Wandellinie 3
Wer den Hirsch jagt ohne Führer,
der verirrt sich nur im Wald.
Der Edle versteht die Zeichen der Zeit und steht lieber ab.
Weitermachen bringt Beschämung.
Führungslos herumirren
Der selbstbewusste Anfänger, mit dem wir es hier zu tun haben, möchte auf eigene Faust in einem fremden Wald jagen gehen. Da er sich der Situation durchaus gewachsen fühlt, meint er, keine Hilfe zu brauchen - und das, obwohl er sich gar nicht auskennt und keinerlei Erfahrung hat. So ist es vorhersehbar, dass er bald die Orientierung verlieren und sich verirren wird - eine peinliche Situation, die er sich ersparen könnte.
In dieser Übergangssituation stehen wir unmittelbar davor, unsere Blockaden zu überwinden. Trotzdem sind wir in Gefahr, uns im Dschungel der Schwierigkeiten zu verlaufen. Wir jagen Dingen nach, ohne wirklich zu wissen, was wir tun, da wir die besondere Sprache der Umstände (noch) nicht verstehen. Unter der Oberfläche fühlen wir uns vielleicht schwach und isoliert, oder auch rastlos und unbeherrscht. Unsere Gefühle sind jedenfalls derzeit keine gute Orientierungshilfe, da wir unsere unbewussten wahren Beweggründe nicht kennen. Trotz allem möchten wir unbedingt voran (und damit insgeheim vor uns selbst weglaufen). Nur, wenn uns der Ehrgeiz in eine voreilige Handlung treibt, ohne dass wir eine solide Basis und ein höheres Ziel hätten, führt das direkt in eine demütigende Niederlage.
nHalt inne bei dem, was du tust, und überdenke die Situation neu. Momentan fehlt dir sowohl der Überblick wie auch die innere Führung. Deshalb solltest du nicht eigenmächtig handeln, sondern lieber Abstand nehmen und das Ganze lassen. Es ist heilsamer, auf einen Wunsch zu verzichten, als sich selbst bloßzustellen, indem man versucht, ihn zu erzwingen.
Tiefendynamik
Diese Linie warnt uns vor der materialistischen Sichtweise, die Natur und den Kosmos als Mechanismus zu betrachten, den wir nur zu manipulieren brauchen, damit herauskommt, was wir wollen. Das Leben kann uns sehr schnell klar machen, wie beschränkt unser Gesichtsfeld ist.
Wandellinie 4
Pferd und Wagen trennen sich.
Suche nach Vereinigung.
Hingehen bringt Heil. Alles wirkt fördernd.
Hilfe annehmen
Diese zurückhaltende Persönlichkeit steht kurz davor, eine Hürde zu überwinden, die ihr schwer zu schaffen macht. Sie meint handeln zu müssen, stellt aber bestürzt fest, dass ihre Kraft nicht reicht. Obwohl sie innerlich auf dem Sprung ist, kommt sie doch nicht weiter. Gewissermaßen besitzt sie zwar einen Wagen (die Herzensbereitschaft), aber kein willensstarkes Pferd, das sie ziehen könnte.
In dieser misslichen Ausgangssituation bietet sich eine hilfreiche Gelegenheit, die wir ergreifen sollten. Zunächst begegnen wir diesem potenziellen Helfer allerdings mit Misstrauen oder Arroganz. Doch obwohl es uns viel Überwindung kostet, seine Unterstützung anzunehmen, sollten wir uns doch dazu durchringen. Hier erwartet uns nämlich ein frischer Impuls, der uns die nötige Energiespritze geben kann, die alles ins Lot bringt.
Geh nicht voreilig und gewaltsam an gegen Hindernisse, sondern mach dir klar, dass du Hilfe brauchst! Spring über deinen Schatten, gib deinen falschen Stolz auf und schau dich nach Verbündeten um. Es ist ein Zeichen innerer Stärke, wenn dich öffnest und den ersten Schritt tust. Du wirst sehen: mit vereinten Kräften ist viel mehr zu erreichen.
