Es wäre jedoch schade, die Entdeckungsreise auf die Küste zu beschränken, denn direkt hinter den Stränden erheben sich steile Karstfelsen und auf Serpentinenstraßen schlängelt man sich ins andere Montenegro. Karge Felsen, üppige Ebenen und immer wieder großartige Aussichten auf Meer oder Gebirge wechseln sich ab. In den Bergdörfern gibt es neben hausgemachtem Schinken und Käse auch Sagen und Legenden, die nach jedem Glas Loza noch dramatischer werden.
Im Nationalpark leben Bären und Wölfe
Dramatisch ist auch das Wort, das die Landschaft am Fluss Tara richtig beschreibt. Erst ein ruhiges Flüsslein am Straßenrand wird die Tara sehr bald viel, viel schneller, schäumender und strömt schließlich durch eine Schlucht, die der zweittiefste Canyon der Welt ist. Schon von der Straße aus ist die Aussicht oft atemberaubend. Wer sich die Gegend erwandert wird mit vielen kleinen Entdeckungen am Wegesrand belohnt.
Obwohl keine 100 Kilometer von der Adria entfernt, sind Loungemöbel und Aperol-Sprizz im Bergland kein Thema. Hier ist alles Gebirge, Wildnis und Abenteuer. Kolasin etwa ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderer und Mountainbiker. Über „Trails“ natürlich. Es gibt aber auch gut ausgeschilderte Wege. In jedem Fall geht es durch den Nationalpark Biogradska Gora mit einem der letzten Urwälder Europas. Dass hier noch Bären und Wölfe leben, glaubt man dem Ranger sofort. Wo, wenn nicht hier? Genau so wie diesen haben wir uns als Kinder den „tiefen Wald“ aus dem Märchenbuch vorgestellt.
Unter dem Blätterdach der hohen Buchen grünt es üppig in allen Winkeln. Umgestürzte Bäume sind von Moos überwuchert und zwischendrin liegen verwunschene Seen und es plätschern kleine Bäche. Wer den Aufstieg durchs Unterholz geschafft hat, kommt auf idyllischen Almen an. Die heißen hier Katuns und sind eher kleine Dörfer, denn die Nachbarn ziehen im Sommer oft gemeinsam auf den Berg, um das Vieh zu hüten. Blühende Wiesen und der Blick auf schneebedeckte Gipfel erinnern ein bisschen ans Allgäu. Ebenso wie die rustikalen Brotzeiten samt Schnaps, die dort serviert werden.

Und auch das ist Montenegro: die schicke Promenade von Budva.
Die Landschaft im Nationalpark Durmitor dagegen sieht aus wie auf chinesischen Tuschezeichnungen. Bizarr geformte Kiefern klammern sich an steile Felsen und im Tal rauscht der Fluss. Als Wandgemälde im Chinarestaurant wäre diese Szene reinster Kitsch, in der Realität ist sie einfach schön. Die höchsten Berge Montenegros gehören zum Gebiet Durmitor. Über 20 Zweitausender und auch ein Skigebiet. Bis weit ins Frühjahr hinein herrschen hier oft beste Schneeverhältnisse.
Mit überfüllten Pisten und Wartezeiten am Lift muss aber nicht gerechnet werden. Denn die Montenegriner von der Küste sind nicht die ganz großen Skifahrer. Sie kommen eher im Sommer ins kühle Gebirge und genießen den ruhigen Winter am Meer. „Mit dem Schnee sind wir nie so richtig warm geworden“, sagt Fremdenführer Andri. Deswegen ist wohl auch das Skigebiet Durmitor für viele eine weitere schöne Unbekannte irgendwo zwischen Mazedonien und Südamerika.
Kurz informiert
Information: www.montenegro.travel
Einreise : Gültiger Personalausweis oder Reisepass
Währung: Euro
Hauptstadt: Podgorica
Geodaten: 42°16'48.0"N 18°50'14.1"E (Budva), Google Maps
Einwohner: ca. 0,6 Mio.
Reisezeit: Das Klima ist mediterran. Mit heißen, trockenen Sommern und mäßig kühlen Wintern
Gesundheit: Pflichtimpfungen sind nicht erforderlich, Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Hepatitis A werden empfohlen.
Nicht verpassen: Der Ausblick auf die Bucht von Kotor. Die verzweigte Bucht ist eher ein Fjord. Eine spektakuläre Serpentinenstraße führt hinauf ins Hinterland. Auch die venezianisch geprägte Altstadt von Kotor ist sehenswert.
