und den Zweitschlüssel von Kens Wohnung bewahrte er darin auf.
Eilig nahm er die kleine Geldkassette unter dem Schrank hervor und kontrollierte den Inhalt. Nichts fehlte!
Es war ein sicheres Versteck, auf das man erst einmal kommen musste. Die 46.500,00 € Schwarzgeld, die er noch nach seinem luxuriösen Einkauf übrighatte, nahm er aus seiner Jackentasche und legte sie in die Geldbox. Dort war das Geld vorerst am sichersten. Danach holte er die Wohnungsschlüssel von Ken heraus, schloss die Kasse wieder ab, und schob sie so weit, wie es möglich war, unter den Schrank weit zurück.
Durch das sorgfältige Einklicken der Blendleiste an der Vorderseite des Schlafzimmerschrankes war das geheime Versteck nicht mehr zu sehen.
Er sah, „1009", stand auf dem kleinen Schlüssel eingestanzt, der an Kens Schlüsselbund hing. Ja, er wollte und musste es wissen, was in dem Postfach lag, bevor ein Fremder ihm zuvorkam. Eilig verließ er in Gedanken an das Geschehene die Wohnung und fuhr mit dem Lift in die Tiefgarage des Hauses. Ängstlich schaute er sich noch einmal um, bevor er in seinen Wagen stieg. Von panischer Angst getrieben fuhr er jetzt in Gedanken mit dem schrecklichen Anblick seines toten Freundes zum Postamt. Als er ohne jedes Zeitgefühl ankam, sah er, dass die Post schon geschlossen war. Eilig stieg er aus und sprang leichtfüßig an den Post-Eingang. Aufatmend sah er den Türöffner. Mit seiner normalen Euroscheckkarte, die er zum Glück dabeihatte, konnte er über eine Kodierungsanlage, die neben der Außentür angebracht war, die Tür zum Vorraum öffnen.
Jetzt kam er ungehindert in den Vorplatz der Poststelle, von dem man die Schließfächer erreichen konnte.
Da das Postamt schon geschlossen hatte, war er ganz alleine in der großen Vorhalle. Sich noch einmal umschauend, dass er nicht beobachtet wurde, öffnete er das Schließfach.
Mit der Angabe er wäre selbstständiger Unternehmer, hatte sich sein Freund ein größeres Postfach angemietet. Mehrere kleine Päckchen, die man als Briefpost verschicken konnte, lagen im
Fach. Sie waren mit einem Aufkleber für den Bücherversand versehen. Der Absender, der seltsamen Post, war von einem Buchverlag in der Schweiz.
Was wollte er mit so vielen Büchern? dachte Kai und nahm eines der Päckchen heraus.
Astro-Verlag Zürich, stand auf den DIN A5 verpackten Kartonagen. Sie hatten das Gewicht eines Buches. In der Dicke waren sie ungleich. Sechs Päckchen und zwei Briefe lagen im Postfach. In einer unauffälligen Einkaufstüte, die er sich mitgebracht hatte, verstaute er die Päckchen nach einer Weile der Überlegung. Vorsichtig drehte er sich noch einmal um, umzusehen, dass ihn auch niemand bei seiner Entnahme der Post beobachtet hatte.
Nein, es war zu seinem Glück nichts Auffälliges zu sehen! Sich immer wieder umschauend verließ er eilig das Postamt und stieg in seinen Wagen ein.
Seine Neugier war jetzt so groß, dass er unbedingt wissen wollte, was in den kleinen Paketen war.
Vorsichtig nahm er die Plastiktüte und holte das kleinste Paket hervor. Dann roch er an einem Paket. Nichts! dachte er.
Der Inhalt musste geruchlos sein?
In großer Anspannung öffnete er die obere Seite der Verpackung und sah hinein. Ein Buch war das Erste was er sehen konnte. Was wollte er mit all diesen Büchern? Er las doch nie! dachte Kai und zog eines davon vorsichtig heraus.
„Wenn die Liebe vergeht“, stand auf dem Umschlag des Buches.
