1 ...8 9 10 12 13 14 ...20 „Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich unsere Männer in keinster Weise irgendeine Verfehlung gegenüber den slawischen Frauen erlauben. Damit wisst Ihr auch, weshalb ich die Todesstrafe auf Plünderung und Vergewaltigung verhängt habe.“ erklärte Samo weiter.
„Es wird in den nächsten Wochen und Monaten sehr auf unsere Kundschafter und Jäger ankommen, denn die Awaren dürfen auf keinen Fall mitbekommen was wir im Gebiet der Bojer und im Gebiet der March treiben“, sagte er weiter zu Arnulf dem Chef der Kundschafter gerichtet. „Sollte in der nächsten Zeit ein Aware in unsere Hände fallen, werden wir kurzen Prozess mit ihm machen. Ausnahmen gibt es allenfalls bei Angehörigen des Großkahns, da wir für diese natürlich ein Lösegeld verlangen können – aber das auch erst nachdem der Krieg bereits im Gange ist. Sonst ist der Überraschungsmoment vorbei und auf den wird es ankommen.“
Damit beendete Samo seine Erklärungen.
„Nachdem Du jetzt schon so freimütig am Erzählen bist“, hackte nun Kunibert, der Schmied, nach.
„Was hatte es eigentlich mit dieser Notburga und Deiner Hochzeit auf sich?“
„Das ist schnell erklärt. Notburga ist die einjährige Tochter Dagoberts, die ich hätte heiraten sollen, wäre es nach ihm gegangen.“
Kunibert schüttelte den Kopf.
„Ihre Mutter Hildegunde, mit der ich geredet habe, hätte das Kind und sich selbst umgebracht, wäre es zu einer tatsächlichen Hochzeitsnacht gekommen.“
Samo erklärte weiter, während Kunibert alleine die Vorstellung an eine Hochzeit mir einem Kind ekelte.
„Außerdem, was soll ich hier auf einem Kriegszug mit so einem Mädchen und ihrer Mutter anfangen? Deshalb habe ich sie vor der Hochzeit aus ihrer Kammer in der Burg von Uburzis geholt und zu Benno auf ein Pferd gesetzt. Bei Benno war sowieso klar, dass er uns nicht begleiten und zu seiner Frau zurückkehren würde. Es gibt da eine versteckte Höhle am Neckar, die jetzt von einer zwanzigjährigen Frau und deren einjähriger Tochter bewohnt wird“, beendete Samo seinen Bericht.
„Ich finde Du hättest die Hochzeitsnacht mit der Mutter verbringen und sie dann zum König zurückschicken sollen. Hattest Du seit dem Tod Deiner Frau denn dieses Vergnügen mal wieder?“ fragte Kunibert direkt nach.
„Nein, ich hatte keine Zeit dazu.“ musste Samo zugeben.
Kunibert lachte laut auf: „Das war ein Fehler!“
„Du hast es ja in Uburzis auch ziemlich krachen lassen“, konterte nun Gumbert.
„Ja, wer kann der kann!“ lobte sich Kunibert selbst.
So verlief das Gespräch nun in privaten Bahnen, während Samo sich zu den letzten Worten Kuniberts seine Gedanken machte. „Was sprach eigentlich dagegen, wenn sie alle – also auch er selbst – sich jeweils ein Weib nehmen würden?“
Aber noch ehe er den Gedanken zu Ende gedacht hatte, verwarf er ihn auch wieder – vorläufig waren sie im Krieg und hatten keine Zeit für Frauen.
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Am nächsten Morgen wurde Alarm gegeben. Fünf Männer waren verschwunden. Ein Schwertkämpfer der Wache hatte, zwei der Mauleseltreiber und zwei Axtkämpfer.
Das Lager wurde rasch abgebrochen und die Maulesel wieder beladen.
Die Arbeiten waren gerade erledigt, als einer der Kundschafter herbeieilte und berichtete, dass er den Schwertkämpfer auf dem halben Weg zum Main gefunden habe, mit durchschnittener Kehle.
Die anderen vier hatten sich offenbar zurück ins Frankenreich begeben.
Samo wollte ihnen am liebsten nachreiten und sie selbst umbringen, aber damit wäre die ganze Sache zum Scheitern verurteilt gewesen. Sie mussten in ein paar Tagen bei Wogast sein, der – das wusste er von Ladislaus – zu einem Treffen der slawischen Stammeshäuptlinge reisen würde, das zur Sommersonnenwende stattfinden sollte. Wo dieses Treffen stattfinden würde, war wegen der Awaren geheim. Also machten sie sich auf den Weg durch den bojerischen Wald 18und das dortige Gebirge zum Fluss Eger und von dort weiter an die Flüsse Dolánecký und Kyselý, an denen die Burg des Fürsten Wogast lag.