Besonderheiten: Vom Strand in den Schnee. Montenegro ist so klein, dass man im späten Frühjahr Strand und Schnee an einem Tag erleben kann. Von der Mittelmeerküste bis ins Hochgebirge dauert die Fahrt über die Hauptstadt Podgorica nur wenige Stunden.
Griechenland
Die Stadt der guten Hoffnung
Ein Wahrzeichen im Umbau, ein Land im Wiederaufbau: Griechenland erlebt derzeit einen wirtschaftlichen wie emotionalen Wirbelsturm.
Die Touristen strömen wieder auf die Akropolis und erleben ein Athen, das die Krise auch als Chance genutzt hat
Von Doris Wegner
Vielleicht sind nur die Berufspendler gemeint, die täglich nach Athen fahren. „Wake up“ hat ein Sprayer mit schwarzen Graffiti-Buchstaben an die Mauer gesprüht. Ausgerechnet in einem schicken Viertel Athens. Vielleicht ein Überbleibsel aus den schlimmsten Tagen der Geldkrise. Wacht auf! Schaut den Tatsachen ins Auge! „Das Schlimmste haben wir wohl überstanden“, sagt Johanna. „Es kommen wieder mehr Touristen, es gibt wieder mehr Arbeit“, sagt die Fremdenführerin. Die Zeiten sind vorbei, dass einige Hotels wegen Gästemangels schließen mussten. Sogar die alte Akropolis wurde zum Opfer der Finanzkrise und konnte einige Wochen nicht besichtigt werden. Doch jetzt ziehen die Besucher längst wieder in Scharen zu dem Berg mitten in der Stadt, wo die Demokratie ihren Anfang nahm und Apostel Paulus seine Rede an die Athener hielt.
Athen hatte lange Zeit einen abschreckenden Ruf. Laut, heiß und abgasverseucht sei Griechenlands Hauptstadt, ein echter Moloch, Zwischenziel auf dem Weg zu den Inseln. Doch seit den Olympischen Spielen im Jahr 2004 hat sich viel verändert. Eine Fußgängerzone führt etwa rund um den geschichts-trächtigen Felsen. Entspanntes Flanieren unter Bäumen, Sonntagsvergnügen vieler Athener.
Es braucht nur ein paar Schritte, bis das moderne Akropolismuseum auf der linken Seite auftaucht, das über einer Siedlung aus dem 7. Jahrhundert vor Christus gebaut wurde. Die Besucher gehen über dicke, zart gepunktete Glasplatten und in der Tiefe sind Siedlungsreste von Steinhäusern und Kanälen zu sehen. Punkte, damit den Besuchern nicht schwindlig wird. Immer wieder geht man auch im Museum über solche Stellen und schaut fast 3000 Jahre in die Vergangenheit – da kann einem auch trotz der Punkte in den Glasböden ziemlich schwindlig werden.
Der hochmoderne Bau und die alten Traditionen
Und so sieht man viele Museumsbesucher vorsichtig über die gläsernen Bodenfenster tappen und nach unten starren. Doch an einer Kleinigkeit im breiten Aufgang gehen viele vorbei. Eine Opfergabe, wie sie häufig bei Ausgrabungen gefunden wurde, ist auch in diesem großen Haus dem Boden gegeben worden. Tonschälchen und Väschen, in denen einmal Lebensmittel gefüllt waren, liegen da wie in einem etwas größeren Vogelnest. Damit sollten die Götter milde gestimmt werden. Die Architekten des hochmodernen Baus haben den Brauch aufgegriffen, erzählt Johanna, die stolze Griechin mit der wallenden roten Haarmähne. Immer weiter geht es in dem spektakulären Museumsbau treppauf, bis auf die gleiche Höhe – so scheint es – mit der Akropolis auf dem Felsen gegenüber sind.
Die Akropolis. Seit mehr als 2500 Jahren allgegenwärtig in der Stadt. Noch immer stolz. Noch immer wunderschön und beeindruckend. Auch eingerüstet. Derzeit ist es die Westfassade des Parthenon, an der gearbeitet wird. Seit 1979 wird hier restauriert – ununterbrochen, von ein paar Wochen während der Krise abgesehen. Der Legende nach gab es einen Wettstreit zwischen Göttin Athene und Poseidon, wer über die Stadt herrschen werde. Athene machte den Bürgern das wertvollere Geschenk. Sie pflanze einen Olivenbaum, während der Meeresgott Salzwasser brachte.
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