Wolfgang Treitler - Sehr gut

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Eine überraschende Email bringt Wolfgang Sattler Erinnerungen an zwei Jahre seiner Internatserziehung zurück: Drohungen, Gewalt, Verlockung, Hass, dann sexueller Missbrauch und eine Flucht in ein Versteck. – Eine dunkle Geschichte, jedoch nicht ohne Licht: An ihrem Ende steht eine Vergeltung nach 40 Jahren und eine stille Heimkehr.

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Für Karl interessierte er sich nicht. „Ich glaube, das wird hart hier“, sagte Karl.

Tage später stellte sich heraus, dass ich mit zwei Brüdern zu tun gehabt hatte, die zwar ein Jahr unterschied, die jedoch auf den ersten verschreckten Blick einander glichen. Diese beiden hatten mich rasch in die Atmosphäre hineinversetzt, die mich künftig umgeben würde.

So lernten wir auch eine Sitte kennen, die sich womöglich seit dem Krieg erhalten hatte und an seine Stelle getreten war, wobei ich mich nicht selten darüber wunderte, dass das in dieser Form ausgeübt werden konnte. In unregelmäßigen Abständen brachen über uns, die Jüngeren, sogenannte Schlägertage herein. Ein Teil der kräftigeren älteren Internatsschüler machte sich organisiert über uns her, wohl zu Zeiten, da der Erzieher nicht zugegen war. Wie beneidete ich die schwachen Älteren, die sich daran nicht beteiligten und auch nicht verdroschen wurden, sondern in diesem Tumult an ihren Studiertischen hockten oder Tischtennis spielten und von nichts berührt schienen. Über uns aber brachen Hände, Fäuste und Füße herein, deren Absicht rasch klar war. Wir hatten nichts getan, es ging nicht um Vergeltung. Es ging einfach um den Ausbruch losgelassener Gewalt, die sich an den Jüngeren verwirklichen und fühlen wollte. In diesen Rudeln der Zweitklässler wurden auch die stark, die einen Kopf kleiner waren als ich, und wir wurden in genau gleichem Maß schwächer, niedergehalten von Furcht und in Erwartung von Schlägen, Tritten und Stößen, deren Wirkungen nicht vorwegzunehmen waren. Dazu werkten einige auch mit Linealen und Handtüchern, in die sie Knoten gebunden hatten.

Für solche Schlägertage holte man sich irgendeinen Anlass. Einmal stand ich in seinem Epizentrum. Vier oder fünf Buben fassten mich und schoben mich vor eine Kastentür im Studiersaal. Oben an der Tür waren auf dem schwarzen Klebeband drei eingeprägte Buchstaben zu lesen: L, Ö, W. Der Name eines Zweitklässlers. Ein irrwitziges Verhör begann, ich behielt nicht in Erinnerung, wer was fragte, mir war, als fragten mich alle gleichzeitig wie aus einem Mund.

„Was liest du da?“ hörte ich, von zwei Händen an den Oberarmen gehalten.

„Da oben?“

„Ja. Wo sonst?“

Da ich eine Falle vermutete, versuchte ich sie irgendwie zu umgehen und sagte: „Diese drei Buchstaben?“

„Ja! Lies!“

Ich besann mich kurz. Was soll ich machen? Was wollen sie? Schritt für Schritt. Vielleicht kommt man ja noch einmal aus ihren Händen. Ich buchstabierte: „L, Ö, W.“

„Das heißt nichts“, sagte einer und ich spürte einen Schlag auf meinem Hinterkopf, nicht besonders fest, aber unangenehm genug.

„Ich weiß, das sind Buchstaben, und diese Buchstaben stehen da.“

„Bist du wirklich so vertrottelt?“ fragte mich Franz, ein kleiner, kerniger Bub, der nur in der Gruppe stark sein konnte, und blitzte mich gefährlich an. „Lies!“

Du bist in der Falle, sagte es in mir. Ich gab mir einen inneren Stoß und sagte:

„Löf.“

Alle lachten. „Habt ihr gehört? Löf hat er gelesen. Dieses Baby kann nicht einmal lesen.“ Und dann rief einer nach Löw, dass er komme. Und Löw kam, ein fescher Bursch, braune Haut, dunkles, welliges Haar. Irgendetwas Edles hatte er in sich, das mir sagte, vor ihm brauche ich mich nicht zu fürchten. Und Franz sagte zu ihm:

„Dieser Trottel hier kann deinen Namen nicht lesen. Kannst du ihm deinen Namen sagen?“

„Ja, ich heiße Löf.“

„Siehst du, er heißt … Löf“, wiederholte Franz.

Und plötzlich schlugen Fäuste auf mich ein, Hände zischten in mein Gesicht, Knietritte, die berüchtigten sogenannten Eisenbahner, sollten mich umwerfen, und ich schrie wie um mein Leben. Doch ich konnte mich auf meinen Beinen halten und explodierte mit einem Furor, der diese Burschen auseinandertrieb. Sie liefen zum Studiersaal hinaus. Ich blieb zurück, allein mit meinen Schmerzen und zwei Zweitklässlern, die an ihren Tischen hockten. Erst jetzt bemerkte ich, dass einer von ihnen Löw war.

