1 ...6 7 8 10 11 12 ...18 „Lass ihn doch, der steht wahrscheinlich auf dich.“ Als Mandy dann von ihrer Asienreise erzählt, und Elvira von ihren Geldproblemen, vergessen sie den Schnauzbartträger. Als sie bezahlen und gehen, ist auch er verschwunden. Mandy begleitet Elvira zurück zu ihrem Hotel und steigt anschließend in ein Taxi. Elvira bestellt sich noch beim Zimmerservice eine Flasche Prosecco auf das Zimmer und geht schon mal unter die Dusche. Als sie es klopfen hört, ruft sie nur: „Es ist offen. Stellen sie die Flasche einfach auf den Tisch!“ Sie hört die Türe in das Schloss fallen und sieht kurz durch einen Spalt im Duschvorhang und beginnt mit dem Einseifen. Es ist ein edel riechendes Gel, was im Hotel angeboten wird. Fast tut es ihr leid, den duftenden Schaum wieder abspülen zu müssen. Als sie fertig ist, legt sie sich das große Badehandtuch über und tritt aus der Dusche. Im Spiegel sieht sie das Gesicht eines Mannes. „Der Schnauzbartträger aus dem…Doch da trifft sie auch schon ein kräftiger Schlag und reißt sie zu Boden. Sie sucht am Duschvorhang Halt, doch er reißt von der Stange. Einige Minuten später klopft es an der Zimmertür: „Zimmerservice. Ich bringe den Prosecco!“ Der Zimmerkellner wiederholt das mehrfach, aber kein Laut kommt aus dem Zimmer.
Wieder zurück an der Rezeption, berichtet der junge Kellner, dass er im Flur um ein Haar mit einem seltsamen Gast zusammengestoßen sei, der einen Schnauzer trug und es ziemlich eilig hatte. Der Chef holt den Generalschlüssel und geht mit dem Kellner noch einmal hinauf. „Ich will nachsehen, ob der Dame in der Wanne übel geworden ist. In Frankfurt hatten sie einen ähnlichen Fall und da wurde dem Personal dann der Vorwurf gemacht, es habe nicht nachgehakt.“ Als sie die Badezimmertür öffnen, sehen sie eine Frau in eine große Blutlache liegen. „Da hat einer volle Leistung gebracht“, entfährt es dem Kellner. Was folgt ist ein Großaufgebot an Polizei. Spurensuche ist angesagt. „Der zuständige Kommissar ist gerade in Salzburg, aber sein Stellvertreter informiert ihn noch im Hotel über Handy.
„Wie war der Name?“, will Gerd Wildfang wissen. Als ihm dann Elviras Daten durchgegeben werden, nickt er grimmig und sagt nur noch: „Ich komme sofort nach München.“
Kapitel: 4 Die Brieftasche und das Geldkuvert
In Wien entspannt sich Tomas gerade mit einem ausgeliehenen Film. Dazu genießt er Chips und inzwischen die zweite Dose Bier. Das hat er sich verdient, so lobt er sich selbst. Was ihm nicht aus dem Kopf gehen will, ist die Summe, die ihm in den Schoß gefallen ist. Was soll er mit soviel Geld anfangen? Es vielleicht einer hilfsbedürftigen Familie spenden? Es hat keine Eile, beruhigt er sich, es wird eine Lösung geben. Die Entscheidung kann warten.
Auf keinen Fall darf er sich in den nächsten Wochen an das Geld machen. Vielleicht wird er ja beobachtet. Also wie immer, einfach Gras darüber wachsen lassen. Auch seinen Freund Markus muss er zur Ruhe ermahnen. Markus wird seinen Anteil natürlich bekommen, das ist Ehrensache. Seit Markus die Summe kennt, denkt er an ein neues Wohnmobil. Vielleicht sogar an eines, das er trotz seiner Behinderung selbst steuern kann. In den kommenden Tagen treffen die Kataloge stoßweise bei ihm ein. Seine Freundin die Fanny ist schon ziemlich verärgert.
„Was hast du vor? Wir haben ein Wohnmobil der Luxusklasse, wir brauchen kein Neues.“ „Das sind Unterlagen für den Tomas“, rettet sich Markus vor weiteren Fragen. Zur gleichen Zeit sitzt die Gräfin beim Notar und dessen Ehefrau. Die Frau des Notars mag zwar Ester nicht sonderlich, aber es gehört sich nach dem Tod eines Freundes sich um die Ehefrau zu kümmern, mal ganz davon abgesehen, dass es ja eine Menge Geld einbringen wird. Allein die testamentarischen Arbeiten sind nicht gerade billig. Die Herrschaften sind inzwischen schon bei der Nachspeise. Flambierte Pfirsiche und eine Kugel Eis wird gerade hereingebracht, als Ester mit dem Satz beginnt: „Wie machen wir das morgen? Könnten wir nicht gleich mal einen Blick in das Testament werfen?“ „Nein meine Liebe, das ist unmöglich, das muss schon offiziell sein. Schließlich bezahlst du mich ja dafür.“ Erklärt Bertl der Notar.
