Er bestellte ein Taxi und zwei doppelte Wodka. Als Sabrina ihr Glas gelehrt hatte, goss er ihr seinen Wodka ein. So hatte sie innerhalb von fünf Minuten vier Schnäpse getrunken. Die frische Luft tat ihr gut, aber sie wirkte auch wie ein Schlag ins Gesicht. Sie konnte nicht mehr richtig gehen. Herzog stützte sie und half ihr in das Taxi.
Auf dem kurzen Weg zum Wohnmobil war Sabrina Bennet eingeschlafen.
Er bezahlte das Taxi, dessen Fahrer ein breites Grinsen auf den Lippen hatte. Er dachte sich, dass sie von dieser Nacht nicht viel mitbekommen würde.
Herzog hatte seine Mühe, Sabrina ins Wohnmobil zu schaffen. Er war froh, so weit außerhalb geparkt zu haben, so konnte sie niemand sehen. Er legte sie auf das Bett und zog ihre Kleider aus.
Herzog hatte herausgefunden, dass Sabrina Bennet eine Vorliebe für leichte Fesselspiele hatte.
Sie hatte schon immer davon geträumt, sich wehrlos im Bett verwöhnen zu lassen. Ihrem Mann hatte sie aber nie derartige Wünsche geäußert. Sie wusste nicht, wie er reagieren würde.
Heute aber kamen die mit Plüsch überzogenen Handschellen, die Herzog vor einiger Zeit in einem Orionshop gekauft hatte, nicht zum Einsatz. Sie schlief tief und fest.
Kurz überlegte Herzog, ob er sich nicht doch mit ihr im Schlaf vergnügen sollte, deckte sie dann aber zu.
»Es macht so keinen Spaß. Morgen ist auch noch ein Tag. Dann bist du mir etwas schuldig.«
Am nächsten Morgen waren erst einmal Kopfschmerzen angesagt. Sabrina konnte sich an nichts mehr erinnern. Auch nicht daran, wie sie nackt ins Bett gekommen war. Es war ihr peinlich.
»War ich sehr betrunken? Habe ich mich übergeben? Ich weiß nichts mehr. Absolut nichts.«
»Nein. Alles in Ordnung. Wir hatten noch eine schöne, heiße Nacht.«
Sie drehte den Kopf zur Seite. Es war ihr wirklich peinlich.
Dann duschten beide nacheinander. Die Dusche im Wohnmobil unterschied sich in keiner Weise von einer festeingebauten Dusche im Wohnhaus. Nur die Temperatur des Wassers hätte etwas höher sein können, was der Fall ist, wenn das Wohnmobil noch nicht lange abgestellt ist und die Wasserpumpe die Motorwärme nutzen kann.
Anschließend fuhren sie zu einem kleinen Cafe am Jachthafen und frühstückten ausgiebig. Dann ging die Reise weiter über Thurgau und Winterthur nach Zürich.
Hinter der Grenze wurden sie kurz angehalten. Ein Schweizer Polizist kontrollierte die Vignette. Das Wohnmobil hatte für das laufende Jahr jedoch Vignetten von Montenegro, Österreich, Bulgarien, Rumänien und der Schweiz an der Windschutzscheibe kleben. Der Polizist wünschte gute Fahrt. Sabrina Bennet sah ihm jedoch an, dass er gerne einen Strafzettel geschrieben und den Betrag liebend gerne in bar kassiert hätte.
Als sie in Zürich ankamen, herrschte Mittagsverkehr. Zürich ist die größte Stadt der Schweiz und Hauptort des Kantons Zürich. Die Stadt Zürich mit ihren rund 390.000 Einwohnern wird seit Jahren als eine der Städte mit der weltweit höchsten Lebensqualität sowie den teuersten Lebenshaltungskosten gelistet. Seit 2012 gilt Zürich als teuerste Stadt der Welt, gefolgt von Tokio und Genf.
Die UBS-Bank in der Bahnhofstraße, nahe dem größten Bahnhof der Schweiz gelegen, liegt nicht weit vom Paradeplatz entfernt, um den sich viele sehr gute Speiselokale gruppieren.
Herzog hatte seinen Termin in der Bank auf 14.00 Uhr gelegt und so hatten sie noch genügend Zeit, eines dieser Lokale aufzusuchen.
Nach dem Essen schlug Thomas Herzog vor, dass Sabrina noch, solange er in der Bank zu tun hätte, einkaufen gehen sollte. Er gab ihr 200 Euro und sagte ihr, sie solle sich doch etwas Schickes kaufen. Treffen wollten sie sich später im Cafe des Savoy-Hotels.
So trennten sich ihre Wege für die nächsten zwei Stunden.
