Es war Sonntagvormittag und Lutz stand wie abgesprochen auf dem Schulhof der Wittenberger Schule, um Eleonore zum Picknick und Wandern abzuholen. Er hupte kurz. Eleonore war sehr früh aufgestanden und hatte den Unterricht für die nächste Woche bereits vorbereitet. Somit hatte sie den restlichen Sonntag frei zur Verfügung. Irgendwie freute sie sich auf das Wandern und Picknicken. Sie wusste, dass Lutz verheiratet war und sie sich einfach freundschaftlich treffen würden. Das gab dem Treffen eine gewisse Leichtigkeit, denn sie erwartete nichts von ihm und er nichts von ihr.
Als Eleonore das Hupen hörte, zog sie schnell ihre Schuhe an, griff nach ihrer Jacke, pfiff den Hund zu sich und lief mit ihm freudig die Treppe hinunter. Als beide den Schulhof betraten, wusste man nicht, wer sich mehr freute, Rusty oder Eleonore. Rusty entdeckte Lutz, rannte auf ihn zu und sprang freudig an ihm hoch. Lutz streichelte ihn liebevoll. Er hatte bereits einen großen Rucksack auf seinem Rücken und stand startbereit mit Wanderstiefeln, kurzer Hose und hochgekrempeltem Holzfällerhemd da. Belustigt fragte sie ihn:
„Sind Sie auf der Flucht?“
Er lachte herzhaft und konterte:
„Nein, aber ich habe ganz viele köstliche Picknicksachen mitgenommen.“
Er sprach dabei, als hütete er im Rucksack einen Schatz.
„Was genau, das ist mein Geheimnis. Und übrigens, wir waren schon beim Du!“
Eleonore wurde leicht rot und entschuldigte sich. Sie pfiff Rusty zu sich, er parierte sofort. Sie mochte es gar nicht, wenn Rusty an anderen Leuten hochsprang und so aufdringlich wurde. Eigentlich neigte er auch nicht dazu, nur bei Lutz schien es etwas anderes zu sein.
Es wurde ein herrlicher Tag, wie ihn Eleonore schon lange nicht mehr erlebt hatte. Sie wanderten viele Kilometer und gönnten sich an herrlichen Plätzen immer wieder Pausen. Im Rucksack hatte Lutz neben Obst und Stullen Champagner, Käse, Brötchen und sogar Servietten verstaut. Ebenso hatte er an eine hübsche grünkarierte Picknickdecke und ein Sitzkissen für Eleonore gedacht. Auch ein Fernglas hatte er nicht vergessen. Durch dieses beobachteten sie viele Tiere. Besonderer Höhepunkt war ein Adlerpaar, welches immer wieder ausflog zur Beutesuche und in kurzen Abständen wieder beim Nest landete, in dem man sogar ein Jungtier beobachten konnte.
Als es dunkel wurde, kamen Eleonore, Lutz und Rusty erschöpft aber glücklich wieder bei der Schule an. Lutz packte seinen Rucksack ins Auto. Beide schauten sich verlegen an, bis Lutz die Initiative ergriff und fragte:
„Es tut mir Leid und ich weiß, ich darf es eigentlich nicht. Aber ich muss dich das fragen.“
„Ja?“, fragte Eleonore überrascht.