Durch die Eile gedrängt, aber durch schlechtes Wetter behindert, gelangten sie erst nach fünf Tagen dort an.
Die „Burg“ des Wendenführers Wogast lag auf einem Hügel 19, in der Nähe der Bäche Dolánecký und Kyselý und bestand im wesentlichen aus fünf Bauernhöfen, die durch einen Wall umfriedet waren. Der Wall war aus Balken und Baumstämmen gefügt, die dicht nebeneinander in den Boden gerammt wurden. Im Abstand von etwa zwei Schritten dahinter waren weitere Baumstämme in den Erdboden getrieben und die sich dadurch ergebende Lücke war mit Erde und Sand gefüllt worden. Da die vorderen Baumstämme etwas höher aus der Erde ragten als die hinteren, dienten die vorderen Baumstämme als Schutz für die Bogenschützen, die im Fall eines Angriffs bereit standen.
Am nordwestlichen Ende des Hügels fiel dieser steil ab und von dem Turm, der hier errichtet worden war, um als letzte Verteidigung zu dienen, hatte man einen guten Ausblick auf die umgebenden Wälder, Wiesen und Felder. Zur südöstlichen Seite hin, waren im Vorfeld der Burg weitere Türme errichtet worden, von denen die Angreifer, die von dieser Seite her kamen leicht unter Beschuss genommen werden konnten.
Das Tor, war eigentlich eher ein Durchlass zwischen den Wällen, der lediglich den Platz bot, um einen großen Ochsenkarren hindurch zu lassen, so dass er leicht von wenigen Männern verteidigt werden konnte.
Durch den beschriebenen Aufbau des Walls, war eine Ramme so gut wie unbrauchbar, da jeder Stoß gegen den Wall sofort von der Ramme zurückgegeben wurde und der Wall keinen Schaden nehmen konnte. Da dieser Wall noch mit Lehm bestrichen worden war, konnte sich ein Brand fast nicht ausbreiten.
Durch die Ausdehnung der gesamten Anlage konnten dort etwa tausend Männer, Frauen und Kinder samt den notwendigen Tieren Platz finden, so dass die Burginsassen gut versorgt werden konnten.
In einem der Bauernhöfe befand sich eine Schmiede, in der alle notwendigen Reparaturen vom Inneren der Burg aus, durchgeführt werden konnten. Durch fünf große Zisternen, wurde die Burg für längere Zeit mit Wasser versorgt, für das der Regen sorgte.
Wollte man von Bojerischen Wald aus nach Osten reisen, musste man an dieser Burg vorbei, deren großer Turm ständig mit einer Wache besetzt war, die sich langweilte, da heute, wie in der ganzen vergangenen Zeit, mal wieder nichts passieren würde.
Doch was war das, der Wachtposten rieb sich die Augen. Sah er richtig? Er kniff sich, um zu prüfen, dass er nicht träumte: Dort unten im Tal zogen etwa hundert Mann, in voller Bewaffnung und einigen, schwer beladenen Mauleseln, auf dem direkten Weg zu ihrer Burg. Hatten die Kundschafter geschlafen? Wie konnte ihnen diese Menschenmenge entgangen sein?
Er fluchte und gab Alarm.
Schnell waren die Zinnen besetzt und ihr Anführer Wogast erschien auf dem Aussichtsturm.
„Was ist los?“ polterte er los. „Weshalb gibst Du Alarm?“
„Siehst Du die voll bewaffneten Männer da unten im Tal, Herr?“ fragte der Wachtposten zurück.
„Ist in Ordnung. Warten wir ab, was sie wollen.“ knurrte ihn Wogast an. „Vielleicht kommen sie ja in friedlicher Absicht zu uns.“
„Wenn Ihr meint Herr.“ aber so ruhig wie sein Herr war der Wächter nicht.
Durch den Alarm war die restliche Burgbesatzung jedenfalls auf jeden Angriff vorbereitet, der sofort zurückgeschlagen werden konnte.
Als die Karawane zwei Pfeillängen von der Burg entfernt war, lösten sich zwei Reiter aus ihren Reihen, ritten auf die Burg zu und hielten vor dem Tor.
„Hier ist Ladislaus in Begleitung des Samo und seiner Männer“, rief der Jüngere der beiden. „Wir wollen Euren Anführer Wogast sprechen.“
„Und hier ist Wogast“, meldete sich dieser. „Woher kommt Ihr und was wollt Ihr besprechen?“
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