Sollte er ihr etwa sagen, dass er ihre Nähe suchte und sie die letzten Stunden schon vermisst hatte? Aber, wie würde sie darauf reagieren? Nein, damit würde er sie sicher nur verunsichern, dass wollte er auf keinen Fall. Er musste behutsam vorgehen, denn sonst würde sie vielleicht einen Rückzieher machen und die Einladung für den Abend belehnen.
„Ist das der einzige Grund? Du willst Zeit mir verbringen, um mich kennenzulernen?“
„Ja. Muss ich denn noch einen Grund haben? Ich möchte einfach den Abend mit dir zu verbringen. Du weißt, dass ich nicht viel Zeit habe.“
„Ich muss dich das jetzt fragen. Hat es nicht doch etwas mit Emilia zu tun?“, schaute sie ihn prüfend an.
„Wie kommst du darauf?“, sah er sie überrascht an.
„Du hast davon gesprochen, dass diese Frau nach all den Jahren nicht mehr für dich da war. Das kann nur Emilia gewesen sein. Ist es so?“
Joel wollte sie nicht anlügen. Sie sollte die Wahrheit erfahren, denn er hatte Gefühle für Jana.
„Du hast recht. Es war Emilia. Als wir damals studierten, habe ich mich in sie verliebt, dachte ich jedenfalls. Aber gleichzeitig hat sich auch Marc in sie verliebt. Emilia hat sich für Marc entschieden, nicht für mich. Sie wusste noch nicht einmal, dass ich in sie verliebt war. Es wusste keiner meiner Freunde. Deshalb verließ ich auch die Uni.“
„Ich wusste es. Also darum geht es. Du sagst zwar, dass es vorbei ist, aber ganz so sicher bist du dir nicht. Deshalb willst du mich dabei haben?“, stellte sie ihm die Frage.
„Nein. So ist das nicht. Sicherlich wird es komisch sein, ihr nach so langer Zeit, gegenüber zu stehen. Aber ich habe keine Gefühle mehr für sie. Es vorbei ist. Das musst du mir glauben. Wenn du mich aber deswegen nicht mehr begleiten willst, weil du Zweifel hast, kann ich es verstehen. Es war eine blöde Idee, dich überhaupt zu fragen. Entschuldige, bitte“, nahm er ihre Hände.
Jana blickte ihm in die Augen und streichelte mit ihrer Hand über sein Gesicht. Lange Zeit saßen sie nur still da und schauten sich an. Jana fühlte, dass gerade etwas mit ihr geschah. Sie hatte es schon beim ersten Zusammentreffen gespürt. Alte Gefühle, die sie schon glaubte, überwunden zu haben, kamen wieder auf. Sie verliebte sich gerade wieder in Joel, wie damals, als er sie kaum beachtete.
„Es geht wirklich nicht um Emilia. Wenn du es genau wissen willst, geht es mir nur um dich. Ich möchte nicht schon wieder so einfach verschwinden, ohne alles über dich zu wissen. Viel Gelegenheit habe ich nicht. Ich möchte einfach einen schönen Abend mit dir verbringen. Reicht dir die Antwort?“
„Du überraschst mich. Plötzlich möchtest du mehr über mich wissen? Wie kommt das? Ich habe dich nie interessiert?“
„Das stimmt nicht. Du hast mich interessiert. Ich war ein Idiot, damals“, nickte er.
„Es geht dir also wirklich um mich?“, staunte Jana.
„Ja. Ich hätte es dir damals schon sagen sollen. Es tut mir leid. Aber du warst so jung.“
„Das war ich nicht. Ich war gerade mal zwei Jahre jünger als Emilia. Ich wollte ja nicht mit dir schlafen, sondern dich einfach nur etwas näher kennenlernen“, sprudelte es aus ihr heraus.
„Tut mir leid, aber das wusste ich nicht. Heute würde ich anders handeln“, erklärte Joel ihr klar.
„Ich weiß nicht, ob ich das glauben soll“, schüttelte Jana mit dem Kopf.
„Es ist so. Ich würde es nicht sagen, wenn es nicht so wäre. Leider kann ich es dir nicht beweisen“, hob Joel die Schultern.
„Das weiß ich, Joel. Mir geht gerade so vieles durch den Kopf. Was soll ich sagen?“
„Ich weiß. Mir auch. Ich bin dir nicht böse, wenn du nicht mitkomme willst. Aber vielleicht können wir uns trotzdem nochmal treffen, bevor ich zurückfliege. Es hat gut getan, mit dir zu reden, aber ich werde wohl besser jetzt gehen.“
Joel wollte gerade aufstehen.
