Wolfgang Treitler - Sehr gut

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Eine überraschende Email bringt Wolfgang Sattler Erinnerungen an zwei Jahre seiner Internatserziehung zurück: Drohungen, Gewalt, Verlockung, Hass, dann sexueller Missbrauch und eine Flucht in ein Versteck. – Eine dunkle Geschichte, jedoch nicht ohne Licht: An ihrem Ende steht eine Vergeltung nach 40 Jahren und eine stille Heimkehr.

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Alles Gute und viel Erfolg weiter…

Ich weiß nicht mehr, ob du mit Französisch zu tun hattest… Aber der Herr kardinal ist ein großer Freund von der Sprache… ist doch Dr der Sorbonne… ich bin vor bald zwei Jahren mit ihm zufällig zusammengekommen, und er hat mir bestätigt, dass es viele Wohnungen im Haus des Vaters gibt… also, dass alle mit gutem Willen gerettet werden… ob du auch so denkst? Soweit ich mich an dich erinnern kann, warst du eher „streng“

Louis

Ich weiß nicht, was ich tun soll, bin wie gelähmt, sitze da und starre auf diese Zeilen, lese sie ein zweites Mal, versuche es ein drittes Mal und verstehe nichts. Fühlt sich so ein Schlaganfall an? Du sitzt oder liegst, gebannt in einen einzigen Augenblick, der nicht mehr vergeht, der dich festhält, fesselt, die Seile enger schnürt, bis der Druck dir das Bewusstsein zerstört und du ins Nichts fällst. Mir wird schlecht.

Wohnungen im Himmel.

Streng.

Plaudern.

Zeit haben.

Ausforschen.

Adressen.

Und ein Fehler, ja, ein Fehler.

Verschränkt lege ich meine Arme auf den Arbeitstisch, schließe die Augen und vergrabe in der linken Beuge meinen Kopf. Mir ist heiß, schwer geht der Atem, und ich kann nicht weinen. Du warst eher streng.

Ich habe Glück. Ich sehe nichts, kein Gesicht, kein Licht. Nur stockfinstere Nacht in meinen Augen.

Sind es zwei Minuten oder eine Ewigkeit? Ich höre die Terrassentür, wie sie aufgedrückt wird und Kinderstimmen ins Haus fallen, aber ich höre nicht, was sie sagen. Ich zwinge mich, meinen Kopf zu heben und mich wieder gerade in den Sessel zu setzen. Es gelingt nicht ganz, etwas schief lehne ich darin, mit dem linken Ellbogen am Sesselgriff abgestützt, aber immerhin gut genug, um beschäftigten Kindern nicht aufzufallen. Doch sie verschwinden wieder, ohne zu mir gekommen zu sein.

Langsam kocht es in mir. Ich fasse diese Zeilen nicht, ihren Ton, ihren Aufbau. Die vielen Auslassungspunkte erinnern mich an ihn und an sein Reden, den starken französischen Akzent und die Pausen, die er ließ und gerne noch dehnte.

Nachdem ich diese Nachricht ausgedruckt habe, gehe ich hinaus und setze mich zu meiner Frau unter den Baum.

„Ich muss dich noch einmal stören.“

„Ja?“

„Ich habe ein Email bekommen, wie ich es noch nie bekommen habe. Kann ich es dir vorlesen?“

Nachdem ich gelesen habe mit einer schwer zu haltenden Erregung – ich verschlucke mich beinahe einmal und habe jetzt überhaupt mit Speichelfluss zu tun –, sagt sie:

„Ein alter Mann? Er will etwas von dir, ein Treffen.“

„Ja, ein alter Mann, aber so alt auch wieder nicht, um die 70 Jahre.“

„Hört sich aber älter an. Er hat etwas offen mit dir.“

Ich lächle grimmig. „Sicher, er hat etwas offen mit mir – und ich mit ihm nichts? Hab ich dir davon noch nie erzählt?“

„Von diesem Pigasse? Nein, den Namen kenne ich nicht.“

„Das größte Schwein, das mir je begegnet ist. Und ich habe ihm nicht ausweichen können, nie. Zweieinhalb Jahre lang, zweieinhalb lange Jahre. Endlose Jahre. Er hat mich damals verfolgt, im Internat, und jetzt fängt er seine nächste Runde an. Täglich in Wien. Er hat ja herausgefunden, dass ich in Wien arbeite. Also – ein Leichtes für ihn. Ich habe geglaubt, der Mann ist weg. Vierzig Jahre Ruhe, und dann schreibt dieses Schwein, als wäre nichts gewesen, als könnten wir fortsetzen wie damals, wie ein Vater und sein Sohn, wie er immer gesagt hat. Ist er komplett hin, geistig und menschlich kaputt?!“ Meine Stimme spannt sich immer mehr, ihr Ton ist mit jedem Satz gestiegen und bleibt nun hängen am letzten Wort.

