Die Arbeiter klopften Samuel Miller auf die Schulter, als er die Halle verließ, ihr harter Boss war doch ein guter Mann.
Im Lazarett waren Harry und Lloyd am Diskutieren.
>> Harry doch nicht noch einen, wie weit soll das noch gehen? <<
>> Ich weiß es doch auch nicht, aber was sollen wir tun, wir verlieren unsere Arbeit, wenn wir nicht machen, was Mr. Miller von uns verlangt.
Was hat Stan denn noch von seinem Leben, wenn er das hier überlebt, ewig als Krüppel rumzulaufen? <<
>> Vielleicht hast du recht, also los, bevor Mr. Miller zurückkommt. <<
Die beiden Sanitäter näherten sich der Trage, auf der Stan immer noch bewusstlos lag. Harry hatte wieder sein Messer in der Hand und setzte es am Hals von Stan an. Gerade als er es durchziehen wollte, öffnete Stan hustend die Augen.
>> Harry, Lloyd was ist passiert? <<
Schnell steckte Harry das Messer ein und lächelte Stan liebevoll an.
>> Du hattest einen Unfall, wir werden alles Erdenkliche tun, damit es dir bald wieder besser geht. <<
In dem Augenblick schlug Lloyd von hinten mit einer Eisenstange auf Stan ein, immer wieder und wieder traf er den Kopf des Mannes. Die ersten Teile des Schädels fielen zu Boden, Blut bespritzte die weißen Wände. Der halbe Schädel war weggeplatzt und der Blick auf das Gehirn offenbarte sich den beiden. Zur Sicherheit stach Harry noch einige Male mit seinem Messer auf den leblosen Körper von Stan ein, bevor er abließ und sich beide sicher waren, dass er tot war. Dann schauten sie sich an, tränen liefen aus ihren Augen, als sie den leblosen Körper ansahen. Sie wickelten ihn in ein Tuch und legten den Körper in einen Nebenraum ab und warteten, bis die arbeiten in der Fabrik beendet waren.
In der kommenden Nacht brachten sie den Leichnam und die Leichenteile in einen Lagerraum unterhalb der Fabrik. In einen Raum, in dem das wertvolle Holz gelagert wurde. Am Ende des Lagerraumes, in dem Eichenstämme und Edelholz lag, war seitlich noch eine kleine Tür, die mit einem schweren Schloss gesichert wurde. Nur sie und Mr. Miller hatten jeweils einen Schlüssel für diesen Raum. Mit zittrigen Händen öffnete Harry das alte Schloss der Tür, quietschend gab sie dem Druck von ihm nach und öffnete sich langsam. Es war dunkel in dem Raum, Lloyd zündete eine verrostete Petroleumlampe an, die einen kleinen gemütlichen Lichtschein ausstrahlte und den Raum erhellte. Harry und Lloyd traten vor, hinter sich zogen sie die Überreste von Stan in den Raum. In der hinteren Ecke des Raumes stoppten sie und legten den leblosen Körper von Stan ab. Die kleine Laterne erhellte den Bereich und mit schaudern sahen sie die Überreste der anderen Leichen, die sie in den letzten Jahren hier heruntergebracht hatten. Die anderen Leichen, die hier lagen, waren stark verwest und ihre Körper von den Ratten aufgefressen worden. Überall saßen sie mit ihren rot glühenden Augen und warteten auf Nachschub.
Harry und Lloyd hatten Mühe die vielen Tiere mit ihren Füßen zur Seite zu schieben, um in die Ecke des Raumes zu gelangen. Sobald sie den Körper abgelegt hatten, machten sich die Ratten daran die ersten Fleischstücke aus Stans Körper zu reißen. Wie hungrige Wölfe warteten sie auf ihre Fütterung. Obwohl hier mehr als fünf Leichen lagen, war kein Verwesungsgeruch zu riechen.
Der Raum lag am Außenbereich nahe an den Felsen, kleine Öffnungen und Spalten ließen genügend Luft zirkulieren, sodass der Geruch der Toten nach draußen zog. Lediglich ein großer Schwarm Krähen zog regelmäßig an den Felsen vorbei und versuchten vergeblich in das Innere zu gelangen. Da der Raum auf der abgewandten Seite des Berges lag, nahm kein Mensch Notiz vom Schauspiel, das hier immer wieder stattfand.