Er nahm allen Mut zusammen und wusste im gleichen Augenblick, dass er es nicht fragen durfte:
„Darf ich dich küssen?“
Eleonore war total verblüfft. Damit hatte sie nicht gerechnet. Er war doch verheiratet! Aber vielleicht wollte er nur einen Freundschaftskuss? Nein, das durfte man auch als verheirateter Mann nicht tun. Außerdem hatte sie sich vor einiger Zeit geschworen, erst einmal keine Beziehung mehr einzugehen, schon gar nicht mit einem verheirateten Mann. Niemals hatte sie daran gedacht, dass Lutz eine solche Frage stellen würde. In keiner Weise war sie auf diese Situation vorbereitet. Bisher war er für sie ein Freund, mehr nicht. Sie hatte auch alle Gefühle ihm gegenüber zurückgehalten. Jetzt schaute sie ihn an. Er war ein so verdammt gut aussehender Mann und so unheimlich einfühlsam und lieb. Dennoch, ohne lange über die Antwort nachzudenken, kam es aus ihr heraus:
„Nein, du bist verheiratet. Wie kannst du nur an so etwas denken?“
Dann zögerte sie kurz und schaute sich prüfend um. Es war niemand zu sehen und somit sagte sie leise:
„Na gut, aber nur kurz.“
Mit seiner rechten Hand nahm er ihr Kinn, hob ihren Kopf leicht an, so dass sie sich in die Augen schauen mussten und küsste ganz vorsichtig auf ihre Lippen. Eleonore reagierte nicht, sie stand da, wie versteinert. Er wagte es, sie ein zweites Mal zu küssen, diesmal wesentlich länger. Langsam erwiderte Eleonore den Kuss. Sie spürte, dass sie nicht von ihm lassen konnte und er nicht von ihr. Seine kräftigen Arme umarmten sie jetzt so fest, dass sie dachte, ihr könne nie wieder etwas passieren, sie war für immer in Sicherheit. Ein so ungewöhnliches Gefühl hatte sie noch nie verspürt, auch nicht bei Bernd. Und bei dem hatte sie damals schon gedacht, etwas Schöneres könnte man nicht erleben. Nun wurde sie erneut eines Besseren belehrt. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken. Lutz fragte nach ihrem Schlüssel. Eleonore gab ihm den Schlüssel und sie gingen wortlos Arm in Arm ins Schulgebäude, nachdem er die große Tür aufgeschlossen hatte. Gewissenhaft schloss er diese hinter ihnen wieder ab und ließ den Schlüssel im Schloss stecken. Dann wandte er sich wieder Eleonore zu, küsste sie, nahm sie auf den Arm und trug sie ohne große Kraftanstrengung die Treppe nach oben in ihre Wohnung. Dort setzte er sie im Flur ab. Rusty lief sofort in die Küche und legte sich dort auf seinen Platz, er hatte genug Bewegung für heute erhalten.
Lutz und Eleonore aber waren wie von Sinnen. Während sie sich küssten, ertasteten die Hände jeweils den Körper des anderen. Eleonore glaubte den Verstand zu verlieren. Sie sanken beide küssend in die Knie und Eleonore ließ sich nach hinten auf den blanken Boden fallen. Lutz schob sich sachte über sie und drang sehr vorsichtig in sie ein. Ihre Körper bebten unkontrollierbar.
Sie verloren das Gefühl für die Zeit, bis sie gleichzeitig zum Höhepunkt kamen. Erschöpft lagen sie anschließend nebeneinander auf dem Boden. Lutz flüsterte:
„So etwas Tolles ist mir noch nie passiert.“
„Mir auch nicht“, antwortete Eleonore.
Lutz stöhnte:
„Mein Gott, war das schön!“
Plötzlich wurde Eleonore bewusst, was sie da gerade getan hatte. Sie war zutiefst entsetzt, wie sie sich wieder auf eine solche Liebschaft hat einlassen können.
„Du musst jetzt gehen“, bat Eleonore ihn. „Ich muss mich noch auf meinen morgigen Unterricht vorbereiten.“
Lutz fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen und schaute sie fragend an. Sie versuchte entschuldigend zu erklären:
„Tut mir leid. Ich weiß mit der Situation jetzt nicht umzugehen. Ich möchte dich nur bitten, jetzt zu gehen.“
Beide standen auf und zogen sich leicht verlegen wieder an. Eleonore war noch unsicher auf den Beinen. Sie strich Lutz das Haar glatt. Er hielt ihre Hand fest, führte sie an seinen Mund und liebkoste sie. Er küsste jeden Finger einzeln und sagte:
„Du hast sehr hübsche Hände“, schaute in ihr Gesicht und stellte fest:
„Du bist eine unglaublich tolle und bildhübsche Frau.“
Er küsste ihren Mund und wanderte mit den Küssen zum Hals und anschließend zum Ohr. Er biss vorsichtig ins Ohrläppchen und flüsterte:
„Sehen wir uns bald wieder?“
Eleonore musste erneut aufstöhnen. Sie begriff die Welt nicht mehr. Wie konnte ein fremder Mann daher kommen und sie so in der Hand haben. Beide schauten sich in die Augen und es gab kein Zurück mehr. Eleonore führte Lutz ins Schlafzimmer. Obwohl sich beide dieses Mal mehr Zeit nehmen wollten, gab es für sie kein Halt mehr. Sie fielen übereinander her wie Raubtiere, umschlungen sich und krallten sich mit aller Kraft fest.
Beide zogen sich an wie zwei übermächtige Magneten. Diese Empfindung, die beide gleichzeitig füreinander spürten, wirkte wie Starkstrom. Sämtliche Beherrschung entglitt den Verliebten und sie liebten sich ein zweites Mal mit einer Intensität, die beide nie für möglich gehalten hatten.
Danach riss sich Eleonore mit allen verfügbaren Kräften los, stand auf, zog sich, während Lutz sie vom Bett aus beobachtete, an und sagte:
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