„Klar. Soll ich dich abholen?“, fragte Joel nach.
„Nein. Treffen wir uns im Restaurant gleich hier um die Ecke. Das kennst du ja noch. So gegen 13.00 Uhr?“
„Prima. Ich freue mich schon darauf, dich wiederzusehen.“
„Ja. Ich mich auch. Dann musst du mir alles erzählen, auch wo du jetzt lebst. Jetzt muss ich aber gehen. Bis morgen, Joel“, küsste sie ihn spontan auf die Wange.
„Bis morgen, Jana.“
Er war überrascht. Sie hatte ihn auf die Wange geküsst. Joel schaute ihr noch lange hinterher. Jana hatte ihn etwas aus dem Konzept gebracht. Es war schon eine Ewigkeit her, wann ihm dies passiert ist. Damals war es das junge, hübsche, schüchterne Mädchen, aus der eine selbstbewusste, attraktive, wunderschöne, faszinierende, junge Frau geworden war. Er hätte nie im Traum daran gedacht, dass er sie nochmal sehen würde. Gerne hätte er sich noch länger mit ihr unterhalten, aber sie musste zu ihrem Freund. Aber morgen würde er sie wiedersehen und mehr über sie erfahren. Ein paar Tage blieben ihm ja noch, um sie näher kennenzulernen. Joel wusste sofort, dass er wieder sein Herz an sie verloren hatte. Er fühlte sich schon vom ersten Augenblick, zu ihr hingezogen. Sein Herz klopfte schneller, als er sie sah. Es war genau wie damals. Er war selbst überrascht darüber, denn es waren inzwischen so viele Jahre vergangen. Aber, diese paar Minuten genügten, um sich wieder in sie zu verlieben. Oder hatte er nie damit aufgehört? Hatte er diese Liebe nur jahrelang in der hintersten Ecke seines Herzens versteckt? Joel spürte sofort, dass sie etwas verband. Aber spürte sie es auch? Er musste es herausfinden.
Joel dachte wieder an das Treffen morgen Abend. Warum bat er sie eigentlich nicht, ihn zu begleiten? Er war wahrscheinlich der einzige, der ohne Partner erschien? Sophia wollte er nicht fragen, denn er wusste, was sie für ihn empfand und es hätte alles nur noch komplizierter gemacht. Leider konnte er ihr nicht das geben, was sie sich wünschte. Sie waren nur Freunde und Arbeitskollegen, mehr nicht. Es kam ihm auch nie in den Sinn, dies zu ändern. Und die Frauen, mit denen er eine kurze Beziehung hatte, hätte er nie gefragt. Er hätte sich auch mit keiner eine Zukunft vorstellen können. Aber als er in die Augen von Jana schaute, wünschte er sich plötzlich, dass diese Frau an seiner Seite wäre. Joel wollte nicht mehr allein sein. Er wollte endlich glücklich sein, wie seine Freunde. Sollte er Jana bitten, ihn morgen zu begleiten?
Mehr als nein, konnte sie ja nicht sagen. Joel rief die Bedienung und bezahlte. Bevor er das Cafe verließ, ging er noch einmal zu Judith.
„Judith, ich muss mich verabschieden, aber wir sehen uns ja morgen wieder.“
„Ja. Ich freue mich schon auf alle. Und? Warst du überrascht, als du Jana gesehen hast? Sie ist kein kleines Mädchen mehr, sondern eine erwachsene, junge Frau.“
„Oh ja. Ich war sehr überrascht. Es hat mir fast die Sprache verschlagen. Sie ist wirklich hinreißend“, gab Joel zu.
„Oh ja, dass ist sie“, antwortete William stolz, als er aus seiner Backstube kam.
„William. Hallo. Es ist schön, dich so gesund und munter zu sehen“, reichte Joel ihm die Hand.
„Komm her, Junge. Ich freue mich, dich mal wieder zu Gesicht zu bekommen“, nahm er ihn in den Arm.
„Ja. Es ist viel zu lange her. Das werde ich in Zukunft ändern“, lachte Joel.
„Das hoffe ich doch. Du siehst gut aus. Was machst du so, Joel?“, wollte William wissen.
„Ich habe mich mit Freunden selbstständig gemacht.“
„Das ist toll. Du bist also inzwischen Unternehmer geworden. Hut ab. Dein Geschäft scheint ja gut zu gehen. Du findest also unsere Tochter hinreißend?“, grinste William.
