Nachdem mich alle durchgeknuddelt haben, meint Alex: „ Echt schickes Haus. Und ihr“ - er deutet auf Carmen und mich - „ werdet ab Montag bei uns arbeiten?“
„ Jep“, meint Carmen trocken. „ Cool, was? Vielleicht könnt ihr ja mal vorbeikommen, damit wir zusammen lernen können und ihr in diesem geilen Haus Zeit verbringen könnt.“ Alle lachen ausgelassen. Meinetwegen können alle anderen Gäste kurzfristig absagen, denn ich glaube, mit denen, die hier sind, kann man eine Menge Spaß haben und sich viel unterhalten.
Chris und Alex heben irgendetwas hinter sich hoch und sagen: „ Das haben wir noch mitgebracht. Nicht dass uns hier das Bier ausgeht!“ Als die beiden an mir vorbeigehen, sehe ich, wie Alex mir zuzwinkert und wende mich schnell wieder ab. Gott, wenn das so weitergeht, bekomme ich noch einen Ohnmachtsanfall!
„ Oh, danke“, meint April. „ Stellt sie hier einfach in die Küche. Dann kann sich jeder nehmen, wann immer er will.“ Inzwischen sind noch mehrere Gäste da; Freunde von April, Freunde von Jessica, von Carmen und ein paar von mir. Aber, Moment mal!
„ Ähm, weiß irgendwer, wer die da sind?“, frage ich meine besten Freundinnen und deute auf eine kleine Gruppe unbekannter Jungs und Mädels hinter unseren Kollegen – unseren neuen besten Freunden.
Jetzt ist es Carmen, die rot wird und diesmal bin ich es, die meine beste Freundin böse anstarrt, damit sie sagt, was sie angestellt hat. „ Also … ich denke mal, das sind die Freunde von meinen Freunden … oder so“, murmelt Carmen und bei der lauten Musik muss man echt genau hinhören, damit man etwas versteht.
„ Super, Carmen. Das hast du ja toll hingekriegt. Und was machen wir jetzt?“, mischt sich jetzt auch Jessica ein und schnaubt wütend.
„ Tja, die kann Carmen sofort wieder rausschmeißen, würde ich sagen“, bestimmt April, wirft Carmen einen eisernen Blick zu und stolziert ohne ein weiteres Wort ins Wohnzimmer.
„ Also, bedient euch einfach selbst. In der Küche steht alles; Essen, Trinken …“, sage ich zur Krankenhaus-Truppe und denke noch: … und ich. Seufz.
„ Habt einfach Spaß!“ Und das lassen sie sich nicht zwei Mal sagen.
Als ich in Richtung Wohnzimmer verschwinden will, stoße ich mit Alex zusammen. „ Oh, sorry“, sagt er. Dabei legt er seine Hand entschuldigend auf meine Schulter und sofort fängt mein gesamter Körper an zu kribbeln. Wir sehen uns in die Augen und es scheint, als würde die Zeit und der Trubel um uns herum stehen bleiben. Doch dann wendet er sich mit einem Zwinkern ab und geht an mir vorbei.
„ Macht nichts“, murmle ich dann, doch ich bezweifle, dass er mich gehört hat, und husche ins Wohnzimmer.
Jessica kommt mir hinterhergelaufen. „ Hey, da ist ja wer total verschossen, hm?“ Ich schaue sie nur an und spüre, wie ich rot werde. Trotzdem muss ich grinsen.
„ Ist doch voll süß! Er ist echt niedlich. Du musst mit ihm reden! Dich auf ihn aufmerksam machen! Ihr würdet echt gut zusammenpassen und wenn ihr nicht zusammenkommt, wäre das voll die Schande. Dann begehe ich Selbstmord!“
Ich lache. „ Ach, Jessy, hör doch auf. Nur weil ich ihn süß finde, heißt das nicht dass er mich auch toll findet, vielleicht hat er sogar eine Freundin …“
„ Wenn man vom Teufel spricht. Na los! Geh schon! Ich habe schon eine Idee, wie ihr euch näher kommen könnt“, quiekt sie aufgeregt und verschwindet.
Toll, was soll ich denn sagen? Doch im selben Moment werde ich von irgendeinem Vollidioten angerempelt, schütte meinen Sekt direkt auf Alex und falle ihm in die Arme. Das Erste was ich denke: O mein Gott, peinlich! Trotzdem bewege ich mich nicht. Da hänge ich also in seinen starken Armen, mein Gesicht in sein Hemd vergraben und … dann hat mich die Realität wieder eingeholt und ich rapple mich ungeschickt hoch. Wir sehen uns in die Augen und wieder einmal scheint die Zeit stehen zu bleiben und bei dem Anblick von Alex“ meerblauen Augen werden meine Knie weich. Dann realisiere ich jedoch, dass seine Augen amüsiert flunkern und ich blinzle ein paar Mal.
