Wolfgang Treitler - Sehr gut
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„Das passt schon. Ich werde natürlich kommen, wenn ich irgendwie kann.“
„Hast Du ein Email?“
„Ja. Wieso?“
„Ich würde die Parte dann zuschicken, dann brauchen wir keine Post. Vielleicht bekommen wir heute noch einen Ausdruck davon.“
„Ihr habt jetzt ohnedies viele Wege zu machen, das passt schon.“
„Ja, so wird man auch ein bisschen abgelenkt…“
Ich buchstabiere ihm meine Emailadresse und lasse seine Frau noch grüßen, danach beenden wir das Gespräch.
Blumen der Finsternis. Von draußen leuchtet ein heller Nachmittag durchs Fenster meines Zimmers, er leuchtet den dunklen Schutzumschlag von Appelfelds Roman scharf an, als ich mich wieder auf meinen Stuhl am Tisch setze. Das Bild des Umschlags zeigt an seinem rechten oberen Ende einen Fensterabschnitt, durch den milchiges Licht einfällt, unter dem Fenster Teile eines Holzsessels, neben ihm ein Sofa, von einer Tagesdecke belegt. Ein altes Bild eines alten Zimmers. Dieses Bild hält mich nun, obwohl ich weiterlesen will. Ich möchte zurückkehren zum zittrigen Buben in der Kammer neben einem Zimmer wie diesem, ich möchte zurückkehren in seine Angst, in sein Hoffen, in seinen Glauben an Mariana, die irgendetwas an den unteren Rand der Existenz verbannt hat und die vielleicht deshalb eine Stärke aufbringt, mit der sie dem Buben das Leben rettet. Doch ein fernes inneres Echo hält mich nun davon ab. Es trägt mir etwas ganz anderes zu, das Murmeln gedämpfter Stimmen, die eine Kapelle erfüllen und vor dem Requiem sich dem Rosenkranz ergeben. Sein Dahinrauschen nimmt die Spitzen der Trauer und legt auf die Betenden den Schleier eines leichten Nichts.
2
Am Nachmittag dieses Ostermontags, 6. April 2015, bleibt die Zeit stehen. Die tote Tante im Kopf, fühle ich stärker die unruhige, aber ziellose Trägheit, die mich oft gegen das Ende von Feiertagen befällt. Eine Zwischenzeit, die nirgendwo hingehört, leere Stunden. Ich streiche durchs Haus, gehe in den Garten, setze mich kurz zu meiner Frau unter einen Apfelbaum, dessen Knospen kleine, rot gerandete Spitzen in die Sonne halten, schaue meinen Kindern zu, wie sie mit ihren mehr als zehn Jahren die Kraft des erwachenden Frühlings durch den Garten und auf die Bäume treibt, und wundere mich übers Leben. Mit einem Seufzer erhebe ich mich wieder und gehe ins Haus und an meinen Arbeitsplatz. Dort schalte ich den Computer ein, stelle die Verbindung her und rufe das Email-Programm auf. Zwei Tage habe ich die Maschine nicht angerührt. Samstags bleibt sie immer abgestellt, der Ostersonntag kam diesmal noch hinzu.
Wie üblich läuft eine längere Liste von Nachrichten über den Bildschirm, ich überfliege sie rasch und suche unter den neuesten nach der Sendung meines Cousins mit der Parte. Sie ist tatsächlich schon eingetroffen. Nachdem ich den Anhang geöffnet habe, lese ich langsam die Texte mit den üblichen Formeln, die Namen der genannten Verwandten und kehre an den Kopf der Seite zurück. Rechts oben lese ich eine Paraphrase von Kohelet:
„Alles im Leben hat seine Zeit:
Zeit zu lachen.
Zeit zu weinen.
Zeit zu lieben.
Zeit zu trauern.
Zeit zum Abschied nehmen.“
Die einfache menschliche Weisheit dieses Schreibers berührt mich. An ihr zerfallen alle aufgeblasenen Ankündigungen und Worte, mit denen man christliche Sterbezeremonien angefüllt hat. Wer will schon hinausblicken über die Zeit?
