1 ...7 8 9 11 12 13 ...18 „Wie meine Mutter dies hier finden würde?“, wiederholte sie nachdenklich, bevor sie milde lächelte. „Ach so, nein das wäre kein Problem, denn du bist nicht der erste Mann, den wir uns teilen!“.
„Was?“, starrte er sie verblüfft an, ehe er: „Ja, aber?“, murmelte.
„Martin, dein: Ja, aber, entwickelt sich geradezu einem wahren Lustkiller!“, zogen sich zuerst ihre Augenbrauen nach unten, bevor sie wieder lächelte und sanft anfügte: „Ich wollte damit lediglich sagen, dass sie bestimmt nichts dagegen hat, im Gegenteil“.
„Was? Ja, …“, hielt er mitten im Satz inne, bevor er kleinlaut: „Na gut!“, einräumte. Dann entledigte er sich seiner frisch angelegten Prothesen, bevor er sich mit einem: „Also dann, fertig!“, sowie beidhändig an die Wannenränder gestützt, langsam, aber behände wie ein Kunstturner an den Bahren, zu ihr ins Wasser hinein glitt.
„Na, ich hoffe doch noch nicht!“, empfing Sophia ihn mit offenen Armen.
Neugierig bog Anne um die nächste Häuserecke, da sie das weiße Taxi bemerkt hatte, welches sich langsam den Berg zu ihrer Siedlung hinauf gequält hatte. Dabei fragte sie sich, wer von ihnen bereit war, ihr hart verdientes Geld für eine Taxifahrt auszugeben. Doch damit, Lottas Nichte daraus aussteigen zu sehen, hatte sie nicht erwartet. Hatte sie doch insgeheim gehofft, dass Angela direkt ins Wendland zurückkehrt, nachdem sie sich in Saint Tropez von einem kleinen Unfall erholt hat. Jedoch wusste sie, dass dies wohl mehr Wunschdenken war.
Und da dieser Wunsch sich offenbar nicht erfüllt hat, nahm sie sich im nächsten Moment vor, das Beste daraus zu machen. Darum konzentrierte sie sich darauf unverkrampft zu lächeln, wodurch sie jedoch unbedacht ausstieß: „Angela, wo um alles in der Welt kommst du denn auf einmal her?“.
„Hallo liebste Anne, es freut mich auch dich zu sehen!“, trat Angela ungeachtet dessen auf sie zu und umarmte sie lang und innig, bis es Anne zu viel wurde und sie ungehalten einen Schritt zurücktrat, zumal Angela so roch, als ob sie ihre Klamotten seit Tagen anhatte. Doch selbst einen Schritt von Angela entfernt verspürte Anne noch immer etwas auf ihrer Haut. Was, wie sie einen Augenblick später feststellte, Angelas kritischer Blick war, der sie von oben bis unten eingehend musterte.
„Man, unsere Athletin sieht man es ja mittlerweile tatsächlich an, dass sie Schwanger ist!“, sagte Angela kurz darauf bewundernd, ehe sie im nächsten Moment Annes Top einfach ein Stück hochzog. „Ja, wenn das mal kein süßer Spitzbauch ist!“, legte sie daraufhin ihre rechte Hand auf Annes Bauch und streichelte diesen dann mit zarten, aber festen Kreisbewegungen. „Da wird sich der Vater aber freuen!“, sah sie Anne vordergründig grinsend ins Gesicht, bevor sie anfügte: „Apropos, wo wir gerade von dem Vater reden, ist Ole eigentlich auch da?“.
„Du weißt genau das Ole nicht der Vater des Kindes ist! Also was soll das?“, nahm Anne Angelas Hand von ihrem Bauch. „Und nein, Ole ist nicht da! Er arbeitet mit den anderen Männern den Maibaum auf“, fügte sie so wütend wie schon lange nicht mehr hinzu, während sie sich sorgsam wieder bedeckte. Dabei fixierte sie Angela aus dem Augenwinkel heraus. ‚Nein, sie hatte Angela und ihre Spielchen wirklich nicht vermisst!‘ , grollte sie innerlich, bevor sie kurz bewusst tief bis in den Bauch hinein atmete.
„Also dann“, besann sie sich wieder auf ihren eigentlichen Plan, wobei sie Angela mehr breit grinsend als lächelnd ansah. „Willkommen auf La Gomera! Soll ich dir vielleicht mit dem Gepäck helfen?“
„Nein danke!“, lächelte Angela ebenso zurück, ehe sie ihr Gepäck aufhob.
