Wolfgang Treitler - Sehr gut

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Eine überraschende Email bringt Wolfgang Sattler Erinnerungen an zwei Jahre seiner Internatserziehung zurück: Drohungen, Gewalt, Verlockung, Hass, dann sexueller Missbrauch und eine Flucht in ein Versteck. – Eine dunkle Geschichte, jedoch nicht ohne Licht: An ihrem Ende steht eine Vergeltung nach 40 Jahren und eine stille Heimkehr.

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Ich weiß also nicht, ob Pigasse jemals vom Stift zu irgendetwas aufgefordert wurde oder man ihn unbehelligt gelassen hatte. Deshalb hole ich mir die eben abgeschickte Nachricht an Pigasse und sende sie mit einem knappen Kommentar an den Oberen des Stiftes.

Der nächste Tag beruhigt mich. Nach dem Frühstück beginne ich mit der Arbeit an meinem Schreibtisch und stecke in den zwölf Quadratmetern meines Arbeitszimmers fest wie in einem kleinen Kosmos. Nach einigen Stunden überprüfe ich den Posteingang der Emails und finde nichts, was mich irritiert. Langsam rinnt die Spannung von mir ab, die mich gestern in den Zeilen an Pigasse hielt. Zu Mittag esse ich nicht viel, danach fahre ich wieder in den Wald hinaus und kehre am mittleren Nachmittag an die Arbeit zurück. Irgendwann kommen alle nach Hause, und ich schaue noch ein letztes Mal auf meine Emails und drehe ab.

Bevor ich mich schlafen lege, drücke ich Zahnpaste auf die Bürste und gehe damit nochmals zum Computer. Zähneputzen ist langweilig, denke ich mir, man kann daneben einhändig einiges tun.

Und so gehe ich mir jetzt in die Falle. Denn bei der Überprüfung der Emails sehe ich, Pigasse hat geantwortet. Unglaublich. Ich habe mich verschätzt. Er bietet mir die Stirn, frontal. Mit böser Freude bringe ich den Mauszeiger an die betreffende Zeile und öffne die Nachricht. Klagedrohung? Gegenattacke? Was wird er mir entgegensetzen?

Am 07.04.2015 um 20:56 schrieb Louis Pigasse:

das siehst du nicht richtig, Wolfgang… das war nicht so, wie du glaubst…

Ich habe einen Auftrag gehabt… einen klaren Auftrag, vom Direktor im Konvikt: Ich muss euch schützen vor dem Benno, du weißt schon warum…

Er hat das alles gemacht, ich weiß es. Ich bin dann am Morgen schon gekommen, habe mich vor die Tür gestellt, damit er nicht hineinkommt, du weißt schon warum… ihr wart jungen Burschen…

Keiner hat ihn aufhalten können, ich habe es getan. Man hat mich gewarnt vor ihm…

Das kannst du nicht wissen, warst nicht dabei, als ich euch geschützt habe vor ihm, vor der Tür, damit er nicht hineinkommt und das tut…

Es ist traurig, dass du das so siehst… du täuschst dich… ich habe dich immer gerngehabt, warst ein schöner, guter Bub, ein wenig hart… habe ich gestern schon geschrieben, aber sonst gut…

Was du geschrieben hast, das trifft nicht auf mich zu, du meinst den anderen, ich war dein Freund, wirklich dein Freund, und habe dich nur beschützen wollen. Du hast das vergessen… schade…

Es wäre wirklich schön, wenn ich mit dir plaudern könnte und das ausräumen. Ich habe dir nichts getan… obwohl es nicht leicht war, bei euch zu sein.

Louis

Mein Text ist nicht mit seiner Sendung mitgekommen, er hat alles andere gelöscht. Ich gehe und spüle meinen Mund aus, komme wieder und lese noch einmal diesen Text. Ich lese ihn langsam, dann mit leiser Stimme. Ich suche seine Variationen, seinen Unterton, stelle mir vor, wie Pigasse an seinem Computer sitzt, mein Email liest und dann antwortet, wie meine Zeilen auf ihn gewirkt haben. Ich stelle mir vor, es ist alles ein Missverständnis, ein furchtbarer Alptraum, eine Selbstverführung, begleitet von dem Gefühl, ein Opfer zu sein und endlich Ansprüche geltend machen zu können, die nicht durch Arbeit, nicht durch Leistung, sondern nur durchs Opfersein legitimiert werden. Ein paar Tausend Euro für eine kaum überprüfbare Anzeige. Die Orden zahlen in Fonds, fast als wollten sie der Öffentlichkeit das Maul stopfen, und du holst dir einen Anteil davon.

