Wolfgang Treitler - Sehr gut

Здесь есть возможность читать онлайн «Wolfgang Treitler - Sehr gut» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Sehr gut: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Sehr gut»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Eine überraschende Email bringt Wolfgang Sattler Erinnerungen an zwei Jahre seiner Internatserziehung zurück: Drohungen, Gewalt, Verlockung, Hass, dann sexueller Missbrauch und eine Flucht in ein Versteck. – Eine dunkle Geschichte, jedoch nicht ohne Licht: An ihrem Ende steht eine Vergeltung nach 40 Jahren und eine stille Heimkehr.

Sehr gut — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Sehr gut», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Niemand fragte etwas. Den meisten ging es offenbar wie mir. Hingerissen von einer weiblichen Erscheinung in der gewaltigen, von meterdicken Mauern umgebenen Männer- und Bubenfestung, fiel uns nichts ein. Eine Frau, hier.

„Dann möchte ich dich bitten, dich vorzustellen“, wandte sich der Erzieher an Beate.

Was diese sagte, hörte ich zwar, aber ich verlor es sofort. Der Kontrast war es, der meine Aufmerksamkeit fesselte. Ich erinnerte mich in diesem Augenblick an die letzte Klasse der Volksschule, als eine Unterrichtspraktikantin in unsere Klasse gekommen war und einige Tage unterrichtet hatte. Sie hatte einen auffälligen Minirock getragen, dunkelblau, war geschminkt gewesen, ein herrlicher Duft hatte sie umgeben und schönes glattes Haar ihr Gesicht eingefasst. Mir hatte sie gefallen. Doch was für ein Unterschied tat sich jetzt auf, ein Jahr später. Die Unterrichtspraktikantin hatte mir gefallen; Beate aber zog mich an. Ich hing meine Augen an sie und fragte nicht, ob das zu auffällig wäre. Sie stand vor mehr als fünfundvierzig Buben, die sich von ihren Schreibtischen aus ihr zugewandt hatten, und konnte unmöglich meine Augen aus dieser Schar herauslösen. Ich sah sie an mit einem Begehr, das schon ein wenig hinüberstieg über die Sprossen der puren Schönheit in eine unbekannte Welt, ein weites, noch dunkles Land, das verlockte, ohne etwas gesagt zu haben, und Ahnungen beflügelte, die nirgends noch landen konnten.

Wenige Minuten später versank ich wieder im Studieralltag. Beate hatte mit dem Erzieher den Studiersaal verlassen. Nach kurzer Zeit, als da und dort Flüstern zu hören war, kam der Erzieher allein aus dem Nebenzimmer des Saals, blickte scharf über uns hinweg, und sofort wurde alles stumm. Nur dann und wann ein Seufzer, Zettelgeräusche, Räuspern.

Beates Praktikum dauerte einen Monat. Nicht erst an dem Tag, als sie uns im November wieder verließ, wurde mir ein wenig leid um sie. Ich vermisste den Kontrast schon, als ich ihn noch vor mir hatte, eine Frau in der Buben- und Männerwelt, die Männerwelt durchwegs schwarz gekleidet; diese Männer steckten in Frauengewändern, die ihnen etwas Seltsames, ja Verrücktes gaben. Bodenlange Röcke, um die Bäuche Gürtel, darüber ein hinten und vorn abfallendes Tuch, gehalten durch den Halsausschnitt, den ein weißer Kragen mit talgigen Farben abschloss. Zwei Nadeln zeigten ihre Köpfe an der vorderen kleinen Kragenöffnung. Diesen Anblick war ich zwar gewohnt geworden, aber Beate riss mich aus dieser dumpfen Wahrnehmung heraus, die mich jetzt befremdete.

Noch etwas dankte ihr. In ihren Methoden unterschied sie sich vom Erzieher. Ihren tiefen, großen Augen glaubte ich, sie deuteten mir, was möglich und erlaubt war und was die Grenzen überstieg. In den kleinen, fleischigen Augen des Erziehers, versteckt hinter einer dicken Hornbrille, fand ich keine Botschaften, auf dem Gesicht lag eine Art von Hässlichkeit, die ich später häufig bei Priestern wiederfand. Waren sie Priester geworden, weil sie hässlich waren? Oder machten sie sich hässlich, weil sie nun einmal Priester geworden sind? Bei ihm walteten Füße und Hände. Manchmal kam er ganz nahe an mich heran, trat mir mit seinen Schuhen auf die offenen Zehen, belastete diese mit seinem beträchtlichen Gewicht und fragte irgendetwas in mein Gesicht hinein, das ich kaum hören konnte, während mir die Häme des Blicks stecken blieb. Oder er stellte sich an meine Seite, fragte, was ich da wieder getan hätte; irgendeine Banalität zwischen Buben war das meist. Dann riss er eine kleine Ledertasche, in der seine Schlüssel steckten und die er irgendwie in seiner Hand hielt, mit derartiger Schärfe über den Hinterkopf, dass im aufheulenden Schmerz mir schien, als hätte er eine ganze Haarschneise gelegt, die irgendwo über mir auseinanderfiel. Und ich krümmte mich und hielt mir die Stelle fest mit den Händen zu, während der ein wenig nachlassende Schmerz mir langsam Tränen in die Augen trieb. Dann war ich entlassen und setzte mich auf meinen Platz. Später erfuhr ich, dass dieser Erzieher von Existenzängsten gejagt war und sich vor seinem eigenen Körper wie vor einem Todfeind gefürchtet hatte, und sah ihm einiges nach.

