In den folgenden zwei Jahren wiederholte Ravi seine Geschichte immer wieder. Er erzählte sie seinen Lehrern, Verwandten, den Eltern und auch Bekannten. Immer wieder sprach er davon, dass er sich nach Dingen aus seinem einstigen Leben sehnen würde. Einen Spielzeugelefanten aus Holz, einen Schulranzen oder auch eine Spielzeugpistole will er besessen haben; alles Dinge, die sich die Familie Shankar gar nicht leisten konnte. Der Junge war nicht von dem Glauben abzubringen, er sei einst ermordet worden, und so verbreitete sich die Geschichte bis in den Nachbarbezirk und kam Sri Jageshwar Prasad zu Ohren.
Prasad hatte im Januar 1951 tatsächlich seinen sechsjährigen Sohn Munna verloren. Diesem wurde von zwei Männern die Kehle durchgeschnitten, die auf das Geld des Kleinen aus waren. Die beiden Mörder wurden später als der Friseur Jawahar und der Wäscher Chaturi identifiziert. Doch da die endgültigen Beweise fehlten, ließ man die beiden Männer wieder frei.
Bei einem ersten Treffen zwischen Prasad und Ravi erkannte der Jungen seinen einstigen Vater sofort. Auch seine Uhr erkannte er und schilderte auch eine Reihe weiterer Dinge, die den Tatsachen entsprachen. Auch nannte er Einzelheiten von dem Mord. Als der Knabe zufällig die beiden einstmals Angeklagten sah, erkannte er auch diese umgehend.
Auch bei dem kleinen Ravi zeigte sich eine Narbe, die Dr. Stevenson als eine Art „Erinnerung“ an den Mord erkannte. Menschen, die den Jungen schon immer kannten, gaben an, dass die Narbe am Hals einst sogar länger gewesen sei. Interessant ist an diesem Fall auch, dass die Erinnerungen des Knaben im Laufe der Jahre immer mehr verblassten. Als Dr. Stevenson ihn mit Alter von 18 Jahren erneut besuchte, berichtete Ravi, dass er sich gar nicht mehr an diese Dinge erinnern könne. Lediglich die Berichte der Leute, die seinen Fall kannten, kannte auch er. Es ist interessant, dass dies als typisch für Reinkarnationsberichte von Kindern ist. In den frühesten Jahren erinnern sie sich recht gut an ein früheres Leben, doch im Laufe der Jahre verschwimmen diese Erinnerungen bis zum vollständigen Verschwinden. 43
Scheinbare Erinnerungen an frühere Leben sind in Fällen wie jenem des Mädchens Romy und vor allem Imad Elawars sicherlich eindrückliche Berichte. Sollten sie tatsächlich schon einmal gelebt haben?
Im gesamten Glauben der Reinkarnation habe ich mich persönlich immer gefragt, wie man sich dies genau vorstellen muss. Ist es so, dass die Seele beim Tode umgehend in einer neuen Inkarnation auf der Erde eingeht? Oder ist es so, dass die Seele beim Tod erst eine Art Zwischenstation im Jenseits „besucht“, von der aus sie später neu auf Erden inkarniert?
Diese Fragen sind mit Sicherheit von großem Belang. Denn es ist in der Fülle von mutmaßlichen Reinkarnationsfällen sehr oft zu beobachten, dass die Menschen sich an Leben erinnern, die Jahrhunderte oder sogar tausende von Jahren zurückliegen. Das heißt, es fehlen quasi viele Jahre zwischen dem jetzigen Leben und dem Leben aus der „Erinnerung“ des jeweiligen Menschen. Besonders oft, so scheint es, erinnern sich die Betroffenen an Leben im Mittelalter oder in uralten Hochkulturen, wie etwa Ägypten. Zum Teil auch an eine einstmalige Existenz in irgendeinem Krieg. Dabei sind die vor allem oft durch Hypnosesitzungen hervorgelockten Erinnerungen natürlich nicht immer positiv. In dem Buch Beyond the Ashes: Cases of Reincarnation from the Holocaust 44 schreibt zum Beispiel Yonassan Gershom (USA), ein jüdischer Rabbiner, von Fällen, in denen sich die Menschen scheinbar an ein Leben im Holocaust unter den Nazis erinnerten. Der sich selbst „Cyber-Rabbi“ nennende Reinkarnations-Forscher Gershom ist sicher, dass es die Wiedergeburt gibt.
Es stellt sich also die Frage, ob diese Menschen sich an die Leben dazwischen schlicht nicht mehr erinnern, oder aber, ob sie zwischenzeitlich einen „Stopp im Jenseits“ einlegen. So sonderbar es sich auch anhören mag.