Mit schnellen, raumgreifenden Schritten ging Angela zur Finka hinüber, wobei sie schon von weitem die Deads mit Touch of Grey aus der Wohnküche Dröhnen hörte. Dort angekommen huschte ihr ein diebisches Lächeln übers Gesicht, während sie bewusst leise von hinten auf Leonora zuging, die am Arbeitstisch in die Musik versunken Brotteig knetete und dabei leise mitsummte. Kaum das sie hinter Leonora getreten war, legte Angela ohne Vorwarnung ihre Arme einfach um Leonoras Hüften, wobei sie sanft ihren Nacken küsste, bevor sie ihr laut ins Ohr schrie: „Hallo Lennie, hier hat sich ja wirklich gar nichts verändert!“.
Wie von Blitz getroffen, zuckte Leonora kurz zusammen, bevor sie ihre Hände aus dem Teig zog und diese so nach oben schnellen ließ, als ob sie sich ergeben wollte. Mit kreidebleichem Gesicht und stark pochendem Herzen drehte sie sich daraufhin langsam nach hinten um. „Angela, du? Du hast mich ja eben fast zu Tode erschreckt, so etwas kannst du doch nicht machen!“, sagte sie erbost, ehe auch sie zu Lächeln anfing. „Oh wie schön, dass du es doch noch rechtzeitig geschafft hast! Warte bitte einen Moment! Der Teig ist eh gleich fertig und kann dann gehen“, sah sie kurz hilflos auf ihre mit Brotteig verschmierten Hände, ehe sie ein paar abschließende Knetbewegungen machte und den Teich noch ein paar Mal mit Schwung auf die Arbeitsplatte knallte. Daraufhin ging sie zur Spüle und drehte den Wasserhahn auf, über den ein Schild klebte mit der Aufschrift: agua de lluvia, und wusch sich gründlich die Hände. Nachdem sie dann auch noch die Musik leiser gedreht hatte, wandte sie sich wieder Angela zu und nahm sie überschwänglich in den Arm. „Gut siehst du aus! Sag, wie geht es dir?“, dabei drückte sie sie fest an sich.
„Danke Lennie, wie immer alles in bester Unordnung. Unkraut vergeht halt nicht!“, erwiderte Angela die Umarmung. „Auch wenn ich nicht glauben kann, dass ich im Moment gut aussehe! Ehrlich gesagt, habe ich seit Tagen nicht geduscht, da ich auf der Fähre keine Kabine mehr bekommen habe. Doch das war mir egal, ich wollte doch unbedingt heute hier ankommen! Heute ist doch Beltane, oder?“
„Sicher Kind, sicher! In einer Stunde ziehen wir los. Nimm dir etwas zu essen und dann ab unter die Dusche! Beltane ist immerhin das Fest der Reinigung und dass solltest du nicht so begehen!“, griff sie sich an die Nase und winkte mit ihrer rechten Hand in Richtung des Badezimmers.
„Okay, ich geh mich dann mal frisch machen“, gab Angela ihr einen Kuss auf die Wange, bevor sie ihre Sachen von Boden aufsammelte und ging.
Wie bei einem Kind rieb Sophia Martin liebevoll mit einem frischen, harten Handtuch über den Rücken, die Brust und den Armen, wobei sie gleichzeitig immer wieder seinen Nacken küsste.
Martin saß währenddessen auf dem Wannenrand und genoss das behaglich, sinnliche Gefühl, welches sie mit dem Handtuch auf seiner Haut und in ihm auslöste. Doch als sie anfing seine Stümpfe vorsichtig zu trocknen, und zu betasten, öffnete er die Augen und sagte: „Nicht, dass mag ich gar nicht!“. Dabei legte er seine Hand auf ihre, um sie so am Weitermachen zu hindern.
„Oh, entschuldige bitte!“, sah sie überrascht und ein wenig gekränkt zu ihm hoch. „Das tut mir leid! Ich wollte diesen schönen Moment nicht zerstören“, erhob sie sich langsam und nahm sein Gesicht in ihre Hände, um zärtlich seine gekräuselten Lippen zu küssen, bevor sie sein Gesicht in ihren vollen Busen presste.
Kurz genoss Martin das Gefühl darin zu versinken, und ihren lieblichen Geruch in sich aufzusaugen. Doch dann mit einem Mal legte er seine Hände gegen ihr Becken und stieß sie unsanft von sich weg. „Danke, das reicht!“, sagte er dabei schroff, ohne aufzuschauen, wobei er schwer ein- und ausatmete.
„Ach Martin, nun komm schon! Ich hatte mich doch schon entschuldigt!“, sah sie mit einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis zu ihm hinunter, bevor sie sich unsicher neben ihn auf den Wannenrand setzte, wobei sie den Wunsch unterdrückte, ihn in den Arm zu nehmen. Stattdessen legte sie ihren Kopf zur Seite und betrachtete ihn eine Zeitlang, bis sie die angespannte Stille nicht länger ertrug: „Weißt du, ich mag dich einfach so, wie du bist!“.
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