„Oh, ja, dass ist sie. Ihr könnt stolz auf sie sein. Sicher werdet ihr jetzt über mich lachen und mich für verrückt erklären, wenn ich euch sage, dass ich gerade eben darüber nachgedacht habe, Jana zu fragen, ob sie mich morgen Abend begleiten würde. Ich weiß, dass sie unsere Clique kaum kennt, aber das könnte man dann ja endlich mal ändern. Außerdem könnte ich so mehr über sie erfahren. Mir bleibt ja nicht all so viel Zeit dazu. Was meint ihr? Soll ich es wagen? Hätte ich eine Chance bei ihr?“, schaute Joel beide fragend an.
„Sie gehört nicht zu eurer Clique?“, staunte Judith.
„Das ist mir klar. Trotzdem hätte ich sie gerne dabei. Die anderen bringen ja auch ihre Partner mit.“
„Sie ist auch nicht deine Partnerin. Versteh mich nicht falsch. Ich hätte nichts dagegen, wenn es so wäre. Aber, Jana hat einen Freund“, gab William zu bedenken.
„Ich weiß. Sie hat es mir erzählt. Er ist aber nur ein Freund. So hat sie mir es auf jeden Fall gesagt.“
„Nun, dass kann ich natürlich nicht beurteilen“, schüttelte William den Kopf.
„Du denkst also, dass ich es lieber lassen soll?“
„Ich weiß es nicht.“
„Frag sie einfach. Jana muss selbst entscheiden, ob sie mit dir zu diesem Treffen gehen will oder nicht“, mischte sich Judith ein.
„Willst du ihre Handynummer?“, fragte William.
„Nein, danke William. Wir treffen uns morgen Mittag zum Essen. Da werde ich sie fragen.“
„Ach so. Ihr seht euch also wieder?“, grinste William.
„Ja. Ihr habt doch nichts dagegen, oder?“
„Nein. Warum sollten wir? Versuch dein Glück. Ich drück dir die Daumen. Mich musst du jetzt entschuldigen, aber ich muss wieder in meine geliebte Backstube. Wir sehen uns bestimmt nochmal“, klopfte William Joel auf die Schulter.
„Danke, William. Bis morgen.“
William verschwand wieder in seine Backstube.
„Joel, willst du sie nur dabei haben, um sie näher kennenzulernen oder gibt es noch einen anderen Grund?“, schaute Judith ihn skeptisch an.
„Es gibt keinen anderen Grund, Judith.“
„Wirklich nicht?“
„Nein.“
„Weißt du was mich beschäftigt?“, schaute Judith Joel an.
„Nein, aber du wirst es mir wohl gleich sagen“, nickte Joel mit dem Kopf.
„Du hast erzählt, dass Emilia mit Marc zusammen ist. Ihr ward die besten Freunde. Marc und du. Warst du etwa eifersüchtig auf ihn? Hast du dich doch in Emilia verliebt?“
„Wieso willst du das wissen, Judith?“
„Weil ich spüre, dass da noch etwas ist. Du kannst mir nichts vormachen. Deshalb hast du damals auch die Uni verlassen. Habe ich recht?“
„Du gibst wohl nie auf. Ok. Ich hatte mich zur selben Zeit in Emilia verliebt, wie Marc.“
„Und? Du hast es ihr doch gesagt?“
„Nein, ich habe es ihr nicht gesagt. Sie weiß es bis heute nicht und Marc auch nicht“, schüttelte Joel den Kopf.
„Warum nicht?“
„Als ich es ihr sagen wollte, habe ich die beiden gesehen. Sie küssten sich und waren sehr vertraut. Da wurde mir klar, dass ich Emilia an Marc verloren hatte. Was für einen Sinn hätte es gemacht, wenn ich mit ihr über meine Gefühle gesprochen hätte. Für mich gab es nur einen Ausweg. Es war nicht leicht für mich mit anzusehen, wie verliebt und glücklich die beiden waren.“
„Das verstehe ich. Hast du vorher nie etwas geahnt? Ich meine, dass Marc auch Gefühle für sie hatte. Ihr habt doch immer über alles miteinander geredet.“
„Nein. Wir haben nie darüber geredet. Marc wusste ja auch nicht, dass ich Emilia liebte. Wir haben beide geschwiegen. Warum auch immer.“
„Deshalb hast du also die Uni verlassen.“
„Ja. Es war so das beste“, nickte Joel.
„Und du hast bis heute nie mit ihnen darüber geredet?“
„Nein. Warum auch. Ich wollte auf keinen Fall, dass diese Sache zwischen mir und Marc steht. Wie hätte Marc sich gefühlt, wenn ich es ihm gesagt hätte? Er hätte sich schlecht gefühlt und das wollte ich auf keinen Fall. Ich gönne Marc sein Glück. Leider verliebe ich mich immer in die falsche Frau. Vielleicht soll ich allein bleiben. Wer weiß das schon.“
Читать дальше