Tiefendynamik
Pferd und Wagen sind eine Metapher für zwei grundlegende Funktionen, die eigentlich gemeinsam unserem Wachstum dienen sollen, wie Denken und Fühlen. Dieses Gespann ist jedoch aufgrund irregeleiteter Vorstellungen auseinander gefallen und getrennt, was natürlich in Schwierigkeiten mündet. Das neunmalkluge Ego rät uns nun, wir sollten etwas tun, also in der Außenwelt aktiv werden, doch darum geht es nicht wirklich. Das Wesentliche ist, dass wir dem Weg unserer inneren Wahrheit folgen. Nur dann wirkt alles fördernd.
Wandellinie 5
Schwierigkeiten im Segnen.
Kleine Beharrlichkeit bringt Heil,
große Beharrlichkeit bringt Unheil.
Vorsichtige kleine Schritte
Jetzt wird viel von uns erwartet - die Fähigkeiten dazu hätten wir durchaus. Da sie aber mehrfach beeinträchtigt sind, reicht unsere Kraft noch nicht aus, um etwas Großes zu bewirken. Obwohl wir voller Wohlwollen den kleinen Leuten unter uns helfen wollen, dringen unsere guten Absichten leider nicht durch. Im Gegenteil, wir werden leicht missverstanden. Die Kommunikation ist von einem wirren Knäuel von Problemen blockiert, so dass unsere Hilfsbereitschaft nicht ankommt. Missgünstige und rivalisierende Menschen (oder innere Anteile) sabotieren und verzerren alles, was wir tun. Aufgrund all dieser Schwierigkeiten verzögern sich die Dinge. Wenn wir in dieser Lage - ohne eine solide Vertrauensbasis - schwerwiegende Entscheidungen treffen, kann das verheerende Folgen haben.
Bewege dich behutsam und konzentriert wie ein Seiltänzer, keinen Schritt zuviel oder zu schnell. Es lohnt sich nicht, etwas übers Knie zu brechen oder anderweitig zu forcieren. Solange die Leute an dir zweifeln, ist Zurückhaltung angebracht. Andererseits kannst du durchaus im Stillen wirken: so kann zuverlässige und sorgfältige Arbeit schließlich dafür sorgen, dass sich die Verhältnisse klären und der Wert deines Beitrags erkannt wird. Lass dich also nicht entmutigen, aber häng auch nicht dein Glück daran, dass dein aktuelles Vorhaben gelingt.
Tiefendynamik
Wenn wir uns ein großes Ziel vorgenommen haben, brauchen wir eine bescheidene Form von Beharrlichkeit - wir dürfen über unserem Engagement nämlich auch nicht vergessen, das Leben zu genießen. Immer wenn wir zu ehrgeizig, zu übereifrig und hart zu uns selbst sind, steckt ja unser antreiberisches Ego dahinter, das meint, wir seien alleinverantwortlich für das Gelingen der Dinge und müssten deshalb alles selbst in die Hand nehmen. Das Ego neigt dazu, sich all unserer Ziele zu bemächtigen und macht auch vor unserem Selbstwerdungsweg nicht Halt. Vor so einem spirituellen Ego müssen wir besonders auf der Hut sein, denn sein eitles Bestreben, alle unsere angeblich minderwertigen Seiten auszumerzen, ist ein Angriff auf unsere Ganzheit und richtet großen Schaden an.
Wandellinie 6
Pferd und Wagen trennen sich.
Blutige Tränen ergießen sich.
Nachgeben, nicht aufgeben
In diesem Bild eskalieren die Dinge: der Wagen und sein Zugpferd fallen auseinander - offenbar haben wir unser Leben nicht mehr im Griff. Doch statt Pferd und Wagen (also unsere Antriebskräfte und unsere seelischen Beweggründe) wieder korrekt aneinanderzukoppeln, versuchen wir dem Schicksal unrealistisch zu trotzen und es willkürlich zurechtzubiegen. Dieser Gewaltakt geht auf Kosten von Kraft und Motivation. Wir haben uns gründlich überschätzt und wissen nun nicht mehr weiter, so dass sich ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit breit macht. Wer auf diese Weise in den Anfangsschwierigkeiten stecken bleibt, fühlt sich von Gott und den Menschen verlassen, überfordert, ausgeblutet…
Hier haben sich ehemals kleine Startprobleme zu schier unüberwindlichen Mauern aufgetürmt, sodass die Gefahr besteht, zu resignieren - und das obwohl wir noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgelotet und alle helfenden Hände ergriffen haben!
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