»Wir können es versuchen«, sagte Berger.
»Okay«, hauchte Jennifer.
»Dann mal los«, sagte ich.
Berger fuhr an, dann gab er Gas. Der Wagen hatte einen kraftvollen Motor und beschleunigte schnell. Berger lenkte den Wagen sicher über die Piste.
»Wir schaffen es«, sagte Jennifer erleichtert, und in diesem Augenblick hörten wir ein Zischen über uns. Der Raumgleiter war wieder da, drehte eine Runde und kam direkt auf uns zu. Das würde kein gutes Ende für uns nehmen. Die beiden Energiestrahlen schlugen links vom Wagen ein. Das trockene Gras fing sofort Feuer. Der Wagen brach aus und kam von der Piste ab.
»Mist«, fluchte Berger und lenkte den Wagen auf die Piste zurück. Dann gab er sofort wieder Gas.
»Wo ist er?«, wollte Berger wissen.
»Er ist hinter uns«, antwortete Jennifer nervös.
»Wie weit?«, fragte Berger kurz.
»Nicht weit genug«, sagte ich. »Wir haben ein paar Sekunden.«
»Das reicht nicht«, sagte Berger.
Der Wagen raste über die Piste und hinterließ eine Staubwolke. Die Landschaft hinter uns hatte sich in ein Meer aus Flammen und Rauch verwandelt. Die ersten vertrockneten Bäume fingen schnell Feuer.
Berger legte eine Vollbremsung hin. Ich schlug mit dem Kopf gegen das Seitenfenster, weil ich mich nach rechts gewandt hatte, um herauszuschauen.
»Das gibt eine Beule«, fluchte ich und fasste mir an die Stirn.
Der Energiestrahl schlug vor uns in die Piste ein, und Sekunden später brannte das Gras neben der Piste lichterloh. Berger beschleunigte den Wagen wieder und fuhr durch das entstandene Schlagloch. Jennifer schrie dabei kurz auf, und wir wurden durchgerüttelt. Die Piste führte nun schnurstracks auf den rettenden Wald zu.
»Er kommt zurück«, stieß Jennifer hervor.
Nur keine Panik. Ruhe bewahren, war mein Motto. Wir hatten schon schlimmere Situationen überstanden. Hoffentlich behielt auch Berger weiterhin die Ruhe. Er lenkte den Wagen immer noch sicher über die Piste. Der Raumgleiter kam, jedoch sah es so aus, als würde er uns nicht mehr erreichen, bevor wir im Wald verschwinden würden.
»Ja«, jubelte ich kurz.
Berger legte wieder eine Vollbremsung hin und kam am Waldrand zum Stehen.
»Was ist nun schon wieder?«, fragte ich hektisch.
»Raus aus dem Wagen«, schrie Berger uns an.
Ohne weitere Fragen zu stellen, stiegen wir rasch aus, und da sah ich auch schon die Bescherung. Die Piste hörte am Waldrand auf.
Der Raumgleiter kam rasant näher und schoss Energiestrahlen ab. Wir flohen ein Stück und warfen uns ins hohe Gras. In einem Feuerball explodierte der Wagen.
Wir blieben im hohen Gras in Deckung, während der Raumgleiter über uns kreiste.
»Wir brauchen einen neuen fahrbaren Untersatz«, sagte Berger und lächelte gequält.
»Ob wir es bis zum Wald schaffen?«, fragte Jennifer.
»Ist ja nicht mehr weit«, sagte ich. »Wir bleiben in Deckung und kriechen bis dahin«, schlug ich vor.
»Okay«, stimmte Berger mir zu, »aber die da oben haben bestimmt Geräte, mit denen sie uns aufspüren können«, ergänzte er.
Daran hatte ich auch schon gedacht. Wir krochen langsam auf den Wald zu. Es war nicht mehr weit, vielleicht noch zwanzig Meter, aber die hatten es in sich. Berger und Jennifer waren vor mir. Ich folgte ihnen und befürchtete, dass wir durch den Wald davonjagen mussten wie Hasen auf der Flucht vor einem Jäger. Wir robbten weiter über den Boden durch das hohe Gras, das uns Deckung vor unserem Feind gab. Es sah so aus, als ob wir es schaffen würden, doch plötzlich fehlte die Deckung. Die letzten Meter bis zum Wald war das Gelände kahl.
»Los«, sagte ich, als ich sah, dass der Raumgleiter über uns nach rechts abgedreht hatte.
Wir sprangen auf die Beine und liefen das letzte Stück bis zum Wald.
»Schneller! Beeilt euch!«, schrie ich, als ich sah, dass der Raumgleiter zurückkam.
Wir schafften es tatsächlich. Ein Grund zum Jubeln blieb uns aber nicht, denn hinter uns schlugen schon die ersten Energiestrahlen ein, die den Wald sofort in Brand setzten.