So ging das erste Jahr hin, wie es begonnen hatte. Man wurde rasch an den rauen Ton gewöhnt wie ein Hund, den man abrichtete. Und da wir die Jüngsten waren, warteten auf uns auch die Hände derer, die ein Jahr älter als wir waren und mit denen wir die gemeinsamen Räume zu teilen hatten.

Schon an meinem ersten Tag widerfuhr mir eine Begegnung, die sich wie ein Auftakt zu acht Jahren eingebrannt hatte. Es war Mittwochnachmittag, später Nachmittag. Der erste Tag im Internat. Ich saß auf meinem frisch gemachten Bett und sah mich um, neugierig, auch ein wenig verschreckt, denn ich kannte niemanden. Das Bett hatten meine Eltern noch gemacht. Links neben mir ein Bauernbub mit Namen Karl, hoch gewachsen mit mädchenhaftem Gesicht. Die Nachbarschaft bestimmte das Alphabet unserer Namen. Wir fragten einander nach Herkunft, Familie, Geschwistern und ein paar Dingen, die uns nahe waren und die wir seit heute zurückgelassen hatten. Rasch hatten sich die ersten Wurzeln einer Freundschaft zwischen Karl und mir ausgestreckt. Zur Rechten war das Bett leer, es gehörte einem Schüler der zweiten Klasse.

Während wir ein wenig mitsammen redeten, gingen nach und nach ein paar Schüler der zweiten Klasse durch den Schlafsaal und schauten sich um. Einer von ihnen blieb am Fußende meines Bettes stehen. Schwarzes Haar, mausähnliches Gesicht, gut gewachsen, seiner eigenen Wirkung bewusst. Solche Leute hatten mich immer verschreckt und eingeschüchtert. Auch wenn ich zu den Körpergrößten meines Jahrgangs zählte, schrumpfte ich neben solchen Burschen immer ein.

„Wie heißt du?“ fragte er mit scharfem Ton, der von vornherein auf klaren Verhältnissen bestand.

„Ich?“, fragte ich blödsinnig zurück und hoffte, Zeit zu gewinnen, ohne zu wissen, wozu eigentlich.

„Ja, du. Sitzt da ein anderer?“

„Nein.“

„Na also. Wie heißt du?!“ Er meinte es ernst mit seiner Frage.

„Wolfgang…“

„Ich auch“, erwiderte er sofort, „das ist zu wenig.“

Was für ein Namensvetter. Mir war sofort klar, dass mit ihm keine Gemeinsamkeiten wachsen würden.

„Sattler.“

„Wie? Sattler?“, fragte er nach und beugte dabei sein linkes Ohr in meine Richtung.

„Ja, Sattler; habe ich doch gesagt.“

„Und wie noch?“

„Was – wie noch?“

„Sattler … und?! …“

„Wolfgang, hab ich auch schon gesagt.“

„Pass auf, wenn du blöd wirst, können wir anders reden“, drohte er mir unverhüllt. „Also, noch einmal: Wie heißt du?“

„Wolfgang Sattler.“

„Siehst du, geht doch, oder? Und du?“

„Karl Mayr“, gab mein Nachbar wie gefordert seinen Namen preis.

Nachdem der Zweitklässler abgezogen und außer Hörweite gekommen war, wandte ich mich zu Karl, tippte auf die Stirn und sagte: „Der spinnt doch.“

„Es ist besser, wir legen uns mit ihnen nicht an“, sagte Karl, „die sind so komisch…“

Nach kurzer Zeit stand wieder einer vor meinem Bett. Ich sah ihn an. Schon wieder dieser Wolfgang. Und wieder fragte er die gleiche Frage.

„Ich habe dir schon gesagt, wie ich heiße.“

„Du hast mir noch überhaupt nichts gesagt. Bist du blöd?“

„Oh ja, du warst eben hier, und ich habe dir meinen Namen gesagt. Er auch.“ Ich deutete auf Karl.

Da trat dieser Schüler an meine Seite, griff nach meinem Hemd, machte eine halbe Drehung mit der Faust, und ich spürte, wie mich das Gewand begann ein wenig einzuschnüren.

„Pass auf, Rotschädel, wenn du hier gesund weiterkommen willst, dann sag mir, wer du bist“, zischte er mich an.

Ich sagte ihm meinen Namen wie ein Geständnis.

Wo war ich da hingekommen?

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Sehr gut»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Sehr gut» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Sehr gut»

Обсуждение, отзывы о книге «Sehr gut» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x