„Hier Fürst Vazlav“, sagte er und übergab ihm das Schwert, „fällt Euch etwas auf?“
„Ja, dieses Schwert ist schwerer und länger, als unsere bisherigen, liegt aber dennoch gut in der Hand“, stellte der Fürst zögerlich fest.
„Und sie haben noch einen Vorteil“, begann Samo zu erklären, „Halte das Schwert bitte mit der Klinge schräg zum Boden. Ja genau so – und jetzt pass mal auf.“
Dann holte Samo mit seiner Streitaxt aus und schlug mit aller Kraft gegen das fränkische Schwert.
Vazlav, der auf einen derartigen Schlag nicht gefasst war, taumelte zur Seite, aber das Schwert hielt stand.
Wieder brandete Applaus hoch und die Fürsten kehrten zum Beratungsplatz zurück.
„In Ordnung“, gab sich Vazlav geschlagen, „aber bevor ich Dir meine Leute anvertraue, will ich, dass Du weißt, dass bei uns ein Fürst nur dann unterstützt wird, wenn er zur Familie gehört. Wir werden über Deine Vorschläge beraten und Dir Bescheid geben.“
„Warte hier oder in Deinem Zelt“, beschied ihm Wogast „ich werde Dich holen lassen.“ Also kehrte Samo zu seinem Zelt zurück und legte sich davor ins Gras. Das Zelt selbst war zu klein, als dass es zu mehr als zum Schlafen hätte dienen können.
Schon wieder so eine komische Andeutung: „Zur Familie gehören“ Was mochte Vazlav wohl damit meinen? Samo rieb seine Schulter, streckte seinen Rücken durch und blickte zum Himmel. Raue und komische Sitten hatten sie hier, aber irgendwie gefielen ihm diese Leute immer mehr.
Neben Drahomira hatten noch zwei weitere Frauen einen interessierten Blick auf Samo geworfen, was dieser jedoch nicht bemerkt hatte. Lubina vom Stamm der Opolanen, die diesen Mann haben wollte und Rodzislava von den Mährern, die in diesem Mann die Möglichkeit sah, zur Königin der Slawen aufzusteigen.
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Es war nach Mitternacht, als sich der Eingang von Samos Zelt öffnete.
Er war einige Zeit draußen umher gelaufen, unterhielt sich mit einigen Leuten und besuchte Kunibert und dessen Kollegen in ihrer Schmiede.
Die Slawen feierten die Sommersonnenwende mit einem großen Feuer, lachten, tranken und tanzten um das Feuer herum. „Fast wie die Beltanefeuer bei den Kelten“, dachte Samo. Er war aber mit seinen Gedanken zu sehr beschäftigt, als dass er sich die den Feiernden längere Zeit hätte gesellen wollen.
Erst vor ein paar Minuten war er wieder in sein Zelt gekommen. Die Stammeshäuptlinge wollten sich morgen weiter besprechen, jetzt war ihnen das Feiern wichtiger.
Wogast’s Tochter Drahomira kroch herein, die eine Schüssel mit Essen zu ihm brachte. Ihre langen schwarzen Haare, waren unter einem roten Kopftuch zusammengefasst, dazu trug sie ein langes blaues Gewand, das nur von einem Gürtel gehalten zu werden schien.
Sie stellte die Schüssel ab und fragte: „Darf ich Dir etwas Gesellschaft leisten?“
„Gern“, antwortete Samo. „Was hast Du auf dem Herzen?“
„Stimmt es, dass Du eigentlich kein Kaufmann, sondern ein Krieger bist, der mit uns gegen die Awaren kämpfen will?“
„Ja!“ antwortete Samo „Chlothar und Dagobert, die beiden Könige der Franken, haben mich dazu zu Euch geschickt. Aber ich war tatsächlich einmal Kaufmann, bevor meine Frau und unser Sohn getötet wurden.“
„Du hast vor einiger Zeit Deine Frau und Deinen Sohn verloren, das hat mir Kunibert erzählt. Und seitdem keine Frau mehr angerührt? Willst Du deshalb nicht mit uns feiern?“ Stellte sie mehr fest, als dass sie fragte.
„Ja und nein, Kunibert konnte offensichtlich seine Klappe mal wieder nicht halten.“ Stöhnte Samo auf. „Aber ich mache mir Gedanken über das was die Fürsten morgen weiter beraten werden.“
„Über deren Politik mache ich mir keine Gedanken – die werden schon auf Dich hören“, meinte sie.
Dann kroch sie zwischen Samos gespreizte Beine. „Ich hatte seit dem Tod meines Mannes auch keinen Mann mehr“, raunte sie und drückte ihren Kopf gegen seinen Bauch.
