Also wurde ich als erste hingerichtet. Letztendlich haben die guten verloren.
In der zweiten Runde war ich tatsächlich die Böse. Doch ich habe mich so gut geschlagen, dass es niemand sogar gewagt hätte zu glauben. Ich habe aus der ersten Negativerfahrung gelernt und nun mich anders verhalten. Wir, Mafiabosse, waren auch dem Sieg so nah, als der Moderator mich unabsichtlich verriet. Als die Mafiabosse sich nachts zum geheimen Treffen versammelten, müssen alle Namen derjenigen aufgezählt werden, welche noch im Spiel sind. Und da ich als einziger Mafiaboss übrig war kam ich natürlich nicht in die Liste derjenigen, welche eliminiert werden sollten. Also zählte er mich gar nicht erst auf. Was mich wiederrum sofort als ein Mafiaboss herausstellte. Ich merkte es zuerst gar nicht doch dann, lachte das Mädels.
-Und was ist mit Jenny? Du hast sie ja gar nicht aufgezählt!
-Hmm, ja. Ach ja!, leuchtete es plötzlich ein! „Sorry!“ Er umarmte mich und entschuldigte sich mehrmals. Das war wirklich süß seinerseits. Der Pascha war überhaupt einer der süßesten am Tisch. Der andere war eher ein Rockertyp. Und noch einer wiederrum war anscheinend gestern auf einer Party. Er saß mit seinem Capy tief übers Gesicht gezogen, um nicht von jemand oder etwas gestört zu werden. Seinen Radler hatte er wie ein Ertrinkender den Rettungsring umklammert. Ich konnte ihn irgendwie ziemlich gut verstehen. In der Shisha-Bar gab es nicht allzu viel frische Luft und auch sonst hing eine schwerere Rauchwolke in der Luft. Doch es war ein mehr als gelungener Abend. Ich konnte meine Kommilitonen näher kennenlernen, etwas über den Zeitvertreib der Studierenden in Moskau zu erfahren und sogar etwas lügen gelernt.
Ein Teil der Klasse werden
Der Seminarraum wurde immer voller und voller. Bald gab es schon kaum freie Plätze und diejenigen, die zu spät kamen, die bestrafte sozusagen das Leben. Denn so mussten die Kommilitonen sich Stühle aus den Nachbarräumen besorgen. Außerdem waren schon die Plätze an den Tischen besetzt und so mussten manche von uns an den Seiten der Tische oder vorne am Tisch des Lektors sitzen. Als unser Seminarleiter herein kam, war seine erste Frage: „Ok, als erstes, wo kommen die ganzen Leute her?“ Es war überhaupt nicht ironisch gemeint. Es ist wirklich so, dass einige erst zur Klausur erschienen sind. Das war überraschend, denn trotz der Anwesenheitskontrollen, wird es voll nicht allzu ernst genommen. Na ja, wie ihr seht, sind die Studenten überall gleich.
Heute haben sich fast alle Mädels besonders hübsch gemacht. Auch diejenigen, die normalerweise nicht so viel Wert auf ihr Äußeres legen. Solche gibt es in Moskau auch, obwohl es schwer zu glauben ist. Diese Mädels haben versucht etwas aus sich zu machen, einigen ist es gelungen, den anderen eher weniger. Denn heute war ein besonderer Tag. Anscheinend war für heute ein Klassenfoto dieses Jahrgangs angesetzt. Als wir drei Auslandsstudenten gefragt wurden, ob wir denn nicht mit auf Klassenfoto wollen, war ich sehr froh darüber. Zwar hatte ich schon immer das Gefühl, dass wir bereits ein Teil dieser Klasse geworden sind, doch das es so ernst genommen wird, war echt eine Ehre und eine Freude zu gleich. Wir sagten selbstverständlich zu und wanderten, etwas gestresst und mit viel Gesprächsstoff wegen des Tests, der Gruppe hinterher. Zwar wurde kein professioneller Fotograf bestellt, dafür machte das Fotografieren umso mehr Spaß. Es war eine unbeschwerte und fröhliche Situation.
Als der Wind durch mein offenes Haar wehte, fühlte ich Kälte und unglaubliche Freiheit. Ich stand am Roten Platz neben vor der Kamera. An diesem warmen, für Moskauer Verhältnisse, Dezember hatten wir uns mit der Freundin hübsch gekleidet und wie die meisten Touristen zum Roten Platz gelaufen. Das war ein wahres Erlebniss. Erst heute habe ich eine Klausur geschrieben. Ab Sonntag war ich vorbildlich am Lernen. Es war gar nicht so einfach in dieser Stadt die Zeit nur in seinem Zimmer zu verbringen. Also, war es eine doppelte Freude mal raus zu gehen, das Wetter, die Freizeit und die Luxusatmosphäre so kurz vor Weihnachten zu genießen.
