Als der Honig so bis gegen 12:00 Uhr getropft war, sahen wir unsere Maschine zum Start rollen.
Kurzzeitig machte sich Panik breit. Hatten wir vielleicht einen Aufruf verpaßt? Aber die Crew würde uns Passagiere ja wohl vermißt haben und sich nicht einfach so davonstehlen. Hoffentlich.....
Wir sahen, wie das Flugzeug sich problemlos in die Lüfte erhob. Kurz darauf landete die Boing wieder, und der ganze Vorgang wiederholte sich noch einmal. Dann verschwand sie auf dem Rollfeld aus unseren Blicken.
Etwa eine Stunde später bildete sich an einem der Ausgänge eine Menschentraube. In Ermangelung einer anderen Beschäftigung gesellten wir uns aus Neugier dazu. Es stellte sich dann schnell heraus, dass das „unsere“ Mitpassagiere waren und wir wieder an Bord gehen konnten. Eine Lautsprecherdurchsage hatte man sich gespart. Als wir wieder unsere Plätze eingenommen hatten, vermißte Klaus seinen breitschultrigen Nachbarn zur rechten. Er kam und kam nicht. Eine Stewardess fragte uns, ob wir eventuell wüßten, warum er nicht zurückgekommen sei, aber wir konnten nur bedauernd verneinen. Die Maschine wartete noch einig Minuten. Es wurde noch auf allen Toiletten nachgeschaut, dann aber starteten wir ohne den Vermißten. Nur seine dicke Winterjacke und eine vorzügliche Flasche Whiskey waren von ihm übriggeblieben. Schade für den Mann, aber irgendwie erfreulich für uns, da wir nun etwas mehr Platz hatten und diesen auch weidlich nutzten. Die nette Stewardess berichtete uns später, man hätte noch zwei dringende Aufrufe auf dem Flughafen gemacht, und Leute vom Bodenpersonal hätten sich sogar nach dem vermißten Passagier auf die Suche gemacht, aber leider, leider...!
In Singapur landeten wir gegen Mitternacht. Über eine Gangway kletterten wir aus unserem Vogel heraus und in einen Bus hinein. Die feuchtheiße Mischung aus schwüler Nachtluft und Kerosin raubte uns schier den Atem. Innerhalb von Minuten war ich total durchgeschwitzt. Aber nicht nur ich hatte mit den klimatischen Bedingungen zu kämpfen, denn ich sah viele schweißnasse Stirnen und kalkweiße Gesichter. Nach einer langen Busfahrt, die die meisten von uns im Stehen verbrachten, sitzen oder gar umfallen war wegen der „Sardinenstellung“ ohnehin nicht möglich, landeten wir vor einer Kontrolle. Die Aircondition blies dort gewaltig. Sie hatte den Ehrgeiz uns innerhalb von Minuten zu Eiszapfen werden zu lassen. Ich hatte nicht gedacht, daß ich in Singapore mal so frieren würde. Wir brachten den Check trippelnd hinter uns und konnten dann endlich, den bereits geschlossenen Flughafen, genießen. Welch ein Glück: Ein Restaurant hatte extra für uns Transitgäste geöffnet. Hier war es sehr angenehm temperiert, wir tauten wieder auf und ich fühlte schon die australischen Temperaturen auf der Haut. Herrlich ! Wir gönnten uns ein köstliches einheimisches Bier.
Danach fühlten wir uns aber nur noch müde und sehnten uns nach einem Bett, um endlich mal die Beine hoch legen zu können. Aber die guten Bänke, die, ohne Zwischenlehne wo man sich hätte ausstrecken waren alle schon belegt, und so machten wir eine Besichtigungstour durch alle Hallen und „Örtlichkeiten“. Wir sahen uns einen Zeichentrickfilm im Fernsehen an, bestaunten die großartigen Wasserspiele und landeten schließlich in der Raucherzone um dort, die große Anzeigetafel im Blick, ergeben auf den letzten Aufruf zu warten. Durch die hohen Fenster sahen wir viele tausend Lichter blinken und wir bedauerten, dass wir kein Stop-over in Singapur gebucht hatten. Wir waren richtig neugierig geworden. Also planten wir jetzt schon einen Besuch in Singapore für einen, der noch hoffentlich folgenden Urlaube fest ein.
Nach etwa zwei Stunden erhob sich der Jumbo dann wieder über das bunte Lichtermeer und schraubte sich in einer großen Kurve in südöstlicher Richtung in den Nachthimmel. Wir waren endlich auf der Schlussetappe auf unserer Reise in die neue Welt. können,
Australien wir kommen!
