1 ...7 8 9 11 12 13 ...18 „Da bist du ja, bitte entschuldige den Ausspruch von Walburga gestern Abend! Du weißt ja, sie hatte den Maximilian immer besonders gemocht.“ „Ist schon recht, lass uns jetzt zur Tat schreiten, damit ich anschließend nach Luzern fahren kann.“ „Ach du fährst in das Haus, welches dir deine Eltern damals geschenkt haben?“ „Ich muss jetzt für mich sein, das verstehst du ja sicher.“ Bertl geht voran und bittet Ester Platz zu nehmen. Ester ist entsetzt, als sie den überfüllten Saal sieht. „Was ist denn hier los?“
„Die Herrschaften wurden von mir laut Testament geladen.“ Bertl beginnt mit dem Verlesen der Namen. Da ist der Dieter vom Dirndlgeschäft, da ist aber auch der Hans-Heinrich aus Frankfurt. Der Notar stellt fest, dass Elvira fehlt. Ester meint: „Die hat sicher verschlafen, aber wir brauchen sie ja sowieso nicht.“ Bertl beginnt mit dem Verlesen des Testaments. Ester ist erstaunt, dass ihr Mann die unehelichen Kinder bedacht hat, obwohl sie ja von Dieter wusste, dass er schon abgefunden wurde. Sogar ein Vertrag besteht, der ihn von einem Erbe ausschließt. Jedes der Kinder sollte einen weiteren Anteil bekommen, so steht es im Testament geschrieben. Aber wo ist Elvira, gerade jetzt wo sie so dringend das Geld gebraucht hätte? Denkt Ester. Aber wer ist Hans-Heinrich, ist er nicht der Mann, der sie gestern auf eine Unterschrift ansprach? Ja, sicher, nur gestern trug er die Haare länger. Er muss wohl beim Friseur gewesen sein. Der Notar liest weiter und kommt nun zum wichtigsten Teil, den einzelnen Summen. Ester wird das Haus mit allen darin befindlichen Gegenständen erhalten und die Hälfte des Geldvermögens. Die andere Hälfte wird zwischen den Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt. Ester will gerade losschimpfen, da meldet sich ein Herr aus der letzten Reihe. „Darf ich mich vorstellen: Hauptkommissar Gerd Wildfang.“ Alle drehen sich zu dem Herrn im eleganten Trenchcoat um. „Was tut der denn hier?“, entfährt es Dieter. „Meine Herrschaften, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Elvira gestern Abend oder besser gesagt, heute Nacht ermordet wurde. Sie müssen mich alle auf das Revier begleiten, zwecks Überprüfung Ihres Alibis.“
„Aber zuerst gehen wir auf die Bank, denn ich will schon wissen, was ich geerbt habe“, meint Hans-Heinrich. Von den Anwesenden scheint es keinen zu interessieren, was mit Elvira wirklich geschehen ist. Sogar Ester macht keinerlei Anstalten, Fragen zu stellen. Dieter lässt sich sogar zu der Bemerkung hinreisen: „Dann teilen wir nur noch durch zwei.“ Der Notar hat seine Vorlesung beendet und es wurden drei Taxis geordert, die alle Beteiligten in die Ettstraße bringen sollen. Auf dem Revier muss Gerd Wildfang feststellen, dass es jeder der Beteiligten gewesen sein könnte. Nur die Aussage mit dem Schnurbart, irritiert ihn. Aber er macht sofort die Probe aufs Exempel.
Alle drei, also Ester, Dieter und Hans-Heinrich, werden fotografiert und in den Computer mit den Fotos eingescannt. Der Computer ist ein Spezialgerät, in welchem man die Bilder bearbeiten und verändern kann. „So jetzt machen Sie mal an jedes der Gesichter einen Schnauzer!“, sagt Wildfang zu seinem Assistenten. Dieser gibt den Wunsch seines Chefs, umgehend in den Computer ein und siehe da, nun passt die Personenbeschreibung des Zimmerkellners auf jede Person. Sogar Ester sieht mit Schnauzbart recht gut aus. „Ziemlich herber Typ Frau“, meint ein Kollege von Gerd Wildfang. Es werden Ausdrucke angefertigt, um sie dem Hotelpersonal vorzulegen, vielleicht löst sich der Fall ja viel schneller als man denkt. Das mit der Bank gelingt an diesem Vormittag nicht mehr, da sie bereits Mittagspause hat und geschlossen ist.
Gerd Wildfang will dabei sein, „was gehen denn den Kommissar unsere Gelder an?“, schimpft Ester. Ein Kollege von Wildfang sprintet zum Hotel hinüber und zeigt die retuschierten Bilder dem Personal. Aber alle Befragten sind sich einig. „Der Typ war viel kräftiger, außerdem trug er einen Blazer und war vom Auftreten her eine stattliche Person. Obwohl oder gerade weil er sich den Kragen fast bis in das Gesicht zog, wirkte er unsympathisch.“ So zumindest äußert sich das Personal. Als Wildfangs Kollege zurückkommt und seine Recherche mitteilt, ist Gerd Wildfang nervös und meint, „Das hätte ich gerne hinter mich gebracht. Spätestens morgen steht der Vorstand der Bank hier und will eine rasche Aufklärung. Der Name der Bank muss herausgehalten werden. Das ist selbstverständlich.“ Um fünfzehn Uhr sollen alle vor der Bank antreten, dann wird in die Schließfächer geschaut und die Konten werden kontrolliert, und alles im Beisein des Kommissars. Ester, Dieter und Hans-Heinrich haben sich schon eine Viertelstunde vorher verabredet.
