Da sich solche Geburtskomplikationen zuweilen zur ernsthaften Identitäts- und Lebenskrise auswachsen können, brauchen wir jetzt die Unterstützung tatkräftiger „Geburtshelfer“, die uns den Rücken stärken. Wer darauf besteht, alles alleine schaffen zu müssen, wird nicht weit kommen. Wir müssen lernen, um Hilfe zu bitten, zu delegieren und andere in unserem Auftrag handeln zu lassen. Andererseits, auch wenn wir auf guten Rat angewiesen sind, dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass die anderen das Kind schon schaukeln werden. Wir müssen klar die Führung übernehmen und auch selbst mit Hand anlegen. Dieser prägende Anfangsmoment ist viel zu wichtig, um anderen die Regie zu überlassen.

Eine jede neue Idee durchläuft
bis zu ihrer Anerkennung drei Stufen:
Zuerst wird sie als lächerlich denunziert,
sodann vehement bekämpft;
um dann letztlich von jedermann als
selbstverständlich bezeichnet zu werden.
(Arthur Schopenhauer)
Neuorientierung
Alle Hürden und Schwierigkeiten unseres Lebens zielen in die gleiche Richtung: Sie wollen, dass wir uns an unsere wahre Identität erinnern und zu unserem angestammten Platz im Universum zurückkehren.
Mit dem Ende jeder schwierigen, krisenhaften Phase erfahren wir zugleich immer auch die Gnade eines Neuanfangs, der uns die Chance gibt, bisher ungenutzte Seiten unseres einzigartigen Potenzials zu entfalten. Da dieses kosmische Geschenk etwas ganz Unbekanntes in unser Leben bringt, ist es „ganz normal“, dass wir erst einmal keine Ahnung haben, wie wir damit umgehen sollen. Aus diesem Grund sollten wir vorübergehend alle unsere Urteile und Meinungen beiseite stellen - denn was wir jetzt neu lernen, wird in vieler Weise unseren Denkgewohnheiten widersprechen. Unser weiser kosmischer Lehrer liefert uns ja keine intellektuellen Erklärungen, sondern wartet, bis wir von selbst verstehen - auch wenn das heißt, dass so manche Lektion wiederholt werden muss.
Zweifel und Bedenken gehören zu den erwartungsgemäßen Startschwierigkeiten, die unser ängstliches Ego gerne aufbauscht. Wir befürchten ja immer, das Leben könne etwas von uns verlangen, dem wir nicht gewachsen sind - und das macht es uns so unnötig schwer, entspannt und hingebungsvoll zu lernen. In Wirklichkeit lehrt uns der Kosmos nur, was wir gerade auch begreifen können. Wir sollen ja nicht einfach alte gegen neue Dogmen austauschen, sondern vielmehr über diese beschränkte Art des Denkens hinauswachsen und alle Glaubensvorstellungen grundsätzlich hinterfragen. Oberflächliche Schönheitskorrekturen reichen nicht, sie haben niemals die Kraft, das falsche mentale Programm aus unserer Vergangenheit aufzuheben. - Dazu braucht es eine tiefe innere Wandlung…
Wandellinie 1
Zögern und Hemmung.
Fördernd ist es, beharrlich zu bleiben.
Fördernd ist es, Gehilfen einzusetzen.
In Ruhe Hilfe suchen
An diesem untersten Platz setzt sich der Geburtsimpuls durch und die Wehen beginnen. Trotz aller Unsicherheit setzen wir uns couragiert und optimistisch in Bewegung. Wir spüren, dass vor uns eine riskante, aber lebendige Unternehmung liegt. Doch kaum haben wir uns aufgemacht, stoßen wir schon an Grenzen, die wir nicht im Sturm nehmen können: das Wie und Wann der erwarteten „Niederkunft“ liegt ja nicht in unserer Regie, und es wäre fatal, „die Geburt gewaltsam einleiten“ zu wollen. Jetzt tut Zurückhaltung Not, bis sich das Chaos von selbst lichtet. Während dieser Phase unfreiwilligen Wartens dürfen wir weder den Mut sinken, noch uns ablenken lassen – im Gegenteil, wir müssen unser Ziel fest im Auge behalten.
Auch wenn wir in unserem Elan gebremst werden, hat doch alles seine Ordnung. Der aktuelle Widerstand zwingt uns ganz einfach, die Dinge mit Bedacht anzugehen. Wenn wir sie neu überdenken, kommen wir zu hilfreichen Einsichten in die tieferen Ursachen unserer Problematik. Die Erfahrungen der Vergangenheit lehren uns ja, wie wichtig ein solides Fundament ist.
