„ Gut, ich habe meinen Doktor gemacht und nun bin ich in der Armee beschäftigt.“
„ Du trägst gar keine Uniform wie es andere in deinem Beruf tun“, sagte Rudi hämisch.
„ Ich bin nicht die Anderen“, lachte Willi ihn an. „Du dagegen, fühlst dich hoffentlich gut in deiner Funkelnagelneuen Uniform.“
Rudi und den Anderen war der Unterton nicht entgangen. „Bist wohl immer noch ein Judenfreund“, lachte Walter ihm hämisch zu.
Willi sagte dazu nichts und schüttelte nur den Kopf darüber. Wenn sie wüsten, dass er die so genannten Juden für die Freundin von Walter außer Landes schmuggelte, hätten sie ihn wahrscheinlich auf der Stelle erschossen. Hanna war Walters Freundin und schaffte Juden außer Landes und Willi unterstützte sie dabei.
„ Ihr zwei habt euch wohl nicht so angestrengt wie Rudi“, lästerte er.
„ Wir räumen wenigstens auf, so dass unsere Leute in Ruhe leben können.“, sagte Gustav etwas verhalten.
„ Fühlst du dich dabei gut?“, fragte er grinsend.
Gustav konnte ihm auf diese Frage keine Antwort geben. Rudi aber übernahm das gerne.
„ Ja wir fühlen uns dabei gut, wen wir erst mal in den Krieg ziehen werden wir alle Juden dieser Welt ausrotten.“
Willi wusste dass dieses Gespräch nur in Ärger enden würde und beendete es schnell. „Ich muss zu meinen Patienten“, und er ging ohne ein weiteres Wort.
„ Ich hoffe du bist ein anderer geworden oder wir müssen dich eines Tages aufhängen!“, rief ihm Rudi hinterher.
„ Oder ich lande auf einem deiner Wagen“, kicherte Willi aus der Ferne.
Ehe Rudi ihn noch etwas nach schreien konnte, war er weg.
„ Ich glaube unser Feigling wird eines Tages draufgehen mit seiner Solidarität für diese Juden.“
„ Das glaube ich nicht.“, sagte Walter. „Willi liebt seinen Beruf und ist nur für seine Patienten da.“
„ Gut, wir werden sehen. Aber nun zu unseren Judentransporten. Sie müssen heute noch raus!“, sagte Rudi voller Stolz.
Willi ging in ein Haus der Innenstadt, das er angemietet hatte. Er hatte gut zehn Juden in diesem Haus untergebracht. Der Korb, den er mit sich führte enthielt viel zu Essen und ein paar Unterlagen. Die Ausweise brauchten die Juden für die Ausreise nach Amerika.
„ He Jakob, wie geht es ihnen heute?“, fragte Willi.
„ Meine Lunge ist etwas angekratzt aber diese Kleine da drüben ist sehr heiß, sie hat vielleicht Fieber.“
Willi legte einige Tabletten auf den Tisch, die das Fieber etwas senken würden. So nun muss ich aber gehen, ich komme noch mal wieder, bevor ihr Abreist und bringe etwas Geld. Sie bedankten sich leise und dann verließ er unauffällig das Haus.
Kurze Zeit später kam Willi an einem Café vorüber und er verspürte plötzlich den Drang einen Kaffee zu Trinken. Ohne zu zögern, ging er in das Café und sah plötzlich Walter an einem der Tische sitzen. Auch Walter hatte ihn bemerkt und winkte ihn zu sich.
„ Setz dich zu mir!“, sagte er, aber er bemerkte gleich dass es Willi nicht recht war.
„ Was hast du?“, fragte er ruhig.