„Aber jetzt hör mal Bertl, du kannst es mir doch sagen…“ Walburga, die Ehefrau vom Notar, fährt dazwischen: „Du kannst es wohl gar nicht mehr erwarten? Dein Mann ist ja schließlich gerade mal achtundvierzig Stunden Tot, da machst du dich schon über die Kröten her.“ Ester steht auf, geht zur Garderobe, schnappt sich beleidigt ihren Mantel und lässt die Türe hinter sich in das Schloss fallen. So etwas muss sie sich nicht gefallen lassen! Auch wenn der Notar ihren Mann schon über fünfzig Jahre kennt, ist dies kein Grund das Walburga Ester in dieser Art beleidigt. Bertl und Maximilian kennen sich bereits aus dem Sandkasten. Sie gingen gemeinsam in die gleiche Schule, waren zusammen im Studium, zusammen bei der Beerdigung von Bertls Mutter. Also eine gewachsene Freundschaft, wie man so sagt. Dass sich der Graf vor achtzehn Jahren in Ester verliebt hat, war Walburga gar nicht recht. Nach dem Tod von der ersten Gräfin hätten sie es lieber gesehen, wenn er sich eine Frau gesucht hätte, die vom Alter mehr zu ihm passt. Maximilians erste Frau war eine echte Gräfin.
Nicht nur ihr Auftreten und ihr Einsatz für Hilfsbedürftige haben Walburga beeindruckt, sie hatte auch Ausstrahlung und Format. Was man von Ester nicht unbedingt sagen kann. Das mit dem Unfall war eine tragische Angelegenheit. Irene, so der Name von Maximilians erster Frau, hatte gerade eine Schönheitsoperation hinter sich. Nur eine Kleinigkeit wurde repariert. Die Sorgenfalten auf der Stirn wurden geglättet. Am nächsten Morgen nach der Operation durfte sie schon wieder nach Hause. Ein kleiner Verband auf der Stirn erinnerte noch an die Operation. Sie fuhr auf der Autobahn von Starnberg nach München, da löste sich der Verband und rutschte ihr über die Augen. Was folgte war ein heftiger Knall. Irene raste mit dem Jaguar blind auf einen Alleebaum zu.
Ein Freund der Familie meinte später: „Gott sei Dank hat sie es nicht gesehen.“ Ester sitzt auf der Couch im Wohnzimmer und überlegt, wo sie die Trauerwochen verbringen wird. Vielleicht die Malediven oder Sansibar? Aber sie könnte auch in ihr Chalet nach Luzern fahren. Da war sie schon lange nicht mehr, obwohl es vom Notar bereits auf Ester überschrieben wurde. Es war eine Schenkung ihrer Eltern zum Hochzeitstag. Maximilian mochte es nicht, da es von Esters Eltern stammte und entsprechend eingerichtet war. Die Einrichtung gehört auf den Müll!“, so seine Aussage.
Daraufhin meinte Ester: „Du musst ja nicht hinfahren!“ Ester hat plötzlich eine Idee und geht in Maximilians Büro im Parterre der Villa und sucht nach den Kontoauszügen. In einem Fach des Schreibtischs wird sie fündig. „Ach, da ist ja noch das Konto in der Schweiz! Wie praktisch! Dass kennt außer ihr niemand.“ Ester hat es mit ihrem Mann vor etlichen Jahren eingerichtet, damit sie flüssig ist, wenn sie in Luzern residiert. Ester stellt erfreut fest, dass da doch tatsächlich noch zweihunderttausend Schweizerfranken drauf sind. „Also doch Luzern“, sagt sie laut zu sich selbst. Am nächsten Morgen um elf ist der Notar Termin. Ester stylt sich extrem jugendlich. „Soll Bertl nur sehen, dass ich noch jung und frisch bin!“, meint sie zu sich selbst, als sie in den Spiegel sieht. Sie schnappt sich ihren Pass und wirft einen Blick hinein. Keiner würde auf die Idee kommen, dass sie zweiundvierzig ist. Sie sieht aus wie dreißig, zumindest hat das Maximilian immer behauptet. Sie entscheidet sich dafür den Jaguar zu nehmen. Jetzt, wo sie nicht ständig kritisiert werden kann. Maximilian war ein schlechter und ungeduldiger Beifahrer. Nur selten durfte Ester in seinem Beisein das Steuer übernehmen. Sie parkt den Wagen so, dass ihn jeder sehen kann, der zur Testamentseröffnung kommt. Sie geht auf die Türe des Notars zu und Bertl öffnet persönlich.
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