„Er will vielleicht eine Versöhnung, das wird es wohl sein, die Wohnungen, von denen er schreibt, der Kardinal, der ihn irgendwie getröstet haben dürfte.“

„Der Kardinal weiß doch nichts. Man kann viel reden, wenn man sich mit Leuten trifft, die man nicht kennt, da muss man freundlich bleiben, das gehört zum guten Ton.“

Ich nehme den Ausdruck vom Tisch. „Schau, was hier steht, was er schreibt: ‚also, dass alle mit gutem Willen gerettet werden… ob du auch so denkst? Soweit ich mich an dich erinnern kann, warst du eher »streng« ‘. Ist der total verrückt? Alle Unterdrücker belasten ihre Unterdrückten und schlagen sie pseudomoralisch nieder. Mit irgendwelchen Aussagen, die sie für Argumente halten, die in Wahrheit aber Drohungen sind. Hier genauso. Wer steht ihm im Weg zu seinem Himmel? Ich! Der strenge Mann. Das ist in seiner kaputten Erinnerung verblieben, ich, der strenge Bursch, abweisend, kalt. Ein Savonarola unter den Internatsbuben. Ihm muss etwas in seinem Hirn abgebrannt sein, ein Fehlschluss, ein Kurzer. Wenn ich er wäre, nie im Leben würde ich daran nochmals rühren, oder ich würde es anders aufsetzen und meinen. Wenn er wirklich Versöhnung will, dann hätte er diesen Text nicht geschrieben. Dann hätte er keine Drohungen hingeschrieben. Du hörst sie vielleicht nicht heraus, aber ich höre sie, ich kenne sie, und ich weiß, was er will. Eine dreckige Zugabe, die ihn gerecht macht vor sich. Dass alles ohnedies in Ordnung war und in genau dieser Form abgeschlossen werden kann – das will er. Was ich bin und will, ist ihm völlig egal. Siehst du, diesen totalitären Geist sehe ich hier. Er spricht aus jedem Satz, und er spricht vor allem aus allen Auslassungszeichen. Sie gehören ganz zu ihm, sie spannen dich auf die Folter, du winselst, noch ehe er über dich kommt, und du weißt, dass du verloren hast, auf allen Linien verloren hast. So war das und so ist das.“

„Sehr schwer, sehr schwer“, sagt meine Frau in einer Güte, die ich an ihr schätze und liebe, die ich aber jetzt nicht verstehe. Vielleicht hätte die alte Tante, die heute in den Morgen hinein gestorben ist, genau das gesagt: „Das ist sehr schwer. Aber es hat doch überhaupt keinen Sinn, sich da so viel zu grimmen.“

„Ich werde Friedrich anrufen. Er hat damals auch zu dem Kreis der auserlesenen Buben gehört.“

Das Telefon läutet nicht lange, Friedrich hebt ab. Ich erzähle ihm von diesem Email und seinem Inhalt. Friedrichs Kommentare beflügeln mich. Schließlich sagt er: „Ich habe ganz unabhängig davon schon einmal nachgesucht, wo er wohnt. Ich habe seine Adresse. Ich meine, es wäre doch etwas, wenn wir beide einmal in der Nacht hinfahren zu ihm, anläuten, und wenn er herauskommt, ihm eine Decke über den Kopf werfen und niederschlagen. Verdient hat er es.“

„Das können wir nicht machen, das geht nicht“, sage ich ihm, „aber das weißt du ja auch selbst. Obwohl – wer würde uns schon auf die Spur kommen? Wir sind in angesehenen Berufen, außer ein paar Parkdelikten kennt uns die Polizei nicht, und ein Motiv – wer will das schon auf uns beziehen? Aber wenn schon, Friedrich, wäre ich dafür, dass wir die Decke weglassen. Er soll sehen, wer gekommen ist und warum. Er soll uns spüren und wissen, dass wir es sind. Das wäre doch etwas.“

Wir spinnen dieses Gedankenspiel noch ein wenig weiter, lassen es jedoch nach einiger Zeit los und fühlen uns beide erleichtert.

„Wir fahren nicht nach Baumgarten“, sage ich, „wir bleiben hier und setzen uns lieber bei einem Heurigen zusammen, das erleichtert auch. Aber ich werde ihm eine Antwort schreiben, und ich werde sie dir ebenfalls schicken. Auch dem Abt, von dem er geschrieben hat, auch ihm werde ich meine Antwort schicken. Sie wird nicht christlich sein, aber menschlich.“

„Mach das, Wolfgang.“

Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg.

Irgendwann habe ich dieses asiatische Sprichwort aufgefangen, und so setze ich mich jetzt nicht an den Arbeitstisch und schreibe, sondern sage meiner Frau, dass ich mit Rad in den Wald fahren werde, mich abzukühlen, den Wind zu spüren und allein zu sein.

3

Das Atmen auf dem Rad hat mich erfrischt, ich fühle mich gekräftigt. Mit einer scharfen Bremsung bleibe ich vor dem Hauseingang stehen, öffne die Tür, trage das Rad in den Keller, gehe in die Dusche, ziehe mich aus und genieße den warmen Regen, der über meinen Körper rinnt.

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