Die Einkaufsstraße leuchtete wie im Märchen und das Herz der Mädels fing schneller an zu schlagen. Bei all dem Glitzern und Schnick-Schnack würden die meisten Jungs an Kitsch denken, doch die Mädels freuen sich über die leuchtenden Vitrinen, hübsch gekleideten Manikenen. Mit leuchtenden Augen schaute das weibliche Geschlecht an die hübsch ausgelegten Dinge und die funkelnden Edelsteine. Ich träumte selbst davon mir irgendwann mal eins des schönen Kleider oder eleganter Jacken leisten zu können. Doch als ich auf den Preis sah, wurde mir meist bewusst, dass es gar nicht so bald der Fall sein wird. Denn in GUM ist nur Haute Couture angesiedelt. Der einzige Laden meiner Preisklasse war ZARA. Ich glaube er hat sich dort irgendwie verirrt und man hat ihm erlaubt zu bleiben.
Einer der Eingänge in die riesige Einkaufshalle führt über Arka, welche sehr schön ausgeschmückt ist. Schon dieses Gefühl ein solch majestätisches Tor nutzen zu können ist eine Erfahrung wert.
Innen herrscht unglaubliche Sauberkeit und Ordnung. Alles scheint mehrmals durchdacht zu werden, nichts erscheint zufällig, aber nicht künstlich. Das war wahrscheinlich auch das Vorhaben der Manager des Zentrums. Man fühlt sich sofort wohl, auf eine subtile Art und Weise sogar heimisch. Es macht Spaß durch die Gassen zu schlender und mal ein Eis zu essen. Das alles ist dort vertreten. Und obwohl es draußen kalt war, gönnte ich mir das klassische russische Eis. Und wir machten uns mit meiner Freundin weiter auf den Weg unsere Entdeckungstour fortzusetzten. Es dauerte tatsächlich nicht lange, als ich paar Meter weiter eine interessante Unterhaltungsmöglichkeit entdeckte. Und zwar, gab es für alle die beim Essen unterhalten werden wollen ein riesiges Aquarium in der Wand eingearbeitet, mit lebenden Fischen, versteht sich. Doch das Beste war, das man hindurch auch noch in ein Gastronom reinschauen konnte. So war den Gästen der Blick auf die Zubereitung der Fischgerichte oder Sushi- Spezialitäten gewährt. Das letztere ist in Moskau auch groß in Mode und an jeder Ecke findet man Sushi Bars. Manche glauben sogar so gut zu sein, dass in ein und demselben Restaurant sowohl Sushi, als auch Sashlik angeboten wird. Das ist der Fall am Kievskij Bahnhof. Ehrlich gesagt, würde ich dort nicht allzu gerne speisen. Weder das eine noch das andere.
Wenn ich es mir Recht überlege hätte ich es schon viel früher merken sollen. Doch nun ganz langsam dämmerte es mir letztendlich ein. Meine Glückssträhne war vorbei und nun war endlich das Pech dran. Für sie, das Pech, war es ein besonders großes Glück. Sie musste sehr lange warten, bis sie endlich dran kam und so kannte ihre Fantasie keine Grenzen. Es ist zwar nicht so, dass es mir schlecht geht oder ich Unglücklich bin. Doch fast alles, was schief gehen kann, geht schief.
Den Lauf ihrer Karriere fing das Pech in der Metro an. Jeden Monatsanfang bezahle ich mein Ticket für den kommenden Monat im Voraus. Übrigens, ist dieser für Studenten besonders günstig. Den ganzen Monat kann man für nur 255 Rubels fahren. Und das für unbegrenzt viele Fahrten durch ganz Moskau. Wenn man in Euro umrechnet, sind es nicht mal 6 €. Das ist ein Spottpreis. Allerdings nicht für Studenten, die in Moskau Stipendium bzw. Bafög in Höhe von ganzen 1000 Rubels. Ja, ich habe mich nicht verschrieben. Keine 10.000,was auch gerade mal 200 € wären, sondern etwas mehr als 20 €. Wenn schon ein Viertel für Verkehrsmittel draufgeht, bleibt nicht mehr viel übrig.
Aber nun zurück zu meiner Geschichte. Es wird noch interessant. Also bezahlte ich das Ticket. Die Frau am Schalter war wieder mal Freundlichkeit in Person. Ironisch gemeint natürlich. Du ich machte mich voller Vorfreude auf Moskau bei Nacht auf den Weg. Doch, ich kam nicht rein. Die Schranke leuchtete nicht grün ein. Selbstverständlich wagte ich es nicht hindurchzugehen, denn es kann ziemlich schmerzhaft werden, habe ich mir sagen lassen. Die ältere Frau, welche am Durchgang für Recht und Ordnung sorgt, und bei Verstößen in ihre Pfeife pfeift, den Sinn dessen ich noch nicht verstand, hatte ihre eigene Erklärung, wieso es nicht ging. Ich erklärte ihr, dass ich gerade eben das Ticket bezahlt habe.
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