Links das Bild der Tante. Karl hat geschrieben, wie ich jetzt lese, dass dieses Bild nach Weihnachten aufgenommen wurde. Mich schauen zwei ungleiche Augen an, das rechte scheint etwas in den rechten Augenwinkel verrutscht zu sein, das linke sitzt tiefer in der Augenhöhle und blickt direkter auf mich. Die Haare sind nach hinten gelegt und gebunden, so habe ich die Tante von Kindesbeinen an gekannt. Etwas fahl die Haut des mager gewordenen Gesichts, rechts ein großes, flaches Ohr, das mich jetzt daran erinnert, dass sie immer gut gehört und auch leise Töne vernommen hat, wie sie selbst ein leiser Mensch war. Viel hat sie geweint in ihrem Leben, schreien gehört habe ich sie nie. Von ihren sieben Kindern hat sie drei überlebt. Ihrem Mann ist sie mit gottergebener Selbstverständlichkeit treu geblieben, auch wenn ihr Schwiegervater hinter ihr her war – erfolglos, und so wich er in die Nachbarschaft aus. Die Tante ging in ihr Leben ein und aus ihrem Leben hinaus und blieb geborgen in einer einfachen Religiosität, obwohl ihr manche Jahre schwer zugesetzt und sie mit ihren Erinnerungen abgeplagt haben, die sie nie hatte abschütteln können. Rebellion hat sie nicht gekannt, gegen nichts und niemanden. Wenn es in der Nachbarschaft zu Streit gekommen war und sie davon erzählt hat, endeten die meisten Erzählungen mit dem einen Satz: „Das hat doch überhaupt keinen Sinn.“ Ich habe sie gerngehabt, denn sie gehörte zu den wenigen, vor denen sich niemand fürchten konnte.
Schließlich drucke ich die Parte aus und stelle das Blatt Papier auf das Pult meiner Zimmerorgel, die hinter mir im Rücken ist, wenn ich an meinem Arbeitstisch sitze. So werde ich die Tante täglich mehrmals sehen und Zeit haben, sie gehen zu lassen. Das Begräbnis ist für kommenden Freitag angesetzt, zwei Uhr nachmittags. Noch einen zweiten Ausdruck mache ich und bringe ihn zu meiner Frau hinaus, die einen Roman liest und nun unterbricht. „Sie war wirklich ein Mensch“, sagt sie und legt die Parte auf das Tischchen neben sich, auf dem auch eine Schale Kaffee steht.
Ich gehe wieder ins Arbeitszimmer und schaue die Emailliste von unten nach oben durch. Viel Werbung, die ich lösche, ein paar berufsbezogene Anfragen, die ich bearbeite. Nach und nach trage ich die Liste ab und komme dann an einen Absendernamen, der mich aufschreckt: Louis Pigasse bpcfl@aon.at Betreff: Guten Tag, Wolfgang.
Ich rühre diese Leiste mit dem Mauspfeil nicht an. Ich denke nach: Vor genau vierzig Jahren und vier Monaten haben sich unsere Wege getrennt, ich war 14 Jahre alt. Danach, etwa zehn Jahre später, sahen wir einander noch zwei Mal in der Mariahilfer Straße in Wien, in getrennte Richtung gehend. Wir passierten einander, unsere Augen trafen sich, seine fragten: „Bist du es?“ und meine sagten ihm eindringlich: „Du bist es, ich erkenne dich unter Tausenden.“
Vor mich hinstarrend, übergehe ich schließlich diese Nachricht, die erst drei Stunden in meinem Posteingang ist, und öffne die beide jüngsten, eine Nachricht von einem Urlaubsanbieter, der mich daran erinnert, dass in drei Monaten Sommer sein wird und daher die besten Plätze nun rasch gebucht sein werden, und eine Nachricht, die mit schlechtem Deutsch mir etwas von der Kontosperre und Neueinrichtung geschrieben hat – ein klassisches Fake-Mail, das ich sofort lösche. Und nun fällt der Mauszeiger auf die verbliebene Zeile von Louis Pigasse. Und ich drücke einmal darauf, dann drücke ich zwei Mal darauf und öffne den Text in seiner vollen Ansicht, die ich auch gleich für eine Antwort nutzen könnte. Und lese.
Am 06.04.2015 um 12:58 schrieb Louis Pigasse:
du kannst dich vielleicht noch an mich erinnern… aus deiner Seitenstettner Zeit…
Louis Pigasse…
Ich habe deinen Namen heute bei einer Sendung von ORF, vor einiger Zeit aufgenommen, über 3 Könige glaube ich… und habe gedacht, du könntest es sein… Mit Google habe ich festgestellt, dass du es bist… Aus deinem Lebenslauf… Übrigens ist ein Fehler bei den Jahresangaben… 2103 statt 2013…
Du bist bestimmt sehr beschäftigt, aber wenn du einmal zeit hättest, würde ich mit dir gern wieder einmal plaudern… obwohl ich mit der Kirche gar nichts mehr zu tun habe…
Ich bin fast täglich in Wien, allerdings ganz früh, nur am Freitag komme ich später…
Wohnhaft bin ich in Baumgarten in der Nähe von Tulln.
In Seitenstetten bin ich schon seit Jahren nicht mehr gewesen. Michael war noch Prior und Berthold Abt…
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