Samo konnte nichts sagen, der warme Körper und die Lippen, die er durch sein Gewand spürte, raubte ihm den Atem. Seine Hände glitten nach unten und holten sie zu ihm herauf, glitten unter ihr Gewand und umfassten ihre nackten Schenkel. Sie stöhnte auf, während er nach ihrem Gürtel griff um diesen zu öffnen.
Er zog sie neben sich und sie legte sich bereitwillig auf den Rücken, während er sich seiner Kleider entledigte. Dann tauchte er mit seinen Lippen zwischen ihren Schenkeln hinab und bedeckte ihren Körper mit Küssen.
Sie stöhnte auf und hielt ihn fest, damit er sich weiter intensiv um sie kümmerte, während er ihren Körper entlang nach oben glitt. Dann verschloss er ihren Mund mit Küssen, schob eine Hand unter ihrem Knie durch und nahm sich, was sie ihm so bereitwillig geben wollte.
Es war tatsächlich das erste Mal, seit dem Tod seiner Frau Adelgunde, dass er mit einer Frau schlief und sämtliche Lebenskraft, die er schon verloren geglaubt hatte, kehrte in seinen Körper und seinen Geist zurück. Drahomira verstand was er wollte und wie er es wollte, und so verschmolzen ihre Körper bald in lauter Glückseligkeit miteinander.
Erst am darauf folgenden Morgen verließ sie ihn, während er sich nun endlich dem Essen, das sie ihm gebracht hatte, widmen konnte.
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Nach dem Frühstück ging Samo vor sein Zelt um sich zu waschen und andere körperliche Bedürfnisse zu erledigen, als er plötzlich einen Schlag auf die Schulter bekam.
„Du gefällst mir immer besser“, hörte er, „aber was ich Dir gesagt habe, über die vielen Frauen, die Du in Kürze wirst versorgen müssen. Das betraf nicht nur meine Tochter.“
Es war Wogast.
„Hast Du sie zu mir geschickt?“ fragte ihn Samo direkt.
„Wie man’s nimmt, Kunibert und ich haben ihr ein paar Sachen über Dich erzählt. Dass sie zu Dir geht, war aber einzig ihre eigene Entscheidung. Sie lässt sich da von niemandem reinreden. Das wirst Du auch noch merken“, lachte ihn Wogast an.
„Wir Fürsten haben letzte Nacht beschlossen, dass Du uns anführen sollst. Allerdings haben wir ein paar Bedingungen“, erklärte ihm Wogast feierlich. „Erstens werden wir nur jemandem folgen, der Mitglied unseres Stammes ist, das heißt Du wirst Dir aus unseren Stämmen, jeweils eine unverheiratete Frau wählen und sie zu Deiner Frau machen. Zweitens beginnen wir noch in diesem Winter mit unserer Erhebung, denn viel länger werden es die Leute, die im Gebiet von Vazlav leben, nicht mehr ertragen, die Diener der Awaren zu sein und Drittens – sollten wir unter Deiner Führung siegen, wollen wir, dass Du uns weiterhin anführst und nicht wieder zurück zu den Franken gehst. Wir wollen unsere eigenen Herren sein und nicht die Diener der Franken.“
„Ach so war das gemeint…“ raunte Samo um dann zu erklären:
„Dann habe ich aber auch ein paar Bedingungen an Euch. Erstens: Die Frauen, die ich mir wähle, sollen nicht gezwungen werden mir zu folgen. Wenn sie nicht wollen, werde ich sie auch nicht nehmen. Und wenn eine der Frauen meint, dass sie sich nicht in die vorhandene Gruppe einfügen will, kann ich sie jederzeit wieder zu ihrer Familie zurückschicken, ohne dass sie dann irgendwelchen Ärger bekommt. Während der Kriegszeiten bleiben die Frauen – solange noch keine sichere Bleibe für sie errichtet wurde – bei ihren Familien. Danach werde ich versuchen eine kleine Burg oder etwas Ähnliches aufzubauen.“ Erklärte er mit ernster Miene.
„Meine zweite Bedingung wird Euch wohl noch weniger einleuchten“, holte Samo aus. „Wir werden einmal im Jahr eine Zusammenkunft, wie diese hier, abhalten und die notwendigen Vereinbarungen für das nächste Jahr treffen. Dabei werde ich Euch erzählen, was als nächstes geplant ist und Ihr werdet mich davon unterrichten, was bei Euch zuletzt geschehen ist. Unabhängig davon bin ich natürlich für Euch da, wenn ich gebraucht werde. Darüber hinaus werden wir in jedem fünften Jahr festlegen, wer in den nächsten fünf Jahren Euer Anführer sein soll. Was hälst Du davon?“ fragte er Wogast.
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