Wolfgang Treitler - Sehr gut
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Wenig später sitze ich in meinem Arbeitszimmer, schalte den Computer ein und hole mir danach das Email von Pigasse, drücke auf den Antwortbutton und lese noch einmal genau durch, was der Mann geschrieben hat. Die Unverschämtheit kann ich immer noch nicht fassen; doch nun bin ich bereit zur Gegenwehr.
Betreff: Re: Guten Tag, Wolfgang
Von: Sattler Wolfgang Wolfgang.Sattler@uni-w-kf.ac.at
Datum: 06.04.2015 18:00
An: Louis Pigasse bpcfl@aon.at
S.g. Herr Pigasse,
An Sie kann ich mich bestens erinnern.
In der Reihe der Menschen, die meine Wege gekreuzt haben, sind Sie der Abscheulichste gewesen. Ihr Name ist eingetragen in die Missbrauchslisten der Katholischen Kirche in Österreich und wirkte gegen mich in den Jahren 1972-1974.
Sie prügelten den Elfjährigen gegen eine Bücherwand, die über ihm zusammenbrach, sie verfolgten ihn mit Ihren perversen Sexualphantasien, zogen die Pyjamahose nach vor, um genau zu sehen, wie der Phallus liegt, hängt oder steht, trieben mich und andere um halb fünf in der Früh in den kalten Studiersaal und ließen uns dort stehen mit morgendlicher Erektion, schlichen sich ein und sprachen etwas von Vater-Sohn-Beziehung, die sie wollten, verfolgten mich bis aufs Klo und drängten mich in eine Zurückgezogenheit, an der man durchaus zugrunde gehen konnte, in eine Isolation mit Ihrem dreckigen Blick hinter den dicken Brillengläsern, peinigten mich mit Übungen, die ich vor einigen Jahren in meiner Anzeige gegen Sie genau beschrieben habe und vor denen mir heute noch graut.
Offenbar haben Sie das alles verdrängt. Ich wünsche Ihnen, dass diese Scheußlichkeiten in Ihrem kleinen Hirn und abgründigen Herzen erwachen und Sie peinigen bis ans Grab, Sie haben viele Leben beschädigt, in Seitenstetten, in Steyr und wurden deshalb dann auch suspendiert, was damals in unserer Klasse hohen Jubel ausgelöst hat. Das geschah zu spät, wie man bald sah. In Seitenstetten wurden Sie viel zu lange gedeckt, weil das Gehorsamssystem Sie geschützt und gestützt hat.
Mit diesen Zeilen helfe ich dem Grab Ihrer Erinnerungen ein wenig auf die Sprünge. Treffen werde ich Sie nie, denn mich ekelt vor Ihnen. Sie sind genau jene Art von Menschen, die gestern zerstörten und heute ganz normal sein wollen.
Aber an Ihren Händen – ganz wörtlich – klebt der Angstschweiß von Kindern, ihr Tränenwasser und die bittere Verlassenheit in jenen Zeiten, in denen man Ihnen völlig ausgeliefert war, wenn Sie meinen Körper, weich und hilflos wie er war, an Ihren feisten Körper drückten und ihn damit beschädigten, beschmutzten, zu einer ekelhaften Masse machten, die die dünne Haut des Pyjamas nicht schützen konnte, oder mich zwangen, perverse Bauchzüge zu machen, während Sie meine Oberschenkel umfasst hielten und ich kopfüber nach hinten gebeugt war. Erinnern Sie sich noch? Was wollten Sie sehen, was spüren, und was zwangen Sie sich da entgegen?
Wenn ich heute an perverse Menschen denke, dann treffe ich stets auf Sie. Wenn ich an brutale Gewalttäter denke, dann treffe ich stets auf Sie. Wenn ich an kindhafte Hilflosigkeit denke, dann treffe ich stets auf Sie. Sie hatten mich erpresst: Wenn ich davon etwas meinen Eltern sage, fliege ich von der Schule. Einmal sagte ich meinen Eltern etwas, Ihre Hände, Ihre furchtbaren Augen, Ihre perversen Griffe ließen nicht lange auf sich warten. Diese Hände, Augen und Griffe sollen Sie verfolgen bis zu Ihrem letzten Atemzug – das ist mein Herzenswunsch für Sie an diesem Ostermontag. Deshalb: vergessen Sie mich nie, denken Sie an mich, so lange ihr kleines, durch Schändung komprimiertes Gehirn noch Gedanken fassen kann.
