Das Jahr 1955 war sehr ereignisreich. Die Sowjetunion beendete offiziell den Kriegszustand mit Deutschland, gewährte der neu gegründeten DDR die Souveränität. Danach trat die DDR Moskau-getreu dem Warschauer Pakt bei.
Die Bundesrepublik Deutschland ratifizierte die Pariser Verträge, erhielt von den Westmächten die staatliche Souveränität und trat der Westeuropäischen Gemeinschaft (WEG) und der NATO bei, anerkannte die Souveränität der DDR nicht und postulierte den Alleinvertretungsanspruch für alle Deutschen. Damit war die deutsche Spaltung perfekt und sollte bis zum Jahr 1990 dauern.
Für mich war es nun das letzte Grundschuljahr (8. Klasse) und schon am 1. Mai 1955 konnte ich zur Mai-Demonstration, an der wir als Schulklasse geschlossen teilzunehmen hatten, erstmalig zehn Jahre nach Kriegsende die bewaffneten „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ an der Tribüne vorbeidefilieren sehen. Inzwischen hatte meine Klassenleiterin geheiratet und war ganz aufgeregt. Dass dies keine Traumehe sondern eher ein Martyrium war, erfuhr ich viele Jahrzehnte später zum Klassentreffen.
Hans Rieck hatte eine verheiratete Schwester, die ständig von ihrem Mann geprügelt wurde und ihren Bruder um Hilfe bat. Sie hatte sich scheiden lassen und durfte längere Zeit bei uns wohnen, wobei ihr das Zimmer neben der Küche, das schon einmal an einen gewissen Herrn Marx vermietet war, zugeordnet wurde. Diese Frau hat unserer Familie nicht gut getan, denn sie hatte etwas Intrigantisches. Warum sie mir angebliche Begebenheiten aus dem Leben der Mutter meiner Pflegemutter berichtete, die einer Herabwürdigung gleichkam, ist mir bis heute ein Rätsel. Zumindest bewirkte sie für einen längeren Zeitraum eine gewisse Entfremdung zwischen meiner Pflegemutter und mir, was mir heute noch leid tut, weil ich diese Einflüsterungen einer erwachsenen Frau und Schwester des Pflegevaters glaubte. Erst nachdem ich Monate später die Pflegemutter mit diesen Informationen konfrontierte und von ihr die tatsächliche Wahrheit wissen wollte, wurde vieles richtig gestellt und diese Frau musste danach sehr schnell das Haus verlassen. Undank ist der Welten Lohn!
Nach Jahresmitte erhielt jeder feierlich sein Abschlusszeugnis (mit meinem war ich sehr zufrieden, wusste ich doch, dass ich anschließend weiter auf die Martin Andersen Nexö Oberschule, schon damals eine Eliteschule, die noch heute als Martin Andersen Nexö Gymnasium existiert, meinen Bildungsweg fortsetzen werde). Vor versammelter Lehrerschaft der Rochwitzer Grundschule durfte ich dann noch die Dankesrede der Schüler an die Lehrer vortragen, die ich selbst entworfen hatte.
Auch die Konfirmation in der Bühlauer Kirche war sehr feierlich, weil wir doch nun ins Erwachsenenleben eingetreten waren. Zu Hause erhielt ich im Kreis der Gäste eine Armbanduhr geschenkt, wobei auch mein Großvater und Tante Marie zugegen waren. Damals war ich sehr von mir eingenommen und wirkte etwas blasiert, denn bald war ich Oberschüler und damit etwas Besonderes nach meiner Meinung.
Als krönenden Abschluss unternahm unsere Klasse Ende Juni 1955 eine Fahrt nach Neukirch, die etwa eine Woche dauerte und für alle als schöne Erinnerung im Gedächtnis geblieben sein dürfte. Da in diesem Ort fast jeder zweite den Namen Hultsch trägt (auch die bekannte Zwiebackfabrik trug diesen Namen) machten wir uns den Spaß jeden mit Hultsch anzusprechen. Auf der Rückfahrt wurde noch in Bautzen mit seinem interessanten Ortskern Halt gemacht und die Stadt besichtigt.
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