Herzog holte eine Sporttasche aus dem Wohnmobil und betrat die Bank. Er verlangte den Sachbearbeiter, der seine Nummernbeziehung bearbeitete. Dieser erschien recht flott und erkundigte sich nach den Wünschen.
»Ich möchte eine Änderung des Codewortes vornehmen. Außerdem brauche ich etwas Bargeld.«
Der Bankangestellte antwortete ihm im feinsten »Switzerdütsch, wobei er die ch-Laute geradezu aus den Tiefen seines Rachen holte. Es hörte sich an, als wolle er anfangen zu schnarchen.
»Das ischt kein Problem. Ich gebe Ihnen ein Formular zur Änderung des Codes. Das füllen Sie bitte vollständig aus.«
»Brauchen Sie meinen Ausweis?«
»Nein. Den brauchen wir nicht. Sie sind mit der Benennung des alten Codes berechtigt, Abhebungen und Änderungen zu tätigen. Welchen Betrag wollen Sie an Bargeld mitnehmen?«
»500.000 Euro in gemischten Scheinen.«
Der Bankangestellte verzog keine Miene. Er war es wohl gewohnt, solche Summen auszuzahlen.
»Ischt recht. Alles in Euro oder benötigen Sie auch Schwyzer Franken? Der Kursch ischt zurzeit 1 zu 1,20.«
»Nur 1000 in Franken bitte.«
»Selbschtverschtändlich, Herr Herzog. Ich lasse Ihnen den Betrag bereitlegen.«
Herzog füllte das Formular aus und setzte zuerst die alten Daten ein und legte dann sein neues Codewort fest. Dieses musste er gleich zweimal aufschreiben.
Jetzt hatte er seine beiden Kumpane überlistet. Nur er konnte an die restlichen 75 Millionen herankommen.
Er packte die Scheine, die jeweils mit einer Banderole zu Bündeln gebunden waren, in seine Sporttasche.
Als Herzog die Bank verlassen wollte, wurde er gefragt, ob er einen Sicherheitsbeamten benötigte. Dies lehnte er höflich ab.
Mit einem Taxi fuhr er auf Umwegen und nach einmaligem Umsteigen zu seinem Wohnmobil, das auf einem Parkplatz am Münsterhof stand. Er öffnete die Tür, ging hinein und schloss sorgfältig ab.
Er stellte die Tasche mit den Scheinen auf dem Tisch im Wohnzimmer des Mobi’s ab.
Dann löste er die Schrauben des schmalen Schrankes an der Außenwand und klemmte die seitliche Dichtung ab. Die Wandpaneele dahinter hob er nach oben an und zog sie ganz nach vorne.
Es zeigte sich ein Zwischenraum, der normalerweise mit Dämmmaterial aus festem Schaumstoff gepolstert war. Diesen hatte er schon vorher herausgenommen. Er deponierte die Geldbündel bis auf einen kleinen Rest, den er in seine Jackentasche steckte, im Versteck. Nun brachte er die Paneele wieder an und rückte den Schrank davor. Das Geld war sicher versteckt. Keiner konnte von dem Zwischenraum der Außenwand wissen.
Er rieb die komplette Wand und den kleinen Wandschrank mit einer roten Chilischote ein.
Falls ihn der Zoll doch wider alles Erwarten durchsuchen sollte und es dabei zum Einsatz eines Geldschnüffelhundes kommen sollte, würde dieser vor dem scharfen Chili zurückschrecken.
Dies hoffte er zumindest.
Herzog ging den kurzen Weg zur verabredeten Stelle. Auf dem gesamten Weg pfiff er ein Lied. Er war bester Laune und freute sich schon auf Sabrina Bennet.
Sabrina wartete schon auf ihn. Sie hatte einen Bummel durch die Geschäfte Zürichs gemacht, jedoch nichts Passendes gefunden. Sie hatte einfach keinen Sinn zum Einkaufen. Ihre Gedanken weilten zumindest zeitweise bei ihrem Mann in der Klinik. Dann aber sagte sie sich, dass sie ihm doch nicht helfen könne und schließlich wollte sie ja auch noch leben. Sicherlich hatte Herzog recht, wenn er sagte, dass es mit Marc bald zu Ende gehen würde.
Herzog bemerkte ihren traurigen Blick. Er wollte an seiner Seite jetzt aber keinen Trauerkloß haben. Er wollte feiern. Er wollte eine rauschende Nacht. Er musste sie aufmuntern.
»Du, es hat geklappt mit meinem Geschäft und ich habe einen satten Gewinn gemacht. Den müssen wir feiern.«
»Was war das für ein Geschäft?«
»Nun, ich habe etwas in Aktien angelegt. Natürlich mit Insiderwissen. Das ist nicht ganz reell. Es darf niemand erfahren. Machen aber alle so. Deshalb die ganze Sache auch in der Schweiz. Aber mein Gewinn kann sich sehen lassen.«
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