Die Davongelaufenen wüteten nun in den Spielzimmern und in den Gängen. Wer von uns Jüngeren rasch genug war, versteckte sich in einem Kasten oder sperrte sich in eine Toilette. Mutigere verließen unseren Bereich und liefen über eine Brücke in einen anderen Teil des Internats.

Solche Schlägertage kannten keine Fristen. Selten dauerten sie bis zur absehbaren Rückkehr des Erziehers. Man fürchtete Sanktionen. Zu Ende kamen sie, wenn die Kleinen, also wir, irgendwo kauerten und wimmerten und die Älteren Kraft und Lust verloren hatten, weiterzumachen mit ihren kleinen Gewaltfesten.

So blieben die Jahrgänge meist unter sich.

Einige von uns Anfängern verließen nach ein paar Wochen oder Monaten das Internat, wenn sie an Heimweh erkrankten oder, abgetrennt von zu Hause, nicht gut lernen konnten. Für sie reichten die vierzehntägigen Wochenenden zu Hause nicht aus. Blieben wir im Internat, wanderten wir, wenn es das Wetter zuließ, in der Gegend herum, besuchten Bergkirchen und Waldgräben, sangen oder beteten auf den Wegen irgendetwas, bereiteten fallweise die Sonntagsmessen vor und drückten an der Zeit herum, damit sie irgendwie verging. Den Sonntag unterschied das Frühstück von den anderen Tagen: Man setzte uns Honig aus der eigenen Imkerei vor, die wir gerne mit Butter verrührten. Zu Kakao gab es auch noch einen dunkelbraunen Tee, dessen Geschmack ich nie enträtseln konnte. Unvergesslich waren die zähen Semmeln, die sich zusammendrücken ließen wie Gummi und träge wieder in ihre alte Form zurückquollen. Ich konnte sie kaum schneiden, weil die Messer stumpf waren und nur eine Furche in dieses teigige Stück legten. So riss ich sie einfach auf und schmierte den Butter-Honig-Brei hinein. Zu Mittag gab es häufig Rindfleisch, das wir Lederhosen nannten, fallweise Hühner, dazu Reis, Salat. Dieses Rindfleisch war so zäh, dass wir uns Suppe aufhoben, das Fleisch in die Suppe legten und von dort aus aßen. Man ließ uns. Es gab jedoch auch andere Speisen, die sich nicht einmal mehr essen ließen. So scheiterte über ein paar Jahre hin der Zwetschkenröster an der Ästhetik, den man schließlich aus dem Speisenplan des Herbstes herausnahm. Wenn in den weißen Emailschüsseln für jeden der etwa zwanzig Tische dieses Essen auf den Servierwagen aus der Stiftsküche gefahren und dann nach und nach ausgeteilt wurde, konnte niemand sich überwinden, in etwas den Löffel zu stecken, das wie der eingedickte Rest einer Senkgrube aussah. Anfangs brüllte mancher Erzieher. So taten wir, was wir konnten, langten einmal mit dem Löffel in die Brühe, beschmierten damit die Teller und stellten sie an den Tischrand, damit man sie wieder abserviere. Sonntagessen war das jedoch nie. Wurde es Sonntagabend, so legte man häufig kalte Platten auf, dünn geschnittenes Fleisch fetter Schweinsbratenstücke, Extrawurst, Blutwurst, ein paar Käseschnitten. Wir aßen davon, meist hungrig nach den Ausgängen oder dem Sport, den wir ausgeübt hatten.

Das Jahr ging über den Winter hinweg, der uns einiges abverlangte, weil die Heizung selten gut funktionierte. Wer in der Nacht auf die Toilette musste, hatte es eilig. Denn im Jänner stieg die Eiseskälte durch die einglasigen Gangfenster und streckte die etwa dreißig Meter vom Schlafsaal zur Toilette in eine unangenehme Länge, gegen die unsere Pyjamas nicht halfen. Im Frühling trieben starke Winde dunkle Wolken über die westliche Hügelkette und warfen den Regen gegen die Fenster. Manchmal hörten wir nachmittags, wie man quickende Schweine aus dem Stall des Stiftes trieb, gebrochen durch das Echo der Häuser. Und wenn ein wenig Zeit war, hockte ich mich auf das tiefe Fensterbrett der Toilette und sah nach Osten hin, zum Horizont, hinter dem irgendwo das Elternhaus stand. Mit meinen Gedanken zog ich eher selten nach Hause, eher nur hinaus in die weiten Flächen, die uns alle Tage verboten waren. Nur einmal in der Woche durften wir das Internat für eineinhalb Stunden verlassen. Die erlaubten Routen waren eng abgesteckt. Ich nahm dann gerade so viel von draußen wahr, dass das, was ich in mir behielt, als ich zurückkam, wie ein ferner, leiser Ruf nach etwas ganz anderem nachhallte.

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