
Seit mehr als 2500 Jahren allgegenwärtig: die Akropolis.
Die stolze, kampfbereite Athene scheint viele Töchter zu haben. Die Griechinnen mit ihrem markanten Profil und den langen zusammengebundenen Haaren sehen aus wie fleischgewordene Göttinnen. Wie schlimm es auch kommt, ihre Haltung jedenfalls scheinen sie nicht zu verlieren. Kalliroy etwa, die selbständige Innenarchitektin hat in der Krise keine Aufträge mehr bekommen. Jetzt betreibt sie einen kleinen Laden voller Kunsthandwerk in der Plaka, Athens Altstadt, gegenüber der Katharinenkirche. Ihre Künstlervereinigung versucht aus Recyclingmaterial etwas zu gestalten – und sich etwas dazuzuverdienen. Töpferwaren, Trinkgläser aus alten Flaschen, Spielzeug aus Stoffresten. Kleinigkeiten, etwas müsse man ja schließlich machen, sagt Kalliroy.
Nicht weit entfernt die Athinas, eine der Haupteinkaufsstraßen der Athener. Wie sonst sollte sie heißen? Hier gibt es alles, was man für das tägliche Leben braucht; das macht sie sympathischer, nützlicher als andere Einkaufsstraßen, anderer europäischer Hauptstädte, wo sich längst die Luxusmarken ihre „Flagshipstores“ leisten. In der Athinas gibt es Gartenschläuche, Dichtungen, Kanarienvögel und Hamster, Oliven, Zeitschriften, Haushaltswaren, Lebensmittel, Stecker für den Autogurt, damit die elektronische Erinnerung der Autos ausgetrickst werden kann. Gängeleien wie eine Anschnallpflicht sind den stolzen Griechen zuwider, sagt Johanna.
Durch die Athinas streifen aber auch diejenigen, deren Stolz gebrochen wurde. Alte Männer und Frauen mit verwitterten Gesichtern, die in den Abfällen der anderen noch etwas zu finden hoffen. Mittendrin in diesem Gemischtwarenladen des Lebens ein Fremdkörper: das Grecohotel, das seit kurzem wieder geöffnet hat. Design und Kunst, in der Lobby, in den Zimmern, überall. Als während der Krise die Touristen wegbleiben, musste es schließen. Der Besitzer der Hotelkette nutzte die Zeit für eine Runderneuerung. Als unten in der Athena Demonstranten vorbeiziehen, schließt PR-Managerin Judy das Fenster. „Wir haben das fast jede Woche“, sagt die Engländerin. Dieses Mal sind es die Asylanten, die mehr Recht fordern.
Ein Gespräch über das Leben und die Hoffnungslosigkeit
In der Taverne Sirtaki, 60 Kilometer von Athen entfernt, steht die weißhaarige Oma Anna in der Küche des Familienbetriebs. Über 80 muss sie sein und paniert noch immer diese köstlichen kleinen Sardinen, die man sich mit Kopf und Schwanz in den Mund schiebt. Am Kap Sounio haben die reichen Athener ihr Sommerhaus. Und das Sirtaki ist seit vielen Jahren ihr Wirtshaus. Holzstühle, Holztische, einen Ouzo schon zur Vorspeise, eine richtige Taverne. Das alte Ehepaar aus der Nachbarschaft hat sich extra zu einem Abendspaziergang aufgemacht, weil es von den Wirtsleuten gehört habe, dass Deutsche an diesem Abend zu Gast seien. Ein Diplomat und seine Ehefrau.
„Wir kennen München, die Neue Pinakothek“, erzählt die sympathische Frau. Doch das Reisen sei vorbei. Die Gespräche drehen sich über das Leben und die Zukunft in Griechenland, ihre Kinder und Enkel, über die Schulden und die Hoffnungslosigkeit. Ein paar Tränen blitzen im schummrigen Licht auf, bevor die gepflegte Rentnerin sie wegzwinkert. „Hoffentlich erleben wir noch andere Zeiten“, sagt sie. Ihr Blick geht aufs Meer und etwas weiter zum Poseidon-Tempel auf dem Felsvorsprung des Kaps, durch dessen Säulen die untergehende Sonne zu sehen ist.

Das Strandbad am Vouliagmeni-See. Das dunkelgrüne Wasser soll verjüngende Wirkung haben. Tatsächlich ist es leicht salzig wegen einer unterirdischen Meeresverbindung.
So allgegenwärtig die Krise und ihre Folgen noch immer sind, gibt es Orte, an denen die Politik keine Rolle zu spielen scheint. Entspannte Sonntagnachmittagsatmosphäre im Strandbad des Vouliagmenisees rund 25 Kilometer von Athen entfernt. Dem Wasser wird eine heilende und verjüngende Wirkung nachgesagt. Es hat das ganze Jahr über 24 Grad und ist leicht salzig – weil der See eine unterirdische Verbindung zum Meer hat. Ältere Herren tragen ihre großen Badehosen bis zum Bauchnabel und lassen sich gelassen im Wasser entlang der steilen Felswände treiben.
Andere sitzen auf den hölzernen Treppen und halten ihre Füße den vielen schwarzen Fischchen hin. Eine Art Peeling, die zu den Besonderheiten des Sees zählt. Nur einmal im Jahr wird diese Ruhe am Vouliagmenisee durchbrochen, wenn der Energiedrink-Hersteller Red Bull den Wettbewerb im Klippenspringen veranstaltet. Das muss man schon mögen. Die Felswände sind 32 Meter hoch und der See 18 Meter tief. Zurück nach Athen führt der Weg über die Marina von Flisvos. Beste Gelegenheit für ein Frappé, diesen geeisten Nescafé, dem man es so wunderbar im Schatten der Bäume aushalten kann. Ein Café reiht sich ans andere und in den Hafenbecken eine Superjacht an die nächste. Die vermeintlich allgegenwärtige Krise kann so weit weg scheinen.
Kurz informiert
Information: www.visitgreece.gr
Einreise: Gültiger Personalausweis oder Reisepass
Währung: Euro
Einwohner: 11 Millionen
Hauptstadt: Athen
Geodaten: 37°59'32.3"N 23°43'15.0"E (Athen), Google Maps
Nicht verpassen: Das Neue Akropolismuseum ist nur wegen seinen Ausstellungsstücken, sondern auch wegen seiner Architektur ein Muss. Es liegt auf Sichtweite der Akropolis. Der Eintritt kostet 5 Euro. Englischsprachige Internetseite: www.theacropolismuseum.gr. Der Eintritt zur Akropolis kostet 12 Euro.
Besonderheiten: Der Vouliagmeni-See 20 Kilometer außerhalb von Athen ist ein salziger Süßwassersee, weil er unterirdisch mit dem Meer verbunden ist. Im See gibt es kleine Spa-Fische, die es lieben, an den Füßen zu knabbern.
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