Neun Minuten schreibe ich an diesem Text und sende ihn ab. Ich lese ihn nicht nochmals durch, er gilt, wie er geschrieben worden ist. Kein Bedenken erfasst mich. Ich bin mir sicher, dass er sich nicht wehren und auch nicht melden wird, denn ich habe noch gut im Gedächtnis, wie er sich gab. Den Mönchen gegenüber zeigte er sich so ergeben, als wäre er ein Novize, der selbst vor der geringsten Andeutung von Gegenwehr oder Gegenmaßnahme sich fürchtete und vorauseilenden Gehorsam zeigte. Uns gegenüber war er wie eine schreckliche Fassung des Schicksals, blind sich auslebend und bereit zu zermalmen. In ihm finde ich heute, was gestern über mir waltete: das Profil eines Faschisten, der eine mächtige Institution braucht, weil er sich mit Widerstand nicht gerne allein misst; das Profil eines Faschisten, der eine mächtige Institution braucht, weil er ein verantwortungsloser Feigling ist. Er kann sich nur in einem starken System aufhalten, das ihm all seine Kraft schenkt, die er sich dann zueignet und die aus dem Hinterhalt hervorschnellt und zuschlägt. Meine Erinnerung zeichnet sich nun scharf ab. Ich sehe ihn vor mir, diesen Menschen und seinen nach außen hin gut versteckten, selbstherrlichen Kern, der sich im Zertreten von Unschuldigen zum Keimen gebracht und lustvoll deren Angstschweiß und Tränen aufgesogen hat.
Auch wenn ich es nicht erwarte, ja ausschließe – im Innern hoffe ich dennoch darauf, dass er diese Zeilen nehmen und damit etwas machen wird. Eine Anzeige bei der Polizei etwa wegen schwerer Ehrenbeleidigung oder übelster Nachrede, nicht im Geheimen geraunt, sondern niedergeschrieben. Oder eine Anzeige bei Gericht, denn er hat nun ein Deliktpapier in der Hand, das er gegen mich verwenden kann.
Je länger ich daran denke, umso stärker wird der Wunsch danach, dass der Faschist in ihm zugrunde gegangen ist, und ich weiß doch, wie irreal das ist. Warum soll er nun aus der Deckung kommen? Ich weiß nicht, ob er je belangt wurde. Ich weiß nicht, ob das Stift Seitenstetten ihn je zur Rechenschaft gezogen hat oder nicht – und wenn nicht, ob das Stift darauf verzichtete, um nicht durch Pigasse damit konfrontiert zu werden, dass auch Patres der Gemeinschaft gewaltexzessiv gegen Internatsschüler vorgegangen sind. Wusste Pigasse davon? Und wenn ja, wieviel und was?
Als vor einem halben Jahr ein dreiundachtzigjähriger Mönch gestorben war, las ich in einer Mitgliederzeitschrift der Absolventen eine kurze, deutlich redigierte Stellungnahme eines ehemaligen Internatsschülers. Viele Auslassungszeichen hatten den Text merkbar verstümmelt, aber man hatte offenbar doch nicht den Mut, ihn überhaupt nicht abzudrucken. Das wenige, was man ihm belassen hatte, reichte Wissenden. Der Schreiber, kein Krakeeler, sondern ein besonnener Universitätsprofessor in seinen letzten Berufsjahren, hielt denen, die die Eulogie auf den Verstorbenen geschrieben und mit ein paar Bildern umrahmt hatten, massive Unterdrückung von Geschehnissen vor und eine Haltung, die mit der Gewalt des Paters kollaborierte und auf die armen Hunde, die unter ihr jahrelang gelitten hatten, ein zweites Mal einschlug. Ich erinnere mich noch an das Beispiel, das er anführte: Der Pater hatte den Schreiber mehrmals gezwungen, den Oberkörper freizumachen und, vor seinem Studiertisch stehend, sich zu beugen und mit der Brust auf dessen Fläche zu legen, eine devote Haltung, die solchen Herren besonders gut gefällt. Und dann zog er sein ledernes Cingulum ab, den Gürtel um die Hüfte seines Mönchsgewands, und schlug damit von hinten den Buben, der sich an den Gittern schreiend ankrallte, die die Studierplätze voneinander trennten. Der Professor beschrieb diese Züchtigung als ein Erziehungsritual, das der Pater ruhig und mit zerstörender Brutalität abzog.
Ich glaubte diesen Zeilen aufs Wort, obwohl ich diesen Pater nie als Erzieher hatte. Aber er begleitete manchmal den langen Zug von Internatsschülern zum Speisesaal, wenn er, wie es hieß, Tischaufsicht hatte. Einmal fuhr ich einem andern von hinten ein bisschen zwischen die Füße, damit er ein wenig stolperte; das taten wir damals gerne und nicht selten und machte auch niemanden wirklich böse. Der Betroffene drehte sich dann meist um und sagte irgendetwas, und wir lachten dann. Diesmal nicht. Noch ehe der Schüler vor mir reagieren konnte, riss mich von hinten ein völlig unerwarteter, wuchtiger Schlag aus der Reihe und warf mich zu Boden. Der Pater sagte nichts und ging im Tempo des Zugs weiter. Als ich nach dem Essen auf die Toilette ging, um mich in den Spiegel zu schauen, sah ich nicht nur den roten Abdruck der Hand über die Wange zur Stirn laufen, sondern auch eine in der Hornhaut geplatzte Ader, die sich in die rechte Augenhälfte ergossen hatte.
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