„ Seid ihr fertig, mit der Menschenjagt?“
„ Sprich nicht so laut, man weiß nie wer neben einem Sitzt.“
„ Du musst dich mal hören“, lachte Willi. „Ist das deine Welt, in der du ein Held werden willst? Man kann nicht mal seine Meinung sagen, ohne Gefahr zu laufen in einem dieser Wagons zu landen.“
„ Ich mache doch nur mit, weil Rudi und Gustav es wollen. Aber was ist schon dabei Willi, sie sind doch nicht wie wir.“
„ Nein Walter, es sind Menschen wie wir. Eines Tages wirst du es verstehen, das dieses Reich nicht das ist was es vorgibt.“
„ Was willst du mir damit sagen, Willi?“
„ Walter, glaubst du es geht ewig so weiter. Der Krieg ist das nächste, aber dann ist es zu spät.“
Walter sah nach unten, er war sich seiner Gefühle nicht mehr sicher. „Ich wollte eigentlich raus, aber wir werden nächsten Monat in die Wehrmacht eingegliedert.“
„ Also geht es bald los, ihr seid dann in einem Hexenkessel aus dem ihr nicht mehr raus
kommt. Die Armee zieht in den Krieg, wenn ihr dabei Menschen tötet ist das vertretbar. Doch was ihr zurzeit tut, ist Massenmord an den Juden und das ist nicht mehr vertretbar.“
„ Hör auf so etwas zu sagen“, flüsterte Walter mit zitternder Stimme. Sie kommen doch nur in Arbeitslager.
„ Arbeitslager nennt ihr das, es sind eher Vernichtungslager. Ich glaube Walter, ihr wollt es gar nicht hören.“
„ Nein ich will es nicht hören, keiner tut etwas dagegen, also warum gerade ich?“
Willi trank seinen Tee aus, doch bevor er ging sagte er leise. „Mal sehen wo wir uns wieder sehen“, dann war er weg.
Es war der Vorabend, der Deutschland verändern sollte.
„ Ich glaube, dass wir Morgen in den Krieg ziehen.“, sagte Willis Vater voller Freude. „Das Reich wird riesengroß mein Sohn. Die ganze Welt wird uns zu Füssen liegen, wenn unsere Armee erst mal alles überrennt. Ich kann es gar nicht erwarten, diese Nichtarier zu unterjochen und von der Landkarte zu tilgen.“
„ Hör auf Vater, es kotzt mich an, wie du hier herumschreist. Ein Krieg ist immer schlimm, doch dieser wird uns in den Abgrund stürzen.“
„ Ach was, du Quacksalber, ich werde Morgen Geschichte schreiben.“
Er ließ Willi mit seiner Mutter allein, sein Männerabend war ihm sehr wichtig. Da hatte er die Leute um sich, die genauso dachten wie er.
„ Er geht wieder zu seinen Gestapofreunden, die ihn so verändert haben.“, sagte Mutter zu Willi.
„ Muss er Morgen weg?“
„ Ich glaube schon, aber genau weiß ich es nicht. Er spricht nie über diese Dinge mit mir.“
„ Lass mal Mutter, ich habe heute Rudi, Walter und Gustav wieder gesehen.“
„ Das ist aber schön“, sagte Wera. „Was haben sie gemacht?“, war ihre nächste Frage.
„ Sie haben wieder einen Häuserblock geräumt und alle zum Bahnhof abtransportiert.“
„ Hört das denn nie auf? Aber wir können nichts dagegen tun.“, sagte sie mit weinender Stimme. Seit dem dieser Hitler an die Macht gekommen ist sind alle so ängstlich geworden. Keiner sagt etwas gegen diese Transporte. Einer bespitzelt den anderen, und wer dagegen ist wird abgeholt.“
„ Ja Mutter, sie sehen fast alle nur noch das neue Reich.“
„ Weißt du Willi, am Anfang habe ich diesen Hitler bewundert. Er hat den Karren aus dem Dreck gezogen und alle haben wieder Arbeit. Heute aber weiß ich, er ist nicht das, was er vorgibt zu sein. Die ganzen Straßen, die er bauen lässt und Munitionsfabriken, dienen nur einem Zweck: Er will Krieg und nichts anderes als Krieg, da kommt ihm die Rassenfrage gerade Recht.“
„ Mutter, wesn das Vater hören würde, er würde dich abholen lassen ohne an die Folgen zu denken.“
„ Ja Willi so weit sind wir schon, die eigene Familie würde sich anzeigen, nur um als Linientreu zu gelten. Wir können nicht mehr dagegen tun, es ist zu spät. Sie ziehen Morgen in den Krieg“, sagte Willi etwas nachdenklich.
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