7.35 Uhr. Die Aufgaben in der Mall waren klar verteilt. Rick und Kyle ermahnten nochmals alle, ihre Arbeiten sorgfältig und gewissenhaft durchzuführen. Fünf Minuten später verließen alle 24 Teilnehmer der freiwilligen Inventur den Eingangsbereich, um mit den Arbeiten zu beginnen. Rick und Kyle gingen in die Zentrale des Kaufhauses, um mit der Überwachung der Arbeiten zu beginnen. Die Zentrale in der Mall war mit allerhand Technik ausgestattet, Kameraanlagen konnten in fast jeden Winkel des Einkaufszentrums schauen und jede Bewegung überwachen. Rick war die rechte Hand von Mr. Sulivan und somit der Wortführer. Kyle war sein bester Freund und stand somit direkt unter ihm. Bill, Bob, Ray und Fin waren für ihn Schwächlinge. Rick hätte sie niemals ausgewählt die Arbeiten zu begleiten, aber Mr. Sulivan wollte es, daher war es ihm egal, er teilte sie so ein, wie er wollte. Er und Kyle machten es sich in der Zentrale gemütlich, schalteten alle Monitore und Kameras ein und schickten die anderen vier auf den ersten Rundgang durch die Mall. Inzwischen hatten sich die Freiwilligen verteilt und gingen ihren ersten Arbeiten in den Geschäften nach. Clare nahm Steve in den Arm und verabschiedete sich von ihm. Ein inniger Zungenkuss und ein Griff zwischen die Beine sollten ihn spüren lassen, wohin er gehörte.
>> Ich liebe Dich mein Schatz, vergiss mich nicht. <<
>> Niemals meine Süße, ich weiß doch, was du alles für uns tust. <<
Sie sahen sich noch einmal tief in die Augen und gingen auseinander.
Clare steuerte eine kleine Boutique im Erdgeschoss an. Hier war Mode für fülligere Frauen zu finden, ab und zu musste Clare als Vertretung in dem Laden arbeiten. Sie tat es gerne weil die Frauen, die hier her zum Einkaufen kamen, ausnahmslos nett waren und viele von ihnen Wert auf Clares Meinung legten. Steve machte sich auf in das Treppenhaus, er war auf dem Weg in die Tischlerei. Er kannte sich hier aus. Obwohl es recht dunkel war hatte er keine Mühe sich zu Recht zu finden. Jetzt zahlte es sich aus, dass er dort arbeitete und so den Weg im Schlaf fand. Mr. Sulivan sparte auch hier an der Beleuchtung, weil Kunden hier keinen Zutritt hatten. Irgendwann endeten die Treppenstufen und eine schwere Feuerschutztür versperrte ihm den Weg. Er kramte die Schlüssel heraus, die er von dem Angeber Rick bekommen hatte. Er konnte ihn nicht leiden, weil er seine Freundin Clare immer so lüstern ansah. Der Schlüssel passte und die Tür ging auf. In der Woche war der Durchgang nicht verschlossen um den Mitarbeitern freien Zugang zu gewährleisten. Er lachte, ich bin der Schlüsselmeister . Er betrat die große Halle, die etwas schmutzig aber dennoch relativ aufgeräumt war. Dann sah er in seinen Aktenordner und schaute darin nach, mit was er beginnen sollte. Edelholzlager? Verdammt noch mal, wo soll das denn sein? Obwohl er schon eine ganze Zeit hier unten arbeitete, kannte er es nicht. Mist, jetzt muss ich auch noch suchen, hoffentlich schaffe ich meine Arbeit. Steve durchschritt schnell die Räume, die er kannte. Sägerei, Zuschnitt, Fertigung, all das war ihm bestens bekannt, auch wo das normale Buchen und Fichtenholz lagert, wusste er. Ok, wo Holz lagert, ist bestimmt auch noch mehr Holz zu finden.
Im Holzlager türmten sich gewaltige Mengen von Holz auf. An der Seite war ein riesiger Lastenaufzug, mit dem das Schnittholz, Platten und Stämme nach oben gebracht werden konnten. Es war unüblich, dass eine Tischlerei in den unteren Stockwerken eines Einkaufszentrums lag, aber hier war es ebenso.
Steve durchsuchte alle Ecken des Lagers, der hintere Bereich war viel älter als der andere, es schien so, als ob der Keller schon vor Hunderten von Jahren errichtet worden war. Sogar Holzbalken waren als Stützpfeiler für das Gebäude erhalten geblieben, beim Arbeiten und dem täglichen Trubel in der Werkstatt war ihm das nie aufgefallen. Egal, deshalb war er jetzt nicht hier, er musste den verdammten Lagerraum finden. Zwei alte Spanplatten standen schräg angelehnt an einer Wand, instinktiv schaute Steve hinter einer der Platten nach und entdeckte tatsächlich einen Türrahmen mit einem alten Schloss. Er schob die Platten beiseite und wischte den Staub vom Schloss. Wieder nahm er den Schlüsselbund zur Hand und fand tatsächlich einen alten Bundbartschlüssel, der genau in das alte Schloss passte. Der Schlüssel drehte schwerfällig und mit einigem Ruckeln öffnete sich die Tür tatsächlich.
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