„ Ähm … tut mir leid“, stammle ich – peinlich - „ Irgendwer hat mich angerempelt und … ähm … ich würde dir ja ein neues Hemd geben, aber ich habe leider keins. Also zumindest keins, das dir passen würde …“
„ Ist schon okay“, unterbricht mich Alex grinsend. Wow, er bleibt ganz cool. Im Gegensatz zu mir. „ Sag mir nur, wo das Bad ist und alles ist okay.“
„ Ähm … ja, klar“, stammle ich und suche mir einen Weg durch die Menschenmasse. Doch als wir aus dem Wohnzimmer raus sind, springt Jessica vor uns und fragt: „ Wo wollt ihr hin?“
„ Zum Bad. Ich habe Sekt auf sein Hemd geschüttet“, erkläre ich und deute auf Alex.
„ Das Bad hier unten ist besetzt und ich müsste mal ganz dringend aufs Klo. Aber du …“ Als sie meinen Blick sieht, verstummt sie lieber und zwinkert mir verschwörerisch zu. O man, was war das denn? Noch auffälliger geht’s ja wohl nicht.
Ich schaue sie böse an. Bestimmt hat sie mich angerempelt oder jemanden geschubst …
Doch Jessy strahlt mich nur mit ihren grauen Augen an und verschwindet nach oben. Ich drehe mich zu Alex um und lächle ihn entschuldigend an.
„ Ähm, komm mit“, sage ich lahm und zeige ihm, dass er mir folgen soll.
Anstatt hochzugehen, gehe ich in die Küche, um ein Geschirrtuch nass zu machen und es ihm zu geben. „ Ähm, wenn du es nicht hier machen willst, könntest du auch hoch in eins der Zimmer gehen. Ich meine, es ist ganz schon nass, du müsstest es vielleicht ausziehen …“ Schon wieder merke ich, wie mein Gesicht rot anläuft und ich starre auf meine Füße.
„ Okay, danke“, er sieht mich mit einem schiefen Lächeln an und verschwindet nach oben. Seufzend lasse ich mich auf einen Stuhl fallen, als ein Typ, den ich nicht kenne, in die Küche kommt. Er sieht niedlich aus. Ein bisschen jungenhaft mit seinen blonden Locken, aber es passt irgendwie zu ihm. „ Hi. Ähm, weißt du zufällig, wo Jessica ist?“, fragt er. Ich schaue ihn blöd an.
„ Wer bist du, wenn ich fragen darf?“
„ Oh, tut mir leid, ich bin Paul. Jessica hat mich eingeladen. Ich arbeite mit ihr zusammen im Kindergarten.“ A-ha! So ist das also …
„ Jessica ist …“ Genau in dem Moment kommt sie hereingestürmt.
„ Hey, Sophie, mir ist eingefallen, du hast doch dieses riesige T-Shirt, das du dir in Paris gekauft hast! Vielleicht passt ihm das? Na los, geh schon!“ Sie grinst, ihre Augen flunkern und ihre Wangen sind leicht rosa.
Dann bemerkt sie Paul und bei seinem Anblick färbt sich das Rosa zu einem zarten Rot auf ihren Wangen. „ Oh, Paul. Hi. Seit wann bist du denn da? Ich hab dich noch gar nicht gesehen. Ich dachte, du kommst nicht. … Aber jetzt bist du ja da. Hi.“
Ich schüttle lächelnd den Kopf. Jessica und Paul. Süß.
Trotzdem sieht Jessy mich mit einem Blick an, der nichts anderes sagt als: Los, geh nach oben und schmeiß dich an Alex ran! Als ich dann wirklich Richtung Treppe gehe, um in meinem Kleiderschrank hoffnungslos nach einem übergroßen Oberteil zu kramen, kommen mir Carmen und April entgegen. Anscheinend sind sie nicht mehr ganz so nüchtern, denn sie wanken hin und her.
„ Hey, ihr beiden. Jessica hat einen heimlichen Verehrer. Paul. Sie sind so niedlich zusammen!“
„ Yeah, Jessy!“, jubelt Carmen laut, „ Jessy und Pauli sitzen auf dem Baum …“, beginnen sie und April dann aber zu singen und ich verdrücke mich lieber nach oben.
Immer noch lächelnd gehe ich in mein Zimmer. Als ich die Tür geschlossen habe, verebben die laute Musik und die Gespräche etwas und ich atme kurz durch.
„ Hi“, höre ich dann eine vertraute Stimme aus einer dunklen Ecke sagen und ich wirble erschrocken herum, wobei ich jedoch irgendwie über meine eigenen Füße stolpere. Ich schließe die Augen, doch anstatt harten Boden unter mir zu spüren, spüre ich muskulöse Arme, die mich vor dem harten Aufknall bewahrt haben. So stehen wir da – Alex und ich – Arm in Arm, ich an seinen nackten Oberkörper geschmiegt. Wie in Zeitlupe löse ich mich von ihm und sehe ihm fest in die Augen. Er sieht mich ernst an, bis ich sage: „ Hi.“ Wow, super, Sophie, einfallsreicher ging's wohl nicht. Schnell füge ich noch hinzu: „ Ich schätze, ich sollte dir danken.“
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