Die Bank öffnet um drei. Auch der Kommissar ist gut vorbereitet. Einen Beamten mit einer Kamera hat er auf Position gehen lassen. „Mal sehen, was da passiert. Wie verhalten sich die Personen? Wir werden es festhalten“, meinte Gerd Wildfang zu einem Kollegen, der den Fall für einen „reinen Erbfall“ hält. Der Direktor selbst ist höchstpersönlich anwesend. Das ist er seinem verstorbenen Vorstandsvorsitzenden schuldig. Er hat die Schlüssel in der Hand und geht voraus. Natürlich kennt ihn Ester von diversen Abendessen und etlichen Opernbesuchen, Empfängen und privaten Einladungen. Er nimmt sie an seine Seite und fragt: „Du hast doch hoffentlich den Zweitschlüssel mitgebracht?“ „Natürlich habe ich das. Ich bin schließlich nicht zum ersten Mal hier.“
„Dann lass uns mal zur Tat schreiten!“ Der Direktor steckt seinen Schlüssel zuerst in das dafür vorgesehene Schlüsselloch. „So jetzt du“, sagt er an Ester gerichtet. Es ist ein großes Fach. Etliche Kuverts liegen darin. „Das sind Verträge, die gehen nur mich etwas an“, meint Ester. „Das ist ein Irrtum, bei Mord geht mich alles etwas an! Die Papiere werden allesamt beschlagnahmt und auf dem Präsidium ausgewertet.“, entgegnet der Kommissar. Dann endlich kommt die Stahlkassette. Der Kommissar zählt mit dem Bankdirektor die einzelnen Geldbündel zusammen.
„Das sind hundertvierzigtausend Euro. Ich hätte da an mehr gedacht“, meint Gerd Wildfang. Er ergänzt noch: „Da brauchen wir nicht mal die Steuerfahndung verständigen.“ „So, dann lassen Sie uns in mein Büro gehen, damit wir einen Blick auf die verschiedenen Konten werfen können.“ Im Gänsemarsch spazieren nun alle hinter dem Hauptkommissar, zuerst zum Lift, dann über die Straße und dann fahren sie gemeinsam in die fünfte Etage. Im Büro angekommen, sagt Wildfang höflich: „Wenn sie nun bitte Platz nehmen würden!“
„Fräulein Margarita, bringen Sie bitte Kaffee! Oder möchte jemand Tee?“ „Kaffee ist schon vorbereitet“, entgegnet die Sekretärin. Im Raum gibt es noch einen großen Bildschirm. „Ich werde die Übertragung auf den großen Bildschirm geben, dann können Sie alles besser erkennen und verstehen.“
„Ich will nicht verstehen, ich will nur meinen Anteil sehen“, mault Dieter lautstark. „Nun zum Konto Nummer eins…ach sieh mal Ester, dein Mann hat vorgestern umgebucht. Das Konto ist gelöscht, aber wohin hat er…“, sagt der Direktor erstaunt.
Ester meldet sich zu Wort. „Das hat er sicher auf das Konto zwei umgebucht. Er meinte noch letzte Woche, dass er die Konten zusammenziehen wird. Dann ist es übersichtlicher.“ „Dazu kann ich nichts sagen, da die Direktion an einem neuen System teilnimmt. Das geht über Internet-Banking. Dein Mann war da immer auf dem neuesten Stand. So, nun lass uns mal die anderen Konten ansehen“, meint der Direktor. Auf dem Konto zwei ist ebenfalls eine Umbuchung vorgenommen worden, ebenso auf den verbleibenden drei Konten.
„Das tut mir leid, aber auf den Konten unserer Bank, hat er nichts mehr. Alle Konten wurden vorgestern umgebucht und anschließend gelöscht.“ Ester schreit hysterisch: „Wohin bitteschön hat er das ganze Geld geschafft?“ „Tut mir leid, aber das weiß nur dein Mann. Als Vorstand hatte er da so seine Möglichkeiten. Vielleicht hat er ja alles in die Schweiz… oder Lichtenstein?“ Ester bemüht sich ruhig zu bleiben, obwohl ihr nach einem weiteren Aufschrei zumute wäre. Aber sie glaubt zu wissen, wie sie an die neuen Konten kommt. Es ist ihr eingefallen, dass ihr Mann vor wenigen Tagen sagte: „Hier im Safe liegen die neuen Daten, falls ich mal verhindert bin.“ „Ja meine Herrschaften, mehr kann ich nicht für Sie tun“, meint der Bankdirektor. Gerd Wildfang meint: „Ich werde mir für die nächsten Tage mal die diversen Kuverts vornehmen. Vielleicht ergeben sich hier neue Erkenntnisse.
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