„Halt warte, Joel. Ich komme mit. Ich werde dich heute Abend begleiten.“
„Wirklich? Warum hast du dich jetzt doch dazu entschieden?“, fragte er überrascht.
„Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich, dass was in der Vergangenheit war, einfach vergessen will. Ich möchte auch gerne mehr über dich erfahren“, hielt sie ihn am Arm fest.
„Bist du dir auch wirklich sicher?“
„Ja. Natürlich interessiert mich auch, wie sich alle so verändert haben“, grinste Jana.
„Klar. Ich freue mich sehr über deinen Entschluss.“
„Ich auch.“
Sie saßen noch lange zusammen und genossen das Essen zu zweit.
Wie vereinbart, stand Joel pünktlich vor Janas Tür und läutete. Als die Tür geöffnet wurde, stand ein junger Mann vor ihm.
„Hey, ich bin Joel.“
„Hey, ich weiß. Ich bin Hendrik. Jana hat mir von dir erzählt. Sie müsste jeden Moment fertig sein. Möchtest du noch reinkommen?“, reichte Hendrik Joel freundlich die Hand.
„Wenn es dir nichts ausmacht?“
„Nein. Es ist Janas Wohnung. Ich bin nur ab und zu hier“, antwortet Hendrik freundlich.
„Du hast doch hoffentlich nichts dagegen, dass Jana mich heute Abend begleitet?“, fragte Joel etwas verunsichert.
„Aber nein. Jana und ich sind nur gute Freunde.“
Joel bemerkte diesen Unterton, bei diesen Worten.
„Ok?“, nickte Joel.
„Jana hat mit gesagt, dass ihr euch aus früheren Tagen kennt?“, fragte Hendrik nach.
„So ist es. Aber kennen, ist etwas zu viel gesagt“, meinte Joel.
„Na egal. Ich werde mal nachsehen, wo sie bleibt.“
Hendrik wollte gerade gehen, als Jana erschien.
„Wow. Du siehst umwerfend aus, Liebes“, schwärmte Hendrik.
In seinem Blick konnte Joel mehr erkennen, als nur Freundschaft.
„Danke. Lieb von dir, dass du das sagst.“
„Er hat recht, Jana. Du siehst wirklich fantastisch aus“, stimmte Joel ihm zu.
„Ich danke euch. Ihr könnt den Mund jetzt wieder schließen. Wollen wir?“, schaute sie Joel lächelnd an.
„Ja, natürlich. Gerne.“
„Du musst nicht auf mich warten, Hendrik. Es wird bestimmt spät. Wir sehen uns dann morgen“, küsste sie ihn auf die Wange.
„In Ordnung. Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend“, verabschiedete Hendrik die beiden etwas zerknirscht.
„Werden wir sicher haben. Tschüss, Hendrik“, lächelte Jana ihm zu.
„Auf Wiedersehen, Hendrik. Hat mich gefreut, dich kennengelernt zu haben.“
„Gleichfalls. Auf Wiedersehen.“
Dann schloss sich die Tür. Joel und Jana verließen das Haus. Sie stiegen in den Wagen, den Joel in der Nähe geparkt hatte und fuhren davon.
„Du hast mit ihm über mich geredet?“, fragte Joel während der Fahrt.
„Ja, warum nicht. Er ist mein Freund und wir haben keine Geheimnisse voreinander.“
„Bist du sicher, dass er nicht doch mehr ist, als nur ein guter Freund? Ich glaube, dass er nicht gerade begeistert war, dass du mich begleitest“, schaute Joel sie von der Seite an.
„Das ist doch Unsinn“, schüttelte Jana den Kopf.
„Glaube ich nicht. Hendrik ist verliebt in dich. Und du empfindest wirklich nicht mehr als nur Freundschaft für ihn?“
„Wir schlafen nicht miteinander, wenn du das meinst. Es würde dich auch gar nichts angehen“, meinte Jana.
„Richtig. Es geht mich nichts an. Aber ich möchte nicht in etwas hineingeraten. Du verstehst? Es liegt mir fern, eine Beziehung zu zerstören. Das würde ich später nur bereuen.“
„Nochmal zum Mitschreiben, wir sind nur Freunde. Mehr ist da nicht. Also, warum machst du dir solche Gedanken?“
„Ich hatte einfach ein ungutes Gefühl.“
„Du irrst dich. Glaube mir.“
Schweigend verbrachten sie die letzten Kilometer der Fahrt.
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