Für diese letzte Flugstrecke, Singapur/ Melbourne war „neutrales“ Kabinenpersonal an Bord gekommen, Leute, die sonst mit Service nichts, oder nicht viel zu tun hatten. Die Qantas wurde ja zum Teil immer noch bestreikt.
So erlebten wir mit der unerfahrenen Crew einige aufregende Minuten als wir, auf dem Rollfeld stehend, die Ansage vernahmen, wir müßten auf Grund technischer Probleme das Flugzeug wechseln. Nach den langen Stunden in Bahrain waren wir auf „Verzögerungen“, welcher Art auch immer, nicht mehr so erpicht. Die „Beinahepanik“ löste sich in erleichtertem Gelächter auf, als uns eine Stewardeß erklärte, man hätte sich bei den Tonbändern nur vergriffen: An sich wollte man die Sicherheitserklärungen einspielen...
Um uns die Zeit zu verkürzen, tischte man wieder auf, was Küche und „Keller“ hergaben. Auf dieser Reise hatten wir entweder zu wenig zu essen und zu trinken, oder mehr, als wir verarbeiten konnten! Bei dem dann folgenden Spielfilm verschlug es dem Ton die Sprache, und so genossen wir die Ruhe, denn die allgemeine lautstarke Begeisterung vom Reisebeginn war einer stillen Resignation gewichen.....
„Irgendwie und irgendwann kommen wir doch in Melbourne an“, dichtete Klaus ein kleines Lied und summte mir die Melodie ins Ohr. Ich schwebte so zwischen Traum und Stummfilm, losgelöst von allen Sorgen und war, die Kopfhörer mit leichter Klaviermusik gefüllt, langsam eingedöst. Da weckte mich eine forsche Stimme:
„Sehr geehrte Damen und Herren, es tut uns leid, ihnen mitteilen zu müssen, daß wir aus flugtechnischen Gründen gezwungen sind, anstatt in Melbourne in Sydney zu landen. Um ihren Weitertransport zu organisieren, wenden sie sich bitte an unser Personal am Informationsschalter.“
Ja, war es denn möglich! Ich fing an zu lachen. „Wir werden den ganzen Urlaub in der Luft verbringen, wir kommen niemals an, wie der fliegende Holländer.“ Unser Freund, Hugo Luchs, hatte uns in einem seiner vielen Briefe von unser geplanten Begrüssungsparty berichtet. Er hatte uns die netten Leute beschrieben, was es zum grillen geben würde, das jeder Gast seine Getränke selber mitbringen müßte und uns dabei die warmen Nächte zum Greifen nahe gebracht. Diese erneute Flugplanänderung war mittlerweile die Sechste. Aus Bahrain hatten wir nicht anrufen können, und auch jetzt hatten wir keine Möglichkeit, eine Nachricht nach Melbourne zu senden. Also, wir hätten dieses Spielchen -sie kommen- sie kommen nicht- sie kommen- sie kommen nicht- bestimmt nicht so lange mitgemacht. Wir hatten die Leute noch nie gesehen, und doch alles getan, um uns bei ihnen so richtig unbeliebt zu machen.
Als wir schließlich um 12:00 Uhr auf australischem Boden landeten, hatte wir uns wieder gefaßt. Was so kompliziert angefangen hatte, mußte ja jetzt einfach besser werden! Eine Steigerung der Schwierigkeiten war, jedenfalls in unseren Augen, wohl kaum noch möglich. Gerade, als wir sozusagen in den Startlöchern saßen, um endlich an die frische australische Luft zu kommen, kamen zwei amtliche Herren in sportlicher Sommerkleidung an Bord. Über
Lautsprecher wurden wir informiert, daß wir jetzt auf Grund von Bestimmungen „xyz“ ent. (na, was denn eigentlich?) würden. Die Beiden „Kurzbehosten“ trennten sich und marschierten, je zwei Dosen rechts und links über die Reihen haltend, von hinten nach vorn durch das Flugzeug. Erfahrene Vielflieger hielten sich entweder die Augen zu oder ein Stückchen Stoff vor Mund und Nase. Wir hingegen taten gar nichts und staunten nur. - andere Länder andere Sitten!
So, nun innerlich und äußerlich gereinigt, strömten wir zur Immigration, um dort, trotz Computers, ein geschlagenes Stündchen anzustehen.
Von Klaus angetrieben, legte ich beim Besorgen der Anschlußtickets nach Melbourne ein zügiges Tempo vor. Ich war froh nach der ewigen Sitzerei im Flugzeug und dem nervtötend langen Warten vor dem Einreiseschalter auf dem Laufband mal wieder richtig ausschreiten zu
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