Walter vermutet, dass es Dokumente waren, vielleicht auch Fälschungen von Kunstdrucken oder gar Geldscheine fügt Gerd hinzu.
Der Abend will kein Ende nehmen, Walter bleibt darauf bestehen, dass es mit Sicherheit Aktien waren, damit kann man gut auf den Bahamas oder waren es die Bermudas leben.
Gerd wirft die Frage auf, „warum dann die Toten? Man muss doch niemanden umbringen, wenn man Aktien fälscht, oder vielleicht doch?“ Es ist schon gegen halb elf in der Nacht, da macht Gerd den Vorschlag, doch mal kurz bei Dieter Lauenstein in Frankfurt anzurufen. Walter meint, „um diese Zeit, da liegt der doch längst mit einer seiner Geliebten in der Falle.“
Aber sie haben sich beide getäuscht, Schon beim ersten Anläuten, ist Dieter am Telefon. Als er von den beiden erfährt, dass sie gerade in Eisenkappel recherchieren, beginnt er zu lachen. „Passt auf, dass ihr die Bewohner nicht beunruhigt.“
Gerd berichtet von der Druckerei und bittet seinen Freund Dieter doch mal in der Richtung „Kunstfälschung oder Aktienfälschung“ Erkundigungen einzuholen. Dieter findet die Idee sehr interessant, kündigt aber schon mal seinen Besuch für den übernächsten Samstag an. „Ich bringe euch beiden dann mal einige Unterlagen mit, die den Wenninger betreffen. Ich habe da einiges zusammengetragen. Ihr werdet euch wundern.“
Am folgenden Morgen steht Walter schon unter der Dusche, denn seit einer Woche gibt es ein neues Badezimmer. Walter hat keine Mühen und Kosten gescheut und einen Monteur aus der Nachbargemeinde mit der Montage beauftragt.
Gerd deckt gerade den Frühstückstisch und dann sieht er Mechthild, wie sie gerade ihr Haus absperrt. Mit einer Tasche unterm Arm, geht sie zur Bushaltestelle. Sie will wohl in die Stadt, so vermutet er. Seine Gedanken gehen natürlich gleich einen Schritt weiter. Es wäre an der Zeit, mal einen Blick in die Räume von Mechthild zu werfen. Etwas hinterlistig fragt Gerd seinen Freund Walter, was er denn davon halten würde, mal einen Blick in die Scheune von Mechthild zu werfen.
Walter ist natürlich sofort dabei, was kann schon passieren, oft haben gerade solche Nebensächlichkeiten einiges zu einer Aufklärung beigetragen.
Sie warten noch auf Sophie, sie muss ja gleich aufkreuzen, denn sie muss Schmiere stehen, falls Mechthild unverhofft zurückkommen sollte. Nach einer weiteren halben Stunde ist das Trio einsatzbereit. Sophie platziert sich ganz in der Nähe der Bushaltestelle und die beiden Walter und Gerd ziehen in Richtung Mechthilds Anwesen. Gerd geht direkt auf den dazugehörigen Heustadel zu und sie sind beruhigt, er ist nicht verschlossen. Sie untersuchen ihn sehr genau und müssen feststellen, dass die Anwesen alle vier eine sehr ähnliche Struktur haben. Immer einen Heustadel und immer einen kleinen Stall für eine Kleinviehhaltung. Im Heuschober entdecken sie dann einen recht modernen und teuren Traktor. Wozu benötigt Mechthild ein so großes Gerät. Gerd schreibt sich die Nummer des Fahrzeugs auf und wird später kontrollieren, wer der Besitzer ist. Weiter finden sie eine verrostete Druckmaschine. Eher ein antiquarisches Stück, kommentiert Walter. Neben der Maschine finden sie einen Karton mit Papieren, feucht und es ist deutlich zu sehen, dass der Karton für den Müll bereitgestellt ist. Walter entnimmt einige Papiere und stellt fest, dass sie mit der Idee von gefälschten Aktien nicht daneben lagen. Es sind Fehldrucke von Aktien einer amerikanischen Handelskette.
Leider gibt es ansonsten keine weiteren neuen Erkenntnisse. Sophie kommt zurück von ihrem Posten und berichtet, dass gerade ein blauer Lieferwagen in eine Nebenstraße abgebogen ist. Sicher nichts Besonderes, aber immerhin ein blauer Lieferwagen der Installationsfirma.
Gerd fragt eher nebenbei, wohin denn die Straße führen würde, in die der Wagen abgebogen sei. Sophie wird es mit dem Fahrrad erkunden. Sie schnappt sich das Rad von Mechthild und radelt in die Richtung wo der Lieferwagen hin verschwunden ist.