Wir sehen in den weiteren Kapiteln noch, dass das Phänomen der „Kommunikation“ mit Toten im Jenseits (Kapitel III & IV) eigentlich auch gegen eine übergangslose Seelenwanderung spricht…
Dennoch werden hin und wieder Fälle publiziert, die von der Wiedergeburt einer Seele direkt nach dem Ableben der vorherigen Inkarnation sprechen. Prominenteste Inkarnation soll die des US-Präsidenten John F. Kennedy sein. Karl O. Schmidt beschreibt in seinem Buch Das abendländische Totenbuch 45den Fall des Müncheners Johann Schuler. 46
Am Tag, als John F. Kennedy in Dallas erschossen wurde, am 22. November 1963, kam Schuler in München zur Welt. Kennedy wurde um 12:30 Uhr nach der US-Zeitrechnung erschossen, Schuler erblickte um 12:48 Uhr nach US-Zeit das Licht der Welt.
Bereits sehr früh erstaunte der kleine Johann seine Umgebung mit einem verblüffenden Wissen. Er berichtet von der Ehe der Kennedys, schilderte, was im Weißen Haus los ist, beschrieb das Arbeitszimmer des Präsidenten, wusste um Bekannte und Freunde der Kennedys, wusste Details der Geschichte der USA und erkannte John F. Kennedy und seine Frau Jackie auf einem Foto in einer Zeitung. Eine Bild des Reeders Onassis, jenem Mann, den Jackie nach der Ermordung von John ehelichte, zerriss der Junge jedoch wütend.
Einige PSI-Forscher, die sich dem Thema der Reinkarnation angenommen haben, verweisen immer wieder auf den Umstand, dass angeblich Wiedergeborene am Körper eben verschiedene „Male“ aufweisen, die Wunden ihres früheren Ichs entsprechen sollen. Vor allen bei Kindern, die von anderen Leben vor dem Leben berichten, sind diese körperlichen Male zu einem wichtigen Faktor bei der Beweisführung der Reinkarnationsforscher geworden. 47Doch auch bei Schuler zeigte sich so etwas, denn er hatte rechts am Kopf ein Muttermal, welches man als Kennedys Schusswunde interpretieren könnte. Hier jedoch sei zu bedenken, dass Kennedy, soweit offiziell oder inoffiziell verlautet wurde, eine enorm große Wunde an seinem Schädel erlitt; durch die Wucht des Geschosses wurden Teile gar „weggesprengt“.
Die Lehre der Inkarnation in den Religionen – und dies sollte bedacht werden! – sagt aber aus, dass die Seele des Menschen bereits bei der Empfängnis im Mutterleib „eintritt“. Das heißt, die menschliche Seele ist bei der gesamten Entwicklung im Mutterleib bereits da; sie „konstruiert“ praktisch den (neuen) leiblichen Körper mit.
Karl O. Schmidt hat zu diesem speziellen Fall aufgrund dieses Umstandes eine recht eigenwillige These entwickelt. Er ist der Meinung, es handele sich hierbei…
„[...] um das Ergebnis durch unbekannte Umstände ausgelösten psychischen Kontaktes der eben ins Dasein tretenden Seele des Johann Schulter mit der gerade in die geistige Welt hinübergleitenden Seele Kennedys [...], die in Sekundenschnelle noch einmal ihr ganzes Leben vorüberziehen sah, wie das oft beim Tode der Fall ist. Diese Erinnerungsbilder wurden von der Psyche der gerade ins Leben tretenden Seele Johanns aufgefangen und so intensiv miterlebt, dass die Überzeugung entstand, Kennedy gewesen zu sein .“ 48
Derartiges Material zum Thema Wiedergeburt ist inzwischen in Massen publiziert worden. Doch ist dies hier ein Beweis, dass Johann Schuler einstmals John F. Kennedy war? Lebt seine Seele in Schuler noch heute weiter? Die These von Schmidt ist in vielen Teilen doch sehr spekulativ gehalten. Dazu kommt: Der Autor Rudolf Passian schreibt in seinem Buch Wiedergeburt über diesen Fall, dass in Johann Schuler eher ein naher Freund oder Bekannter der Kennedys wiedergeboren sein könnte. Oder aber, es handelt sich schlicht um die Reinkarnation eines „Kennedy-Fans“, die es ja auch heute noch zahlreich gibt. 49
Bei allen Erfahrungen mit angeblichen Reinkarnationen, die selbstverständlich auch die östlichen Religionen einschließen, bei denen fast schon regelmäßig irgendwo irgendwelche Wiedergeburten irgendwelcher Menschen „entdeckt“ werden, stellen sich Probleme in den Weg. Johann Schuler beispielsweise könnte, da der Tod des beliebten US-Präsidenten über Jahre hinweg in den Medien ein brisantes Thema war, im Fernsehen oder in Zeitschriften Bilder vom Präsidenten und dem Weißen Haus sowie anderer diesbezüglicher Dinge gesehen haben. Auch einem kleinen Kind dürfen wir zubilligen, dass es den/einen Zusammenhang dieser Bilder erkennen wird. Die Informationen über das Privatleben der Kennedys gehören ebenso dazu, da es typisch für die Medien ist, bei Prominenten auch darüber zu berichten. Der Tod von John F. Kennedy Jr. im Juli 1999 bei einem Flugzeugabsturz hatte dies erneut bewiesen. Doch erklärt dies das Wissen über Details der Geschichte der USA? Und warum soll der Junge „sauer“ über eine neue Ehe von Jackie sein, wenn er nicht Kennedy war?
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