Mach dir nicht zu viele Sorgen, denn der Weg ist offen, wenn du nur die richtige Unterstützung findest. Dabei lohnt sich der Blick auf unentwickelte Potenziale bei dir und anderen. Wenn du jetzt deinen Vorwärtsdrang zügelst und ohne Arroganz auf andere zugehst, kannst du wirklich hilfreiche Mitmenschen (oder innere Anteile) für dich gewinnen.
Tiefendynamik
In einer Anfangssituation meinen wir oft, dass wir unbedingt handeln müssten, weil wir gelernt haben, Nicht-Handeln mit Schwäche gleichzusetzen. Doch solange es uns noch an Klarheit fehlt, ist Abwarten und Geschehen-lassen die weitaus klügere Option. Wenn wir aufmerksam nach innen lauschen, können wir das irreführende Credo „Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand!“ identifizieren. Doch wer meint, alles durch Überlegung und Anstrengung erreichen zu müssen (und zu können), bürdet sich eine Last auf, die ihn mit der Zeit erdrücken wird.
Wandellinie 2
Schwierigkeiten türmen sich: Pferd und Wagen trennen sich.
Nicht Räuber er ist, will freien zur Frist.
Das Mädchen ist keusch, verspricht sich nicht.
Zehn Jahre, dann verspricht sie sich.
Sich auch in schweren Zeiten treu bleiben
Derzeit fühlen wir uns schon ausgebremst kaum dass wir etwas begonnen haben. Wir stehen in den Startlöchern und kommen nicht voran. Wir wissen, wo wir hinwollen, aber die Umstände spielen nicht mit. Wenn solche unkontrollierbaren Kräfte am Werk sind, neigen wir schnell dazu, zu verzweifeln oder zu resignieren, obwohl dazu gar kein Grund besteht.
Inmitten dieser unbefriedigenden Situation ergibt sich jetzt eine hilfreiche Wendung, die uns aber sehr irritiert. Obwohl das Angebot tatsächlich keine Falle ist, spüren wir intuitiv, dass die Einladung nicht von der richtigen Seite kommt und nicht der geeignete Weg ist, um unsere Probleme zu beheben. Von daher sollten wir erst einmal Abstand nehmen im Vertrauen darauf, dass früher oder später schon noch der rechte Moment kommt und wir finden, was wirklich zu uns passt. Darin steckt eine wichtige Lektion: Wenn uns in einer schwierigen Phase unerwartet eine Erleichterung winkt, zu der uns aber die echte Beziehung fehlt, sollten wir uns zurückhalten. Nehmen wir die Unterstützung nämlich an, gehen wir damit eine Verpflichtung ein, die unsere Handlungsfreiheit andernorts schmerzlich beschneidet.
Warte im Moment ab und versuche nichts zu erzwingen. Lass dich keinesfalls in eine Bindung drängen, bevor du dazu wirklich bereit bist. Du magst zwar in einer schwachen Position sein, doch du hast immer noch ein Vetorecht und die Macht, durch bewusste Unterlassung und Verweigerung eine gewisse Kontrolle auszuüben. Statt dich Fantasien hinzugeben, solltest du lieber versuchen, die Hintergründe dieser komplizierten Situation zu durchschauen. Übe dich also in Geduld und vertrau auf die langfristige Entwicklung.
Tiefendynamik
In Zeiten von Anfangsschwierigkeiten läuft das Ego zu Hochform auf. Immer wieder macht es uns glauben, wir wären völlig unfähig, oder aber wir wüssten die Lösung. Diese vermeintlichen Lösungen bestehen regelmäßig darin, dass wir die Dinge äußerlich forcieren oder reparieren sollen. Doch ohne Ausrichtung auf das Ganze kann das nur misslingen. Eine andere Lieblingsmasche des Ego ist die „Geschäftemacherei“. Wir verkennen dabei, dass, wann immer wir einen Handel eingehen, oder es auch nur erwägen, wir unser wahres Selbst verraten. Da versprechen wir anderen unsere Loyalität, um im Gegenzug bestimmte Vorteile zu erhalten, gehen damit aber Verpflichtungen ein, die genau das ausschließen, was wirklich Not täte. Wie es aussieht, stecken wir gerade in den Fängen so einer entwürdigenden Situation und müssen dringend umdenken. Hier einige typische Gedankengänge, mit denen wir uns selbst betrügen: Man muss Kompromisse machen, wenn man etwas erreichen will / Den „richtigen“ Partner gibt es sowieso nicht / Man darf sich auf nichts verlassen / Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach / Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul…
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