Jetzt erst bemerkte er, dass es kein gewöhnliches Buch war. Es war nochmals Klarsicht verschweißt. Geduldig löste er mit einem leichten Schnitt seines Taschenmessers die Klarsichtfolie. Erst als er das Buch in der Hand hielt und es aufschlagen wollte, bemerkte er, dass es eine Attrappe war.
Erstaunt sah er das blütenweiße in Kunststoff eingeschweißte Päckchen im Inneren der Buchattrappe.
Das ist Kokain! Schoss es ihm sofort durch den Kopf.
Dass sich in der Plastiktüte, in seinen Händen, reines Heroin im Wert von ca. 2,6 Millionen Euro befand, wusste er zu diesem Zeitpunkt, noch nicht.
Vorsichtig schlitzte er jetzt von der Neugier gepackt, dass wasserdichte Päckchen mit seinem kleinen Taschenmesser auf.
Nach einer Weile der Überlegung nahm er aus seinem Handschuhfach eine kleine Plastiktüte und füllte ca.50 Gramm von der weißen Menge in die Tüte. Das 1gr. Heroin auf dem Schwarzmarkt ca. 70 € kostete, ahnte er nicht.
Heute Abend wolle er es in der „Disco Bar Serena“ von Editha Serena prüfen lassen. Denn sie kannte sich bestens aus mit Drogen jeder Art, dachte er, und legte die geöffnete Heroinpackung wieder in die Buchattrappe zurück.
Danach steckte er die kleine Drogenprobe, die er sich entnommen hatte, in seine Hosentasche. Er wusste, dass er das Rauschgift auf keinen Fall mit nach Hause nehmen konnte.
Fand die Mafia das Heroin, was er für Kokain hielt, bei ihm, war er ein toter Mann. Die Leiche seines toten Freundes in seiner Wohnung brachte ihn schon in größte Schwierigkeiten. Hätte man noch, dass Rauschgift bei ihm gefunden, war er für die Kripo ohne jeden Zweifel der Mörder seines Freundes.
Nachdenklich schaute er auf die Drogen, die er besser nicht im Postfach gefunden hätte.
Ja, das war es! Die International Bank! Dort war das Rauschgift am sichersten. Heute noch musste er hinfahren und es verstecken, dachte er. So beschloss er wenige Sekunden später sofort hinzufahren. Nie würde man das Kokain, wie er das Rauschgift einschätzte, dort vermuten.
Gegen 20:00 Uhr betrat er mit seinem Technikerkoffer, in dem er im unteren Teil die Päckchen mit dem Heroin verteilt hatte, die Bank.
>>Hallo, Herr Raimann! Was wollen sie noch so spät bei uns? << ,rief der Sicherheitsbeamte am Eingang der Bank ihm zu, als er ihn mit schnellen Schritten kommen sah.
>>Ich muss noch einmal kurz in die EDV. Die Computer- Anlage wird in Kürze heruntergefahren. Es gab heute Morgen Probleme mit der Technik, antwortete Kai um seinen späten Besuch in der Bank zu begründen.
>>Sind Sie denn angemeldet in der EDV? <<, wollte der Sicherheitsbeamte zur Vorsicht wissen.
>>Nein, aber rufen Sie Herrn Ruthard von Anselm an, er weiß Bescheid<< ,erwiderte Kai Raimann sofort.
Umgehend verschwand der Beamte in seinem verglasten Wachraum. Kai sah, dass er den Telefonhörer abnahm und eine Nummer wählte. Es war das Vorzimmer von Dr. Ruthard von Anselm, die er angewählt hatte.
>>Ja! <<, meldete sich von Anselm zu seiner Überraschung noch so spät forsch, etwas verärgert.
Da sein Vorzimmer nicht mehr besetzt war, wurde der Anruf direkt zu ihm durchgeschaltet.
>>Entschuldigen Sie Herr von Anselm! Hier! Herr Alois Becker vom Werkschutz<< ,sagte er ganz aufgeregt.
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