Horyet fackelte nicht lange. Blitzschnell sprang er der Wache, die ihn angesprochen hatte, entgegen und schlug ihr die Faust ins Gesicht. Sie ging sofort bewusstlos zu Boden. Noch bevor die andere Wache reagieren konnte, hatte Horyet auch sie bewusstlos geschlagen.
Schnell wandte sich Horyet der ersten Wache zu und schleifte sie aus dem Sichtfeld der Überwachungskameras. Der Mann hatte etwa die gleiche Kleidergröße wie er. Horyet zog rasch seine Gefängniskleidung aus und streifte die Kleidung der Wache über. Dann schnappte er sich den Pistolenhalfter samt Pistole und zog ihn an. In der Zelle flackerte ein helles Licht auf, und Horyet hatte die Gestalt der Wache angenommen. Letztendlich nahm er die Schnellfeuerwaffe an sich und verließ die Zelle.
Der Alarm war losgegangen. Alles wurde abgeriegelt. Da Horyet nun das Aussehen der Wache und einen gültigen Ausweis hatte, konnte er unbemerkt das Gefängnis durch den Vordereingang verlassen.
Horyet musste schnell handeln, denn es würde nicht lange dauern, bis man die bewusstlosen Wachen finden würde.
Er hatte es also geschafft.
Er war frei.
Endlich.
Horyet ging über den Parkplatz und sah sich aufmerksam um, während er die Fernbedienung eines Autoschlüssels betätigte.
Bieep!
Ein schwarzer BMW reagierte. Horyet stieg ein, startete den Wagen und fuhr los.
Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft,
denn in ihr gedenke ich zu leben.
ALBERT EINSTEIN
Wir waren durch das Basrato vermutlich nach Pelos gekommen und hatten unsere Mission erfüllt. Das feindliche Basrato war in einem riesigen Feuerball zerstört worden, während einige Gebäude in Flammen aufgegangen waren. Jedoch war somit der Rückweg zur Erde für uns nicht mehr möglich. Berger lenkte den Wagen sicher über die Piste, die zunehmend unebener wurde. Wir fuhren durch eine öde Landschaft und entfernten uns rasch von der feindlichen Basis.
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel tauchte ein feindlicher Raumgleiter über uns auf, aktivierte seine Waffen und feuerte. Wir hatten dabei das Glück, schon auf eine Nebenpiste abgefahren zu sein. Die großen Felsen links und rechts von der Piste schützten uns vor den Energiestrahlen.
»Scheiße«, fluchte Berger lauthals und gab Gas.
Jennifer, die auf dem Beifahrersitz saß, sagte panisch: »Mist! Was machen wir jetzt?«
Ohne Vorwarnung schlug ein Energiestrahl direkt vor unserem Wagen in den Boden ein. Dreck und kleine Steine flogen gegen die Windschutzscheibe. Berger bremste kurz ab und gab sofort wieder Gas. Dann sahen wir den silbernen Raumgleiter über uns hinwegfliegen.
»Das geht nicht lange gut«, bemerkte Berger und wandte sich mir kurz zu.
»Ja«, nickte ich.
Ich saß auf dem Rücksitz hinter Jennifer und hielt meine Laptoptasche, die auf dem Sitz neben mir lag, krampfhaft mit der linken Hand fest. Ich überlegte, was außer dem Laptop noch in der Tasche war. Das Delektron war durch die Zerstörung des Basratos unwiederbringlich verloren. Ich hatte also noch mein Lichtschwert, die silbrige Kugel und das goldene Medaillon.
Dann kam der silberne Raumgleiter zurück. Die Felsen links und rechts von uns wuchsen zu kleinen Bergen an. Wir fuhren durch eine enge Schlucht. Dort konnte der Raumgleiter uns nicht folgen. Dennoch blieb der Besatzung die Möglichkeit auf uns zu schießen.
»Wo ist er?«, fragte Jennifer hastig.
Die Antwort kam prompt, als Energiestrahlen rechts von uns in die Felsen einschlugen. Kleine und große Felsbrocken brachen ab und donnerten herunter. Wir hatten Glück gehabt, denn nur kleine Steine trafen unser Wagendach.
»Schwein gehabt«, japste Jennifer.
»Entweder haben wir einen Schutzengel«, sagte Berger, »oder der Pilot ist ein miserabler Schütze.«
»Viel Zeit bleibt uns nicht, bis er zurückkommt«, sagte Jennifer ängstlich und ergänzte hastig: »Er wird nicht ewig vorbeischießen.«
Was konnten wir tun? Der Raumgleiter war auf jeden Fall schneller als unser Wagen.