Vielleicht war alles ja umgekehrt. Vielleicht habe ich Pigasse verführt. Ein frühreifer Bub, der schon mit nicht einmal zehn Jahren eines Abends auf die Toilette stürmte, weil ihn ein unendlicher Drang dahintrieb, wie er ihn nie zuvor verspürt hatte, und dort dann fast explodierte. Diesen Buben hat er beschützt, der Wächter vor der Tür. Er hat abgewehrt die schwarze Gestalt, die sich im Halbdunkel des Ganges, dessen einhundert Meter nur zwei fahle Glühbirnen an seinen Enden matt erhellten, an die Tür der Buben schlich, die drinnen in ihren Schlafdünsten lagen. War es nicht so? Und er hat besonders mich beschützt, weil er mich gernhatte. Weil er mich liebte. Und das zeigte er auch. Durfte er das nicht? Wer sehnt sich nicht danach, endlich einmal an einen Menschen zu rühren, ihn zu spüren, wenn er ihn liebt? Damit setzt er kein Delikt und wandelt sich nicht zum Verbrecher, er lässt nur einmal, zweimal seine Liebe spüren, redet nicht von ihr – was die fahrigen Buben ohnedies nicht verstehen, weil sie sich dafür keine Zeit nehmen –, sondern zeigt sie, dezent, aber deutlich fühlbar.

So lese ich noch einmal diese Zeilen von Pigasse, ganz ruhig, gleichsam eingefühlt in ihn und gegen mich. Meine Augen tasten durch die Worte, am unteren Ende angekommen, springen sie ein wenig über die Zeilen, nehmen sie auf, fassen sie wie in ein Bild mit offenem Rahmen und nehmen sie mit.

4

Als ich mein Arbeitszimmer verlasse, ist draußen alles finster. Irgendwie habe ich die Zeit übersehen. Aus den Kindestagen habe ich mitgenommen, mich möglichst still zu bewegen, um niemanden zu stören. Das kann ich immer noch. Und so gehe hinauf ins Badezimmer, öffne und schließe unhörbar die Tür, stelle meine Zahnbürste an ihren Platz, gehe noch einmal auf die Toilette, öffne wieder die Tür, die diesmal offenbleibt, und trete leise ins Schlafzimmer der Kinder, um mit einem kurzen Blick mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Dann gehe ich ebenso leise ins Schlafzimmer, taste mich zum Bett, lege das Gewand daneben auf den Boden, drehe mich leise ins Bett hinein und angle mir vom Fußende das dünne Leintuch, mit dem ich mich zudecke. Mit den Füßen klemme ich es am Bettende noch einmal fest, ziehe es mit den Händen so weit als möglich zu mir heran, so dass es sich spannt, hebe es dann ein wenig hoch, um es langsam wie ein Segeltuch auf mich herabschweben zu lassen, und verliere mich kurz in diesem milden, sanften Gefühl.

Unter dem Leintuch falte ich meine Hände wie zum Gebet, bete aber nicht, sondern fühle, wie ganz langsam die Spannung abnimmt. Ich denke jetzt nicht an Gott, auch nicht an Pigasse, sondern warte auf die Müdigkeit und ihre Überwältigung. Noch höre ich das Schlagen der Zimmeruhr, ich zähle ihre Schläge. Elf Uhr. Und dann denke ich noch daran, dass damals, als ich im Internat war, in den ersten beiden Jahren die Lichter um dreiviertel neun ausgingen, später um halb zehn. Und ich sehe den Präfekten hereinkommen, mit seinem schwarzen Habit wie ein Bote der Nacht. Er blickte in die Runde, überflog sechsundzwanzig Köpfe in sechsundzwanzig Betten und setzte dem Tag ein Ende mit einem deutlichen „Gute Nacht!“, das wir wie aus einem Mund wiederholten. In den Anfängen kam es selten vor, dass wir uns danach noch irgendetwas ausdachten und aus den Betten stiegen, um in diesem riesigen Schlafsaal etwas zu unternehmen oder anzustellen. Leise blieb es dabei fast immer, wir wollten nicht, dass uns jemand hörte. Meist aber schliefen wir rasch ein, niedergestreckt von einem Tag, der uns fünfzehn Stunden fester Ordnung und Anforderungen abverlangte.

Noch im ersten Herbst meiner Internatstage überraschte uns an einem Abend der Erzieher. Als er sich an die Breitseite des Studiersaales stellte, von wo aus immer wichtige Ankündigungen erfolgten, war er nicht allein. Neben ihm stand eine schöne Gestalt, die überhaupt nicht hierher passte und fast einen Kopf größer war als der Präfekt unserer Gruppe. Wie eine Göttin aus einer fernen Welt.

„Ich muss euch etwas sagen. Ihr wisst ja, dass ich jetzt meine Erzieherausbildung mache. Dadurch kann ich nicht jeden Tag hier sein. Es wird ab sofort an einem Tag der Woche ein Hilfserzieher da sein, wenn ich meinen freien Tag habe. Und damit das auch für die nächste Zeit gut funktioniert, haben wir Hilfe bekommen von Baden, dort mache ich ja meine Ausbildung, an der dortigen Akademie. Drei Wochen lang wird Beate mithelfen, sie macht die gleiche Ausbildung wie ich. Das heißt, sie wird nicht immer da sein, aber doch öfter und am Dienstag den ganzen Tag. Wenn ihr da etwas braucht, dann ist sie dafür zuständig. Habt ihr Fragen dazu?“

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