»Auch das noch«, fluchte Berger, als hinter uns die Feuerhölle losbrach.
»Lauft!«, schrie ich.
Berger und Jennifer zögerten keinen Augenblick. Ich folgte ihnen. Bei unserer Flucht hatten wir einen sanften Wind im Rücken. Scheiße, das Feuer verfolgte uns und fraß sich wie ein hungriges Tier durch den Wald. Ich sprang über einen am Boden liegenden Baumstamm, gleichzeitig schlug mir ein Ast ins Gesicht.
Etwas weiter rechts und links von uns schlugen wieder Energiestrahlen in den Wald ein und setzten auch diesen Abschnitt sofort in Brand. Wir liefen so schnell wir konnten um unser Leben.
Ich konnte nicht sagen, was schlimmer war, die Hitze oder der Qualm, der mir den Atem raubte und drohte, mich zu ersticken. Ich sah, dass Jennifer langsamer wurde und holte auf.
»Los weiter!«, feuerte ich sie an und blieb hinter ihr.
Berger hatte wohl bemerkt, dass wir ein ganzes Stück hinter ihm waren, denn er blieb stehen und wartete auf uns.
»Ob das Feuer uns in eine bestimmte Richtung treiben soll?«, fragte Berger.
Ich zuckte mit den Schultern, und wir flohen wieder vor den Flammen. Berger lief nach links. Wir verließen uns auf Bergers Instinkte und Orientierungssinn und folgten ihm dichtauf. Dann sprang er über einen brennenden Baumstamm. Jennifer zögerte, doch dann sprang auch sie. Ich folgte ihr schnell. Zwar war ich ein Elitesoldat und früher wohl schon einmal auf diesem Planeten gewesen, aber durch meinen Gedächtnisverlust konnte ich mich an nahezu nichts mehr erinnern. Berger führte uns sicher durch die gefahrvolle Situation, also überließ ich ihm die Führung.
Doch dann stutzte ich. Wo wollte Berger hin? Hatte er denn völlig den Verstand verloren? Er lief direkt auf eine Flammenwand zu. Innerhalb weniger Minuten wurde mein Gesicht glühend heiß und meine Kehle staubtrocken. Wenige Augenblicke später musste ich husten. Jennifer erging es wohl ebenfalls wie mir. Sie hustete und wurde langsamer.
»Los weiter!«, feuerte ich sie wieder an und hoffte, dass Berger wusste, was er tat.
Kurz vor der Flammenwand, drehte Berger nach rechts ab. Wir folgten ihm blindlings. Das Atmen war durch den Qualm bis jetzt unangenehm gewesen, doch nun wurde es zur Qual. Keiner von uns durfte jetzt das Bewusstsein verlieren, das wäre das Todesurteil. Berger sprang wieder über einen Baumstamm, doch dieses Mal brannte er zum Glück nicht. Wir liefen immer weiter. Als die Flammenwand endete und wir sie ein Stück hinter uns gelassen hatten, schrie Berger: »Hier entlang!« Er bog nach links ab. Und endlich waren wir den Flammen entkommen.
Zu früh gefreut, denn als ich nach links blickte, sah ich, dass die Flammenhölle wieder aufholte. Ich zitterte ein wenig und schnappte nach Luft, aber mir war klar, dass ich weitermusste.
»Verdammt, ich kann nicht mehr«, hustete Jennifer und wurde wieder langsamer. Ich nahm sie an die Hand.
»Komm weiter!«, sagte ich und legte einen Schritt zu.
»Lasst mich hier.«
»Bist du verrückt?«
»Ich schaffe es nicht«, schrie Jennifer und blieb stehen. Ich ließ ihre Hand los.
»Entweder schaffen wir beide es oder ...«
»Los, macht schon!«, brüllte Berger. »Hierher«, winkte er uns zu. »Hier ist ein See«, ergänzte er.
Als wir Berger erreichten, stand er am Ufer eines kleinen Sees. Er schnappte sich einen kleinen Baumstamm.
»Schnell! Hilf mir mal!«, fuhr er mich an, und wir schleppten das Ding zum Wasser.
In der Mitte des Sees wuchs Schilf. Mir war nun klar, was Berger vorhatte.
»Komm, Jennifer«, sagte ich. »Da vorne im Schilf sind wir sicher vor den Flammen.«
Wir gingen ins Wasser, hielten uns am Baumstamm fest und schwammen hinüber ins Schilf. Vorerst konnten wir aufatmen. Nur wusste niemand von uns, wie dicht der Qualm rings um den See werden würde. Wir konnten immerhin noch ersticken. Und außerdem wussten wir nicht, ob es gefährliche Tiere im See gab. Mittlerweile brannten auch die Bäume am Ufer lichterloh.
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