»Da vorne«, sagte Jennifer schnell und deutete nach rechts.
Gott steh uns bei! Eine noch viel schmalere Piste zweigte ab. Berger überlegte kurz und folgte ihr.
»Oha«, brach es aus mir heraus. »Das ... das wird Zentimeterarbeit.«
Die Piste war sehr schmal, und die Felswände sehr hoch. Berger verlangsamte das Tempo. Ob das eine gute Idee war, hier abzubiegen, bezweifelte ich stark. Für mich sah der Weg aus, wie eine Sackgasse. Kein Entkommen. Eine tödliche Falle. Ich malte mir aus, dass wir plötzlich vor einer Felswand oder einem Abgrund zum Stehen kommen könnten. Wenn dann auch noch der Raumgleiter auftauchen würde, hätten wir ein Problem.
Los, Bill Clayton, streng deinen Grips an! , sagte ich mir im Stillen vor.
Berger schrappte mit dem Wagen an der linken Felswand vorbei. »Mist«, fluchte er laut. »Braucht 'ne neue Lackierung.« Er grinste breit.
Ich sah, wie Jennifer ein erschrockenes Gesicht machte.
»Ist ja nichts ...«, wandte ich mich ihr zu und brach ab, als über uns ein Poltern zu hören war.
»Au Backe!«, zischte Berger laut. Er blickte in den Rückspiegel und gab Gas.
Nun schrappte er auch mit der rechten Wagenseite am Felsen entlang. Aber das schien ihm egal zu sein, denn hinter uns stürzte tonnenweise Gestein herab.
Jennifer schrie kurz auf, dann hörte ich das Zerbersten der Heckscheibe und bemerkte, wie der Wagen noch schneller wurde.
In diesem Moment war ich mir noch nicht sicher, wie wir sterben würden. Entweder würden wir von den herabstürzenden Steinen erschlagen, oder Berger würde den Wagen gegen die Felswand fahren, wo er dann zerschmettern würde.
Ich hielt den Atem an und betete. Mein Leben war mir in diesem Moment egal, aber das Leben meiner Freunde wollte ich mit dem Gebet retten.
Berger bremste den Wagen ab. Wir wandten uns um und sahen, dass der Weg hinter uns verschüttet war.
»Verdammt, zurück können wir jetzt nicht mehr«, fluchte Berger und setzte die Fahrt langsam fort.
Nach kurzer Zeit wurde die Piste noch schmaler.
»Noch ein paar Zentimeter weniger und wir bleiben mit dem Wagen stecken«, stellte Berger fest, und seine Stimme klang bedrückt.
Berger fuhr sehr vorsichtig, und mit einem Mal jubelte er. Na ja, warum sollten wir nicht auch mal ein wenig Glück haben? Die Piste wurde wieder breiter, und Augenblicke später konnte Berger wieder Gas geben.
Ob das aber etwas nützen würde, um unsere Feinde abzuhängen, war ich mir nicht sicher. Außerdem glaubte ich fest daran, dass am Ende dieser Piste, falls sie aus dieser schmalen Schlucht herausführte, unsere Feinde uns schon erwarten würden.
Der Raumgleiter düste wieder über uns hinweg, jedoch feuerte er dieses Mal nicht auf uns.
Warum schießt er nicht? Der Pilot hat doch freies ... , überlegte ich, und Bergers Vollbremsung riss mich aus meinen Gedanken heraus.
»Was ist los?«, fragte ich erschrocken.
»Die Schlucht hört da vorne auf, und die Piste führt auf freies Gelände«, antwortete Berger.
Heikle Situation. Berger könnte Vollgas geben und hoffen, dass er mit dem Wagen irgendwo Deckung finden würde. Riskante Sache. Ein gezielter Schuss von dem Raumgleiter. Aus und vorbei.
Berger fuhr langsam, bis zum Ausgang der Schlucht. Das Gelände dahinter war flach und größtenteils mit hohen Gräsern bewachsen. Vereinzelt waren karge Bäume zu sehen. Weiter links von uns gab es einen kleinen See und weiter rechts davon einen grünen Laubwald. Dorthin führte auch die Piste, die sehr eben aussah, also könnte Berger Gas geben. Aber konnte er den Raumgleiter abschütteln?
»Ob er fort ist?«, fragte Jennifer.
Berger schüttelte den Kopf.
»Ob wir es bis zum Wald schaffen?«, fragte ich.
Читать дальше