Die Beobachtungen führen zu einem interessanten Ergebnis. Etwa dreihundert Meter weiter gibt es ein sehr verlassen wirkendes Gebäude, ganz ähnlich den hiesigen Anwesen, berichtet Sophie.
Der Lieferwagen sei in die Scheune gefahren und dann hätte sie sich lieber entfernt, da sie nicht ertappt werden wollte. Walter lobt das Vorgehen von Sophie. Gerd ist schon dabei, das Gehöft auf einem Lageplan zu kennzeichnen. „Dreihundert Meter, ist ja eigentlich gleich um die Ecke. Wir werden es noch inspizieren, da bin ich mir ganz sicher“, meint Gerd.
Zeit für ein zweites Frühstück, meint Walter und geht in seine die Küche. Wie gut, dass Sophie die Croissants mitgebracht hat. Bis dann Gerd mit Sophie nachkommt, ist der Tisch bereits gerichtet.
Das Dreier-Ermittler-Team sitzt in der Küche zusammen, ähnlich einer Verschwörung. Walter hat sich einen großen Zettel besorgt und beginnt damit die Ergebnisse zusammenzutragen. Ein blauer Lieferwagen, ein Raum mit diversen Druckmaschinen, und nicht zu vergessen vier Leichen, vermutlich seit drei oder vier Jahren eingemauert. Mechthild, von der sie noch nichts wissen. Jörg, was wissen sie eigentlich von ihm? Dann der Kommandant aus Slowenien, dessen Bruder ein bekannter Schleuser ist. Ein gewisser Wenninger, oder sind es sogar drei Brüder? Wer lebt auf den Bermudas, Wenninger oder einer seiner Brüder? Warum werden sie von der Kommandantur in Klagenfurt nicht unterstützt? Fragen über Fragen.
Schade, dass Dieter Lauenstein nicht dabei sein kann, er hat immer die richtigen Einfälle, oft führen sie allerdings zu einem verheerenden Chaos und daraus entsteht meist die Auflösung. Gerd macht den Vorschlag, die Angelegenheit so lange zu vertagen, bis auch Dieter dabei sein kann. „Sagte er nicht, dass er in zwei Wochen hinzustoßen könnte“, meint Walter Broder. „Du kennst doch Dieter, wenn er etwas verspricht, kann er es nicht immer halten. Seine Dienstpläne sehen verheerend aus.
„Ja, das ist richtig“, bestätigt Sophie. Sie hätte mit ihm telefoniert. Sie hat es ganz vergessen zu berichten. Er rief vor drei Tagen bei den Kollegen in Klagenfurt an und sie hat mit ihm über den Fall gesprochen. In Frankfurt sind Unterlagen über einen gewissen Wenninger aufgetaucht. „Oh Gott, wie konnte ich es vergessen“, stöhnt Sophie.
Um den Tag zu nutzen, machen sich alle drei zu einer Wanderung auf den Weg, sie wollen als Touristen getarnt an dem Anwesen in der Nachbarschaft vorbeischauen. Sollte es sich ergeben, dann würden sie einen Blick in die Scheune werfen. Aber provozieren wollen sie lieber nichts. Einfach nur spazieren gehen und beobachten.
Zehn Minuten später hat jeder seinen Rucksack über der Schulter und sie ziehen los. Gerd hat eine kleine Kamera dabei, klein genug, dass man sie nicht gleich erkennen kann. Er wird so viele Fotos von dem Anwesen schießen wie möglich. Wenn sie angesprochen werden, werden sie englisch sprechen und so tun, als hätten sie sich verlaufen.
Sie haben bereits den Zaun des Anwesens erreicht, Gerd schießt hunderte von Fotos mit seiner kleinen Spezialkamera. Eine Türe wird aufgestoßen und eine Stimme ruft, „was haben sie hier zu suchen?“
Sophie ruft im reinsten Englisch zurück, „wir haben uns verlaufen, wo geht es zum Ort?“
Ein zweiter Mann tritt auf die Terrasse und fängt an mit einer Flinte herumzuballern. Gerd Wildfang empfiehlt den Rückzug anzutreten. „Die sind ja irre“, meint Walter Broder. Aber Gerd hat genug Fotos geschossen um die Herren identifizieren zu können. „Wir werden sie gleich mal in den Computer eingeben, da bin ich schon auf das Ergebnis gespannt. Die Kamera wird mit dem Computer verbunden und dann wird noch der Geheimcode eingegeben, schon sind sie drinnen im System der Fahndungsbehörde.
Wie gut, dass die beiden Herren aus dem Stadel vorbestraft und daher registriert sind, so dauert es nur wenige Minuten und das Ermittlerteam weiß, dass es die Brüder Eberhard und Florian Steiner sind. Mehrfach vorbestraft wegen Einbrüchen und Überfällen.
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